Will Bischof Manfred Scheuer heiraten?

Der Brief an Papst Franziskus

Kirche weit denken
„Kirche weit denken“ - Bischof Manfred Scheuer und sein Brief an Papst Franziskus.

Von Mar­tha Bur­ger

Was ist los mit dem Bischof von Linz? Will er hei­ra­ten? Das fra­gen sich seit dem Wochen­en­de auf­merk­sa­me Katho­li­ken an der Donau. Es gibt kein The­ma, das Bischof Man­fred Scheu­er mit grö­ße­rem Nach­druck ver­folgt als die Auf­he­bung des prie­ster­li­chen Zöli­bats.

Seit drei Jah­ren ist der Dog­ma­ti­ker Man­fred Scheu­er Diö­ze­san­bi­schof an der obe­ren Donau. Zuvor lei­te­te er das Bis­tum Inns­bruck, ohne einen blei­ben­den Ein­druck zu hin­ter­las­sen. Als Stich­wör­ter sei­en genannt: das bischöf­li­che Ver­sa­gen im Fall Mar­tha Hei­zer und die Posi­tio­nie­rung an der Sei­te von Kar­di­nal Kas­per. Auch im Bis­tum Linz, das vor 250 Jah­ren aus dem Bis­tum Pas­sau her­vor­ging, ist es ziem­lich still um den Bischof. Wenn er von sich hören läßt, dann löst es bei gläu­bi­gen Katho­li­ken Kopf­schüt­teln aus oder stößt ihnen sau­er auf. Katholisches.info beklag­te bereits vor drei Jah­ren sei­ne Bischofs­er­nen­nung, weil er besten­falls ein „Ver­wal­ter des Nie­der­gangs“ sein wer­de, und dem Bis­tum statt einer Erneue­rung im Glau­ben wei­te­re „ver­geu­de­te Jah­re dro­hen“.

Verschandelung der Linzer Bischofskirche

Die Gläu­bi­gen seh­nen sich nach einem Ober­hir­ten, der sie im Glau­ben stärkt und ihnen siche­re und feste Ori­en­tie­rung ist. Bischof Scheu­er fiel bis­her vor allem durch die Ver­schan­de­lung des Lin­zer Doms auf (sie­he auch). Mag sein, daß dafür alles bereits vor sei­ner Ankunft in die Wege gelei­tet wur­de. Mag sein, daß es in Linz eine libe­ra­le Cli­que gibt, die in der Diö­ze­se das gro­ße Wort führt und die Schalt­he­bel bewegt. Scheu­er-Vor­gän­ger Bischof Lud­wig Schwarz blockier­te das Vor­ha­ben, damit sein Nach­fol­ger über den Umbau der Kathe­dra­le ent­schei­den konn­te. Wenn der Altar­raum so zer­legt wur­de, daß eine lit­ur­gi­sche „Rück­kehr“ unmög­lich ist, geschah dies allein durch das Pla­cet von Bischof Scheu­er.

Luther-Fest mit Bischof und Mißtönen

Bischof Manfred Scheuer von Linz
Bischof Man­fred Scheu­er von Linz

Anson­sten war, wenn über­haupt, vom Bischof wenig Katho­li­sches, also Erbau­li­ches zu ver­neh­men. 2017 fei­er­te er mit den Luthe­ra­nern Mar­tin Luther, ein in jeder Hin­sicht umstrit­te­ne Figur, die nur des­halb in man­chen Krei­sen gelit­ten ist, weil Luthers Leben und Wir­ken so ver­klärt wur­de, daß es mit der histo­ri­schen Wirk­lich­keit kaum etwas zu tun hat. Als die Luthe­ra­ner und die Medi­en zum Fest das Mär­chen ver­brei­te­ten, 150.000 Pro­te­stan­ten sei­en vom katho­li­schen Lan­des­für­sten, Kai­ser Fer­di­nand I., aus Scheu­ers Diö­ze­se ver­trie­ben wor­den, war aus dem bischöf­li­chen Mund kein Ton der Rich­tig­stel­lung zu hören, geschwei­ge denn eine Ver­tei­di­gung der katho­li­schen Sache. Ledig­lich an die 250 Pro­te­stan­ten muß­ten damals Ober­öster­reich ver­las­sen, und das waren kei­ne Ein­hei­mi­sche, son­dern ille­gal mit ihren Fami­li­en zuge­wan­der­te pro­te­stan­ti­sche Pasto­ren. Ihre Aus­wei­sung ent­sprach den Bestim­mun­gen des Augs­bur­ger Reli­gi­ons­frie­dens wie er von den pro­te­stan­ti­schen Für­sten gewollt und gut­ge­hei­ßen war.

Migration und zweifelhafte Allianzen

Laut erhebt der Bischof sei­ne Stim­me in Sachen Migra­ti­on, also zu einem poli­ti­schen The­ma. Die Posi­tio­nie­rung erfolgt ein­sei­tig und im Gleich­klang mit der poli­ti­schen Lin­ken. Wen wun­dert es da, daß eine gan­ze Schar von katho­li­schen Orga­ni­sa­tio­nen und sogar Ordens­ge­mein­schaf­ten Sei­te an Sei­te mit Sozia­li­sten (SPÖ), Grü­nen, Kom­mu­ni­sten (KPÖ) und der gewalt­tä­ti­gen Anti­fa in Linz auf die Stra­ße gehen, um gegen die legi­ti­me, demo­kra­ti­sche, schwarz-blaue Bun­des­re­gie­rung zu demon­strie­ren. In eine zwei­fel­haf­te Rich­tung fehlt es an Berüh­rungs­äng­sten und sach­li­chen Beden­ken. Da paßt es ins Bild, daß im diö­ze­sa­nen Bil­dungs­haus unter dem Deck­man­tel des „Kamp­fes gegen rechts“ Tref­fen zwei­fel­haf­ter links­ra­di­ka­ler bis links­ex­tre­mer Grup­pen statt­fin­den kön­nen.

Aufhebung des Zölibats

Das Haupt­an­lie­gen von Bischof Scheu­er ist jedoch ein ande­res: Im ver­gan­ge­nen März schaff­te es der Bischof auf die Titel­sei­te der ein­fluß­reich­sten regio­na­len Tages­zei­tung. Das allein muß­te gläu­bi­ge Katho­li­ken bereits stut­zig machen, denn es ver­hieß nichts Gutes. Dem war auch so. In einem „exklu­si­ven“ Inter­view durf­te der Bischof sei­ne For­de­rung nach Auf­he­bung des prie­ster­li­chen Zöli­bats ver­kün­den: „Mei­ne Hoff­nung sind ver­hei­ra­te­te Prie­ster“. Der Vor­stoß erfolg­te nicht zufäl­lig und auch nicht aus einer Lau­ne her­aus. Scheu­er erhob die­se For­de­rung erst­mals bei der Bischofs­syn­ode von 2005. Es geht um ein Stecken­pferd. Der Zöli­bat ist moder­ni­sti­schen Kir­chen­krei­sen seit Jahr­zehn­ten ein Dorn im Auge. Der Zeit­punkt war mit Bedacht gewählt. Das Inter­view soll­te die Anti-Zöli­bats-Agen­da auf Welt­kir­chen­ebe­ne unter­stüt­zen. Für Okto­ber 2019 hat Papst Fran­zis­kus eine Ama­zo­nas­syn­ode ein­be­ru­fen. Ganz offen wird im Vor­feld davon gespro­chen, bei die­ser Gele­gen­heit den Zöli­bat in Fra­ge zu stel­len und die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Prie­ster in die Wege zu lei­ten. Die­ser For­de­rung„ die sich im höhe­ren Kle­rus des deut­schen Sprach­rau­mes immer wei­ter aus­brei­tet, ver­lieh Bischof Scheu­er sei­ne Stim­me.

Weihesakrament „erweitern“

Die Ver­kün­di­gung der über­lie­fer­ten Leh­re? Die Ver­tei­di­gung der kirch­li­chen Leh­re? Fehl­an­zei­ge. Nichts der­glei­chen ist aus der Lin­zer Her­ren­gas­se zu ver­neh­men. Im Gegen­teil. Was bewegt den Bischof? Er leg­te es schwarz auf weiß in einem Brief an Papst Fran­zis­kus nie­der. Am Wochen­en­de gab er im diö­ze­sa­nen Bil­dungs­haus Schloß Puch­berg, von dem bereits die Rede war, den Inhalt vor 250 Teil­neh­mern des „Diö­ze­san-Forums“ bekannt. Er for­dert eine „Öff­nung bei der Tauf­spen­dung“. Das Wei­he­sa­kra­ment soll „erwei­tert“ wer­den.

Manfred Scheuer: „Rumoren“
Man­fred Scheu­er: „Rumo­ren“

Sei­nem Bei­spiel sol­le die Welt­kir­che fol­gen: Im Bis­tum Linz dür­fen „Pfarr­as­si­sten­tin­nen- und assi­sten­ten“ unter Bischof Scheu­er die Tau­fe spen­den. „In Aus­nah­me­fäl­len auch Pasto­ral­as­si­sten­tin­nen- und assi­sten­ten“.

Wie das? Weil man die „Kir­che weit den­ken“ müs­se. Vor einem Jahr begann die Diö­ze­se Linz, laut bischöf­li­chem Ver­ständ­nis, sich „auf einen Zukunfts­weg zu brin­gen“. Beob­ach­ter spre­chen viel­mehr von einem Marsch in die Ver­gan­gen­heit, näm­lich in eine vor­christ­li­che, also heid­ni­sche Ver­gan­gen­heit.

Scheu­er for­der­te am Wochen­en­de erneut die Auf­he­bung des Zöli­bats für Prie­ster und die Zulas­sung von ver­hei­ra­te­ten Män­nern zum Prie­ster­tum. Begrün­det wur­de die­se For­de­rung mit dem Prie­ster­man­gel, ohne des­sen Ursa­chen zu benen­nen oder gar zu ana­ly­sie­ren. Natür­lich nicht, denn das wür­de das „schö­ne“ Vor­ha­ben der Zöli­bats­be­sei­ti­gung zunich­te machen. Hin­ter Ber­gen von Reform­ge­dan­ken, Reform­ver­an­stal­tun­gen und Reform­pa­pie­ren ver­birgt sich eine eben­so knap­pe wie ent­lar­ven­de Wahr­heit: Wer den Zöli­bat nicht will, will auch kei­nen Prie­ster­nach­wuchs.

In der Diö­ze­se Linz gibt es Prie­ster, die im Kon­ku­bi­nat leben, sogar min­de­stens den Fall eines Prie­sters, der stan­des­amt­lich mit einer Frau ver­hei­ra­tet ist. Es gibt Prie­ster, die ein homo­se­xu­el­les Dop­pel­le­ben füh­ren und sol­che, die vor den Augen aller gleich­ge­schlecht­lich zusam­men­le­ben. Das Prie­ster­tum ins­ge­samt, der Zöli­bat im Beson­de­ren ist seit Jahr­zehn­ten ein Buh­mann. Es wird kaum dar­über gespro­chen, laut­stark nur nega­tiv, posi­tiv nur klein­laut und ver­schämt. Der Prie­ster­man­gel ist haus­ge­macht. Doch das Den­ken der moder­ni­sti­schen Krei­se, die ihn ver­schul­det haben, kommt nicht auf den Prüf­stand.

„Weihe von Frauen zu Diakonen“

Und natür­lich soll es nicht nur ver­hei­ra­te­te Prie­ster geben, son­dern auch Prie­ste­rin­nen. So sag­te es der Bischof zwar nicht, son­dern sprach „nur“ von der „Wei­he von Frau­en zu Dia­ko­nen“. Gemeint ist damit aber das­sel­be. Das Wei­he­sa­kra­ment läßt sich nicht tei­len, son­dern bil­det in sei­nen drei Stu­fen von Dia­kon – Prie­ster – Bischof eine Ein­heit. Wer „Dia­ko­nin­nen“ for­dert, hat ohne­hin die For­de­rung nach „Prie­ste­rin­nen“ bereits parat wie das Amen im Gebet. Um das zu wis­sen, muß man sich auch gar nicht mit der gräß­li­chen femi­ni­sti­schen Theo­lo­gie befaßt zu haben. Es genügt, das ver­dampf­te und geschrumpf­te Glau­bens­wis­sen und Glau­bens­ver­ständ­nis von ton­an­ge­ben­den Diö­ze­sanap­pa­rat­schik zur Kennt­nis zu neh­men.

Bischof Scheu­er begrün­de­te sei­nen Brief an Papst Fran­zis­kus damit, daß es im Bis­tum ein „unüber­hör­ba­res Rumo­ren“ gebe. In der Diö­ze­se Linz gibt es seit Jahr­zehn­ten ein laut­star­kes „Rumo­ren“ glau­bens­treu­er Katho­li­ken, die lin­ke Expe­ri­men­te ein­fach statt haben. Doch deren „Rumo­ren“ küm­mer­te in der nach­kon­zi­lia­ren Zeit kei­nen Bischof wirk­lich. Nur das „Rumo­ren“ aus einer bestimm­ten Rich­tung wird vom bischöf­li­chen Ohr ver­nom­men. Dabei han­delt es sich auch nicht um ein „Rumo­ren“ der Gläu­bi­gen, son­dern um ein diö­ze­san­amt­li­ches „Rumo­ren“ des Appa­rats. Der rumort sich selbst.

Mit sei­ner Bemer­kung bestä­tig­te Bischof Scheu­er nicht nur ein­sei­tig zu den­ken und auf einem Auge blind zu sein, son­dern auch auf einem Ohr taub zu sein.

Die Diö­ze­se Linz ist ein Para­de­be­spiel für eine schwer­wie­gen­de Fehl­ent­wick­lung: In den Ent­schei­dungs­gre­mi­en gibt es die ton­an­ge­ben­den Moder­ni­sten und dazu noch Lei­se­tre­ter. Glau­bens­treue Prie­ster, von denen es im Bis­tum Linz nicht weni­ge gibt, müs­sen sich mit den Rän­dern zufrie­den­ge­ben. Aller­dings fin­den sie den­noch kein Gehör bei Papst Fran­zis­kus, denn Rand ist nicht gleich Rand.

Text: Mar­tha Bur­ger
Bild: nachrichten.at (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Soll­te das Zöli­bat fal­len, passt dies gut zu den Zei­chen die Papst Fran­zis­kus in sei­nem Pon­ti­fi­kat setzt. Grün­don­ners­tag ist aus der offi­zi­el­len päpst­li­chen Lit­ur­gie ver­schwun­den. Fron­leich­nam fin­det nicht mehr im Her­zen Roms statt und auch nicht mehr an einem Don­ners­tag. Die­se bei­den Hoch­fe­ste der Kir­che haben einen Zusam­men­hang mit dem sakra­men­ta­len Wei­he­prie­ster­tum. Kon­tem­pla­ti­ve und mona­sti­sche Orden sol­len eine ande­re eher kari­ta­ti­ve Aus­rich­tung erhal­ten. Die katho­li­sche Kir­che soll sozi­al, öko­lo­gisch wer­den. Ich sage mal etwas sehr gewag­tes und glau­be das es wahr ist, bis 2013 hat sich die katho­li­sche Kir­che in zahl­lo­sen kari­ta­ti­ven Pro­jek­ten unter­schied­lich­ster Art enga­giert. Ich wage zu behaup­ten, das nicht alle Päp­ste und nicht alles bis 2013 in der Kir­che schlecht war. Ich erin­ne­re an die­ses lächer­li­che Pro­pa­gan­da Film­chen von Wim Wen­ders. Papst Fran­zis­kus stellt sich der abso­lu­ter Mit­tel­punkt dar Kir­che dar. Ich dach­te immer Chri­stus wäre der Mit­tel­punkt.

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