Benedikt XVI. hat erstmals den Vatikan verlassen

Überraschungsbesuch












Benedikt XVI . verließ erstmals den Vatikan, seit er sich in das Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten zurückgezogen hatte.
Benedikt XVI . verließ erstmals seit seinem Rückzug in das Kloster Mater Ecclesiae den Vatikan.

(Rom) Unvergessen ist die Declaratio vom 11. Februar 2013, mit der Papst Benedikt XVI. aus heiterem Himmel und zum Entsetzen der Gläubigen seinen Amtsverzicht bekanntgab. Als Grund nannte er „ingravescente aetate“, „infolge des vorgerückten Alters“, wie es offiziell übersetzt wurde.

Gemeint ist allerdings nicht nur der Alterungsprozeß, sondern auch die zunehmende Last des Amtes, das er nicht mehr tragen konnte oder wollte. Seither sind fast sechseinhalb Jahre vergangen. Benedikt XVI. ist inzwischen 92 Jahre alt und muß diese turbulenten Jahre miterleben, die auf seine so untypische Entscheidung folgten. Am 24. Juli verließ er erstmals den Vatikan, seit er sich in das Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten zurückgezogen hatte.

Benedikt XVI. stattete den Castelli Romani einen Überraschungsbesuch ab. Damit sind mehr als ein Dutzend Städte und Gemeinden im Hinterland der Stadt Rom Richtung Albaner Berge gemeint. Die Gegend ist wegen des günstigeren Klimas seit alters eine Sommerfrische der Römer. Das gilt auch für die Päpste, die in Castel Gandolfo ihre Sommerresidenz aufschlugen und Rom in der heißesten Zeit des Jahres verließen.

Erst Papst Franziskus verzichtete darauf und gab die Sommerresidenz auf. „Wenn der Papst nicht mehr die Castelli aufsucht…, tut es der emeritierte“, schrieb die traditionsverbundene Seite Messa in Latino.

Die Internetseite Il Mamilio berichtete am Donnerstag:

„Überraschungsbesuch des emeritierten Papstes Joseph Ratzinger in den Castelli Romani, nachdem er längere Zeit nicht mehr gekommen war. Der Weg von Benedikt XVI. an Bord eines schwarzen Mercedes mit getönten Scheiben war: die erste Etappe führte ihn von 17–18.30 Uhr zu den Päpstlichen Villen in Castel Gandolfo mit einem Gruß an das Personal samt Spaziergang durch die Gärten wie damals, als er den Großteil des Sommers in den Castelli verbrachte.
Dann begab es sich nach Rocca di Papa zum Heiligtum der Madonna del Tufo für ein Gebet und einen Gruß an den Pfarrer.
Schließlich ließ er sich nach Frascati bringen zum bischöflichen Palast, wo ihn Bischof, Msgr. Raffaello Martinelli, zu einem Privatbesuch empfing, der von einer dichten Kette von Leibwächtern der Gendarmerie und des Inspektorats des Vatikans hermetisch abgeschirmt war. In der Mensa der Kurie nahm er ein leichtes Abendessen ein.“

Begleitet wurde Benedikt XVI. von seinem persönlichen Sekretär, Msgr. Georg Gänswein. Vor Ort war auch italienische Polizei im Einsatz.

Bischof Martinelli war Mitarbeiter von Joseph Ratzinger, als dieser Präfekt der römischen Glaubenskongregation war. Den Gnadenort Unserer Lieben Frau vom Tuffstein hatte Benedikt XVI. bereits als Papst. Er ließ sich das Heiligtum zeigen, wo im 16. Jahrhundert ein Reisender des Weges kam, als ihn ein Felsbrocken zu erschlagen drohte. Er rief die Gottesmutter Maria an und wurde gerettet. Zum Dank wurde die Kirche errichtet, die zum Wallfahrtsort wurde.

Benedikt XVI. ließ sich vom Pfarrer zum Allerheiligsten im Tabernakel bringen, vor dem er sich verneigte und stille Anbetung hielt.

Die Nachricht wurde auf Anfrage von Journalisten durch den neuen Vatikansprecher Matteo Bruni bestätigt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Il Mamilio (Screenshot)

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1 Kommentar

  1. „Ingravescente aetate“ ist hier mit „infolge des vorgerückten Alters“ nur unzureichend übersetzt; angemessener wäre „infolge des beschwerlicher werdenden Alters“.
    Interessanterweise fehlt dieses Attribut (ingravescens) in allen sieben weiteren verfügbaren Sprachen. Für mich ein Hinweis, dass man sich auf die vatikanischen Übersetzer nicht voll verlassen kann.
    http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/la/speeches/2013/february/documents/hf_ben-xvi_spe_20130211_declaratio.html

    Dass Benedikt auch das Amt zu schwer wurde, damit werden Sie wohl Recht haben.

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