Medjugorje: Papst Franziskus hat entschieden – wie erwartet

Die pastorale Lösung



(Rom) Papst Franziskus erlaubt Wallfahrten nach Medjugorje, ohne sich zu den tatsächlichen oder vermeintlichen Erscheinungen zu äußern. Deren Echtheit darf weiterhin nicht behauptet werden.

Die Mitteilung erfolgte nicht durch Rom, sondern in der Pfarrei von Medjugorje am gestrigen Sonntag. In der Pfarrkirche wurde eine mit dem 12. Mai datierte Erklärung des Sondervisitators für Medjugorje, Erzbischof Henryk Hoser, und des Apostolischen Nuntius für Bosnien-Herzegowina, Msgr. Luigi Pezzuto, verlesen.

Die Erklärung wurde noch am gestrigen Sonntag durch Vatikansprecher Alessandro Gisotti bestätigt.

In Medjugorje wurde verlautbart:

„Papst Franziskus hat verfügt, daß es möglich ist, Wallfahrten nach Medjugorje zu organisieren immer unter der Bedingung es zu vermeiden, daß dadurch die bekannten Ereignisse als anerkannt interpretiert werden, die noch der Prüfung durch die Kirche bedürfen, das heißt, es darf auf keine Weise Verwirrung oder Zweideutigkeit über den doktrinellen Aspekt erzeugt werden.“

Vatikansprecher Gisotti antwortete etwas später auf Journalistenfragen:

„Wie heute vormittag gemeinsam von Msgr. Henryk Hoser, Apostolischer Visitator mit Sondercharakter für die Pfarrei von Medjugorje, und vom Apostolischen Nuntius in Sarajewo, bekanntgegeben wurde, hat der Heilige Vater angeordnet, daß es möglich ist, Wallfahrten nach Medjugorje zu organisieren.
Das gilt immer unter der Bedingung, daß darauf geachtet wird, zu vermeiden, daß diese Wallfahrten als Anerkennung der bekannten Ereignisse interpretiert werden, die noch einer Prüfung durch die Kirche bedürfen. Deshalb ist zu vermeiden, daß diese Wallfahrten Verwirrung oder Zweideutigkeiten über den doktrinellen Aspekt erzeugen. Diese Aufgabe fällt allen Hirten aller Grade und Ränge zu, die nach Medjugorje reisen und dort zelebrieren oder konzelebrieren wollen, auch auf feierliche Weise.
Diese Entscheidung, die der beträchtlichen Anzahl von Menschen, die nach Medjugorje strömen und den reichen Früchten der Gnade, die davon ausgehen, Rechnung trägt, ist Teil der besonderen pastoralen Aufmerksamkeit, die der Heilige Vater dieser Wirklichkeit zukommen lassen will in der Absicht, die guten Früchte zu begünstigen und zu fördern.
Auf diese Weise wird der Apostolische Visitator leichter, Beziehungen zu den Priestern aufbauen können, die beauftragt sind, Wallfahrten nach Medjugorje zu organisieren und zuverlässige und gut vorbereitete Personen sind, denen Informationen und Anweisungen gegeben werden, um auf fruchtbare Weise diese Wallfahrten zu leiten.“

Mit der Entscheidung setzt Papst Franziskus den eingeschlagenen Weg einer pastoralen Lösung für das Phänomen Medjugorje fort. Die Pilgerströmen werden seelsorglich begleitet und geleitet, ohne eine Entscheidung über das Erscheinungsphänomen zu treffen. Durch die Entsendung des Sonderdelegaten, übernahm der Heilige Stuhl faktisch die Kontrolle und Aufsicht über die Pfarrei Medjugorje. Nun sollen auch die Pilgerströme dieser Kontrolle und Aufsicht Roms unterstellt werden. Damit soll das Wallfahrtswesen überwacht und gefördert werden, aber die Fokussierung auf das Phänomen Medjugorje zurückgedrängt werden.

Diese Vorgehensweise entspricht historisch gesehen den meisten Wallfahrtsorten, zu denen es keine kirchliche Entscheidung zum Ursprungsphänomen gibt, aber eine Anerkennung als Gebetsstätte, um den Ort in die Kirche integrieren und die seelsorgliche Betreuung der Pilger sicherstellen zu können.

Die Entscheidung bestätigt auch, daß Rom sich nach den Überprüfungen des Phänomens Medjugorje durch die sogenannte Ruini-Kommission, die ihre Arbeit Ende 2012 abgeschlossen hat, außerstande sieht, die Echtheit anzuerkennen (siehe dazu: Papst Franziskus verwirft 99 Prozent der Medjugorje-Botschaften – Der Rest müsse weiter untersucht werden.

Durch den Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. blieb die Angelegenheit liegen. Papst Franziskus ließ sich Anfang 2014 von Kardinal Camillo Ruini über die Ergebnisse der Untersuchungskommission unterrichten.

Papst Franziskus äußerte sich mehrfach negativ über Phänomene wie die „Botschaften-Flut“. Im September 2013 nannte er bei einer morgendlichen Predigt in Santa Marta Medjugorje ausdrücklich als Negativbeispiel. Gleiches wiederholte er in einem Gesprächsbuch von Alexandre Awi Mello, das im Herbst 2018 erschienen ist. Darin sagt das Kirchenoberhaupt: „Mich nervt es, wenn sie mit den Botschaften kommen“. Sinngemäß faßte Franziskus das Phänomen Medjugorje dabei mit distanzierter Nüchternheit wie folgt zusammen:

In Medjugorje wirkt Gott Wunder – trotz der Seher.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Youtube (Screenshot)

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4 Kommentare

  1. Ich verfolge die aus Medjugorje kommenden Botschaften kaum,
    deshalb meine Frage:
    Hat sich die Gottesmutter, so sie denn dort erscheinen sollte,
    je über die Missbrauchstaten in der Kirche geäußert;
    hat sie etwas zu der Situation mit einem emeritierten und einem nicht emeritierten Papst gesagt?
    Oder kommt es mehr oder weniger zu den gleichen Aussagen:
    Bekehrung, Gebet, Fasten usw., was ja auch gut und richtig ist.
    Nur würde ich mir, wenn es mir auch nicht im geringsten zusteht,
    von der Gottesmutter schon auch Aussagen zu den anderen Themen erwarten,
    die das Leben der Kirche und der Menschen darin in einem nicht zu geringen Teil betroffen und ratlos machen.
    Was sie wohl zu unserer Situation im Bistum Trier sagt?

    • Lieber Markus, wer das 3.Geheimnis von Fatima betrachtet, der hört im Kern den Abfall der Kirche vom Glauben.
      Das braucht sie nicht zu wiederholen.

  2. „Wie erwartet“ – in der Tat.
    Ob echt oder nicht, wen interessiert’s? Wichtig ist nur: Fahrt vorsichtig.
    Fürsorgepflicht des Papstes für die Gläubigen? Ach, woher.
    Eher wie bei Media-Markt: Hauptsache, ihr habt Spaß!

  3. Wunder geschehen dort gewiss viele. Leider gibt’s dort auch viel zu viel Charismatismus. Der Widersacher hat gewiss seine Hand im Spiel.

    98% aller Marienerscheinungen kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit als unecht bzw. diabolisch gewirkt ansehen. Der Widersacher äfft nach, was in Lourdes und Fatima Wesentliches gesagt wurde.

    Um M. herum gibt es einfach viel zu viele Widersprüche. Ich würde dort nicht hinfahren.

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