Neuer Vatikansprecher ernannt

Der Aufstieg von Sant'Egidio

Papst Franziskus mit Matteo Bruni, der ab 22. Juli neuer Vatikansprecher wird.

(Rom) Papst Fran­zis­kus ernann­te gestern einen neu­en Direk­tor des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes. Neu­er Vati­kan­spre­cher wird Matteo Bruni. Wie ange­kün­digt, fiel die Wahl auf einen lang­jäh­ri­gen Mit­ar­bei­ter des Pres­se­am­tes.

Matteo Bruni, 1976 in Win­che­ster in Eng­land gebo­ren, stu­dier­te Sprach­wis­sen­schaf­ten an der römi­schen Uni­ver­si­tät La Sapi­en­za. Seit 2009 ist er am vati­ka­ni­schen Pres­se­amt im Bereich der Akkre­di­tie­run­gen der Jour­na­li­sten und deren Betreu­ung tätig. Ab Dezem­ber 2013 war er für die Zulas­sung und Betreu­ung der Jour­na­li­sten ver­ant­wort­lich, die Papst Fran­zis­kus im Flug­zeug zu Aus­lands­rei­sen beglei­ten dür­fen. Ab Anfang 2016 über­nahm er die Ver­ant­wor­tung für den Bereich Media Ope­ra­ti­ons und Akkre­di­tie­run­gen und koor­di­nier­te die Medi­en­teil­nah­me an ver­schie­de­nen Ereig­nis­sen des Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit.
Matteo Bruni ist ver­hei­ra­tet und Vater einer Toch­ter. Er spricht neben Ita­lie­nisch auch Eng­lisch, Spa­nisch und Fran­zö­sisch.

Bruni löst mit 22. Juli den seit Jah­res­be­ginn inte­ri­mi­stisch das Pres­se­amt lei­ten­den Ales­san­dro Gisot­ti ab. Die Neu­er­nen­nung war not­wen­dig gewor­den, nach­dem der bis­he­ri­ge Vati­kan­spre­cher Greg Bur­ke in der Weih­nachts­ok­tav zum 31. Janu­ar sei­nen Rück­tritt erklär­te. Er und sei­ne Stell­ver­tre­te­rin reagier­ten damit auf per­so­nel­le Umbau­ten im Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reich des Vati­kans, die Papst Fran­zis­kus Mit­te Dezem­ber bekannt­ge­ben ließ.

Mit der Ernen­nung Gisot­tis war zugleich betont wor­den, daß er nur inte­ri­mi­stisch die Auf­ga­ben des Vati­kan­spre­chers und Direk­tors des Pres­se­am­tes über­nimmt. Die Suche nach einem geeig­ne­ten Nach­fol­ger von Greg Bur­ke und P. Fede­r­i­co Lom­bar­di, den bei­den bis­he­ri­gen Vati­kan­spre­chern unter Papst Fran­zis­kus, zog sich dann aber län­ger hin als erwar­tet.

Gisot­ti bedank­te sich mit einer eige­nen Pres­se­er­klä­rung für die gute Zusam­men­ar­beit und wird vor­aus­sicht­lich in sei­nen frü­he­ren Auf­ga­ben­be­reich Sozia­le Medi­en zurück­keh­ren.

Was aber hat Matteo Bruni, was Ales­san­dro Gisot­ti nicht hat?

Bruni kommt aus dem Umfeld der Gemein­schaft von Sant’Egidio, einer soge­nann­ten Neu­en Gemein­schaft, der er seit sei­ner Jugend ver­bun­den ist. Die Gemein­schaft wur­de 1968 in Rom gegrün­det und begab sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren beson­ders schnell und deut­lich auf die Linie des amtie­ren­den Pap­stes. Auf die Gemein­schaft von Sant’Egidio gehen die umstrit­te­nen inter­re­li­giö­sen Assi­si-Tref­fen mit päpst­li­cher Betei­li­gung zurück. Bekannt­heit erlang­te sie in den 90er Jah­ren durch ihre „Par­al­lel­di­plo­ma­tie“. Ihre Bedeu­tung wur­de auch Außen­ste­hen­den sicht­bar, als Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel bei ihrem Rom-Besuch 2015 auch den Haupt­sitz der Gemein­schaft besuch­te. Mit­glie­der von San­t’E­g­idio sind Kuri­en­erz­bi­schof Vin­cen­zo Paglia, der­zeit unter ande­rem Prä­si­dent der Päpst­li­chen Aka­de­mie für das Leben, und Bolo­gnas Erz­bi­schof Matteo Zup­pi.
San­t’E­g­idio führ­te in der ihr anver­trau­ten römi­schen Basi­li­ka San­ta Maria in Traste­ve­re in den 80er Jah­ren die Initia­ti­ve „Essen in der Kir­che“ ein, die natür­lich einem guten Zweck die­nen und immer poli­tisch kor­rekt sind. Unter Papst Fran­zis­kus fin­det die­se zwei­fel­haf­te Nut­zung eines Got­tes­hau­ses zuneh­men­de Ver­brei­tung. Der Papst selbst nahm 2017 in Bolo­gna mit Straf­ge­fan­ge­nen einem sol­chen Essen teil. Die bedeu­tend­ste Stadt­kir­che wur­de zu die­sem Zweck in einen Spei­se­saal umge­wan­delt.
Neben dem star­ken sozia­len Enga­ge­ment ist Sant’Egidio seit Jah­ren im inter­re­li­giö­sen Dia­log aktiv. In San­ta Maria in Traste­ve­re durf­ten mus­li­mi­sche Ima­me den Koran rezi­tie­ren, so zum Bei­spiel als „Beloh­nung“ nach der Ermor­dung von Abbé Jac­ques Hamel durch Anhän­ger der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Isla­mi­scher Staat (IS). Die Gemein­schaft unter­stützt heu­te vor allem die Migra­ti­ons­agen­da, deren wich­tig­ster Ver­tre­ter Papst Fran­zis­kus ist mit sei­ner Hal­tung der bedin­gungs­los offe­nen Gren­zen, einem „Recht“ auf Ein­wan­de­rung und einer „Pflicht“ der Staa­ten, jeden auf­neh­men zu müs­sen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Gau­cho­News (Screen­shot)