Bei sozialistischen Regimen hält sich Franziskus zurück

Nikaragua, Kuba, Venezuela, Bolivien












Erste Angelobung von Daniel Ortega nach der sandinistischen Machtübernahme 1979. Im Hintergrund Fidel Castro.

(Rom) Wenn es um sozialistische Diktaturen geht, gibt sich Papst Franziskus sehr zurückhaltend. Die Zurückhaltung wird nicht als Vorsicht gesehen, um einen potentiellen größeren Schaden zu verhindern und die Ortskirche vor einer möglichen Verfolgung zu schützen. Sie wird vielmehr als mehr oder weniger offene Sympathie aufgefaßt. Die Regimevertreter bedanken sich ihrerseits, zumindest in Lateinamerika, mit öffentlich bekundeter Sympathie für das Kirchenoberhaupt.

Maduro warnte im Gegenzug die Katholiken, wachsam zu sein wegen einer „Kampagne der Weltmächte“ gegen Franziskusn und meinte auch schon, Papst Franziskus habe „der Rechten den Mund gestopft“.

In diesem Kontext wird auch die zaghafte päpstliche Kritik an Verbrechen dieser Regime gesehen. Im Zusammenhang mit Venezuelas sozialistischem Diktator Nicolas Maduro wurde Franziskus bereits im Oktober 2016 vorgeworfen, Unterdrücker statt Unterdrückte zu empfangen.

Franziskus spricht von „positiver Neutralität“, wie Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im vergangenen Februar, angesprochen auf die Lage in Venezuela, bestätigte. In diesem Sinne ist auch die zurückhaltende Äußerung zu sehen, die Franziskus gestern nach dem Angelus auf dem Petersplatz zu Nikaragua abgab.

„Seit dem 27. Februar sind in Nikaragua wichtige Gespräche im Gange um die schwere soziale und politische Krise zu lösen, in der sich das Land befindet. Ich begleite die Initiative mit dem Gebet und ermutige die Parteien so schnell als möglich eine friedliche Lösung zum Wohle aller zu finden.“

In Nikaragua regieren die Sandinisten von Daniel Ortega. Zum zweiten Mal in der Geschichte haben sie ein repressives Regime errichtet, das auch die katholische Kirche unterdrückt. Vorfälle wie das Säureattentat vom 5. Dezember 2018 auf einen Beichtvater in der Kathedrale von Managua zeigen, welches Klima im Land herrscht. Das Verhältnis zwischen dem Comandante Ortega und Franziskus wurde dadurch bisher nicht getrübt.

Während Kritiker das Verhalten des Papstes zur Lage in Nikaragua als „beschämend“ empfinden, rehabilitierte Franziskus jüngst den suspendierten Priester, marxistischen Befreiungstheologen und ehemaligen sandinistischen Minister Ernesto Cardenal (siehe auch Fernando Cardenal gestorben – Jesuit, Befreiungstheologe und Sandinist).

Der „Papst der Gesten“ handelt immer bewußt

Ortegas regierende Sandinistische Befreiungsfront (FSLN) bezeichnet sich selbst als „christlich, sozialistisch und solidarisch“.

Die Sandinisten stürzten 1979 gewaltsam das Somoza-Regime. Die Familie Somoza beherrschte seit Mitte 1936 das Land und stellte drei Staats- und Regierungschefs. Der erste Somoza, General Anastasio Somoza Garcia, hatte sich als Oberbefehlshaber der Streitkräfte gegen den Guerillaanführer General Augusto Cesar Sandino durchgesetzt. 1979 stürzten die Sandinisten, die sich auf Sandino berufen, die Somoza-Herrschaft.

Wer die politischen Machtkämpfe in Nikaragua verstehen will, muß zum Ausgangspunkt wissen, daß der Liberale Anastasio Somoza Garcia und der Sozialist Augusto Cesar Sandino zwar politische und militärische Kontrahenten waren, und beide von der jeweiligen Gegenseite ermordet wurden, Sandino 1934, Somoza 1956, aber beide geeint waren in ihrer Zugehörigkeit zur Freimaurerei. Sandino brachte es bis zum 18. Grad. Nach ihm ist eine Loge des Landes benannt. Seine revolutionäre Gesinnung fand er im Mexiko der frühen 1920er Jahre. Dort hatte soeben die freimaurerisch geführte Revolution gesiegt und war eine kirchenfeindliche Diktatur errichtet worden.

Zwei Seiten derselben Medaille
Zwei Seiten derselben Medaille

Somoza und Sandino bekämpften gemeinsam die damals führenden Konservativen im Land. Die Trennlinie zwischen beiden war ihr Verhältnis zu den USA, mit denen sich ersterer arrangierte und die letzterer bekämpfte. Die USA hatten Nikaragua von 1909 bis 1933 durch zwei Militärinterventionen besetzt und ihre Interessen durchgesetzt.

2018 gingen Demonstranten mit einem Plakat auf die Straße, daß das Ortega-Regime gleich schlecht, wenn nicht schlimmer sei als das Somoza-Regime. Den Gleichklang brachten sie in den Farben schwarz und rot, den Farben der Sandinisten, und je einer stilisierten Gesichtshälfte Ortegas und Somozas zum Ausdruck.

Siehe dazu auch:

Text: Andreas Becker
Bild: MiL/Wikicommons

Sie lesen gern Katholisches.info? Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!