Radikale Partei darf Basilika doch nicht nützen

Kirchennutzung zu Busineß- und Privatzwecken

Vermietung einer Basilika an die Radikale Partei enthüllt eine Verquickung finanzieller Interessen bei der Nutzung von Kirchen.
Vermietung einer Basilika an die Radikale Partei enthüllt eine Verquickung finanzieller Interessen bei der Nutzung von Kirchen.

(Rom) Der Auf­schrei gläu­bi­ger Katho­li­ken hat­te Erfolg. Die kir­chen­feind­li­che Radi­ka­le Par­tei wird ihren Kon­greß nicht in einer Basi­li­ka abhal­ten kön­nen. Die Ver­mie­tung der Basi­li­ka an die Radi­ka­len kommt nicht zustan­de.

Die nea­po­li­ta­ni­sche Basi­li­ka San Gio­van­ni Mag­gio­re wird nach auf­wen­di­ger Restau­rie­rung seit 2012 wie­der für die hei­li­ge Lit­ur­gie genützt. Das Erz­bis­tum Nea­pel über­ließ die Nut­zung – offen­bar aus öko­no­mi­schen Grün­den – zum Teil der Stif­tung der berufs­stän­di­schen Inge­nieurs­kam­mer der Pro­vinz Nea­pel. Die­se ver­mie­te­te sie in der Ver­gan­gen­heit für Kul­tur­er­eig­nis­se wie Kon­zer­te und Kunst- oder Foto­aus­stel­lun­gen.

Von die­ser Stif­tung hat­te die „trans­na­tio­na­le“ Radi­ka­le Par­tei der bekann­ten Kir­chen­fein­de Mar­co Pan­nella und Emma Boni­no die Basi­li­ka ange­mie­tet und woll­te dar­in Anfang Novem­ber, wäh­rend Aller­hei­li­gen und Aller­see­len, ihren Par­tei­kon­greß abhal­ten. Dage­gen empör­ten sich gläu­bi­ge Katho­li­ken. Das Kir­chen­recht schließt eine Fremd­nut­zung von Kir­chen aus.

Der vor einem Jahr ernann­te Rek­tor der Kir­che, Don Sal­va­to­re Giu­lia­no, schloß sich dem Pro­test an, da er die „geteil­te“ Nut­zung der Basi­li­ka für uner­träg­lich hält und die Ver­mie­tung an eine kir­chen­feind­li­che Grup­pie­rung für „unfaß­bar“. Er kri­ti­sier­te, de fac­to in sei­ner eige­nen Kir­che nur „gedul­det“ zu sein.

Die katho­li­sche Inter­net­zei­tung La Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na (NBQ) mach­te die Sache publik.

Das Erz­bis­tum hielt sich bedeckt und bemüh­te sich um ein Gespräch zwi­schen dem Kir­chen­rek­tor und der Stif­tung. Durch die öffent­li­che Kri­tik sah sich die Erz­diö­ze­se schließ­lich doch zum Han­deln genö­tigt. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag wur­de der Kir­chen­rek­tor vom Erz­bi­schof, Cre­scen­zio Kar­di­nal Sepe, emp­fan­gen.

Der Miet­ver­trag zwi­schen der Stif­tung und der Radi­ka­len Par­tei wur­de auf­ge­löst. Don Sal­va­to­re wur­de zugleich ein Schwei­ge­ge­bot auf­er­legt und sei­ne fei­er­li­che Amts­ein­füh­rung als Kir­chen­rek­tor sine die ver­scho­ben. Kein Zwei­fel: Don Sal­va­to­re bekommt zu spü­ren, daß sei­ne muti­ge Kri­tik an der Fremd­nut­zung der Basi­li­ka, die sogar deren Ver­mie­tung an die Radi­ka­le Par­tei mög­lich mach­te, von der Diö­ze­san­lei­tung miß­bil­ligt wird.

Don Sal­va­to­re soll­te in den kom­men­den Tagen in fei­er­li­cher Zere­mo­nie als Kir­chen­rek­tor Besitz von der Basi­li­ka ergrei­fen. Wann die Amts­ein­füh­rung nun statt­fin­den wird, ist nicht bekannt. Ein neu­er Ter­min wur­de nicht fest­ge­setzt.

Bereits der Vor­gän­ger von Don Sal­va­to­re war auf­grund der untrag­ba­ren Situa­ti­on der Kir­chen­nut­zung durch die Stif­tung zurück­ge­tre­ten.

La Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na legt den Fin­ger in eine Wun­de, die auch andern­orts klafft:

„Mit der Ange­le­gen­heit von San Gio­van­ni Mag­gio­re wur­de von NBQ ein gro­ßes Pro­blem auf­ge­deckt: in Nea­pel ver­fü­gen Pri­va­te, Gesell­schaf­ten und Stif­tun­gen über die Kir­chen zu Busi­neß- und Pri­vat­zwecken.“

Eine unge­sun­de Ver­quickung kann auch dar­aus geschlos­sen wer­den, daß das Erz­bis­tum Nea­pel die Auf­kün­di­gung des Miet­ver­trags nicht öffent­lich bekannt­mach­te. Gegen­über NBQ wur­de vom Erz­bis­tum die Ver­mie­tung an die Radi­ka­le Par­tei sogar in Abre­de gestellt.

„Nach Tagen des Schwei­gens erklär­te der Spre­cher des erz­bi­schöf­li­chen Pres­se­am­tes gegen­über NBQ: ‚Eine Ver­mie­tung an die Radi­ka­le Par­tei ist uns nicht bekannt‘.“

Man wol­le offen­sicht­lich so tun, als habe es die gan­ze Ange­le­gen­heit nie gege­ben.

Auch der Vor­sit­zen­de der Radi­ka­len Par­tei, der die Abhal­tung des Par­tei­kon­gres­ses in der Basi­li­ka bekannt­ge­ge­ben und damit die Sache ins Rol­len gebracht hat­te, reagier­te auf NBQ-Anfra­ge kurz ange­bun­den:

„Nervt mich nicht!“

Februar 2016: Fremdnutzung durch die Gemeinschaft Sant'Egidio (Assisi-Treffen). Nach einem Gedenken an die Toten „auf den Straßen“ wurde die Basilika als Speisesaal genützt und ein Essen serviert.
Febru­ar 2016: Fremd­nut­zung durch die Gemein­schaft San­t’E­g­idio (Assi­si-Tref­fen). Nach einem Geden­ken an die Toten „auf den Stra­ßen“ wur­de die Basi­li­ka als Spei­se­saal genützt und ein Essen ser­viert.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: NBQ

2 Kommentare

  1. Typisch und alt­be­kannt:
    „Das Erz­bis­tum hält sich bedeckt…Das Erz­bis­tum bemüht sich um ein Gespräch…Durch öffent­li­che Kri­tik gezwun­gen, sieht das Erz­bis­tum dann doch zu han­deln gezwungen…Am Ende wird der Kir­chen­rek­tor dann doch vom Erzbisch/Kardinal emp­fan­gen und ein Schwei­ge­ge­bot auf­er­legt“.
    Erbärm­lich.
    Erst Apost­asie und Blas­phe­mie pro­du­zie­ren en mas­se und dann spä­ter betüt­telend zurück­ru­dern und etwas Kraft­meie­rei mit einem klei­nen Pfar­rer machen.
    Hoch­ver­rat kom­bi­niert mit Feig­heit und Hin­ter­list.
    Nicht sehr sym­pa­thisch.

  2. Es wird eben immer wie­der „pro­biert“:
    „Auf­re­gung um „Köni­gin von Saba“ im Stift:
    Die als Frie­dens­oper zum Nah­ost-Kon­flikt gedach­te Auf­füh­rung der „Köni­gin von Saba“ von Carl Gold­mark im Stift Klo­ster­neu­burg sorgt für Auf­re­gung. Nackt­heit und expli­zi­te sexua­li­sier­te Inhal­te sei­en in einer Kir­che nicht adäquat.
    Nach der öffent­li­chen Gene­ral­pro­be am Mitt­woch hät­te es sei­tens des Klo­sters gehei­ßen, die Insze­nie­rung kön­ne nicht statt­fin­den, so Regis­seur Peter P. Pachl. Es sei eine ent­schärf­te Ver­si­on am Don­ners­tag­abend zur Auf­füh­rung gekom­men.
    Es habe „kei­ne por­no­gra­fi­schen, sexua­li­sier­ten und ero­ti­schen Sze­nen“ gege­ben. Bei der Gene­ral­pro­be am Mitt­woch­abend sei das der Fall gewe­sen. „Es hat in einer Kir­che nichts zu suchen“, dass um den Altar her­um eine nack­te Frau im String-Tan­ga mit einem über­di­men­sio­na­len Dil­do umge­schnallt spa­zie­re, beton­te Wal­ter Hanz­mann, Spre­cher des Stifts Klo­ster­neu­burg.“

    https://religion.orf.at/stories/2991304/

    https://religion.orf.at/stories/2991359/

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