„Ich danke Gott, dass er mir gewährt hat, diese Besuche durchzuführen“

Mittwochskatechese von Papst Franziskus

Generalaudienz
Generalaudienz

Lie­be Brü­der und Schwe­stern,
guten Tag!

Gestern, am spä­ten Abend, bin ich von einer drei­tä­gi­gen Apo­sto­li­schen Rei­se zurück­ge­kehrt, die mich nach Bul­ga­ri­en und Nord­ma­ze­do­ni­en geführt hat. Ich dan­ke Gott, dass er mir gewährt hat, die­se Besu­che durch­zu­füh­ren, und ich dan­ke erneut den zivi­len Auto­ri­tä­ten die­ser bei­den Län­der, die mich mit gro­ßer Freund­lich­keit und Ein­satz­be­reit­schaft auf­ge­nom­men haben. Den Bischö­fen und den jewei­li­gen kirch­li­chen Gemein­schaf­ten gilt mein herz­li­ches »Dan­ke­schön« für die Wär­me und die Ehr­furcht, mit denen sie mei­ne Pil­ger­rei­se beglei­tet haben.

In Bul­ga­ri­en hat mich die leben­di­ge Erin­ne­rung an den hei­li­gen Johan­nes XXIII. gelei­tet, der 1925 als Visi­ta­tor und anschlie­ßend als Apo­sto­li­scher Dele­gat in jenes Land ein­ge­la­den war. Beseelt von sei­nem Vor­bild des Wohl­wol­lens und der Hir­ten­lie­be bin ich jenem Volk begeg­net, das beru­fen ist, eine Brücke zwi­schen Mittel‑, Ost- und Süd­eu­ro­pa zu bil­den. Mit dem Mot­to »Pacem in ter­ris« habe ich alle ein­ge­la­den, auf dem Weg der Brü­der­lich­keit zu wan­deln: Und auf die­sem Weg hat­te ich ins­be­son­de­re die Freu­de, einen Schritt vor­wärts zu gehen in der Begeg­nung mit dem Patri­ar­chen der Bul­ga­risch-Ortho­do­xen Kir­che, Neo­fit, und den Mit­glie­dern des Hei­li­gen Syn­ods. In der Tat ist es unse­re Beru­fung und Sen­dung als Chri­sten, Zei­chen und Werk­zeug der Ein­heit zu sein. Und das kön­nen wir sein mit der Hil­fe des Hei­li­gen Gei­stes, indem wir das, was uns ver­eint, dem vor­zie­hen, was uns getrennt hat oder noch immer trennt.

Das heu­ti­ge Bul­ga­ri­en ist eines der Gebie­te, die von den hei­li­gen Cyrill und Metho­di­us evan­ge­li­siert wur­den, die der hei­li­ge Johan­nes Paul II. dem hei­li­gen Bene­dikt als Patro­ne Euro­pas zur Sei­te gestellt hat. In Sofia, in der maje­stä­ti­schen Patri­ar­chal­ka­the­dra­le des hei­li­gen Alex­an­der New­ski, bin ich im Gebet vor dem hei­li­gen Bild der bei­den hei­li­gen Brü­der ver­weilt. Sie, die von grie­chi­scher Her­kunft waren, aus Thes­sa­lo­ni­ki, haben es ver­stan­den, ihre Kul­tur krea­tiv zu benut­zen, um die christ­li­che Bot­schaft an die sla­wi­schen Völ­ker wei­ter­zu­ge­ben; sie haben ein neu­es Alpha­bet geschaf­fen, mit dem sie die Bibel und die lit­ur­gi­schen Tex­te in die sla­wi­sche Spra­che über­setzt haben. Auch heu­te brau­chen wir lei­den­schaft­li­che und krea­ti­ve Evan­ge­li­sie­rer, damit das Evan­ge­li­um jene errei­chen kann, die es nicht ken­nen, und die Gebie­te, in denen die alten christ­li­chen Wur­zeln ver­trock­net sind, neu zu bewäs­sern. Mit die­sem Hori­zont habe ich zwei­mal die Eucha­ri­stie gefei­ert mit der katho­li­schen Gemein­de in Bul­ga­ri­en und sie ermu­tigt, hoff­nungs­voll und frucht­bar zu sein. Ich dan­ke noch ein­mal jenem Got­tes­volk, das mir so viel Glau­ben und Lie­be gezeigt hat.

Der letz­te Teil der Rei­se nach Bul­ga­ri­en wur­de gemein­sam mit den Ver­tre­tern der ver­schie­de­nen Reli­gio­nen durch­ge­führt: Wir haben Gott um das Geschenk des Frie­dens gebe­ten, wäh­rend eine Grup­pe von Kin­dern ent­zün­de­te Fackeln trug, Sym­bol des Glau­bens und der Hoff­nung.

* * *

In Nord­ma­ze­do­ni­en hat mich die star­ke geist­li­che Gegen­wart der hei­li­gen Mut­ter Tere­sa von Kal­kut­ta beglei­tet, die 1910 in Skop­je gebo­ren wur­de und dort, in ihrer Pfar­rei, die Sakra­men­te der christ­li­chen Initia­ti­on emp­fan­gen und gelernt hat, Jesus zu lie­ben. In die­ser Frau – zier­lich, aber vol­ler Kraft durch das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes – sehen wir das Bild der Kir­che in jenem Land und in ande­ren Rand­ge­bie­ten der Welt: eine klei­ne Gemein­de, die mit der Gna­de Chri­sti zum gast­freund­li­chen Haus wird, in dem vie­le Erquickung für ihr Leben fin­den. Bei der Gedenk­stät­te von Mut­ter Tere­sa habe ich im Bei­sein ande­rer Reli­gi­ons­füh­rer und einer gro­ßen Grup­pe armer Men­schen gebe­tet und den Grund­stein eines ihr gewid­me­ten Hei­lig­tums geseg­net.

Nord­ma­ze­do­ni­en ist seit 1991 ein unab­hän­gi­ges Land. Der Hei­li­ge Stuhl war von Anfang an bestrebt, sei­nen Weg zu unter­stüt­zen, und durch mei­nen Besuch woll­te ich vor allem sei­ne tra­di­tio­nel­le Fähig­keit ermu­ti­gen, ver­schie­de­ne eth­ni­sche und reli­giö­se Zuge­hö­rig­kei­ten auf­zu­neh­men, eben­so wie sei­ne Bemü­hun­gen um die Auf­nah­me und Unter­stüt­zung einer gro­ßen Zahl von Migran­ten und Flücht­lin­gen in der kri­ti­schen Zeit von 2015 und 2016. Dort herrscht gro­ße Auf­nah­me­be­reit­schaft, man hat ein gro­ßes Herz. Die Migran­ten schaf­fen ihnen Pro­ble­me, aber sie neh­men sie auf und lie­ben sie, und die Pro­ble­me lösen sie. Das ist etwas Groß­ar­ti­ges an die­sem Volk. Ein Applaus für die­ses Volk.

Nord­ma­ze­do­ni­en ist in insti­tu­tio­nel­ler Hin­sicht ein jun­ges Land; es ist ein klei­nes Land, das sich zu gro­ßen Hori­zon­ten öff­nen muss, ohne die eige­nen Wur­zeln zu ver­lie­ren. Dar­um war es bedeut­sam, dass gera­de dort die Begeg­nung mit den Jugend­li­chen statt­fand. Jun­gen und Mäd­chen ver­schie­de­ner christ­li­cher Kon­fes­sio­nen und auch ande­rer Reli­gio­nen – Mus­li­me bei­spiels­wei­se –, alle ver­eint in dem Wunsch, etwas Schö­nes im Leben auf­zu­bau­en. Ich habe sie ermu­tigt, einen gro­ßen Traum zu träu­men und sich uns Spiel zu brin­gen, wie die jun­ge Agnes – die zukünf­ti­ge Mut­ter Tere­sa –, die die Stim­me Got­tes hör­te, die im Gebet und im Fleisch der not­lei­den­den Brü­der und Schwe­stern spricht. Ich war beein­druckt, als ich die Schwe­stern von Mut­ter Tere­sa besucht habe: Sie waren bei den Armen, und ich war beein­druckt von der Zärt­lich­keit die­ser Frau­en, die dem Evan­ge­li­um ent­spricht. Die­se Zärt­lich­keit ent­steht aus dem Gebet, der Anbe­tung. Sie neh­men alle auf, sie füh­len sich als Schwe­stern, als Müt­ter aller, sie tun es mit Zärt­lich­keit. Oft ver­lie­ren wir Chri­sten die­se Dimen­si­on der Zärt­lich­keit, und wenn kei­ne Zärt­lich­keit da ist, wer­den wir zu ernst, sauer­töp­fisch. Die­se Schwe­stern sind sanft in der Zärt­lich­keit und üben Näch­sten­lie­be, aber Näch­sten­lie­be so wie sie ist, ohne sie zu ver­klei­den. Wenn man dage­gen Näch­sten­lie­be ohne Zärt­lich­keit, ohne Lie­be, übt, dann ist es so, als wür­den wir über das Werk der Näch­sten­lie­be einen Topf Essig gie­ßen. Nein, die Näch­sten­lie­be ist freu­dig, nicht sauer­töp­fisch. Die­se Schwe­stern sind ein gutes Bei­spiel. Gott seg­ne sie, alle.

Außer den Zeug­nis­sen der Jugend­li­chen habe ich in Skop­je auch die der Prie­ster und der geweih­ten Per­so­nen gehört. Män­ner und Frau­en, die Chri­stus ihr Leben geschenkt haben. Sie gera­ten frü­her oder spä­ter in Ver­su­chung, zu sagen: »Herr, was ist schon mein klei­nes Geschenk ange­sichts der Pro­ble­me der Kir­che und der Welt?« Dar­um habe ich sie dar­an erin­nert, dass etwas Sauer­teig den gan­zen Teig durch­säu­ert und etwas rei­nes und kon­zen­trier­tes Duft­öl die gan­ze Umge­bung mit gutem Duft durch­tränkt.

Es ist das Geheim­nis des eucha­ri­sti­schen Jesus, Same des neu­en Lebens für die gan­ze Mensch­heit. In der Mes­se, die wir auf dem Make­do­ni­ja-Platz in Skop­je gefei­ert haben, haben wir in einem Rand­ge­biet des heu­ti­gen Euro­pa das Wun­der Got­tes erneu­ert, der mit weni­gen Bro­ten und Fischen, gebro­chen und geteilt, den Hun­ger der Men­ge stillt. Sei­ner uner­schöpf­li­chen Vor­se­hung ver­trau­en wir die Gegen­wart und die Zukunft der Völ­ker an, die ich auf die­ser Rei­se besucht habe. Und ich lade euch alle ein, die Got­tes­mut­ter zu bit­ten, dass sie die­se bei­den Län­der seg­nen möge: Bul­ga­ri­en und Nord­ma­ze­do­ni­en. [Danach bete­te der Papst mit den Gläu­bi­gen auf dem Peters­platz ein Gegrü­ßet seist du Maria]

* * *

Herz­lich grü­ße ich die Pil­ger aus den Län­dern deut­scher Spra­che, ins­be­son­de­re die Schul­ge­mein­schaft der Real­schu­le St. Maria aus Nie­der­vieh­bach. Dank­bar für die Hoff­nung und Stär­kung, die ich wäh­rend mei­ner Rei­se ver­mit­teln und selbst emp­fan­gen durf­te, wün­sche ich auch euch allen, die ihr hier auf Pil­ger­rei­se seid, Kraft und Freu­de aus dem Glau­ben, aus dem Erleb­nis der Gemein­schaft mit Gott und den Men­schen.

Bild: Vatican.va (Screen­shot)