Jeffrey Sachs doziert in der Basilika von Assisi

Der Päpstliche Kulturrat bekommt einen neuen Vorsitzenden

Der designierte Kardinal José Tolentino Calaça de Mendonça soll neuer „Kulturminister“ des Heiligen Stuhls werden.
Der designierte Kardinal José Tolentino Calaça de Mendonça soll neuer „Kulturminister“ des Heiligen Stuhls werden.

(Rom) 2018 berief ihn Papst Fran­zis­kus als Pre­di­ger der Fasten­ex­er­zi­ti­en an die Römi­sche Kurie. Am 26. Juni 2018 ernann­te er ihn zum Titu­lar­erz­bi­schof von Sua­va und zugleich zum Biblio­the­kar und Archi­var der Hei­li­gen Römi­schen Kir­che und damit auch zum Lei­ter des Vati­ka­ni­schen Geheim­ar­chivs. 1. Sep­tem­ber 2019 ernann­te er ihn zum Kar­di­nal. Bereits im ver­gan­ge­nen Juni wur­de er im Vati­kan als Nach­fol­ger von Kar­di­nal Gian­fran­co Rava­si an der Spit­ze des Päpst­li­chen Kul­tur­ra­tes gehan­delt. Weni­ge Tage vor der Kar­di­nal­s­kre­ierung ver­dich­ten sich die­se Stim­men.
Unter­des­sen durf­te ein „Super­star“, laut Huf­fing­ton Post, in der Basi­li­ka von Assi­si spre­chen.

Die Rede ist vom por­tu­gie­si­schen Kuri­en­erz­bi­schof José Tolen­ti­no Cala­ça de Men­don­ça, der schon mal anklin­gen ließ, die Kir­che von ihren Dog­men „befrei­en“ zu wol­len.

Die Ankün­di­gung, der desi­gnier­te Kar­di­nal wer­de „dem­nächst“ neu­er Kul­tur­mi­ni­ster des Hei­li­gen Stuhls, stammt erneut von der Tages­zei­tung Cor­reio da Man­hã (Mor­gen­ku­rier). Das por­tu­gie­si­sche Tag­blatt hat­te Glei­ches bereits Anfang Mai gemel­det.

Gestern wur­de die Nach­richt aller­dings ergänzt durch den Zusatz, daß es Kar­di­nal Rava­si selbst ist, der die bevor­ste­hen­de Ernen­nung von Msgr. Cala­ça de Men­don­ça bestä­tig­te. Ihm gegen­über habe Papst Fran­zis­kus die Beru­fung des por­tu­gie­si­schen Exege­ten zu sei­nem Nach­fol­ger ange­kün­digt, so die Tages­zei­tung.

Papst Fran­zis­kus sei beein­druckt von dem „Prie­ster­poe­ten“ und des­sen Fasten­ka­te­che­sen, wes­halb er gegen­über meh­re­ren Mit­ar­bei­tern sei­ne Absicht kund­ge­tan habe, Cala­ça de Men­don­ça an die Spit­ze des Päpst­li­chen Kul­tur­ra­tes zu beru­fen. Vor 15 Mona­ten wäre die­ser dem­nach als Biblio­the­kar und Archi­var der Hei­li­gen Kir­che nur „zwi­schen­ge­parkt“ wor­den, um bereits sei­ne Beru­fung von Por­tu­gal in den Vati­kan mög­lich zu machen.

Um Kar­di­nal Rava­si, der unter Bene­dikt XVI. in der Öffent­lich­keit stär­ker prä­sent war, haupt­säch­lich mit einer nicht unum­strit­te­nen Initia­ti­ve, wur­de es unter Papst Fran­zis­kus schnell ruhig. Er konn­te kei­nen Draht zum neu­en Kir­chen­ober­haupt fin­den, der ihn von sich fern­hielt. Ob unter Bene­dikt XVI. oder unter Fran­zis­kus: Die Bilanz der Arbeit des Kar­di­nals an der Römi­schen Kurie fällt beschei­den aus. In Erin­ne­rung blei­ben vor allem sein Brief an die „Lie­ben Brü­der Frei­mau­rer“ und sein Pach­a­ma­ma-Tanz in Argen­ti­ni­en.

Am 18. Okto­ber wird Kar­di­nal Rava­si 77 Jah­re alt. Fran­zis­kus gewähr­te ihm nach Errei­chung der kano­ni­schen Alters­gren­ze bereits zwei Zusatz­jah­re, wes­halb sei­ne Eme­ri­tie­rung all­ge­mein erwar­tet wird.

Bekannt wur­de Rava­si durch sei­ne Initia­ti­ve „Vor­hof der Völ­ker“ in Anleh­nung an den bibli­schen „Vor­hof der Hei­den“ am Jeru­sa­le­mer Tem­pel. Die Initia­ti­ve soll­te nach den Vor­stel­lun­gen von Papst Bene­dikt XVI. der Evan­ge­li­sie­rung des sich ent­christ­li­chen­den Westens die­nen und den Dia­log mit agno­sti­schen und athe­isti­schen Krei­sen suchen. Der von Rava­si thea­tra­lisch in Sze­ne gesetz­te „Dia­log“ wur­de jedoch zum Selbst­zweck. Kurz vor sei­nem über­ra­schen­den Amts­ver­zicht zog Bene­dikt XVI. die Not­brem­se und bemüh­te sich, die Initia­ti­ve wie­der auf Evan­ge­li­sie­rung­kurs zu brin­gen. Mit sei­nem nur weni­ge Wochen spä­ter erfolg­ten Rück­tritt erle­dig­te sich die Sache aller­dings, da Fran­zis­kus kein Inter­es­se dar­an zeig­te. „Die Rück­kehr der Kon­ver­ti­ten“ war ein Phä­no­men, das unter Bene­dikt XVI. greif­bar wur­de, wäh­rend sie für Fran­zis­kus weder Prio­ri­tät noch erkenn­ba­res Ziel ist.

Im Sep­tem­ber 2017 unter­nahm Kar­di­nal Rava­si noch einen Ver­such, die Initia­ti­ve zu ret­ten: Aus dem „Vor­hof der Völ­ker“ wur­de „Der Vor­hof des Fran­zis­kus“. Dabei ist der Brücken­schlag zwi­schen dem hei­li­gen Fran­zis­kus und Papst Fran­zis­kus durch­aus beab­sich­tigt. Der Papst Fran­zis­kus zeig­te sich aber nicht beein­druckt.

Wäh­rend der „Vor­hof der Völ­ker“ an den ver­schie­den­sten Orten und mehr­fach im Jahr statt­fand, gibt es vom „Vor­hof des Fran­zis­kus“ nur eine Jah­res­ver­an­stal­tung, die immer in Assi­si aus­ge­tra­gen wird. Gestern ging die bis­her drit­te Aus­ga­be zu Ende. Es ging, zeit­gei­stig, um Kli­ma­wan­del, Migra­ti­on, Mit­tel­meer­rou­te und NGOs zur See­not­ret­tung.

Für Jeffrey Sachs stellte Kardinal Ravasi die Oberkirche der Basilika von Assisi bereit
Für Jef­frey Sachs stell­te Kar­di­nal Rava­si die Ober­kir­che der Basi­li­ka von Assi­si bereit

Einer der pro­mi­nen­ten Teil­neh­mer war der UN-Chef­öko­nom Jef­frey Sachs, des­sen Ernen­nung zum Mit­glied der Päpst­li­chen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten auf­grund sei­ner neo­mal­thu­sia­ni­schen Ansich­ten höchst umstrit­ten ist. Sachs gelang­te 2015 im Zuge der Öko-Enzy­kli­ka Lau­da­to sì in den Vati­kan, als Papst Fran­zis­kus der Kir­che die UNO-Agen­da des men­schen­ver­schul­de­ten Kli­ma­wan­dels ver­ord­ne­te.

Die Huf­fing­ton Post schwärm­te für ihn und nann­te den Bera­ter des UNO-Gene­ral­se­kre­tärs am 18. Sep­tem­ber einen „Super­star“. Grund war sein Auf­tritt beim „Vor­hof des Fran­zis­kus“ 2019.

Die­ser dau­er­te sechs Tage und umfaß­te 42 Ver­an­stal­tun­gen. Mit Aus­nah­me eines geist­li­chen Kon­zerts fan­den sie alle in ver­schie­de­nen Sälen des gro­ßen Fran­zis­ka­ner­kon­vents oder auf den Plät­zen im Frei­en statt. Ein­zig für Jef­frey Sachs wur­de am 18. Sep­tem­ber die Ober­kir­che der Basi­li­ka des hei­li­gen Fran­zis­kus „frei­ge­macht“, wo er nach der Begrü­ßung und Tagungs­er­öff­nung durch den Unter­richts­mi­ni­ster der neu­en ita­lie­ni­schen Links­re­gie­rung über das Ver­hält­nis „Mensch-Erde“ und die „Nach­hal­tig­keit“ dozier­te.

Papst Fran­zis­kus berief Jef­frey Sachs als Son­der­ge­la­de­nen zur bevor­ste­hen­den Ama­zo­nas­syn­ode wie am ver­gan­ge­nen Sams­tag bekannt wur­de.

Ein nam­haf­ter, katho­li­scher Intel­lek­tu­el­ler kom­men­tier­te gestern: „Ist Jef­frey Sachs jetzt nicht nur der Auf­pas­ser des UNO-Gene­ral­se­kre­tärs, son­dern auch des Pap­stes?“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/cortiledifrancesco.it (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Wie­der ein „Glanz­licht“ der pfingst­le­ri­schen Kon­zils­kir­che.
    So sieht der Kar­di­nal der Zukunft aus, Anzug Kra­wat­te, mit moder­nen Ansich­ten, die Dog­men abschaf­fend.
    Alles nichts Neu­es, nur unter Fran­zis­kus beson­ders geför­dert.
    Es ist schon eine Kon­ti­nui­tät des Bösen, Joh 23 hat gegen bes­se­res Wis­sen (Fati­ma 3 !!) das Kon­zil ein­ge­läu­tet, Paul der 6 trotz Ver­bot (Quo pri­mum Papst Pius 5) eine Neue Mes­se (ille­gal) ein­ge­führt, Joh Paul 2 sei­nen Mar­xis­mus und die Aller­lö­sung unter das Kir­chen­volk gebracht, Bene­dikt lei­der ist „dia­lek­tisch“ katho­lisch, ja und Fran­zis­kus, völ­lig theo­lo­gie­be­freit bringt die Frei­mau­re­rei nun in der Kir­che mit Gewalt unter.
    Also wenn einer nach Kon­ti­nui­tät fragt, hier ist sie, oder anders gesagt, Kon­ti­nui­tät in das jüng­ste Gericht !

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