Dritte Anzeige gegen Nuntius in Frankreich

Sexuelle Belästigung

Emmanuel Macron mit Nuntius Luigi Ventura
Emmanuel Macron mit Nuntius Luigi Ventura

(Paris) Gegen den Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in Frank­reich, Msgr. Lui­gi Ven­tu­ra, wird eine drit­te Anzei­ge wegen sexu­el­ler Über­grif­fe ein­ge­bracht. Dies berich­te­te der fran­zö­sisch­spra­chi­ge Radio­sen­der RTL.

Laut Infor­ma­tio­nen des Sen­ders betrifft die drit­te Anzei­ge einen Vor­fall, der sich anläß­lich der Fest­lich­kei­ten zur Able­gung fei­er­li­cher Gelüb­de in einer ita­lie­ni­schen Ordens­ge­mein­schaft am ver­gan­ge­nen 11. Dezem­ber im Hotel Meu­rice in Paris zuge­tra­gen habe.

Gegen Msgr. Ven­tu­ra, seit 2009 päpst­li­cher Bot­schaf­ter in Paris, wird seit ver­gan­ge­nem 24. Janu­ar wegen sexu­el­ler Über­grif­fe ermit­telt.

Die erste Anzei­ge gegen den Apo­sto­li­schen Nun­ti­us wur­de am ver­gan­ge­nen Frei­tag durch die Tages­zei­tung Le Mon­de gemel­det. Der Pari­ser Staats­an­walt Rémy Heitz ermit­telt wegen sexu­el­ler Belä­sti­gung eines Mit­ar­bei­ters der Pari­ser Stadt­ver­wal­tung. Der Vor­fall soll sich am ver­gan­ge­nen 17. Janu­ar beim jähr­li­chen Emp­fang der Pari­ser Bür­ger­mei­ste­rin Anne Hidal­go für die zivi­len, diplo­ma­ti­schen und reli­giö­sen Ver­tre­ter zuge­tra­gen haben.

Rémy Heitz beklei­det mit Paris den pre­sti­ge­träch­tig­sten Posten eines Staats­an­wal­tes in Frank­reich. Sei­ne Ernen­nung sorg­te daher für erheb­li­ches Auf­se­hen, da Heitz gute Bezie­hun­gen zur bür­ger­li­chen Oppo­si­ti­on unter­hält. Den­noch ent­schied sich Staats­prä­si­dent Emma­nu­el Macron trotz Kri­tik aus den Rei­hen der Sozia­li­sti­schen Par­tei und lin­ker Rich­ter­krei­se für Heitz.

Zwei Tage nach der ersten Anzei­gen gegen Nun­ti­us Ven­tu­ra wur­de am ver­gan­ge­nen Mon­tag eine zwei­te Anzei­ge von AFP berich­tet. Auch das Opfer im zwei­ten Fall soll ein „Ange­stell­ter des Pari­ser Rat­hau­ses“ sein. Die sexu­el­le Zudring­lich­keit des Nun­ti­us habe sich eben­falls beim Neu­jahrs­emp­fang im Pari­ser Rat­haus zuge­tra­gen, aller­dings bereits ein Jahr zuvor. In bei­den Fäl­len habe der Nun­ti­us das Gesäß der Betrof­fe­nen berührt.

Die Ange­le­gen­heit ist pikant. Vor allem ris­kiert sie Kom­pli­ka­tio­nen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen zu pro­vo­zie­ren. Der Hei­li­ge Stuhl hat­te 2015 einen desi­gnier­ten fran­zö­si­schen Bot­schaf­ter wegen des­sen Homo­se­xua­li­tät abge­lehnt. Soll­ten sich die Vor­wür­fe gegen den Apo­sto­li­schen Nun­ti­us erhär­ten, wird der Fall auch zu einer Glaub­wür­dig­keits­fra­ge für die Kir­che.

Die Anzei­gen­wel­le ver­deut­licht, wie not­wen­dig es ist, daß beim mor­gen im Vati­kan begin­nen­den Miß­brauchs­gip­fel das Pro­blem der Homo­se­xua­li­tät im Kle­rus ange­spro­chen wird.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL