Kardinal Burke persona non grata

Kardinal Burke
Die Anwesenheit von Kardinalpatron Burke bei der Internationalen Lourdes-Wallfahrt 2018 offenbar nicht erwünscht.

(Rom) Vor 160 Jah­ren ist 1858 in Lour­des die Got­tes­mut­ter erschie­nen. Die­ses Ereig­nis­ses wird in der katho­li­schen Welt 2018 gedacht. Vom 4.–8. Mai fin­det die 60. Inter­na­tio­na­le Lour­des-Wall­fahrt des Mal­te­ser­or­dens statt. Dar­an wer­den nach der­zei­ti­gem Stand 6.500 Rit­ter und Damen samt Beglei­tung sowie 1.300 kran­ke und behin­der­te Pil­ger teil­neh­men. Laut Infor­ma­tio­nen wur­de Kar­di­nal Bur­ke, obwohl Kar­di­nal­pa­tron des Ordens, nicht dazu ein­ge­la­den.

Die Infor­ma­tio­nen stam­men, laut der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen fran­zö­si­schen Inter­net­sei­te Ripo­ste Catho­li­que aus aus der neu­en Ordens­füh­rung nahe­ste­hen­den Quel­len.

Bereits 2017 war der Kar­di­nal nicht mehr ein­ge­la­den wor­den, nach­dem es durch päpst­li­che Inter­ven­ti­on zu einem erzwun­ge­nen Wech­sel an der Spit­ze des Ordens gekom­men war.

Die erste Degradierung

Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke hat­te sich im Rah­men der ersten Bischofs­syn­ode über die Fami­lie im Okto­ber 2014 gegen die Poli­tik von Papst Fran­zis­kus zur Auf­wei­chung des Ehe­sa­kra­men­tes gestellt. Der Kar­di­nal pran­ger­te Aktio­nen an, mit denen die Syn­ode mani­pu­liert wer­den soll­te und kri­ti­sier­te einen Bruch mit der kirch­li­chen Glau­bens­leh­re und Pra­xis.

Nach Abschluß der Syn­ode setz­te ihn Papst Fran­zis­kus den dama­li­gen Prä­fek­ten des Ober­sten Gerichts­ho­fes der Apo­sto­li­schen Signa­tur im Zuge einer Säu­be­rungs­ak­ti­on ab und ent­fern­te ihn aus dem Vati­kan. Fran­zis­kus schob den US-Kar­di­nal als Kar­di­nal­pa­tron zum Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­den ab. Dabei han­delt es sich zwar um ein pre­sti­ge­träch­ti­ges Amt, aber ohne jeden Ein­fluß auf die Lei­tung der Welt­kir­che.

Zum Jah­res­wech­sel 2016/2017 kam es zu einem Kon­flikt zwi­schen dem dama­li­gen Groß­mei­ster Fra Mat­thew Festing und sei­nem Groß­kanz­ler Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger. Letz­te­rer rief den Hei­li­gen Stuhl zu Hil­fe, der ihm zur Sei­te sprang. Auf wenig ele­gan­te Wei­se wur­de der Groß­mei­ster inner­halb weni­ger Wochen demon­tiert und von Papst Fran­zis­kus Ende Janu­ar 2017 zum Rück­tritt gezwun­gen. Boe­sela­ger wur­de von Fran­zis­kus wie­der als Groß­kanz­ler ein­ge­setzt und gilt seit­her als die eigent­li­che Macht­zen­tra­le im Orden.

Die zweite Degradierung

Zugleich wur­de auch Kar­di­nal Bur­ke ent­mach­tet. De jure blieb er zwar Kar­di­nal­pa­tron, also offi­zi­el­ler Ver­tre­ter des Pap­stes beim Rit­ter- und Hospi­tal­or­den, doch ernann­te Fran­zis­kus mit Kuri­en­erz­bi­schof Ange­lo Becciu, dem Sub­sti­tu­ten des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs, einen Son­der­be­voll­mäch­tig­ten mit den Zustän­dig­kei­ten eines päpst­li­chen Kom­mis­sars.

Kar­di­nal Bur­ke wur­de zur Last gelegt, Groß­mei­ster Festing dar­in unter­stützt zu haben, die katho­li­sche Moral­leh­re zu ernst genom­men zu haben. Im Gegen­satz zu Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, den Fran­zis­kus zwar ele­gan­ter vor die Tür setz­te (offi­zi­ell nach Ablauf einer regu­lä­ren Amts­zeit), ver­fügt Kar­di­nal Bur­ke zumin­dest noch auf dem Papier über ein Amt.

Am ver­gan­ge­nen Sams­tag nahm der Kar­di­nal in Rom an der Tagung „Katho­li­sche Kir­che quo vadis?“ teil. Im Vor­feld hat­te es Kar­di­nal Bur­ke nicht nur als Mög­lich­keit, son­dern als Pflicht bezeich­net, den Papst zu kri­ti­sie­ren, wenn die­ser von der katho­li­schen Glau­bens­leh­re und Pra­xis abwei­chen soll­te.

Persona non grata

Bereits zur 59. Inter­na­tio­na­len Lour­des-Wall­fahrt von 2017 gab die neue Ordens­lei­tung unter Boe­sela­ger zu ver­ste­hen, daß man Kar­di­nal Bur­ke zwar als Kar­di­nal­par­t­ron dul­den müs­se, er im Orden aber per­so­na non gra­ta sei.

Bur­ke hat­te nach sei­ner Ernen­nung zum Kar­di­nal­pa­tron 2015 und 2016 die jewei­li­ge Jah­res­wall­fahrt ange­führt und in Lour­des für die Wall­fah­rer die Hei­li­ge Mes­se zele­briert. Auch 2018 gilt laut ordens­in­ter­nen Infor­ma­tio­nen für ihn, daß er bei der Inter­na­tio­na­len Lour­des-Wall­fahrt nicht erwünscht sei. Auch die Tat­sa­che, daß es sich um das 160. Jubi­lä­um der Mari­en­er­schei­nun­gen han­delt, konn­te dar­an nichts ändern. Wer Fran­zis­kus wider­spricht, hat einen schwe­ren Stand und wird nicht nur beim Hei­li­gen Stuhl ohne jede Barm­her­zig­keit zur per­so­na non gra­ta.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Ripo­ste Catho­li­que

2 Kommentare

  1. Gott sei Dank küm­mert es Kar­di­nal Bur­ke nicht, was Men­schen von ihm hal­ten. Solan­ge sich die der­zei­ti­ge Füh­rungs­si­tua­ti­on des Mal­te­ser­or­dens nicht ändert, hal­te ich des­sen Aktio­nen auf­grund der Zuge­hö­rig­keit sei­ner Ver­ant­wor­tungs­trä­ger zu Ver­ei­ni­gun­gen, deren Mit­glied­schaft als Tat­stra­fe den Aus­schluss aus der Kir­che nach sich zie­hen für nich­tig.

  2. Hät­te Papst Ber­go­glio auch so sanft­mü­tig reagiert wie Kar­di­nal Bur­ke, der mit respekt­vol­len, lega­len, sach­li­chen Mit­teln sei­nen Pil­ger-Kreuz­weg auf Erden gegen eisi­gen Gegen­wind geht?

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