McCarrick laisiert – sein Verhältnis zu Papst Franziskus aber bleibt ungeklärt

Vor dem Sondergipfel über den sexuellen Mißbrauch im Vatikan

Papst Franziskus mit Kardinal McCarrick – ein nicht geklärtes Kapitel.
Papst Franziskus mit Kardinal McCarrick – ein nicht geklärtes Kapitel.

(Rom) Ex-Kardinal Theodore McCarrick wurde ein halbes Jahr nach der Aberkennung seiner Kardinalswürde auch aus dem Priesterstand ausgeschlossen und laisiert. Mit dieser Maßnahme war seit Wochen noch vor Beginn des vatikanischen Gipfels über den sexuellen Mißbrauchsskandal durch Kleriker gerechnet worden, der am kommenden Donnerstag beginnt.

Das vatikanische Presseamt gab am vergangenen Samstag die Laisierung McCarricks bekannt. Veröffentlicht wurde eine entsprechende Stellungnahme der römischen Glaubenskongregation, die für schwerwiegende sexuelle Vergehen zuständig ist.

McCarrick lebt seit einigen Monaten auf Anweisung Roms im Kapuzinerkloster St. Fidelis in Victoria im Staat Kansas. Trotz des Ausschlusses aus dem Klerikerstand sorgt die Kirche weiterhin für den Lebensunterhalt des in den vergangenen Jahren unter Papst Franziskus vielleicht mächtigsten Kirchenmannes aus den USA.

Gleiches ordnete Franziskus bereits zuvor für den chilenischen Schönstatt-Pater Francisco Jose Cox Huneeus an. Der emeritierte Erzbischof von La Serena im Andenstaat wurde von Papst Franziskus am 11. Oktober 2018 zusammen mit dem emeritierten Bischof von Iquique, Marco Antonio Ordenes Fernandez, laisiert. Einen Einspruch gegen seine Entscheidung erlaubte Franziskus nicht.

Mitteilung der chilenischen Provinz der Schönstattbewegung
Mitteilung der chilenischen Provinz der Schönstattbewegung

Wie die chilenische Provinz des Schönstatt-Säkularinstituts in Santiago de Chile zwei Tage später bekanntgab, wurde von Papst Franziskus mittels der Glaubenskongregation „ausdrücklich“ von der Schönstattbewegung gewünscht, daß der ehemalige Erzbischof und ehemalige Priester auch weiterhin Mitglied der Schönstattbewegung bleiben kann.

Dieses Vorgehen stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die Bedeutung der römischen Strafmaßnahmen wird dadurch wenn nicht relativiert, dann doch deutlich abgemildert. Das gilt für den ehemaligen chilenischen Erzbischof Cox ebenso wie für McCarrick. Wer weiterhin in einem Umfeld leben kann, das ihn durch Jahrzehnte als Priester, Erzbischof und Kardinal kannte, wird von diesem Umfeld aller Wahrscheinlichkeit auch weiterhin mit demselben Respekt, der seinem einstigen Rang entgegengebracht wurde, behandelt werden.

Nach wie vor nicht aufgearbeitet ist der Einfluß, den McCarrick jahrelang durch direkten Zugang zu Papst Franziskus ausüben konnte, nicht zuletzt auch bei Personalentscheidungen. Eisernes Schweigen herrscht in Rom weiterhin, was die ungeklärte Rolle von Papst Franziskus in diesem und anderen Fällen anbelangt, und inwiefern Täter von ihm geschützt wurden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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