Sexueller Mißbrauch: Vatikan ermittelt erstmals gegen einen Priester des Opus Dei

Eine Anmerkung von Francisco Fernandez de la Cigoña

Gegen Manuel Cociña y Abella, einer der angesehnsten Priester des Opus Dei, wird wegen des Verdachts des sexuellen Mißbrauchs von Seminaristen ermittelt.
Gegen Manuel Cociña y Abella, einer der angesehnsten Priester des Opus Dei, wird wegen des Verdachts des sexuellen Mißbrauchs von Seminaristen ermittelt.

(Madrid) Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ermit­telt erst­mals gegen einen Prie­ster des Opus Dei. Ihm wird vor­ge­wor­fen, in einem Prie­ster­se­mi­nar der Gemein­schaft Stu­den­ten miß­braucht zu haben. Auch in die­sem Fall geht es nicht um sexu­el­len Miß­brauch all­ge­mein, son­dern um Homo­se­xua­li­tät.

Ermit­telt wird gegen den Prie­ster Manu­el Coci­ña y Abel­la. Tat­ort soll das Cole­gio Mayor von Sevil­la sein. Tat­zeit: 2002/2003.

Coci­ña habe, so die Berich­te von Opfern, ihre Geni­ta­li­en „mas­siert“, in eini­gen Fäl­len in direk­tem Zusam­men­hang mit der Beich­te.

Der Vati­kan bestä­tigt, daß der Fall von der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on geprüft wird, die für delic­ta gra­vio­ra zustän­dig ist.

Auch die Prä­la­tur vom Hei­li­gen Kreuz und Opus Dei bestä­tig­te die Nach­richt und gab bekannt, daß dem Prie­ster bereits zum Jah­res­en­de 2018, vor­erst beschränkt auf die Zeit des Ver­fah­rens, der Kon­takt zu jun­gen Men­schen unter 30 Jah­ren unter­sagt ist und sei­ne pasto­ra­le Tätig­keit ein­ge­schränkt wur­de. Es gilt die Unschulds­ver­mu­tung.

Das Kon­takt­ver­bot nicht nur mit Min­der­jäh­ri­gen, die vom Prä­la­ten des Opus Dei aus­ge­spro­chen wur­de, ist ein erstes Bei­spiel, daß die homo­se­xu­el­le Gefahr ernst genom­men wird, die nicht nur Min­der­jäh­ri­gen, son­dern auch Semi­na­ri­sten und jun­gen Ordens­an­ge­hö­ri­gen droht.

Bis­her wird das Miß­brauchs­pro­blem in der Kir­che, auch von Papst Fran­zis­kus, weit­ge­hend als Pädo­phi­len-Pro­blem dar­ge­stellt, obwohl das eigent­li­che Pro­blem die Homo­se­xua­li­tät ist.

Manu­el Coci­ña y Abel­la war in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach als Bischof im Gespräch gewe­sen. Obwohl sein Name in Drei­er­vor­schlä­gen ent­hal­ten war, kam es zu kei­ner Ernen­nung. Die Distan­ziert­heit von Papst Fran­zis­kus gegen­über dem vom hei­li­gen Jose Maria Escri­va de Bala­guer y Albas gegrün­de­ten Opus Dei ist bekannt. Es könn­te nicht der ein­zi­ge Grund sein.

2007 wur­de Coci­ña y Abel­la Rek­tor der Basi­li­ka San Miguel in Madrid, die seit 1959 vom Opus Dei betreut wird. Damit gehör­te er zu den Anwär­tern auf das Amt des Gene­ral­obe­rer des Gesamt­wer­kes, der im Opus Dei als Prä­lat bezeich­net wird und – als ein­zi­ge Gemein­schaft der Kir­che – den Rang und die Voll­mach­ten eines Bischofs hat.

Als 2016 der Prä­lat Javier Eche­var­ria Rodri­guez starb, wur­de sein Nach­fol­ger aber nicht Coci­ña y Abel­la. Die Kar­rie­re des hoch­ran­gi­gen Opus-Dei-Ver­tre­ters hat­te eine Ker­be. Die Grün­de könn­ten mit den nun bekannt­ge­wor­de­nen Vor­wür­fen zu tun haben.

Ein Semi­na­rist, der 2002 rund um sei­nen 18. Geburts­tag in das Prie­ster­se­mi­nar der Gemein­schaft in Sevil­la ein­trat, gehör­te seit 1999 dem Opus Dei an. Wäh­rend einer Beich­te habe ihn Coci­ña miß­braucht. zwi­schen Novem­ber 2002 und Juli 2003, dem Zeit­punkt als der Stu­dent aus dem Semi­nar aus­trat, habe der Prie­ster min­de­stens sie­ben­mal sei­ne Stel­lung miß­braucht und den Semi­na­ri­sten „mas­siert“, dar­un­ter auch sei­ne Geni­ta­li­en.

Der Mann ist heu­te ver­hei­ra­tet und lebt in Chi­le. 2018 erstat­te­te er Anzei­ge, nach­dem Papst Fran­zis­kus den Anden­staat besucht hat­te. Er ist nicht der ein­zi­ge, der vom Ver­hal­ten des Pap­stes im Umgang mit dem Fall Bar­ros ent­täuscht wur­de und das zum Anlaß nahm, sei­nen eige­nen Fall bekannt zu machen.

Min­de­stens vier wei­te­re Per­so­nen haben inzwi­schen ähn­li­che Epi­so­den mit Coci­ña Y Abel­la bezeugt.

Im Okto­ber 2018 ord­ne­te der seit 2017 amtie­ren­de, neue Prä­lat des Opus Dei Ermitt­lun­gen an. Sie wur­den von Rafa­el Rodrí­guez Oca­ña durch­ge­führt. Im Dezem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res lei­te­te die Prä­la­tur die Ergeb­nis­se an die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on wei­ter. Die­se bestä­tigt Ermitt­lun­gen auf­ge­nom­men zu haben. Der Fall sei nicht nur wegen der mög­li­chen sexu­el­len Ver­feh­lun­gen schwer­wie­gend, son­dern wegen des mög­li­chen Miß­brauchs der Beich­te, heißt es dort. Der Prie­ster ris­kiert bei einem Schuld­spruch den Aus­schluß aus dem Opus Dei und die Exkom­mu­ni­ka­ti­on aus der Kir­che.

Mor­gen wird der Anklä­ger am Sitz der Prä­la­tur in Sant­ia­go de Chi­le in Anwe­sen­heit eines Anwal­tes und eines Notars ein­ver­nom­men.

Es han­delt sich um den ersten Fall, bei dem ein Prie­ster des Opus Dei beschul­digt wird. Bis­her war ein Lai­en­mit­glied, ein Nume­rari­er der Gemein­schaft, wegen sexu­el­len Miß­brauchs ver­ur­teilt wor­den. Er hat­te als Leh­rer an einer vom Opus Dei geführ­ten Schu­le unter­rich­tet. Der Fall, der 2013 auf dem Schreib­tisch der zustän­di­gen Behör­de im Vati­kan lan­de­te, 2015 archi­viert wor­den. Die spa­ni­sche Justiz aber ver­ur­teil­te den Leh­rer im Novem­ber 2018 zu elf Jah­ren Gefäng­nis.

Dra­sti­sche Wor­te zum Fall Coci­ña y Abel­la fand heu­te Fran­cis­co Fer­nan­dez de la Cigo­ña, der bekann­te­ste spa­ni­sche Kolum­nist zu Kir­chen­fra­gen. Der Fall sei ein „nach­kon­zi­lia­ren Früh­lings-Mist“.

„Und die Kon­zil­späp­ste? Einer wur­de hei­lig­ge­spro­chen, der ande­re selig. Wenn wir sie an den Früch­ten erken­nen wer­den, dann sind es ver­gif­te­te.“

Fer­nan­dez de la Cigo­ña spricht noch einen Aspekt an:

„Es gibt noch etwas, was mich an der Sache ver­wun­dert. Ich den­ke, von mei­ner Per­son sagen zu kön­nen: Wenn jemand im Alter von acht oder zehn Jah­ren ver­sucht hät­te, mich zu miß­brau­chen, wüß­te ich nicht, wie ich reagiert hät­te. Viel­leicht hät­te ich es über mich erge­hen las­sen. Wenn aber im Alter von 17 oder 18 Jah­ren ein Prie­ster ver­sucht hät­te, mei­ne Geni­ta­li­en anzu­grei­fen, hät­te er von mir einen sol­chen Tritt in die sei­nen bekom­men, daß er eine Woche lang nur mehr gekrümmt durch die Gegend gegan­gen wäre.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Reli­gi­on Digi­tal (Screen­shot)

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