„Ich bin der Teufel“, „betet den Rosenkranz gegen den Teufel“

Papst Franziskus
Papst-Aussagen innerhalb einer Woche: „Ich bin der Teufel“ und "betet täglich den Rosenkranz zum Schutz der Kirche vor dem Teufel“.

(Rom) Inner­halb einer Woche sag­te Papst Fran­zis­kus zuerst: „Ich bin der Teu­fel“ und dann „Betet den Rosen­kranz für die Kir­che, die vom Teu­fel ange­grif­fen wird“.

Inner­halb der kur­zen Zeit­span­ne einer Woche erleb­te die Kir­che eine Kaprio­le aus dem Mund des regie­ren­den Pap­stes: vom theo­re­ti­schen Ein­ge­ständ­nis „der Teu­fel“ zu sein, bis zur ern­sten Auf­for­de­rung an die Gläu­bi­gen, „den Rosen­kranz zu beten für die Kir­che, die vom Teu­fel ange­grif­fen wird“.

Papst Franziskus: „Ich bin der Teufel“

Asso­cia­ted Press berich­te­te am 22. Sep­tem­ber über die Bal­ti­kum-Rei­se von Papst Fran­zis­kus. und über das Ein­ge­ständ­nis von Papst Fran­zis­kus, im Ver­gleich zu Johan­nes Paul II. kein sol­ches Anse­hen zu genie­ßen, zumin­dest nicht bei den Polen.

Im Zuge sei­nes Litau­en-Auf­ent­hal­tes über­reich­te der pol­ni­sche Pho­to­graph Grze­gorz Galazka dem Papst ein Buch über sei­nen pol­ni­schen Amts­vor­gän­ger. Fran­zis­kus dank­te dem Pho­to­gra­phen und sag­te die kurio­sen, kryp­ti­schen Wor­te:

„Papst Johan­nes Paul II. war ein Hei­li­ger, ich bin der Teu­fel“.

Der Papst habe „gewit­zelt“, so AP. Immer­hin dürf­te Fran­zis­kus damit der Pri­mat sicher sein, als erster Papst in die Kir­chen­ge­schich­te ein­zu­ge­hen, der sich selbst, wenn auch scherz­haft, als „Teu­fel“ bezeich­ne­te.

Eini­ge Tage spä­ter, am 28. Sep­tem­ber, wur­de das neue Schrei­ben des ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, bekannt, der dar­in sei­ne schwe­ren Anschul­di­gun­gen gegen Papst Fran­zis­kus vom 26. August im Zusam­men­hang mit dem Fall McCarrick bekräf­tig­te und neue Anschul­di­gun­gen erhob.

„Betet für den Schutz der Kirche gegen den Teufel“

Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt ver­öf­fent­lich­te am 29. Sep­tem­ber, dem Fest des Erz­engels Micha­el, eine Pres­se­er­klä­rung, in der Papst Fran­zis­kus die Gläu­bi­gen auf­ruft, den Rosen­kranz zu beten und den Erz­engel anzu­ru­fen für die Kir­che, die vom „Bösen“, dem „gro­ßen Anklä­ger“, ange­grif­fen wer­de. Es han­delt sich um den ersten Auf­ruf die­ser Art von Papst Fran­zis­kus.

Papst Franziskus: Gebet zum Erzengel Michael
Papst Fran­zis­kus: Gebet zum Erz­engel Micha­el

In Rom woll­te aus aktu­el­lem Anlaß mehr als einer einen Zusam­men­hang zwi­schen Erz­bi­schof Viganò und dem „gro­ßen Anklä­ger“ erken­nen. Ein sol­cher Zusam­men­hang wur­de vom Vati­kan weder her­ge­stellt noch demen­tiert. Der Hei­li­ge Stuhl ist bis­her aller­dings eine Ant­wort auf die Anschul­di­gun­gen des ein­sti­gen Spit­zen­di­plo­ma­ten schul­dig geblie­ben.

Der Zusam­men­hang wur­de von Beob­ach­tern auch des­halb her­ge­stellt, weil Fran­zis­kus auf geist­li­che Hilfs- und Kampf­mit­tel zurück­greift, die von jenen Kir­chen­krei­sen bevor­zugt wer­den, die er in der Ver­gan­gen­heit bevor­zugt al „Stren­ge“, „Neo­pe­la­gia­ner“, „Selbst­be­zo­ge­ne“, „deka­den­te Scho­la­sti­ker“, „Neo­gno­sti­ker“, „Logos-Spe­zia­li­sten“ und sol­che kri­ti­sier­te, wel­che „die Glau­bens­leh­re in Naph­tha­lin kon­ser­vie­ren“ woll­ten.

Fran­zis­kus emp­fahl im Monat Okto­ber „täg­lich“ den Rosen­kranz zu beten und im Anschluß dar­an das Gebet zum Erz­engel Micha­el, das auf Papst Leo XIII. (1878–1903) zurück­geht. Die­ses Gebet wur­de bis zur Lit­ur­gie­re­form nach der Hei­li­gen Mes­se gebe­tet, dann aber abge­schafft. Die­ser Auf­ruf an die Gläu­bi­gen ist daher fast so, als wür­de Papst Fran­zis­kus alle Prie­ster auf­ru­fen, im Monat Okto­ber die Hei­li­ge Mes­se in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus zu zele­brie­ren.

Vor allem fällt auf, daß er nicht Gebe­te, Medi­ta­tio­nen und Gedan­ken der – laut sei­nem eige­nen Bekun­den –  von ihm bevor­zug­ten Theo­lo­gen wie Anselm Grün und Wal­ter Kas­per, die mit den „vor­kon­zi­lia­ren Typen“, um es mit Bischof Felix Genn von Mün­ster zu sagen, „nichts am Hut“ haben.

Eine Reaktion auf die neue Kritik von Nuntius Viganò?

Die bei­den Aus­sa­gen, wenn auch eine „wit­zelnd“ und die ande­re ernst gemeint waren, erge­ben anein­an­der­ge­reiht ein unge­wöhn­lich selt­sa­mes Bild. Sie wür­den besten­falls dann einen nach­voll­zieh­ba­ren Sinn erge­ben, wenn Papst Fran­zis­kus selbst bei­de Aus­sa­gen in einem gewis­sen Zusam­men­hang sah. Erstens, wenn er damit (wit­zelnd) sagen woll­te, daß er im Ver­gleich zu Johan­nes Paul II. in den Augen von des­sen Ver­eh­rern, also den „stren­gen Geset­zes­leh­rern“, „Rosen­kranz­zäh­lern“ und „Neo­pe­la­gia­nern“, „der Teu­fel“ sei. Zwei­tens, wenn er die mas­si­ve Bedräng­nis, in die ihn die Anschul­di­gun­gen von Erz­bi­schof Viganò und ande­re Ent­hül­lun­gen der ver­gan­ge­nen Wochen brach­ten, als Angriff des „gro­ßen Anklä­gers“, eben des Teu­fels inter­pre­tiert, der „uns aus­ein­an­der­di­vi­die­ren“ wol­le.

Dann hät­ten tat­säch­lich jene Stim­men recht, die in der Pres­se­er­klä­rung von Sams­tag eine, wenn auch sehr eigen­ar­ti­ge Reak­ti­on auf die Rück­tritts­for­de­rung des ehe­ma­li­gen Spit­zen­di­plo­ma­ten Car­lo Maria Viganò sehen.

Wört­lich heißt es in der vati­ka­ni­schen Pres­se­er­klä­rung:

„[…] den Erz­engel Micha­el zu bit­ten, die Kir­che vor dem Teu­fel zu schüt­zen, der immer abzielt, uns von Gott und uns unter­ein­an­der zu tren­nen“.

„Das Gebet – bekräf­tig­te der Papst vor weni­gen Tagen, am 11. Sep­tem­ber, in einer Pre­digt in San­ta Mar­ta, indem er das erste Kapi­tel des Buches Hiob zitier­te – ist die Waf­fe gegen den gro­ßen Anklä­ger, der ‚die Welt durch­streift‘, um anzu­kla­gen. Nur das Gebet kann ihn besie­gen.“

Aller­dings fin­det sich in der für die­ses Pon­ti­fi­kat ein­zig­ar­ti­gen Pres­se­er­klä­rung auch fol­gen­der Hin­weis:

„Mit die­ser Bit­te um Für­bit­te, ersucht der Hei­li­ge Vater die Gläu­bi­gen der gan­zen Welt, zu beten, auf daß die hei­li­ge Mut­ter­got­tes die Kir­che unter ihren Schutz­man­tel nimmt: um sie vor den Angrif­fen des Bösen, des gro­ßen Anklä­gers, zu bewah­ren und sie sich zugleich immer mehr der Schuld, der Feh­ler, des Miß­brauchs bewußt wer­den zu las­sen , die in der Gegen­wart und in der Ver­gan­gen­heit began­gen wur­den, und um sich ohne Zögern dafür ein­zu­set­zen, daß das Böse nicht die Ober­hand gewinnt.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: AP/Vatican.va (Screen­shots)

2 Kommentare

  1. Neben dem tat­säch­lich neu­en Begriff einer Christ­li­chen Deka­denz wird man hier auch den der Nar­ziss­ti­schen Beschei­den­heit zu bemü­hen ver­sucht sein. Doch viel­leicht ver­hält es sich auch anders — und Fran­zis­kus sucht ein Got­tes­ur­teil. Und die Mit­tel dazu benennt er mit dem Gebet ganz rich­tig. Das for­ma­le Ziel wäre die Klä­rung, ob er vom Teu­fel ist oder sei­ne Geg­ner. Das ins­ge­hei­me Ziel, er ist immer­hin Mar­xist und Dia­lek­ti­ker, dürf­te aller­dings irgend­ei­ne „neue“ Syn­the­se sein. Man darf die­sen (men­ta­len) Sta­li­ni­sten in Papst­form nicht unter­schät­zen.

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