Das Manifest des Glaubens

Das öffentliche Bekenntnis der katholischen Wahrheit durch Gerhard Kardinal Müller

Das „Manifest des Glaubens“ von Gerhard Kardinal Müller

„Euer Herz las­se sich nicht ver­wir­ren“ (Joh 14,1). Mit die­sem Vers aus dem Evan­ge­li­um beginnt Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler sein „Mani­fest des Glau­bens“, das in sie­ben Spra­chen ver­öf­fent­licht wur­de. Die­ses öffent­li­che Bekennt­nis der katho­li­schen Wahr­heit legt der Kar­di­nal ab, weil „vie­le Bischö­fe, Prie­ster, Ordens­leu­te und Lai­en der katho­li­schen Kir­che mich um ein öffent­li­ches Zeug­nis für die Wahr­heit der Offen­ba­rung gebe­ten“ haben. Die­se Bit­te ist Aus­druck einer gro­ßen Sor­ge über eine immer mehr um sich grei­fen­de Ver­wir­rung in der Glau­bens­ver­kün­di­gung. Zugleich rich­tet Kar­di­nal Mül­ler eine ern­ste Mah­nung an alle Mit­brü­der im Bischofs­amt mit Wor­ten des hei­li­gen Pau­lus aus dem Zwei­ten Brief an Timo­theus, die heu­te Lesung in der Lit­ur­gie sind.

Das „Manifest des Glaubens“

Ange­sichts sich aus­brei­ten­der Ver­wir­rung in der Leh­re des Glau­bens, haben vie­le Bischö­fe, Prie­ster, Ordens­leu­te und Lai­en der katho­li­schen Kir­che mich um ein öffent­li­ches Zeug­nis für die Wahr­heit der Offen­ba­rung gebe­ten. Es ist die urei­ge­ne Auf­ga­be der Hir­ten, die ihnen Anver­trau­ten auf den Weg des Heils zu füh­ren. Dies kann nur gelin­gen, wenn die­ser Weg bekannt ist und sie ihn sel­ber vor­an­ge­hen. Dabei gilt das Wort des Apo­stels: „Denn vor allem habe ich euch über­lie­fert, was auch ich emp­fan­gen habe“ (1 Kor 15,3). Heu­te sind vie­len Chri­sten selbst die grund­le­gen­den Leh­ren des Glau­bens nicht mehr bekannt, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum Ewi­gen Leben zu ver­feh­len. Es bleibt aber die urei­ge­ne Auf­ga­be der Kir­che, die Men­schen zu Jesus Chri­stus, dem Licht der Völ­ker, zu füh­ren (vgl. LG 1). In die­ser Lage stellt sich die Fra­ge nach Ori­en­tie­rung. Nach Johan­nes Paul II. stellt der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che eine „siche­re Norm für die Leh­re des Glau­bens“ (Fidei Depo­si­tum IV) dar. Er wur­de mit dem Ziel ver­fasst, die Brü­der und Schwe­stern im Glau­ben zu stär­ken, deren Glau­be durch die „Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus“ mas­siv in Fra­ge gestellt wird.

Wappen von Gerhard Kardinal Müller
Wap­pen von Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler

1. Der eine und dreifaltige Gott, offenbart in Jesus Christus

Der Inbe­griff des Glau­bens aller Chri­sten fin­det sich im Bekennt­nis zur Aller­hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit. Wir sind durch die Tau­fe auf den Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Gei­stes Jün­ger Jesu, Kin­der und Freun­de Got­tes gewor­den. Die Ver­schie­den­heit der drei Per­so­nen in der gött­li­chen Ein­heit (254) mar­kiert im Hin­blick auf ande­re Reli­gio­nen einen fun­da­men­ta­len Unter­schied im Got­tes­glau­ben und im Men­schen­bild. Am Bekennt­nis zu Jesus dem Chri­stus schei­den sich die Gei­ster. Er ist wah­rer Gott und wah­rer Mensch, emp­fan­gen vom Hei­li­gen Geist und gebo­ren aus der Jung­frau Maria. Das Fleisch gewor­de­ne Wort, der Sohn Got­tes, ist der ein­zi­ge Erlö­ser der Welt (679) und der ein­zi­ge Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen (846). Daher bezeich­net der erste Johan­nes­brief den­je­ni­gen als Anti­christ, der sei­ne Gott­heit leug­net (1 Joh 2,22), da Jesus Chri­stus, der Sohn Got­tes von Ewig­keit her eines Wesens ist mit Gott, Sei­nem Vater (663). Mit kla­rer Ent­schie­den­heit ist dem Rück­fall in alte Häre­si­en ent­ge­gen­zu­tre­ten, die in Jesus Chri­stus nur einen guten Men­schen, Bru­der und Freund, einen Pro­phe­ten und Mora­li­sten sahen. Er ist zu aller­erst das Wort, das bei Gott war und Gott ist, der Sohn des Vaters, der unse­re mensch­li­che Natur ange­nom­men hat, um uns zu erlö­sen und der kom­men wird zu rich­ten die Leben­den und die Toten. Ihn allein beten wir in der Ein­heit mit dem Vater und dem Hei­li­gen Geist als den ein­zi­gen und wah­ren Gott an (691).

2. Die Kirche

Jesus Chri­stus hat die Kir­che als sicht­ba­res Zei­chen und Werk­zeug des Heils gegrün­det, die in der katho­li­schen Kir­che ver­wirk­licht ist (816). Er gab sei­ner Kir­che, die „aus der Sei­te des am Kreuz ent­schla­fe­nen Chri­stus“ her­vor­ge­gan­gen ist (766), eine sakra­men­ta­le Ver­fas­sung, die bis zur Voll­endung bleibt (765). Chri­stus, das Haupt, und die Gläu­bi­gen als Glie­der des Lei­bes sind eine mysti­sche Per­son (795), wes­halb die Kir­che hei­lig ist, denn der ein­zi­ge Mitt­ler hat ihr sicht­ba­res Gefü­ge ver­fasst und erhält sie unab­läs­sig (771). Durch sie wird das Erlö­sungs­werk Chri­sti in Zeit und Raum gegen­wär­tig in der Fei­er der hei­li­gen Sakra­men­te, vor allem im eucha­ri­sti­schen Opfer, der hei­li­gen Mes­se (1330). Die Kir­che ver­mit­telt mit der Auto­ri­tät Chri­sti die gött­li­che Offen­ba­rung, die sich auf alle Ele­men­te der Leh­re erstreckt, „ein­schließ­lich der Sit­ten­leh­re, ohne wel­che die Heils­wahr­hei­ten des Glau­bens nicht bewahrt, dar­ge­legt und beob­ach­tet wer­den kön­nen“ (2035).

3. Sakramentale Ordnung

Die Kir­che ist in Jesus Chri­stus das all­um­fas­sen­de Sakra­ment des Heils (776). Sie reflek­tiert nicht sich selbst, son­dern das Licht Chri­sti, das auf ihrem Ant­litz wider­scheint. Dies geschieht nur dann, wenn weder eine Mehr­heit, noch der Zeit­geist, son­dern die in Jesus Chri­stus geof­fen­bar­te Wahr­heit zum Bezugs­punkt wird, denn Chri­stus hat der katho­li­schen Kir­che die Gna­den- und Wahr­heits­fül­le anver­traut (819): Er selbst ist in den Sakra­men­ten der Kir­che gegen­wär­tig.

Die Kir­che ist kein von Men­schen gegrün­de­ter Ver­ein, über des­sen Struk­tur sei­ne Mit­glie­der nach Belie­ben abstim­men. Sie ist gött­li­chen Ursprungs. „Chri­stus selbst ist der Urhe­ber des Amtes in der Kir­che. Er hat es ein­ge­setzt, ihm Voll­macht und Sen­dung, Aus­rich­tung und Ziel­set­zung gege­ben“ (874). Die Mah­nung des Apo­stels gilt bis heu­te, dass ver­flucht sei, wer ein ande­res Evan­ge­li­um ver­kün­det, „auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Him­mel“ (Gal 1,8). Die Ver­mitt­lung des Glau­bens ist unlös­bar mit der mensch­li­chen Glaub­wür­dig­keit sei­ner Boten ver­bun­den, die in eini­gen Fäl­len die ihnen Anver­trau­ten im Stich gelas­sen, sie ver­un­si­chert und ihren Glau­ben schwer geschä­digt haben. Hier trifft das Wort der Schrift die­je­ni­gen, die der Wahr­heit kein Gehör schen­ken und sich nach eige­nen Wün­schen rich­ten, die den Ohren schmei­cheln, weil sie die gesun­de Leh­re nicht ertra­gen (vgl. 2 Tim 4,3–4).

Auf­ga­be des Lehr­am­tes der Kir­che ist es, das „Volk vor Ver­ir­run­gen und Glau­bens­schwä­che zu schüt­zen“, um „den ursprüng­li­chen Glau­ben irr­tums­frei zu beken­nen“ (890). Dies gilt beson­ders im Hin­blick auf alle sie­ben Sakra­men­te. Die hl. Eucha­ri­stie ist „Quel­le und Höhe­punkt des gan­zen christ­li­chen Lebens“ (1324). Das eucha­ri­sti­sche Opfer, in dem uns Chri­stus in sein Kreu­zes­op­fer ein­be­zieht, zielt auf die innig­ste Ver­ei­ni­gung mit Chri­stus (1382). Daher mahnt die Hei­li­ge Schrift im Hin­blick auf den Emp­fang der hl. Kom­mu­ni­on: „Wer also unwür­dig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schul­dig am Leib und am Blut des Herrn“ (1 Kor 11,27). „Wer sich einer schwe­ren Sün­de bewusst ist, muss das Sakra­ment der Buße emp­fan­gen, bevor er die Kom­mu­ni­on emp­fängt“ (1385). Von der inne­ren Logik des Sakra­men­tes ver­steht sich, dass stan­des­amt­lich wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne, deren sakra­men­ta­le Ehe vor Gott besteht, nicht voll mit dem katho­li­schen Glau­ben und der Kir­che ver­bun­de­ne Chri­sten, wie alle, die nicht ent­spre­chend dis­po­niert sind, die hei­li­ge Eucha­ri­stie nicht frucht­bar emp­fan­gen (1457), weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht. Dar­auf hin­zu­wei­sen ent­spricht den gei­sti­gen Wer­ken der Barm­her­zig­keit.

Das Bekennt­nis der Sün­den in der hei­li­gen Beich­te wenig­stens ein­mal im Jahr gehört zu den Kir­chen­ge­bo­ten (2042). Wenn die Gläu­bi­gen ihre Sün­den nicht mehr beken­nen und die Los­spre­chung von ihren Sün­den erfah­ren, dann läuft die Erlö­sung ins Lee­re, schließ­lich ist Jesus Chri­stus Mensch gewor­den, um uns von unse­ren Sün­den zu erlö­sen. Auch für die schwe­ren und läss­li­chen Sün­den, die wir nach der Tau­fe bege­hen, gilt die Voll­macht der Ver­ge­bung, die der auf­er­stan­de­ne Herr den Apo­steln und ihren Nach­fol­ger im Bischofs- und Prie­ster­amt über­tra­gen hat. Die aktu­el­le Beicht­pra­xis lässt deut­lich wer­den, dass das Gewis­sen der Gläu­bi­gen nicht aus­rei­chend geformt ist. Got­tes Barm­her­zig­keit ist uns geschenkt, dass wir sei­ne Gebo­te erfül­len, um dadurch eins zu wer­den mit sei­nem hei­li­gen Wil­len und nicht, damit wir der For­de­rung zur Umkehr aus­wei­chen (1458).

„Der Prie­ster setzt auf Erden das Erlö­sungs­werk fort“ (1589). Die Prie­ster­wei­he „ver­leiht ihm eine hei­li­ge Voll­macht“ (1592), die uner­setz­bar ist, denn durch sie wird Jesus Chri­stus in sei­nem Heils­han­deln sakra­men­tal gegen­wär­tig. Daher ent­schei­den sich Prie­ster frei­wil­lig für den Zöli­bat als „Zei­chen des neu­en Lebens“ (1579). Es geht um die Selbst­hin­ga­be im Dienst Chri­sti und Sei­nes kom­men­den Rei­ches. Im Hin­blick auf den Emp­fang der Wei­he in den drei Stu­fen die­ses Amtes weiß sich die Kir­che „durch [die] Wahl, die der Herr selbst getrof­fen hat, gebun­den. Dar­um ist es nicht mög­lich, Frau­en zu wei­hen“ (1577). Hier eine Dis­kri­mi­nie­rung der Frau zu unter­stel­len, zeigt nur das Unver­ständ­nis für die­ses Sakra­ment, bei dem es nicht um irdi­sche Macht geht, son­dern um die Reprä­sen­ta­ti­on Chri­sti, des Bräu­ti­gams der Kir­che.

4. Das sittliche Gesetz

Glau­be und Leben gehö­ren untrenn­bar zusam­men, denn Glau­be ohne Wer­ke, die im Herrn getan wer­den, ist tot (1815). Das sitt­li­che Gesetz ist Werk der gött­li­chen Weis­heit und führt den Men­schen zur ver­hei­ße­nen Selig­keit (1950). Dem­zu­fol­ge ist die Kennt­nis des gött­li­chen und natür­li­chen Sit­ten­ge­set­zes not­wen­dig, „um das Gute zu tun und sein Ziel zu errei­chen“ (1955). Sei­ne Beach­tung ist für alle Men­schen guten Wil­lens heils­not­wen­dig. Denn wer in Tod­sün­de stirbt, ohne bereut zu haben, wird für immer von Gott getrennt sein (1033). Dies führt zu prak­ti­schen Kon­se­quen­zen im Leben der Chri­sten, von denen vie­le heu­te ver­dun­kelt sind (vgl. 2270–2283; 2350–2381). Das sitt­li­che Gesetz ist nicht eine Last, son­dern Teil jener befrei­en­den Wahr­heit (vgl. Joh 8,32), durch die der Christ den Weg des Heils geht und die nicht rela­ti­viert wer­den darf.

5. Das Ewige Leben

Vie­le fra­gen sich heu­te, wofür die Kir­che eigent­lich noch da ist, wenn sich auch Bischö­fe lie­ber in der Rol­le als Poli­ti­ker gefal­len, denn als Leh­rer des Glau­bens das Evan­ge­li­um ver­kün­den. Der Blick darf nicht durch Neben­säch­lich­kei­ten ver­wäs­sert, son­dern das Pro­pri­um der Kir­che muss the­ma­ti­siert wer­den. Jeder Mensch hat eine unsterb­li­che See­le, die im Tod vom Leib getrennt wird, indem er auf die Auf­er­ste­hung der Toten hofft (366). Der Tod lässt die Ent­schei­dung des Men­schen für oder gegen Gott defi­ni­tiv wer­den. Jeder muss sich unmit­tel­bar nach dem Tod dem beson­de­ren Gericht stel­len (1021). Ent­we­der ist noch eine Läu­te­rung not­wen­dig oder der Mensch gelangt unmit­tel­bar in die himm­li­sche Selig­keit und darf Gott von Ange­sicht zu Ange­sicht schau­en. Es gibt auch die schreck­li­che Mög­lich­keit, dass ein Mensch bis zuletzt im Wider­spruch zu Gott ver­harrt und indem er sich Sei­ner Lie­be defi­ni­tiv ver­wei­gert, „sich selbst sogleich und für immer ver­dammt“ (1022). „Gott hat uns erschaf­fen ohne uns, er woll­te uns aber nicht ret­ten ohne uns“ (1847). Die Ewig­keit der Höl­len­stra­fe ist eine furcht­ba­re Wirk­lich­keit, die – nach dem Zeug­nis der Hei­li­gen Schrift – sich alle zuzie­hen die „im Stand der Tod­sün­de ster­ben“ (1035). Der Christ geht durch das enge Tor, denn „weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Ver­der­ben führt, und es sind vie­le, die auf ihm gehen“ (Mt 7,13).

Die­se und ande­re Glau­bens­wahr­hei­ten zu ver­schwei­gen und die Men­schen ent­spre­chend zu leh­ren ist der schlimm­ste Betrug, vor dem der Kate­chis­mus mit Nach­druck warnt. Er stellt die letz­te Prü­fung der Kir­che dar und führt den Men­schen zu einem reli­giö­sen Lügen­wahn, um „den Preis ihres Abfalls von der Wahr­heit“ (675); es ist der Betrug des Anti­christs. „Er wird jene, die ver­lo­ren gehen, mit allen Mit­teln der Unge­rech­tig­keit täu­schen; denn sie haben sich der Lie­be zur Wahr­heit ver­schlos­sen, durch die sie geret­tet wer­den soll­ten“ (2 Thess 2,10).

Aufruf

Als Arbei­ter im Wein­berg des Herrn haben wir alle die Ver­ant­wor­tung, die­se grund­le­gen­den Wahr­hei­ten in Erin­ne­rung zu rufen, indem wir an dem fest­hal­ten, was wir sel­ber emp­fan­gen haben. Wir wol­len Mut machen, den Weg Jesu Chri­sti mit Ent­schie­den­heit zu gehen, um durch die Befol­gung Sei­ner Gebo­te das ewi­ge Leben zu erlan­gen (2075).

Bit­ten wir den Herrn, Er möge uns erken­nen las­sen, wie groß das Geschenk des katho­li­schen Glau­bens ist, durch den sich die Tür zum Ewi­gen Leben öff­net. „Denn wer sich vor die­ser treu­lo­sen und sün­di­gen Genera­ti­on mei­ner und mei­ner Wor­te schämt, des­sen wird sich auch der Men­schen­sohn schä­men, wenn er mit den hei­li­gen Engeln in der Hoheit sei­nes Vaters kommt“ (Mk 8,38). Daher set­zen wir uns ein für die Stär­kung des Glau­bens, indem wir die Wahr­heit beken­nen, die Jesus Chri­stus sel­ber ist.

Gera­de wir Bischö­fe und Prie­ster sind ange­spro­chen, wenn Pau­lus, der Apo­stel Jesu Chri­sti, sei­nem Mit­strei­ter und Nach­fol­ger Timo­theus die­se Mah­nung mit auf den Weg gibt: „Ich beschwö­re dich bei Gott und bei Jesus Chri­stus, dem kom­men­den Rich­ter der Leben­den und Toten, bei sei­nem Erschei­nen und sei­nem Reich: Ver­kün­de das Wort, tritt auf, ob gele­gen oder unge­le­gen, über­füh­re, wei­se zurecht, ermah­ne in aller Geduld und Beleh­rung. Denn es wird eine Zeit kom­men, in der man die gesun­de Leh­re nicht erträgt, son­dern sich nach eige­nen Begier­den Leh­rer sucht, um sich die Ohren zu kit­zeln; und man wird von der Wahr­heit das Ohr abwen­den, sich dage­gen Fabelei­en zuwen­den. Du aber sei in allem nüch­tern, ertra­ge das Lei­den, ver­rich­te dein Werk als Ver­kün­der des Evan­ge­li­ums, erfül­le dei­nen Dienst!“ (2 Tim 4,1–5).

Möge Maria, die Mut­ter Got­tes, uns die Gna­de erfle­hen, am Bekennt­nis zur Wahr­heit Jesu Chri­sti ohne Wan­ken fest­zu­hal­ten.

Im Glau­ben und Gebet ver­bun­den

Gerhard Cardinal Müller

Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re von 2012–2017

Bild: MiL/Wikicommons




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9 Kommentare

  1. Nach Sru­di­um der Dog­ma­tik Kar­di­nal Mül­lers ist mir an kei­ner Stel­le auf­ge­fal­len, dass er die Jung­fräu­lich­keit Mari­ens leug­net. Im Gegen­teil: in die­sem umfang­rei­chen Werk sagt er ein­deu­tig und völ­lig unmiss­ver­ständ­lich, dass Maria all­zeit rei­ne Jung­frau war.

    Das möch­te ich an die­ser Stel­le noch ein­mal rich­tig stel­len, da in einem ver­gan­ge­nen Kom­men­tar eines Users, der sich auf die Jung­fräu­lich­keit Mari­ens bezog, behaup­tet wur­de, Mül­ler leug­ne die Jung­fräu­lich­keit.

    Nein, er tut es nicht. Viel­mehr unter­sucht er voll­kom­men ortho­dox die Argu­men­te gegen eine Jung­fräu­lich­keit — und ent­krä­fet sich alle ohne Aus­nah­me voll­stän­dig.

    Auch dies­mal gibt Mül­ler der „gro­ßen Sor­ge über eine immer mehr um sich grei­fen­de Ver­wir­rung in der Glau­bens­ver­kün­di­gung“ sei­ne Stim­me als wah­rer Leh­rer und Hir­te des Evan­ge­li­ums Jesu Chri­sti.

    Der Papst hin­ge­gen rich­tet ein Pseu­do­evan­ge­li­um auf sehr sub­ti­le Art auf.

    An die­ser Stel­le möch­te ich auf die „Phi­lo­ka­lie der Väter der Nüch­tern­heit“ ver­wei­sen. In den lei­der Got­tes sehr teu­ren Bän­den (279 Euro), die es aber auch frei zugäng­lich im Netz unter dem Stich­wort ‚Phi­lo­ka­lia‘ als Pdf in eng­li­scher Spra­che gibt, fin­det der Geist alles, was er an Nah­rung braucht, um zum wah­ren katho­li­schen Glau­bens­my­ste­ri­um zurück­zu­fin­den.

    Ich sel­ber fand den Hin­weis auf die ‚Phi­lo­ka­lie‘ in dem vor­züg­li­che Buch ‚Auf­rich­ti­ge Erzäh­lung eines rus­si­schen Pil­gers‘.

    • Schön wäre es. Sie ver­ste­hen wahr­schein­lich nur nicht die neu-theo­lo­gisch, rah­ner­haft ver­klau­su­lier­ten For­mu­lie­run­gen nicht. Auch Mül­lers mehr popu­lä­res Buch über die Mes­se ent­hält über­aus bedenk­li­che Pas­sa­gen.

  2. Dan­ke, Kar­di­nal Müler! Das Kar­di­nal Kas­per schäumt, ver­steht sich von selbst. Etwas ande­res hät­te ich von die­sem Moder­ni­sten auch nicht erwar­tet. Gott ste­he sei­ner Kir­che bei in die­ser Zeit der Ver­wir­rung und des von „höch­sten“ Kir­chen­krei­sen ver­tre­te­nen Rela­ti­vis­mus.

  3. Dan­ke für den Hin­weis. Immer wie­der ist die­se Behaup­tung auf­ge­taucht, was mich sehr ver­wun­der­te.

    Weil ich schon lan­ge über die Unver­sehrt­heit Mari­ens nach­den­ke, bei der Resl von Kon­ners­reuth die Beschrei­bung fand, daß Maria kniend Jesus in ihre Hän­de emp­fing und ihn abtrock­ne­te, war das Kind nicht mit Kinds­schmie­re ver­se­hen. Die­se ermög­licht das Glei­ten.

    Für mich steht fest: Eben­so, wie Jesus über­na­tür­lich in Maria gezeugt wur­de, ist er über­na­tür­lich aus ihr her­vor gegan­gen. Mein jun­ger Nach­bar, kein Kirch­gän­ger, hat sofort geschal­tet, als ich anfing: „Wenn Gott die Welt geschaf­fen hat, dann soll es ihm nicht mög­lich sein, in einer Jung­frau ein Kind zu zeu­gen?“

    Lau­fen nur noch unwil­lig Denk­fau­le her­um?

  4. @Christoph Hagen, @Clemens Vic­tor Olden­dorf: Ich habe die Sei­te 498 und den ange­führ­ten Link noch ein­mal gele­sen.
    Rah­ners Spra­che ist wie immer mehr­deu­tig. Mül­ler zitiert Rah­ner auf S. 499 oben.
    Ich muss zunächst sagen, dass ich mich bis­her in mei­ner Vor­stel­lungs­welt nur inso­fern mit dem Begriff der Jung­fräu­lich­keit Mari­ens aus­ein­an­der­ge­setzt habe, soweit die­sel­be bezo­gen ist auf den Zei­gungs­vor­gang und dar­über hin­aus die ‚gei­sti­ge‘ Jung­fäu­lich­keit. Maria hat alle unzüch­ti­gen Gedan­ken immer sofort zurück­ge­wie­sen, so dass nie­mals Begier­de oder Wol­lust in ihr ent­ste­hen konn­te.

    Dass nun aber die Jung­fräu­lich­keit Mari­ens sogar die kör­per­lich-bio­lo­gi­che Unver­sehrt­heit betref­fen müs­se, so dass Maria mit Recht auch wei­ter­hin voll und ganz Jung­frau genannt wer­den kön­ne, war bis­her noch nicht Gegen­stand mei­ner Betrach­tung gewe­sen.

    Was die Resl geschaut hat, ist denk­bar, ‚muss‘ aber wohl nicht geglaubt wer­den, um Maria wei­ter­hin voll und ganz als Jung­frau anzu­se­hen.

    Auf der ande­ren Sei­te wei­tet sich durch die gemach­ten Ein­wür­fe zur kör­per­lich-bio­lo­gi­schen Jung­fräu­lich­keit auch mei­ne Sicht auf die Begna­di­gung Mari­ens: Ja, das gesun­de Emp­fin­den von Keusch­heit und Scham­haf­tig­keit gebie­tet im Grun­de die Bewah­rung der Jung­frä­lich­keit und die Erhal­tung der kör­per­li­chen Unber­sehrt­heit.
    Im Fazit mei­ne ich aber sagen zu kön­nen, der Geburts­vor­gang ist nur sekun­där ent­schei­dend für die Bewah­rung der Jung­fräu­lich­keit; soll­te aber sowohl aus Grün­den der Scha­maftig­keit (gegen­über Josef) und als auch aus Grün­den der Hei­lig­keit Mari­ens ange­nom­men wer­den.
    Wenn man den Gedan­ken-Fän­den wei­ter spinnt, müss­te nun Maria aber auch von ihrer Regel­blu­tung befreit wor­den sein. (Indem ich die­sen Satz schrei­be, füh­le ich, dass durch ihn die Hei­lig­keit Mari­ens schon ver­letzt wird.)
    Wenn sie aber kei­nen bio­lo­gi­schen oder sagen wir ruhig hor­mo­nel­len Schwan­kun­gen unter­wor­fen gewe­sen wäre, dann wäre sie sicher eine Art ‚Über­frau‘ gewe­sen, die dann sogar jen­seits der Mensch­heit Jesu (Ver­su­c­bar­keit) gestan­den hät­te. Denn auch Jesus wur­de in allem ver­sucht, bewahr­te aber in allem die ‚Jung­fräu­lich­keit‘. Dazu gehörtt doch, dass Jesus und Maria in allem ver­such­bar waren und bio­lo­gisch kei­ne Aus­nah­me­erschei­nun­gen dar­stell­ten.
    Soll­te nun Maria von Ver­su­chun­gen aus­ge­nom­men gewe­sen sein, wäre sie dann nicht tat­säch­lich schon irgend­wie zu Leb­zei­ten wie ent­rückt gewe­sen? Kann sie dann noch Vor­bild für die Bewah­rung der Jung­fräu­lich­keit der Frau sein.
    Ich mei­ne, dass die­ser Bereich ein Geheim­nis blei­ben soll­te.
    Gleich­zei­tig habe ich sel­ber kein Pro­blem mit Mari­as kör­per­li­cher Unver­sehrt­heit, da bei Gott, der das Wun­der der Trans­sub­stan­tia­ti­on wirkt, auch jedes ande­re Wun­der mög­lich ist.
    Ein Aus­weg bie­tet viel­leicht wie­der Maria von Agre­da, die ja von einem Wachs­tum der Gna­de in Maria sprach.
    So wäre es also mög­lich, dass Maria durch ihr Fiat das Wun­der der kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit ermög­licht hat. Sie wur­de in allem ver­sucht, blieb aber stets durch die frei­wil­li­ge Anbin­dung an die Gna­de sieg­reich.
    Alles in allem führt mög­lich­wer­wei­se die Lie­be zu Maria zu der Annah­me die­ses Wun­ders im Glau­ben; wäh­rend Men­schen ohne aus­pe­präg­te Mari­en­fröm­mig­keit und ohne Glau­ben an die All­macht Got­tes dar­über ein­fach noch nicht nach­ge­dacht haben: Kar­di­nal Mül­ler wohl auch nur am Ran­de.
    Ich jeden­falls über­neh­me für mich den Glau­ben an die kör­per­lich-bio­lo­gi­sche Unver­sehrt­heit Mari­ens auch wäh­rend des Geburts­vor­gangs; weil es die Scham­haf­tig­keit gebie­tet.
    Maria hat dafür aber wohl auch wie kei­ne Zwei­te gekämpft — und hat gera­de des­halb die vie­len Gna­den erhal­ten.

  5. Ist es wirk­lich soweit, dass Kar­di­nä­le wie Kas­per, den Glau­ben um poli­ti­scher Zie­le wil­len „ver­kau­fen“?
    Die Erklä­run­gen Kas­pers zie­len alle auf poli­ti­sche Zie­le, woge­gen die Erklä­run­gen Mül­lers auf den Glau­ben allein zie­len. Wofür trägt ein Kar­di­nal sei­nen Pur­pur? Ist es nicht über­fäl­lig, in all den diplo­ma­tisch über­la­de­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen der letz­ten Jahr­zehn­te wenig­stens ein­mal ein Doku­ment des katho­li­schen Glau­bens den Gläu­bi­gen an die Hand zu geben?
    Sind nicht die diplomatisch/politischen Pre­dig­ten der Bischö­fe, ja der Päp­ste zum Ärger­nis für den Glau­ben gewor­den,
    wenn sie den Glau­ben der Gläu­bi­gen, demm sie die­nen sol­len, nicht mehr näh­ren kön­nen, son­dern sich in politisch/diplomatischen All­ge­mein­plät­zen ver­lie­ren? Für einen Gläu­bi­gen ist es irrele­vant, wie der Glau­be ande­rer reli­giö­ser Gemein­schaf­ten zu bewer­ten sei, und für jene selbst, ist jede Beur­tei­lung ihres Glau­bens durch unse­re Wür­den­trä­ger sowie­so eine Anma­ssung.

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