Ultraprogressive Kandidaten für die Kardinalswürde

Nächste Kardinalskreierungen

Bischof Ricardo Valenzuela mit Fernando Lugo, damals Staatspräsident von Paraguay. Lugo war zuvor Bischof von San Pedro. 2008 wurde der Befreiungstheologe von Papst Benedikt XVI. laisiert. Valenzuela und Lugo hatten beide an der Gregoriana in Rom studiert.
Bischof Ricardo Valenzuela mit Fernando Lugo, damals Staatspräsident von Paraguay. Lugo war zuvor Bischof von San Pedro. 2008 wurde der Befreiungstheologe von Papst Benedikt XVI. laisiert. Valenzuela und Lugo hatten beide an der Gregoriana in Rom studiert.

(Asun­ci­on) Bereits in den ver­gan­ge­nen Wochen hieß es, Papst Fran­zis­kus könn­te zum Monats­en­de neue Kar­di­nä­le kre­ieren. Medi­en in Para­gu­ay berich­ten, daß das süd­ame­ri­ka­ni­sche Land die­ses Mal an der Rei­he sein dürf­te, einen Kar­di­nal zu bekom­men. Wäh­rend Ende Juni als mög­li­che Zeit­punkt der Kar­di­nal­s­er­he­bun­gen unwahr­schein­li­cher wird, nimmt die Zahl ultra­pro­gres­si­ver Anwär­ter auf das Kar­di­nal­spur­pur zu. 

Die Kar­di­nä­le unter 80 Jah­ren wäh­len den Papst. Jedes Kon­si­sto­ri­um zur Kre­ierung neu­er Kar­di­nä­le, das Papst Fran­zis­kus ein­be­ruft, bedeu­tet einen kräf­ti­gen Ruck in Rich­tung einer pro­gres­si­ven Nachfolgeregelung.

Am Fest der Apo­stel­für­sten Petrus und Pau­lus ver­leiht der Papst tra­di­tio­nell den im zurück­lie­gen­den Jahr ernann­ten Metro­po­li­ten das Pal­li­um, das sicht­ba­re Zei­chen ihrer Ver­bun­den­heit mit dem Bischof von Rom und der Welt­kir­che. Im Mai ver­dich­te­ten sich die Stim­men, daß der regie­ren­de Papst die Gele­gen­heit nüt­zen könn­te, um neue Kar­di­nä­le zu kre­ieren. Der Ter­min erschien unge­wöhn­lich, weil der­zeit kein Bedarf besteht, da die Voll­zahl der Papst­wäh­ler gege­ben ist. Die­se wur­de zuletzt von Papst Johan­nes Paul II. auf 120 fest­ge­legt. Katholisches.info berich­te­te, wann die­ser Bedarf wie­der gege­ben sein wird.

In den ver­gan­ge­nen Tagen „ver­stärk­ten sich die Gerüch­te“, daß Para­gu­ay im Zuge der näch­sten Kar­di­nal­s­er­he­bun­gen einen Kar­di­nal bekom­men wer­de, so gestern die para­gu­ay­ische Tages­zei­tung ABC Color. Als mög­li­che Anwär­ter auf das Kar­di­nal­spur­pur nann­te die Zei­tung Bischof Ricar­do Valen­zue­la von Caa­cu­pé (nicht zu ver­wech­seln mit Erz­bi­schof Edmun­do Valen­zue­la von Asun­ci­on), Bischof Adal­ber­to Mar­ti­nez von Vil­lar­ri­ca und zugleich Vor­sit­zen­der der Para­gu­ay­ischen Bischofs­kon­fe­renz, und Bischof Fran­cis­co Pistil­li von Encar­naci­on. Alle drei wur­den von Papst Fran­zis­kus bereits beför­dert. Die größ­ten Chan­cen wer­den Bischof Valen­zue­la nach­ge­sagt. Vor weni­gen Wochen sei er bereits nach Rom geru­fen wor­den, um über die­ses The­ma zu spre­chen, so loka­le Stim­men. Auf Nach­fra­ge von ABC Color sag­te Bischof Valen­zue­la aller­dings „scher­zend“, es hand­le sich um „blo­ße Gerüch­te und nichts mehr“. Die Rei­se nach Euro­pa habe ihn nicht nach Rom, son­dern nach Lour­des geführt.

Der para­gu­ay­ische Epi­sko­pat ist stark befrei­ungs­theo­lo­gisch geprägt, wie der Kon­flikt um Bischof Rogelio Ricar­do Livie­res Pla­no von Ciu­dad del Este zeig­te, der eine Aus­nah­me­erschei­nung in dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Land war. Wegen Stö­rung der Ein­heit im Epi­sko­pat wur­de er 2014 von Papst Fran­zis­kus auf des­po­ti­sche Wei­se abge­setzt. Ein Gespräch ver­wei­ger­te er. Bischof Livie­res sprach von einer „Intri­ge ande­rer Bischö­fe“ und mahn­te, auch Papst Fran­zis­kus wer­de sich für die Amts­ent­he­bung ein­mal ver­ant­wor­ten müs­sen. Katholisches.info nann­te den päpst­li­chen Ein­griff den „Alp­traum die­ses Pon­ti­fi­kats: Säu­be­run­gen ohne Ver­fah­ren“. Ein Jahr spä­ter ver­starb der streit­ba­re Bischof an den Fol­gen einer Operation. 

Bischof Valen­zue­la ver­fügt über den eng­sten Kon­takt zu Papst Fran­zis­kus. Als Fran­zis­kus Bischof Livie­res absetz­te, ernann­te er Msgr. Valen­zue­la, damals im Ruf der pro­gres­siv­ste Bischof von Para­gu­ay zu sein, zum Apo­sto­li­schen Admi­ni­stra­tor von Ciu­dad del Este. Für Bischof Livie­res war die Ernen­nung eine zusätz­li­che Ohr­fei­ge zur Ohr­fei­ge der Abset­zung. Valen­zue­la, damals Bischof von Vil­lar­ri­ca, ver­trau­te Fran­zis­kus die Abwick­lung der kirch­li­chen Erneue­rung durch Bischof Livie­res an. Zur Erin­ne­rung: Bischof Livie­res, Ange­hö­ri­ger des Opus Dei und Argen­ti­ni­er wie Papst Fran­zis­kus, zog nach sei­ner Ernen­nung zum Bischof von Ciu­dad del Este als eine der ersten Maß­nah­men sei­ne Semi­na­ri­sten aus dem gemein­sa­men, gesamt­pa­ra­gu­ay­ischen Prie­ster­se­mi­nar in Asun­ci­on ab, um sie vor pro­gres­si­ven und befrei­ungs­theo­lo­gi­schen Ein­flüs­sen zu schüt­zen. Er för­der­te ver­stärkt Prie­ster­be­ru­fun­gen und in den Pfar­rei­en die eucha­ri­sti­sche Anbe­tung und den über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus. Er errich­te­te ein eige­nes Prie­ster­se­mi­nar nur für sei­ne Diö­ze­se. Obwohl das Bis­tum Ciu­dad del Este nur zehn Pro­zent der Katho­li­ken des Lan­des umfaßt, zähl­te das Prie­ster­se­mi­nar von Bischof Livie­res 70 Pro­zent aller Semi­na­ri­sten Paraguays. 

Der­zeit stamm­ten 45 Kar­di­nä­le vom ame­ri­ka­ni­schen Kontinent.

Im Zusam­men­hang mit einem ande­ren Namen, der mit Nach­druck als mög­li­cher Pur­pur­trä­ger genannt wird, der por­tu­gie­si­sche Theo­lo­ge und Kuri­en­erz­bi­schof José Tolen­ti­no Cala­ça de Men­don­ça, nann­te das Jornal Madei­ra jüngst als rea­li­sti­sche­ren Ter­min den Febru­ar 2020. Kuri­en­erz­bi­schof José Tolen­ti­no Cala­ça de Men­don­ça gehört zu jenen, die die Kir­che von ihren Dog­men “befrei­en” wollen. 

Auch der letz­te Sonn­tag im Kir­chen­jahr, das Christ­kö­nigs­fest im Novus Ordo, könn­te ein mög­li­cher Ter­min für ein Kon­si­sto­ri­um sein. Wegen der frei­wer­den­den Plät­ze im Kol­le­gi­um der Papst­wäh­ler dürf­ten die Kar­di­nal­s­er­he­bun­gen aber erst im Früh­jahr 2020 erfolgen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Pre­si­den­cia (Screen­shot)