Das Manifest des Glaubens

Das öffentliche Bekenntnis der katholischen Wahrheit durch Gerhard Kardinal Müller

Das „Manifest des Glaubens“ von Gerhard Kardinal Müller

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren“ (Joh 14,1). Mit diesem Vers aus dem Evangelium beginnt Kardinal Gerhard Müller sein „Manifest des Glaubens“, das in sieben Sprachen veröffentlicht wurde. Dieses öffentliche Bekenntnis der katholischen Wahrheit legt der Kardinal ab, weil „viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien der katholischen Kirche mich um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit der Offenbarung gebeten“ haben. Diese Bitte ist Ausdruck einer großen Sorge über eine immer mehr um sich greifende Verwirrung in der Glaubensverkündigung. Zugleich richtet Kardinal Müller eine ernste Mahnung an alle Mitbrüder im Bischofsamt mit Worten des heiligen Paulus aus dem Zweiten Brief an Timotheus, die heute Lesung in der Liturgie sind.

Das „Manifest des Glaubens“

Angesichts sich ausbreitender Verwirrung in der Lehre des Glaubens, haben viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien der katholischen Kirche mich um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit der Offenbarung gebeten. Es ist die ureigene Aufgabe der Hirten, die ihnen Anvertrauten auf den Weg des Heils zu führen. Dies kann nur gelingen, wenn dieser Weg bekannt ist und sie ihn selber vorangehen. Dabei gilt das Wort des Apostels: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe“ (1 Kor 15,3). Heute sind vielen Christen selbst die grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum Ewigen Leben zu verfehlen. Es bleibt aber die ureigene Aufgabe der Kirche, die Menschen zu Jesus Christus, dem Licht der Völker, zu führen (vgl. LG 1). In dieser Lage stellt sich die Frage nach Orientierung. Nach Johannes Paul II. stellt der Katechismus der Katholischen Kirche eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“ (Fidei Depositum IV) dar. Er wurde mit dem Ziel verfasst, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, deren Glaube durch die „Diktatur des Relativismus“ massiv in Frage gestellt wird.

Wappen von Gerhard Kardinal Müller
Wappen von Gerhard Kardinal Müller

1. Der eine und dreifaltige Gott, offenbart in Jesus Christus

Der Inbegriff des Glaubens aller Christen findet sich im Bekenntnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wir sind durch die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Jünger Jesu, Kinder und Freunde Gottes geworden. Die Verschiedenheit der drei Personen in der göttlichen Einheit (254) markiert im Hinblick auf andere Religionen einen fundamentalen Unterschied im Gottesglauben und im Menschenbild. Am Bekenntnis zu Jesus dem Christus scheiden sich die Geister. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, empfangen vom Heiligen Geist und geboren aus der Jungfrau Maria. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn Gottes, ist der einzige Erlöser der Welt (679) und der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (846). Daher bezeichnet der erste Johannesbrief denjenigen als Antichrist, der seine Gottheit leugnet (1 Joh 2,22), da Jesus Christus, der Sohn Gottes von Ewigkeit her eines Wesens ist mit Gott, Seinem Vater (663). Mit klarer Entschiedenheit ist dem Rückfall in alte Häresien entgegenzutreten, die in Jesus Christus nur einen guten Menschen, Bruder und Freund, einen Propheten und Moralisten sahen. Er ist zu allererst das Wort, das bei Gott war und Gott ist, der Sohn des Vaters, der unsere menschliche Natur angenommen hat, um uns zu erlösen und der kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Ihn allein beten wir in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist als den einzigen und wahren Gott an (691).

2. Die Kirche

Jesus Christus hat die Kirche als sichtbares Zeichen und Werkzeug des Heils gegründet, die in der katholischen Kirche verwirklicht ist (816). Er gab seiner Kirche, die „aus der Seite des am Kreuz entschlafenen Christus“ hervorgegangen ist (766), eine sakramentale Verfassung, die bis zur Vollendung bleibt (765). Christus, das Haupt, und die Gläubigen als Glieder des Leibes sind eine mystische Person (795), weshalb die Kirche heilig ist, denn der einzige Mittler hat ihr sichtbares Gefüge verfasst und erhält sie unablässig (771). Durch sie wird das Erlösungswerk Christi in Zeit und Raum gegenwärtig in der Feier der heiligen Sakramente, vor allem im eucharistischen Opfer, der heiligen Messe (1330). Die Kirche vermittelt mit der Autorität Christi die göttliche Offenbarung, die sich auf alle Elemente der Lehre erstreckt, „einschließlich der Sittenlehre, ohne welche die Heilswahrheiten des Glaubens nicht bewahrt, dargelegt und beobachtet werden können“ (2035).

3. Sakramentale Ordnung

Die Kirche ist in Jesus Christus das allumfassende Sakrament des Heils (776). Sie reflektiert nicht sich selbst, sondern das Licht Christi, das auf ihrem Antlitz widerscheint. Dies geschieht nur dann, wenn weder eine Mehrheit, noch der Zeitgeist, sondern die in Jesus Christus geoffenbarte Wahrheit zum Bezugspunkt wird, denn Christus hat der katholischen Kirche die Gnaden- und Wahrheitsfülle anvertraut (819): Er selbst ist in den Sakramenten der Kirche gegenwärtig.

Die Kirche ist kein von Menschen gegründeter Verein, über dessen Struktur seine Mitglieder nach Belieben abstimmen. Sie ist göttlichen Ursprungs. „Christus selbst ist der Urheber des Amtes in der Kirche. Er hat es eingesetzt, ihm Vollmacht und Sendung, Ausrichtung und Zielsetzung gegeben“ (874). Die Mahnung des Apostels gilt bis heute, dass verflucht sei, wer ein anderes Evangelium verkündet, „auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel“ (Gal 1,8). Die Vermittlung des Glaubens ist unlösbar mit der menschlichen Glaubwürdigkeit seiner Boten verbunden, die in einigen Fällen die ihnen Anvertrauten im Stich gelassen, sie verunsichert und ihren Glauben schwer geschädigt haben. Hier trifft das Wort der Schrift diejenigen, die der Wahrheit kein Gehör schenken und sich nach eigenen Wünschen richten, die den Ohren schmeicheln, weil sie die gesunde Lehre nicht ertragen (vgl. 2 Tim 4,3-4).

Aufgabe des Lehramtes der Kirche ist es, das „Volk vor Verirrungen und Glaubensschwäche zu schützen“, um „den ursprünglichen Glauben irrtumsfrei zu bekennen“ (890). Dies gilt besonders im Hinblick auf alle sieben Sakramente. Die hl. Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (1324). Das eucharistische Opfer, in dem uns Christus in sein Kreuzesopfer einbezieht, zielt auf die innigste Vereinigung mit Christus (1382). Daher mahnt die Heilige Schrift im Hinblick auf den Empfang der hl. Kommunion: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn“ (1 Kor 11,27). „Wer sich einer schweren Sünde bewusst ist, muss das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfängt“ (1385). Von der inneren Logik des Sakramentes versteht sich, dass standesamtlich wiederverheiratet Geschiedene, deren sakramentale Ehe vor Gott besteht, nicht voll mit dem katholischen Glauben und der Kirche verbundene Christen, wie alle, die nicht entsprechend disponiert sind, die heilige Eucharistie nicht fruchtbar empfangen (1457), weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht. Darauf hinzuweisen entspricht den geistigen Werken der Barmherzigkeit.

Das Bekenntnis der Sünden in der heiligen Beichte wenigstens einmal im Jahr gehört zu den Kirchengeboten (2042). Wenn die Gläubigen ihre Sünden nicht mehr bekennen und die Lossprechung von ihren Sünden erfahren, dann läuft die Erlösung ins Leere, schließlich ist Jesus Christus Mensch geworden, um uns von unseren Sünden zu erlösen. Auch für die schweren und lässlichen Sünden, die wir nach der Taufe begehen, gilt die Vollmacht der Vergebung, die der auferstandene Herr den Aposteln und ihren Nachfolger im Bischofs- und Priesteramt übertragen hat. Die aktuelle Beichtpraxis lässt deutlich werden, dass das Gewissen der Gläubigen nicht ausreichend geformt ist. Gottes Barmherzigkeit ist uns geschenkt, dass wir seine Gebote erfüllen, um dadurch eins zu werden mit seinem heiligen Willen und nicht, damit wir der Forderung zur Umkehr ausweichen (1458).

„Der Priester setzt auf Erden das Erlösungswerk fort“ (1589). Die Priesterweihe „verleiht ihm eine heilige Vollmacht“ (1592), die unersetzbar ist, denn durch sie wird Jesus Christus in seinem Heilshandeln sakramental gegenwärtig. Daher entscheiden sich Priester freiwillig für den Zölibat als „Zeichen des neuen Lebens“ (1579). Es geht um die Selbsthingabe im Dienst Christi und Seines kommenden Reiches. Im Hinblick auf den Empfang der Weihe in den drei Stufen dieses Amtes weiß sich die Kirche „durch [die] Wahl, die der Herr selbst getroffen hat, gebunden. Darum ist es nicht möglich, Frauen zu weihen“ (1577). Hier eine Diskriminierung der Frau zu unterstellen, zeigt nur das Unverständnis für dieses Sakrament, bei dem es nicht um irdische Macht geht, sondern um die Repräsentation Christi, des Bräutigams der Kirche.

4. Das sittliche Gesetz

Glaube und Leben gehören untrennbar zusammen, denn Glaube ohne Werke, die im Herrn getan werden, ist tot (1815). Das sittliche Gesetz ist Werk der göttlichen Weisheit und führt den Menschen zur verheißenen Seligkeit (1950). Demzufolge ist die Kenntnis des göttlichen und natürlichen Sittengesetzes notwendig, „um das Gute zu tun und sein Ziel zu erreichen“ (1955). Seine Beachtung ist für alle Menschen guten Willens heilsnotwendig. Denn wer in Todsünde stirbt, ohne bereut zu haben, wird für immer von Gott getrennt sein (1033). Dies führt zu praktischen Konsequenzen im Leben der Christen, von denen viele heute verdunkelt sind (vgl. 2270-2283; 2350-2381). Das sittliche Gesetz ist nicht eine Last, sondern Teil jener befreienden Wahrheit (vgl. Joh 8,32), durch die der Christ den Weg des Heils geht und die nicht relativiert werden darf.

5. Das Ewige Leben

Viele fragen sich heute, wofür die Kirche eigentlich noch da ist, wenn sich auch Bischöfe lieber in der Rolle als Politiker gefallen, denn als Lehrer des Glaubens das Evangelium verkünden. Der Blick darf nicht durch Nebensächlichkeiten verwässert, sondern das Proprium der Kirche muss thematisiert werden. Jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele, die im Tod vom Leib getrennt wird, indem er auf die Auferstehung der Toten hofft (366). Der Tod lässt die Entscheidung des Menschen für oder gegen Gott definitiv werden. Jeder muss sich unmittelbar nach dem Tod dem besonderen Gericht stellen (1021). Entweder ist noch eine Läuterung notwendig oder der Mensch gelangt unmittelbar in die himmlische Seligkeit und darf Gott von Angesicht zu Angesicht schauen. Es gibt auch die schreckliche Möglichkeit, dass ein Mensch bis zuletzt im Widerspruch zu Gott verharrt und indem er sich Seiner Liebe definitiv verweigert, „sich selbst sogleich und für immer verdammt“ (1022). „Gott hat uns erschaffen ohne uns, er wollte uns aber nicht retten ohne uns“ (1847). Die Ewigkeit der Höllenstrafe ist eine furchtbare Wirklichkeit, die – nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift – sich alle zuziehen die „im Stand der Todsünde sterben“ (1035). Der Christ geht durch das enge Tor, denn „weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind viele, die auf ihm gehen“ (Mt 7,13).

Diese und andere Glaubenswahrheiten zu verschweigen und die Menschen entsprechend zu lehren ist der schlimmste Betrug, vor dem der Katechismus mit Nachdruck warnt. Er stellt die letzte Prüfung der Kirche dar und führt den Menschen zu einem religiösen Lügenwahn, um „den Preis ihres Abfalls von der Wahrheit“ (675); es ist der Betrug des Antichrists. „Er wird jene, die verloren gehen, mit allen Mitteln der Ungerechtigkeit täuschen; denn sie haben sich der Liebe zur Wahrheit verschlossen, durch die sie gerettet werden sollten“ (2 Thess 2,10).

Aufruf

Als Arbeiter im Weinberg des Herrn haben wir alle die Verantwortung, diese grundlegenden Wahrheiten in Erinnerung zu rufen, indem wir an dem festhalten, was wir selber empfangen haben. Wir wollen Mut machen, den Weg Jesu Christi mit Entschiedenheit zu gehen, um durch die Befolgung Seiner Gebote das ewige Leben zu erlangen (2075).

Bitten wir den Herrn, Er möge uns erkennen lassen, wie groß das Geschenk des katholischen Glaubens ist, durch den sich die Tür zum Ewigen Leben öffnet. „Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommt“ (Mk 8,38). Daher setzen wir uns ein für die Stärkung des Glaubens, indem wir die Wahrheit bekennen, die Jesus Christus selber ist.

Gerade wir Bischöfe und Priester sind angesprochen, wenn Paulus, der Apostel Jesu Christi, seinem Mitstreiter und Nachfolger Timotheus diese Mahnung mit auf den Weg gibt: „Ich beschwöre dich bei Gott und bei Jesus Christus, dem kommenden Richter der Lebenden und Toten, bei seinem Erscheinen und seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne in aller Geduld und Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln; und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verrichte dein Werk als Verkünder des Evangeliums, erfülle deinen Dienst!“ (2 Tim 4,1-5).

Möge Maria, die Mutter Gottes, uns die Gnade erflehen, am Bekenntnis zur Wahrheit Jesu Christi ohne Wanken festzuhalten.

Im Glauben und Gebet verbunden

Gerhard Cardinal Müller

Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre von 2012-2017

Bild: MiL/Wikicommons

Sie lesen gern Katholisches.info? Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!





9 Kommentare

  1. Nach Srudium der Dogmatik Kardinal Müllers ist mir an keiner Stelle aufgefallen, dass er die Jungfräulichkeit Mariens leugnet. Im Gegenteil: in diesem umfangreichen Werk sagt er eindeutig und völlig unmissverständlich, dass Maria allzeit reine Jungfrau war.

    Das möchte ich an dieser Stelle noch einmal richtig stellen, da in einem vergangenen Kommentar eines Users, der sich auf die Jungfräulichkeit Mariens bezog, behauptet wurde, Müller leugne die Jungfräulichkeit.

    Nein, er tut es nicht. Vielmehr untersucht er vollkommen orthodox die Argumente gegen eine Jungfräulichkeit – und entkräfet sich alle ohne Ausnahme vollständig.

    Auch diesmal gibt Müller der „großen Sorge über eine immer mehr um sich greifende Verwirrung in der Glaubensverkündigung“ seine Stimme als wahrer Lehrer und Hirte des Evangeliums Jesu Christi.

    Der Papst hingegen richtet ein Pseudoevangelium auf sehr subtile Art auf.

    An dieser Stelle möchte ich auf die „Philokalie der Väter der Nüchternheit“ verweisen. In den leider Gottes sehr teuren Bänden (279 Euro), die es aber auch frei zugänglich im Netz unter dem Stichwort ‚Philokalia‘ als Pdf in englischer Sprache gibt, findet der Geist alles, was er an Nahrung braucht, um zum wahren katholischen Glaubensmysterium zurückzufinden.

    Ich selber fand den Hinweis auf die ‚Philokalie‘ in dem vorzügliche Buch ‚Aufrichtige Erzählung eines russischen Pilgers‘.

    • Schön wäre es. Sie verstehen wahrscheinlich nur nicht die neu-theologisch, rahnerhaft verklausulierten Formulierungen nicht. Auch Müllers mehr populäres Buch über die Messe enthält überaus bedenkliche Passagen.

  2. Danke, Kardinal Müler! Das Kardinal Kasper schäumt, versteht sich von selbst. Etwas anderes hätte ich von diesem Modernisten auch nicht erwartet. Gott stehe seiner Kirche bei in dieser Zeit der Verwirrung und des von „höchsten“ Kirchenkreisen vertretenen Relativismus.

  3. Danke für den Hinweis. Immer wieder ist diese Behauptung aufgetaucht, was mich sehr verwunderte.

    Weil ich schon lange über die Unversehrtheit Mariens nachdenke, bei der Resl von Konnersreuth die Beschreibung fand, daß Maria kniend Jesus in ihre Hände empfing und ihn abtrocknete, war das Kind nicht mit Kindsschmiere versehen. Diese ermöglicht das Gleiten.

    Für mich steht fest: Ebenso, wie Jesus übernatürlich in Maria gezeugt wurde, ist er übernatürlich aus ihr hervor gegangen. Mein junger Nachbar, kein Kirchgänger, hat sofort geschaltet, als ich anfing: „Wenn Gott die Welt geschaffen hat, dann soll es ihm nicht möglich sein, in einer Jungfrau ein Kind zu zeugen?“

    Laufen nur noch unwillig Denkfaule herum?

  4. @Christoph Hagen, @Clemens Victor Oldendorf: Ich habe die Seite 498 und den angeführten Link noch einmal gelesen.
    Rahners Sprache ist wie immer mehrdeutig. Müller zitiert Rahner auf S. 499 oben.
    Ich muss zunächst sagen, dass ich mich bisher in meiner Vorstellungswelt nur insofern mit dem Begriff der Jungfräulichkeit Mariens auseinandergesetzt habe, soweit dieselbe bezogen ist auf den Zeigungsvorgang und darüber hinaus die ‚geistige‘ Jungfäulichkeit. Maria hat alle unzüchtigen Gedanken immer sofort zurückgewiesen, so dass niemals Begierde oder Wollust in ihr entstehen konnte.

    Dass nun aber die Jungfräulichkeit Mariens sogar die körperlich-biologiche Unversehrtheit betreffen müsse, so dass Maria mit Recht auch weiterhin voll und ganz Jungfrau genannt werden könne, war bisher noch nicht Gegenstand meiner Betrachtung gewesen.

    Was die Resl geschaut hat, ist denkbar, ‚muss‘ aber wohl nicht geglaubt werden, um Maria weiterhin voll und ganz als Jungfrau anzusehen.

    Auf der anderen Seite weitet sich durch die gemachten Einwürfe zur körperlich-biologischen Jungfräulichkeit auch meine Sicht auf die Begnadigung Mariens: Ja, das gesunde Empfinden von Keuschheit und Schamhaftigkeit gebietet im Grunde die Bewahrung der Jungfrälichkeit und die Erhaltung der körperlichen Unbersehrtheit.
    Im Fazit meine ich aber sagen zu können, der Geburtsvorgang ist nur sekundär entscheidend für die Bewahrung der Jungfräulichkeit; sollte aber sowohl aus Gründen der Schamaftigkeit (gegenüber Josef) und als auch aus Gründen der Heiligkeit Mariens angenommen werden.
    Wenn man den Gedanken-Fänden weiter spinnt, müsste nun Maria aber auch von ihrer Regelblutung befreit worden sein. (Indem ich diesen Satz schreibe, fühle ich, dass durch ihn die Heiligkeit Mariens schon verletzt wird.)
    Wenn sie aber keinen biologischen oder sagen wir ruhig hormonellen Schwankungen unterworfen gewesen wäre, dann wäre sie sicher eine Art ‚Überfrau‘ gewesen, die dann sogar jenseits der Menschheit Jesu (Versucbarkeit) gestanden hätte. Denn auch Jesus wurde in allem versucht, bewahrte aber in allem die ‚Jungfräulichkeit‘. Dazu gehörtt doch, dass Jesus und Maria in allem versuchbar waren und biologisch keine Ausnahmeerscheinungen darstellten.
    Sollte nun Maria von Versuchungen ausgenommen gewesen sein, wäre sie dann nicht tatsächlich schon irgendwie zu Lebzeiten wie entrückt gewesen? Kann sie dann noch Vorbild für die Bewahrung der Jungfräulichkeit der Frau sein.
    Ich meine, dass dieser Bereich ein Geheimnis bleiben sollte.
    Gleichzeitig habe ich selber kein Problem mit Marias körperlicher Unversehrtheit, da bei Gott, der das Wunder der Transsubstantiation wirkt, auch jedes andere Wunder möglich ist.
    Ein Ausweg bietet vielleicht wieder Maria von Agreda, die ja von einem Wachstum der Gnade in Maria sprach.
    So wäre es also möglich, dass Maria durch ihr Fiat das Wunder der körperlichen Unversehrtheit ermöglicht hat. Sie wurde in allem versucht, blieb aber stets durch die freiwillige Anbindung an die Gnade siegreich.
    Alles in allem führt möglichwerweise die Liebe zu Maria zu der Annahme dieses Wunders im Glauben; während Menschen ohne auspeprägte Marienfrömmigkeit und ohne Glauben an die Allmacht Gottes darüber einfach noch nicht nachgedacht haben: Kardinal Müller wohl auch nur am Rande.
    Ich jedenfalls übernehme für mich den Glauben an die körperlich-biologische Unversehrtheit Mariens auch während des Geburtsvorgangs; weil es die Schamhaftigkeit gebietet.
    Maria hat dafür aber wohl auch wie keine Zweite gekämpft – und hat gerade deshalb die vielen Gnaden erhalten.

  5. Ist es wirklich soweit, dass Kardinäle wie Kasper, den Glauben um politischer Ziele willen „verkaufen“?
    Die Erklärungen Kaspers zielen alle auf politische Ziele, wogegen die Erklärungen Müllers auf den Glauben allein zielen. Wofür trägt ein Kardinal seinen Purpur? Ist es nicht überfällig, in all den diplomatisch überladenen Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte wenigstens einmal ein Dokument des katholischen Glaubens den Gläubigen an die Hand zu geben?
    Sind nicht die diplomatisch/politischen Predigten der Bischöfe, ja der Päpste zum Ärgernis für den Glauben geworden,
    wenn sie den Glauben der Gläubigen, demm sie dienen sollen, nicht mehr nähren können, sondern sich in politisch/diplomatischen Allgemeinplätzen verlieren? Für einen Gläubigen ist es irrelevant, wie der Glaube anderer religiöser Gemeinschaften zu bewerten sei, und für jene selbst, ist jede Beurteilung ihres Glaubens durch unsere Würdenträger sowieso eine Anmassung.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*