Neokatechumenat erhält einen Teil des Ölberges

Neues Konferenz- und Einkehrzentrum in Jerusalem

Am Ölberg in Jerusalem entsteht ein großes Konferenz- und Einkehrzentrum des Neokatechumenalen Wegs.
Am Ölberg in Jerusalem entsteht ein großes Konferenz- und Einkehrzentrum des Neokatechumenalen Wegs.

(Jeru­sa­lem) Ein Teil des Ölber­ges in Jeru­sa­lem, ein Ort, der im Leben Jesu Chri­sti eine wich­ti­ge Rol­le spiel­te, ist in den Besitz des Neo­ka­techu­me­na­len Wegs über­ge­gan­gen.

Der Ölberg, eine Hügel­ket­te öst­lich des Tem­pel­ber­ges, spielt in der Heils­ge­schich­te eine wich­ti­ge Rol­le und ist daher für das Chri­sten­tum und das Juden­tum von beson­de­rer Bedeu­tung. Der Pro­phet Sach­ar­ja kün­dig­te an, daß der Mes­si­as über den Ölberg nach Jeru­sa­lem ein­zie­hen und im Kidron­tal am Fuß des Ölber­ges das Jüng­ste Gericht hal­ten wer­de. Des­halb befin­det sich dort ein gro­ßer jüdi­scher Fried­hof.

Wie die Evan­ge­li­en bezeu­gen, zog Jesus über den Ölberg in Jeru­sa­lem ein und bete­te dann vor sei­ner Gefan­gen­nah­me im Gar­ten von Get­se­ma­ni am Fuß der Hügel­ket­te. Von der Spit­ze des Ölber­ges erfolg­te am 40. Tag nach Chri­sti Auf­er­ste­hung auch Sei­ne Him­mel­fahrt.

Der Ölberg um 1899. Damals gab es an die 30 Prozent Christen im Heiligen Land. Heute sind es weniger als drei Prozent.
Der Ölberg um 1899. Damals gab es an die 30 Pro­zent Chri­sten im Hei­li­gen Land. Heu­te sind es weni­ger als drei Pro­zent.

Der Neo­ka­techu­me­na­le Weg wur­de 1964 von Kiko Argüel­lo und Car­men Hernán­dez in Spa­ni­en gegrün­det und gehört zu den soge­nann­ten neu­en geist­li­chen Gemein­schaf­ten in der katho­li­schen Kir­che. Die Bewe­gung ist zahl­reich und ver­fügt über einen hohen Mobi­li­sie­rungs­grad, wie die Fami­ly Days in Ita­li­en zeig­ten, mit denen für den Schutz der Kin­der, gegen Abtrei­bung und gegen die Ein­füh­rung der Gen­der-Ideo­lo­gie an den Schu­len pro­te­stiert wur­de. Umstrit­ten sind pseu­do-judai­sie­ren­de Ele­men­te und der Umgang mit der Lit­ur­gie: die Meß­ze­le­bra­ti­on in irgend­wel­chen Sälen anstatt in Kir­chen und immer am Sams­tag abend unter Umge­hung des Sonn­tags.

Wie die Pres­se­agen­tur EFE und die Tages­zei­tung La Van­guar­dia berich­ten, kauf­te die in Pana­ma ansäs­si­ge katho­li­sche Stif­tung Domus Jeru­sa­lem über eine Aus­schrei­bung in Mai­land am 31. Juli 2018 einen Teil des Ölber­ges in der Grö­ße von 5.173 Qua­drat­me­tern. Das Grund­stück gehör­te bis­her „der ita­lie­ni­schen Mon­te Tabor“. Damit dürf­te die Stif­tung San Raf­fae­le del Mon­te Tabor von Don Lui­gi Maria Ver­zè (1920–2011) gemeint sein. Das Kran­ken­hau­s­im­pe­ri­um Don Ver­zès brach 2011 zusam­men und wur­de in der Fol­ge liqui­diert, eben­so der Besitz­stand der Stif­tung.

Der Kauf­preis für das Grund­stück wird mit fünf Mil­lio­nen Euro ange­ge­ben. Die Stif­tung mit Sitz in Pana­ma schenk­te es dann dem Neo­ka­techu­me­na­len Weg. Die­se neue geist­li­che Gemein­schaft will dort „ein inter­na­tio­na­les Mis­si­ons­zen­trum im Hei­li­gen Land“ errich­ten.

Das Projekt Domus Jerusalem
Das Pro­jekt Domus Jeru­sa­lem

Meh­re­re reli­giö­se Orga­ni­sa­tio­nen hat­ten star­kes Inter­es­se an dem Grund­stück gezeigt. Des­halb sei schließ­lich eine Aus­schrei­bung gemacht wor­den. Der Inter­es­sen­ten­kreis redu­zier­te sich in der Fol­ge auf drei: die Stif­tung Domus Jeru­sa­lem, die eri­tre­isch-ortho­do­xe Kir­che und das kop­tisch-ortho­do­xe Patri­ar­chat von Alex­an­dri­en.

Über einen Mit­tels­mann für den Prie­ster Manu­el Ansel­mo Diaz Ortiz, Pfar­rer von Unse­rer Lie­ben Frau von Gua­da­lu­pe in Pana­ma, der Prä­si­dent der Stif­tung Domus Jeru­sa­lem ist, erhielt die­se den Zuschlag.

Die Stif­tung, daher auch ihr Name, wur­de mit der Absicht gegrün­det, in Jeru­sa­lem ein „neu­es Ein­kehr­haus und öku­me­ni­sches Zen­trum“ zu schaf­fen, „um Pil­ger aus aller Welt auf­zu­neh­men“. Es soll nach dem Vor­bild und den Erfah­run­gen der Domus Gali­laeae auf dem Berg der Selig­prei­sun­gen ent­ste­hen, die auch vom Neo­ka­techu­me­na­len Weg errich­tet wur­de.

Die Domus Galilaeae auf dem Berg der Seligrpreisungen
Die Domus Gali­laeae auf dem Berg der Selig­prei­sun­gen

Die Domus Gali­laeae wur­de im Hei­li­gen Jahr 2000 fer­tig­ge­stellt. Sie wird als Stu­di­en- und Kon­fe­renz­zen­trum sowie als Ein­kehr­haus geführt. Das Neo­ka­techu­me­nat nennt als Auf­ga­be die­ser Domus, „das Evan­ge­li­um im Licht der Tra­di­ti­on und der jüdi­schen Lit­ur­gie“ zu lesen, um „das Geheim­nis die­ses Vol­kes, das nicht die Exi­stenz Got­tes beweist, aber als leben­di­ger Zeu­ge sei­ne Gegen­wart im Lauf der gan­zen Geschich­te ver­kün­det“. Der Grund für die Errich­tung der Domus Gali­laeae auf dem Berg der Selig­prei­sun­gen wur­de dem Neo­ka­techu­me­na­len Weg von der Fran­zis­ka­ner­kusto­die des Hei­li­gen Lan­des zur Ver­fü­gung gestellt. Die Grund­stein­le­gung erfolg­te 1999 mit einem Frag­ment vom Grab des Apo­stels Petrus aus dem Vati­kan, das von Papst Johan­nes Paul II. geseg­net wur­de (zum Domus Gali­laeae sie­he auch Die Bekeh­rung von 1000 Juden: Was weiß der Neo­ka­techu­me­na­le Weg über das Ende der Zei­ten und ver­schweigt es?).

Ent­stan­den sei die Stif­tung Domus Jeru­sa­lem des­halb in Pana­ma, wie es aus dem Neo­ka­techu­me­nat nahe­ste­hen­den Krei­sen heißt, weil die Idee dort ent­stan­den und Pfar­rer Diaz Ortiz dort wirkt.

Modell des Projekts Domus Jerusalem
Modell des Pro­jekts Domus Jeru­sa­lem

Das Pro­jekt Domus Jeru­sa­lem wird von „zahl­rei­chen Per­sön­lich­kei­ten und Wohl­tä­tern unter­stützt“, dar­un­ter befin­den sich auch die Kar­di­nä­le Sean O’Malley von Bos­ton, Kar­di­nal Anto­nio Rou­co von Madrid und Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born von Wien, wie auf der Inter­net­sei­te des Pro­jekts zu lesen ist.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den bereits Gel­der für die Ver­wirk­li­chung des Pro­jekts gesam­melt, es fehl­te aller­dings noch das geeig­ne­te Grund­stück. Mit dem Erwerb auf dem Ölberg, nahe dem Gar­ten Get­se­ma­ni, wo Jesus nach dem Letz­ten Abend­mahl mit sei­nen Jün­gern bete­te und Todes­angst litt, ehe er ver­haf­tet wur­de, ist die letz­te Lücke geschlos­sen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Domus Jerusalem/Domus Gali­laeae (Screen­shots)

6 Kommentare

  1. Einer die­ser irgend­wie kon­ser­va­tiv anmu­ten­den, neu­en geist­li­chen Bewe­gun­gen, die sich immer öfter und immer mehr als äußerst pro­ble­ma­tisch her­aus­stel­len. Man mache sich auch bewusst, das die­se Bewe­gun­gen, zu denen auch das Opus Dei gehört, von Johan­nes Paul II. immer wie­der als Beleg für den „glau­bens­treu­en“ Auf­bruch nach Vati­ca­num II aus­ge­ge­ben wur­de.

  2. Ange­sichts des deso­la­ten Zustands von Mut­ter­kir­che sicher eine pro­phe­ti­sche Aus­sa­ge von Johan­nes Paul II. — die übri­gens in ähn­li­cher Form von Joseph Ratz­in­ger bereits in den 60er Jah­ren getä­tigt wor­den und im Buch „Salz der Erde“ noch­mal her­aus­ge­ho­ben wor­den ist: Die Zukunft der Kir­che liegt dem­nach nicht in der mit­tel­al­ter­li­chen „Mas­sen­kir­che“, son­dern in der klei­nen Gemein­schaft. Übri­gens tref­fen sich die „Neo­ka­techu­men­al­ren“ nicht in „irgend­wel­chen Sälen“, son­dern in den Gemein­de­s­ä­len, es sei denn, sie wer­den von Pfar­rern und Gemein­de­rä­ten ver­scheucht.

    • Ich fin­de es defä­ti­stisch, sich mit der Schrump­fung der Kir­che ein­fach so zufrie­den zu geben. Ver­ant­wort­lich dafür sind ja die Kle­ri­ker, die die Gläu­bi­gen mit ihren moder­ni­sti­schen Expe­ri­men­ten zur Türe hin­aus­ja­gen. Dage­gen kann man ange­hen

  3. Das Pro­blem der neu­geist­li­chen Gemein­schaf­ten heu­te liegt in der Gefahr der Sek­ten­struk­tur. Gera­de hier wach­sen sich leicht Miss­bräu­che aus, da die Abge­schie­den­heit eher halb­her­zig ist und zu sehr auf Außen­wir­kung, ob bewusst oder unbe­wusst, bedacht ist.
    Ich habe sel­ber eine neu­geist­li­che Gemein­schaft ken­nen gelernt, in der Ver­ant­wort­li­che nach außen freund­lich, herz­lich, lie­bens­wür­dig auf­tre­ten, sich nach innen aber oft­mals dik­ta­to­risch, kalt, unper­sön­lich, ver­let­zend, nicht bereit zur Kom­mu­ni­ka­ti­on, ego­zen­trisch zei­gen.
    Dies kann zu schwer­sten see­li­schen Ver­let­zun­gen füh­ren und Men­schen mit schwa­cher Psy­che, die sich in ein Abhän­gig­keits­ver­hält­nis bege­ben haben, sogar das Leben kosten.
    Das Pro­blem sind oft die Schwä­chen der wie Göt­zen ange­be­te­ten Ver­ant­wort­li­chen und Grün­der, die sich sel­ber nicht an das hal­ten, was sie leh­ren.
    Das sind aber wie gesagt nur per­sön­li­che Erfah­run­gen.

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