Keine Kommunion für Protestanten – aber keiner soll es erfahren

Interkommunion: Glaubenskongregation verwirft den Vorstoß von Kardinal Marx und der Deutschen Bischofskonferenz. Doch wo steht Papst Franziskus?
Interkommunion: Glaubenskongregation verwirft den Vorstoß von Kardinal Marx und der Deutschen Bischofskonferenz. Doch wo steht Papst Franziskus?

(Rom) Die römische Kongregation für die Glaubenslehre hat den Vorstoß der Deutschen Bischofskonferenz abgelehnt, Protestanten zur Heiligen Kommunion zuzulassen, ohne daß sie sich bekehren. Dies meldete gestern das Nachrichtenportal Kath.net unter Berufung auf „gut informierte Vatikanquellen“. Eine offizielle Bestätigung durch Rom liegt bisher nicht vor, doch scheint es keine begründete Zweifel mehr zu geben. Die Glaubenskongregation hat das aufsehenerregende Vorpreschen der von Kardinal Reinhard Marx angeführten deutschen Bischofsfronde blockiert. Herrscht damit Klarheit in Sachen Interkommunion? Leider nicht.

Kath.net berichtete gestern nachmittag von einem „Knalleffekt aus dem Vatikan“. Im vergangenen Februar trat Kardinal Marx vor die Presse und gab eine pastorale Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz bekannt: Unter Verweis auf einen inzwischen berühmt-berüchtigten „Einzelfall“ werde protestantischen Ehepartnern die Zulassung zur Heiligen Kommunion erlaubt.

Interkommunion - die Gegenspieler in der DBK: Kardinal Marx (links) und Kardinal Woelki
Interkommunion – die Gegenspieler in der DBK: Kardinal Marx (links) und Kardinal Woelki

Die von Kardinal Marx angeführte Mehrheitsfraktion der Bischofskonferenz stützte sich auf den fiktiven, regelrecht an den Haaren herbeigezogene Fall, wenn es wegen der Nichtzulassung zur Kommunion in einer verschiedenkonfessionellen Ehe zu einer „Ehekrise“ kommen sollte.

Laut dem US-Vatikanisten Edward Pentin stimmten lediglich 13 von 67 deutschen Bischöfen gegen den Marx-Vorstoß. Von dieser Minderheitsfraktion wagten nur sieben Bischöfe, angeführt von Kardinal Rainer Maria Woelki, sich an die Glaubenskongregation in Rom zu wenden mit der Bitte um Klärung, ob ein solcher Vorstoß mit der Glaubenslehre und der Sakramentenordnung vereinbar ist.

Mehrere Kurienkardinäle reagierten mit Ablehnung und Empörung auf den deutschen Angriff auf die Sakramentenordnung, darunter Kardinal Francis Arinze, der ehemalige Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Müller, Kardinal Walter Brandmüller und Kurienkardinal Paul Josef Cordes, der zu verstehen gab, daß der Vorstoß von Kardinal Marx keineswegs theologisch „gedeckt“ sei.

Was hat Rom zur Interkommunion entschieden?

In Ermangelung einer offiziellen Stellungnahme herrscht noch einige Unklarheit. Grund dafür sind aufgeregte Aktivitäten der Deutschen Bischofskonferenz hinter den Kulissen, seit Berichte über eine negative Antwort der Glaubenskongregation bekannt wurden. Kardinal Marx versucht durch Interventionen in Rom, eine Verlautbarung der Glaubenskongregation zu verhindern. Da er einen negativen Bescheid nicht in einen positiven verwandeln kann, wäre eine Nichtverlautbarung zum derzeitigen Augenblick bereits ein Erfolg.

Pentin: Franziskus verhinderte Veröffentlichun des negativen Bescheids der Glaubenskongregration
Pentin: Franziskus verhindert Veröffentlichung der Entscheidung der Glaubenskongregration

Die Bestätigung für den Kath.net-Bericht, daß die Glaubenskongregation gegen die pastorale Handreichung der DBK entschieden hat, lieferte gestern der US-Vatikanist Edward Pentin (National Catholic Register). Pentin wußte aber noch mehr zu berichten: Papst Franziskus wünscht, daß die Glaubenskongregation ihren negativen Bescheid nicht veröffentlicht. Er solle der Deutschen Bischofskonferenz unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt werden. Die Gründe für diesen päpstlichen „Wunsch“, so Pentin, sind nicht bekannt. Er erklärt aber die unorthodoxe Weise, auf die die Ablehnung durch die Glaubenskongregation bekannt gemacht wurde.

Handelt es sich um eine päpstliche Rücksichtnahme auf die „Empfindlichkeiten“ der deutschen Bischöfe? Oder sind darin bereits erste Konsequenzen aus den schnellen Interventionen von Kardinal Marx in Rom zu sehen?

Laut Kath.net-Bericht habe der negative Bescheid der Glaubenskongregation die Approbation von Papst Franziskus erhalten. Tatsächlich hatte Franziskus aber im November 2015 in der lutherischen Christuskirche in Rom kryptisch verklausuliert anderes gesagt. Er erklärte, „nie“ seine Zustimmung geben zu werden, daß protestantische Ehepartner die Heilige Kommunion empfangen dürfen, fügte aber hinzu, daß diese Frage jeder protestantische Ehepartner vor seinem Gewissen selbst entscheiden solle. Implizit gab das Kirchenoberhaupt damit zu verstehen, daß eine solche Gewissensentscheidung – wie immer sie ausfalle – von ihm und damit der Kirche akzeptiert werde.

Das lutherische Publikum verstand und quittierte die Worte des Papstes mit kräftigem Applaus.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Twitter (Edward Pentin/National Catholic Register (Screenshots)

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1 Kommentar

  1. Kardinal Marx wird Protestanten zur Kommunion zulassen, egal wie Rom dazu steht. Es wird auch keine Konsequenzen haben. Für Papst Franziskus gibt sowieso keine nennenswerten Unterschieden zwischen den Weltreligionen, da sind die Protestanten im Grunde auch katholisch. Sind wir doch ehrlich, die katholische Kirche in Deutschland feiert den Gottesdienst in Erinnerung an das letzte Abendmahl und hat somit das gleiche Abendmahlsverständnis wie die Protestanten. Papst Franziskus steht dieser Auffassung sehr nahe. Ein evangelischer deutscher Bischof hat gesagt, der Papst hat etwas sehr protestantisches. Mit vielen ganz selbstverständlichen katholischen Dingen hat dieser Papst ein Problem.

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