Übelpresse nach den Attentaten in Sri Lanka

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Die Selbtsmordattentäter des Islamischen Staates (IS) vor den Attentaten von Sri Lanka.
Die Selbtsmordattentäter des Islamischen Staates (IS) vor den Attentaten von Sri Lanka.

(Wien) Die Begrif­fe „Lügen­pres­se“ und „Lücken­pres­se“ ste­hen für eine Spal­tung der Gesell­schaft, die von den Mas­sen­me­di­en, auch „Leit­me­di­en“ genannt, nicht nur bil­li­gend in Kauf genom­men wird, son­dern deren wich­tig­ster Motor und Mul­ti­pli­ka­tor sie sind. Gemeint ist damit eine ein­sei­tig ver­zer­ren­de Bericht­erstat­tung, die sich selbst als poli­ti­sches Kampf­in­stru­ment ver­steht und damit selbst zum maß­geb­li­chen Herr­schafts­in­stru­ment wird. Die genann­te Begriffs­rei­hung wäre viel­leicht noch durch den Begriff „Übel­pres­se“ zu ergän­zen. Nicht nur, weil wie­der­holt auf üble Wei­se berich­tet wird, son­dern auch um den üblen Ein­druck, ja manch­mal das regel­rech­te Gefühl von Übel­keit zum Aus­druck zu brin­gen, den die­se Bericht­erstat­tung beim Medi­en­kon­su­men­ten aus­löst. Das gilt in beson­de­rer Wei­se für die öffent­lich-recht­li­chen Medi­en, die einer staat­lich fest­ge­schrie­be­nen Neu­tra­li­täts- und Infor­ma­ti­ons­pflicht unter­lie­gen. Im Gegen­zug ist jeder Bür­ger zur Zah­lung von Rund­funk­ge­büh­ren verpflichtet.

Die Übel­pres­se soll am Bei­spiel des blu­ti­gen Ter­rors auf Sri Lan­ka durch die Dschi­had-Miliz Isla­mi­scher Staat (IS) und ihre loka­len Ver­bün­den­den auf­ge­zeigt wer­den und zwar anhand der Bericht­erstat­tung des Radio­sen­ders Ö1 des Öster­rei­chi­schen Rund­funks.

ORF/Ö1 Sri Lan­ka-Schlag­zei­le vom 25. April 2019: „Mus­li­me haben Angst“.

Am ver­gan­ge­nen Oster­sonn­tag, den 21. April, spreng­ten sich zwi­schen 5 Uhr und 5.30 Uhr mor­gens Mit­tel­eu­ro­päi­scher Zeit meh­re­re Selbst­mord­at­ten­tä­ter in zwei katho­li­schen Kir­chen und einer evan­ge­li­ka­len Frei­kir­che in die Luft. Wei­te­re Angrif­fe folg­ten gegen Hotels, die vor allem von aus­län­di­schen Gästen gebucht wer­den. Nach aktu­el­lem Stand wur­den dabei 359 Men­schen getö­tet. Mehr als 500 wur­den so schwer ver­letzt, daß sie sich noch immer im Kran­ken­haus befin­den, etli­che schwe­ben in Lebensgefahr.

Zu den Atten­ta­ten bekann­te sich die Ter­ror­mi­liz Isla­mi­scher Staat (IS). Sie ver­öf­fent­lich­te zum Beweis die Namen der ins­ge­samt sie­ben Selbst­mord­at­ten­tä­ter und ein Video der­sel­ben vor einer Fah­ne des Isla­mi­schen Staa­tes.

Wie aber berich­te­te der öffent­lich-recht­li­che Öster­rei­chi­sche Rund­funk seit dem 21. April? Zum Ver­gleich wur­de jeweils das Ö1 Mor­gen­jour­nal um 7 Uhr her­an­ge­zo­gen, mit dem die Öster­rei­cher in den Tag „ent­las­sen“ werden.

21. April 2019, Ostersonntag

Die ersten Angrif­fe auf die Kir­chen lie­gen bereits zwei Stun­den zurück. Ö1 meldet:

„Bei Explo­sio­nen in zwei Kir­chen in Sri Lan­ka sind min­de­stens 80 Men­schen ver­letzt wor­den. Ein­zel­hei­ten sind noch nicht bekannt.“

Die Men­schen wer­den am Oster­sonn­tag mit der blu­ti­gen Mel­dung von töd­li­chen Angrif­fen auf die Oster­got­tes­dien­ste geweckt, mit kei­nem Wort wird jedoch etwas zu den Tätern gesagt.

22. April 2019, Ostermontag

26 Stun­den nach Beginn der grau­sa­men Atten­tats­se­rie mel­det der ORF, daß der Angriff den Chri­sten galt:

„Katho­li­ken Ziel von Extremisten“.

Immer­hin, und nicht nur „Oster­be­ten­de“, wie Hil­la­ry Clin­ton auf Twit­ter mein­te, um nicht nur die isla­mi­schen Täter, son­dern auch die christ­li­chen Opfer nicht beim Namen nen­nen zu müs­sen. Die Frau soll­te, wäre es nach 95 Pro­zent der euro­päi­schen „Leit­me­di­en“ gegan­gen, US-Prä­si­den­tin wer­den. Über die Täter der Bom­ben von Sri Lan­ka ver­liert der ORF wei­ter­hin kein Wort. Wört­lich heißt es lapidar:

 „Über den Hin­ter­grund der Anschlä­ge kann nur spe­ku­liert werden.“

23. April, Osterdienstag

50 Stun­den nach dem Angriff auf die katho­li­sche Sankt-Anto­ni­us­kir­che von Kota­hena deu­tet der ORF im Mor­gen­jour­nal erst­mals einen isla­mi­schen Hin­ter­grund der Angrif­fe an. Dies geschieht aber nur mit Vor­be­halt: Es wird von Ö1 kei­ne isla­mi­sche Täter­schaft gemel­det, son­dern ledig­lich, daß die Regie­rung von Sri Lan­ka eine „Isla­mi­sten­grup­pe ver­ant­wort­lich macht“:

„Die Regie­rung macht eine ein­hei­mi­sche Isla­mi­sten­grup­pe für die Anschlä­ge vom Oster­sonn­tag ver­ant­wort­lich, geht aber davon aus, dass die Ter­ro­ri­sten inter­na­tio­na­le Unter­stüt­zung hatten.

24. April, Mittwoch in der Osterwoche

74 Stun­den nach dem Start­schuß zum Mas­sa­ker erfährt der öster­rei­chi­sche Steu­er­zah­ler noch immer kei­ne Fak­ten über Täter und Hin­ter­grün­de. Statt­des­sen wird über das „Ver­sa­gen des Sicher­heits­ap­pa­ra­tes“ berich­tet. Der ORF berich­tet über die „Auf­ar­bei­tung der Anschlä­ge“, aber nicht über die Täter. Es heißt ledig­lich, die Atten­ta­te sei­en „mut­maß­lich von isla­mi­sti­schen Ter­ro­ri­sten aus­ge­führt wor­den“, wobei der Spre­cher „mut­maß­lich“ beson­ders betont. Eben­so nach­drück­lich fällt die Beto­nung des Wört­chens „angeb­lich“ durch den zuge­schal­te­ten Kor­re­spon­den­ten aus. „Angeb­lich“ sei­en die Atten­tä­ter isla­mi­scher Ter­ro­ri­sten, „angeb­lich“ sei der Isla­mi­sche Staat dafür ver­ant­wort­lich. Die Echt­heit des Beken­ner­vi­de­os habe „nicht über­prüft“ wer­den können.

„Bei der Auf­ar­bei­tung der Anschlä­ge am Oster­sonn­tag tritt in Sri Lan­ka immer stär­ker das Ver­sa­gen des Sicher­heits­ap­pa­ra­tes in den Mit­tel­punkt. […] Bei den Anschlä­gen auf katho­li­sche Kir­chen und Luxus­ho­tels, mut­maß­lich aus­ge­führt von isla­mi­sti­schen Ter­ro­ri­sten, sind rund 360 Men­schen getö­tet worden.

25. April, Donnerstag in der Osterwoche

Schließ­lich wur­de es in die­sem Gesamt­kon­text der Bericht­erstat­tung wirk­lich übel. Die Bür­ger, die vom öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk infor­miert wer­den soll­ten, aber seit Tagen ver­schlei­ernd statt fak­ten­be­zo­gen hin­ge­hal­ten wur­den, erfuh­ren heu­te mor­gen als Schlagzeile:

„Sri Lan­ka: Mus­li­me haben Angst vor Racheakten“ 

„Die Stadt Negom­bo in Sri Lan­ka, nörd­lich der Haupt­stadt Colom­bo, ist eine über­wie­gend von Chri­sten bewohn­te Stadt. Auch dort hat am Oster­sonn­tag ein Selbst­mord­at­ten­tä­ter in einer Kir­che einen Anschlag ver­übt. Jetzt hat die mus­li­mi­sche Min­der­heit Angst vor mög­li­chen Rache­ak­ten ihrer christ­li­chen Nachbarn.“

Wäh­rend die isla­mi­sche Täter­schaft vom ORF so gut als mög­lich unter­schla­gen wur­de, wird am fünf­ten Tag dreist der Spieß umge­dreht und in der der Bericht­erstat­tung die Mus­li­me als Opfer und die Chri­sten als poten­ti­el­le Täter prä­sen­tiert. Der Bericht­erstat­ter zitiert einen Mus­lim, der sich nicht traue, die Kin­der in die Schu­le zu schicken, denn „es könn­te ja jemand Rache nehmen“.

Die Bericht­erstat­tung über sol­che Sor­gen mag durch­aus berech­tigt sein, aber erst, wenn die eigent­li­chen, jour­na­li­sti­schen Haus­auf­ga­ben gemacht wur­den. In der auf­ge­zeig­ten Lücken­be­richt­erstat­tung wirkt die Mel­dung wie das, was die­sel­ben Medi­en anson­sten „Fake News“ schimpfen.

Aus der Lücken­pres­se wird im Gesamt­kon­text eine Übel­pres­se und sogar eine poten­ti­el­le Lügen­pres­se, denn der Hin­weis auf eine angeb­li­che christ­li­che Gewalt­be­reit­schaft im Zusam­men­hang mit dem kon­kre­ten Ter­ro­ris­mus des Isla­mi­schen Staa­tes ist im Augen­blick nur eine bös­wil­li­ge Unterstellung.

Die ORF-Redak­ti­on lie­fer­te in den auf­ge­zeig­ten Tagen den Beweis für Fak­ten­re­si­stenz und ideo­lo­gi­sche Scheu­klap­pen. Dafür ist sie sogar bereit, eine bla­ma­ble Unkennt­nis der Ver­hält­nis­se auf Sri Lan­ka zur Schau zu tra­gen, die den steu­er­geld­be­zahl­ten Redak­teu­ren aber gar nicht pein­lich scheint. 

Reli­gi­ös beken­nen sich 70 Pro­zent der Bevöl­ke­rung zum Bud­dhis­mus, mehr als 12 Pro­zent zum Hin­du­is­mus und fast zehn Pro­zent zum Islam. Die Chri­sten machen fast acht Pro­zent aus. Zwi­schen bud­dhi­sti­schen Singa­le­sen und hin­du­isti­schen Tami­len kam es in der Ver­gan­gen­heit zu einem blu­ti­gen Bür­ger­krieg. Die Chri­sten stel­len die fried­fer­tig­ste Gemein­schaft der Insel dar. Sie sind Singa­le­sen und Tami­len und ver­ste­hen sich als Brücken­bau­er. Anders zeigt sich das Bild bei den Mus­li­men, die Moors, die sich selbst als eigen­stän­di­ge eth­ni­sche Grup­pe verstehen. 

Obwohl sie kaum zehn Pro­zent stark sind, schrecken in den ver­gan­ge­nen Jah­ren neu auf­ge­tre­te­ne Moors-Grup­pen nicht vor gewalt­tä­ti­gen Angrif­fen zurück, die mit den Atten­ta­ten vom Oster­sonn­tag einen neu­en Höhe­punkt und eine neue, grau­sa­me Qua­li­tät erreicht haben.

Alle erwähn­ten Nach­rich­ten­sen­dun­gen kön­nen im ORF-Archiv noch ange­hört werden.

Text: Mar­tha Bur­ger
Bild: Youtube/Ö1/ORF (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Was den ORF betrifft
    brau­chen Sie nur in die ORF-Online-Foren reinschauen,
    wie die­se bei­den z. Bsp.:

    „Wie viel Reli­gi­on steckt noch in Ostern?“

    https://debatte.orf.at/stories/1801276/

    „Wie kann man Trump besiegen?“

    https://debatte.orf.at/stories/1801529/

    Die­se bei­den Debattenthemen
    „Trump“ und „Katho­li­sche Kirche“
    sind Dauerbrenner
    der Niedermacher-Vereinigung.

    Steckt natür­lich System dahinter.
    Trau­rig aber wahr.

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