Amazonassynode: Franziskus legt Veto ein

Ungewünschte Teilnehmer fernhalten

Wer aller hat die Amazonassynode 2019 im Visier?
Wer aller hat die Amazonassynode 2019 im Visier?

(Rom/Brasilia) Die bevor­ste­hen­de Ama­zo­nas­syn­ode treibt immer neue Blü­ten. Papst Fran­zis­kus will unter den Syn­oden­teil­neh­mern weder Mini­ster noch Abge­ord­ne­te und schon gar nicht Mili­tärs sehen. „Papst ent­schei­det Veto gegen akti­ve Poli­ti­ker und Mili­tär­ver­tre­ter“, so die bra­si­lia­ni­sche Tages­zei­tung Estado De Sao Pau­lo. Was ist damit aber gemeint?

Einen Monat vor Eröff­nung der Ama­zo­nas­syn­ode, die am 5. Okto­ber begin­nen und bis zum 27. Okto­ber tagen wird, berei­tet der Vati­kan die defi­ni­ti­ve Liste der Syn­oda­len, Exper­ten und Son­der­ge­la­de­nen vor, „die an den Dis­kus­sio­nen über den Tro­pen­wald teil­neh­men wer­den“, so das links­li­be­ra­le Blatt, das die älte­ste Tages­zei­tung Bra­si­li­ens ist.

Gegen amtie­ren­de Poli­ti­ker, die ein Par­la­ments­man­dat oder ein insti­tu­tio­nel­les Amt inne­ha­ben und gegen Mili­tärs will Papst Fran­zis­kus sein Veto ein­le­gen. Die neue Staats­füh­rung von Bra­si­li­en und Staats- und Regie­rungs­chef Jair Bol­so­na­ro kri­ti­siert, daß links­ge­rich­te­te Kir­chen­krei­se zusam­men mit der poli­ti­schen Lin­ken des Lan­des die Syn­ode für „poli­ti­sche Zwecke“ miß­brau­chen wol­le. Ziel sei es, die legi­ti­me Regie­rung des Lan­des anzu­grei­fen. Der Inlands­ge­heim­dienst leg­te ent­spre­chen­de Berich­te vor.

Papst Fran­zis­kus selbst ließ in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wenig Zwei­fel dar­an, daß er an der Sei­te der sozia­li­sti­schen Arbei­ter­par­tei (PT) steht, die von Bol­so­na­ro in die Oppo­si­ti­on geschickt wur­de. Zur neu­en Rechts­re­gie­rung, die sich selbst als christ­lich defi­niert, ging Fran­zis­kus hin­ge­gen auf Distanz. Vor den Prä­si­dent­schafts- und Par­la­ments­wah­len im ver­gan­ge­nen Jahr bezeich­ne­te Fran­zis­kus den sich abzeich­nen­den Macht­wech­sel sogar als „Staats­streich mit wei­ßen Hand­schu­hen“. Mehr Ein­mi­schung in die inne­ren Ange­le­gen­hei­ten eines Staa­tes, kann man sich schwer vor­stel­len. Die Kir­che in Bra­si­li­en ist zudem seit Jahr­zehn­ten bekannt für ihre Nähe zur mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie, wes­halb ihr Mil­lio­nen von Gläu­bi­gen davon­lau­fen, die sich evan­ge­li­ka­len und pflingst­le­ri­schen Frei­kir­chen anschlie­ßen. Als der neue Staats­prä­si­dent Bol­so­na­ro Bra­si­li­en dem Unbe­fleck­ten Herz Mari­ens weih­te, zeig­ten ihm Rom und die Kir­chen­hier­ar­chie des Lan­des die kal­te Schul­ter. Der neue Vize­prä­si­dent von Bra­si­li­en sag­te im Früh­som­mer:

„Die kirch­li­chen Hier­ar­chen schei­nen athe­isti­sche Links­po­li­ti­ker zu bevor­zu­gen.“

Der Vize­prä­si­dent ist india­ni­scher Abstam­mung, stammt aus dem Staat Ama­zo­nia und gehört der Brasi­lia­ni­sche Arbei­ter­er­neue­rungs­par­tei  (PRTB) an. Alles Ele­men­te, die eigent­lich die „Kir­che mit Ama­zo­nas-Gesicht“ begei­stern soll­ten. Antô­nio Hamil­ton Mar­tins Mourã hat jedoch zwei offen­bar unver­zeih­li­che Makel: er ist ein ehe­ma­li­ger Gene­ral und ein sei­ne Par­tei ist anti­kom­mu­ni­stisch, antiglo­ba­li­stisch und natio­nal­kon­ser­va­tiv.

Das päpst­li­che Veto wur­de von Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, einem engen Ver­trau­ten von Fran­zis­kus bekannt­ge­ge­ben, der als REPAM-Vor­sit­zen­der maß­geb­li­chen Ein­fluß auf die Vor­be­rei­tung und Aus­rich­tung der Ama­zo­nas­syn­ode besitzt. Fran­zis­kus ernann­te ihn auch zum Gene­ral­re­la­tor der Syn­ode.

Hum­mes ist seit Jah­ren sei­ne pro­gres­si­ve Hal­tung bekannt. So tritt er für die Auf­wei­chung des prie­ster­li­chen Zöli­bats und die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster sowie das Frau­en­prie­ster­tum und die „Homo-Ehe“ ein. Wie Fran­zis­kus steht er der sozia­li­sti­schen Arbei­ter­par­tei (PT) nahe. Ex-Staats­prä­si­dent Igan­cio Lula da Sil­va, der seit ver­gan­ge­nem Jahr wegen Kor­rup­ti­on im Gefäng­nis sitzt, gilt für die offi­zi­el­le Kir­che in Bra­si­li­en noch immer als die poli­ti­sche Bezugs­fi­gur.

Mit der Veto-Ankün­di­gung des Pap­stes sol­len offen­bar Beden­ken einer ein­sei­ti­gen poli­ti­sche Par­tei­nah­me zer­streut wer­den. Die Fra­ge ist aller­dings, wer im Umfeld von REPAM und Papst Fran­zis­kus möch­te bra­si­lia­ni­sche Mili­tärs zur Syn­ode ein­la­den?

Artikel des Estado de Sao Paulo
Arti­kel des Estado de Sao Pau­lo

Auf­klä­rung lie­fert der Estado De Sao Pau­lo. Die bra­si­lia­ni­sche Regie­rung ließ über diplo­ma­ti­sche Kanä­le den Hei­li­gen Stuhl wis­sen, daß sie auch ger­ne eine Stim­me auf der Syn­ode hät­te, immer­hin dis­ku­tie­re dort „die gan­ze Welt“ über einen Teil von Bra­si­li­en und das ganz kon­kret über sozia­le und öko­lo­gi­sche Fra­gen. Papst Fran­zis­kus habe zudem grü­nes Licht gege­ben, als Audi­to­ren und Peri­ti  Exper­ten ein­zu­la­den, die kei­ne Kir­chen­ver­tre­tern im enge­ren oder wei­te­ren Sinn sind. Wört­lich spricht der Hei­li­ge Stuhl von „Per­sön­lich­kei­ten von Welt­rang, Wis­sen­schaft­ler und Umwelt­schüt­zer“, die an den Syn­oden­ar­bei­ten teil­neh­men wer­den.

Kar­di­nal Hum­mes begrün­de­te damit aller­dings das Veto, mit dem der Wunsch der in Kir­chen­krei­sen unge­lieb­ten, neu­en bra­si­lia­ni­schen Regie­rung zurück­ge­wie­sen wird.

„Der Papst betont sehr die Not­wen­dig­keit einer wis­sen­schaft­li­chen Grund­le­gung“ der Syn­oden­ar­bei­ten, so Kar­di­nal Hum­mes. Im Umkehr­schluß sag­te er damit, daß die­se durch die Betei­li­gung der Regie­rung, und sei es nur durch einen Ver­tre­ter unter vie­len, nicht gewähr­lei­stet sei.

Einer der „Exper­ten“, der sicher gela­den ist, ist der Kli­ma­for­scher Car­los Nob­re. Nob­re gehört zu den Ver­tre­tern der The­se von einer angeb­lich men­schen­ver­schul­de­ten Erd­er­wär­mung. Eine Rich­tung, der unge­fähr ein Drit­tel der Kli­ma­for­scher ange­hört, die über ein fak­ti­sches Medi­en­mo­no­pol ver­fügt. Er ist Mit­glied des wis­sen­schaft­li­chen Bera­ter­gre­mi­ums des UNO-Gene­ral­se­kre­tärs und wirk­te an der Aus­ar­bei­tung der Zie­le für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung, der poli­ti­schen Agen­da der UNO für die Jah­re 2015–2030 mit. Ihnen erteil­te Papst Fran­zis­kus im Sep­tem­ber 2015 im New Yor­ker Glas­pa­last der Ver­ein­ten Natio­nen sei­nen Segen. Vor allem ist Car­los Nob­re Mit­glied des World Resour­ces Insti­tu­te (WRI). Dabei han­delt es sich de fac­to um eine infor­mel­le UNO-Grün­dung und einen Bau­stein des lin­ke Estab­lish­ment-Netz­wer­kes. Gegrün­det wur­de WRI vom Neo-Mal­thu­sia­ner James Gust­ave Speth, dem ehe­ma­li­gen Chef des UNO-Ent­wick­lungs­pro­gramms (UNDP), bekannt auch durch sein Buch „Der Wan­del ist mach­bar. Mani­fest für ein neu­es Ame­ri­ka“.

Die voll­stän­di­ge Liste der Syn­oden­teil­neh­mer wird indes vom Vati­kan noch geheim­ge­hal­ten. Laut Kar­di­nal Hum­mes sol­len unge­fähr „250 Bischö­fe sowie ande­re katho­li­sche Anfüh­rer, Prie­ster und Lai­en und Ver­tre­ter der Indio-Völ­ker“ dar­an teil­neh­men.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: La voz libre/Estado De Sao Pau­lo (Screen­shots)




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