Papst Franziskus ist vielen US-Katholiken „zu links“

Papst Franziskus
Papst Franziskus: Für US-Katholiken ist er „zu links“.

(Washing­ton) Den US-Katho­li­ken ist Papst Fran­zis­kus „zu links“. Zudem emp­fin­den sie ihn in zuneh­men­dem Maße als „naiv“. Dabei ver­hal­ten sich vie­le Medi­en ihm gegen­über sehr wohl­wol­lend. Die Geschich­te eines Sym­pa­thie­ver­lu­stes am Main­stream vor­bei.

Im RAI Dos­sier „Der unbe­que­me Papst – Fünf Jah­re Papst Fran­zis­kus“, das am 3. März aus­ge­strahlt wur­de, kam der Rom-Kor­re­spon­dent von Reu­ters, Phil­ipp Pul­el­la, zu Wort. Reu­ters ist eine der drei gro­ßen, inter­na­tio­na­len Pres­se­agen­tu­ren, und damit einer der drei ein­fluß­reich­sten, glo­ba­len Mei­nungs­ma­cher. Der Kor­re­spon­dent erklär­te, daß Papst Fran­zis­kus in den USA „sehr beliebt“ sei und sinn­ge­mäß wei­ter, daß nur eini­ge, klei­ne „kon­ser­va­ti­ve“ Grup­pen gegen ihn Lärm machen wür­den.

Dem wider­spre­chen die jüng­sten Erhe­bun­gen des Pew Rese­arch Cen­ter (PEW), dem renom­mier­te­sten, reli­gi­ons­so­zio­lo­gi­schen Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut der Welt. Das Insti­tut frag­te nach der poli­ti­schen Ein­stel­lung und den Sym­pa­thien für das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt.

Gestern ver­öf­fent­lich­te auch das argen­ti­ni­sche Wochen­ma­ga­zin Per­fil in einer Repor­ta­ge die neu­en PEW-Zah­len. Pikant, denn Per­fil ist das Maga­zin, mit dem die neue argen­ti­ni­sche Aus­ga­be des Osser­va­to­re Roma­no ver­teilt wird. Die Zei­tung erscheint jeden Sams­tag und jeden Sonn­tag in gedruck­ter Aus­ga­be. Im Inter­net ver­öf­fent­licht sie tages­ak­tu­ell. Gestern titel­te Per­fil in der Online-Aus­ga­be:

„Fran­zis­kus ist in den USA immer weni­ger popu­lär und gilt als ‚sehr links‘“

Jor­ge Mario Ber­go­glio sei in Argen­ti­ni­en „wie­der­holt als über­zeug­ter Pero­nist“ dar­ge­stellt wor­den. Eine Ein­schät­zung, die durch sei­ne Distanz gegen­über der Regie­rung von Staats­prä­si­dent Macri unter­stri­chen wird, so Per­fil.

In der Tat hat­te sich Kuri­en­bi­schof Mar­ce­lo San­chez Soron­do, der poli­ti­sche Arm des Pap­stes, erst am ver­gan­ge­nen Sams­tag in Bue­nos Aires mit dem har­ten Kern der Macri-Geg­ner getrof­fen. Dabei, so Medi­en, sei es auch um gemein­sa­me Stra­te­gien gegan­gen.

„Die­sel­be Wahr­neh­mung“ gibt es auch in Nord­ame­ri­ka, wo die Sym­pa­thien für den Papst in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren vor allem unter Katho­li­ken, die den Repu­bli­ka­nern nahe­ste­hen, deut­lich gesun­ken sind, wäh­rend sie unter Demo­kra­ten wei­ter­hin sehr hoch sei­en.

Verschiebungen in den USA

Sich „posi­tiv“ über den Papst zu äußern, ist unter US-Katho­li­ken unab­hän­gig von ihren poli­ti­schen Posi­tio­nen eigent­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Des­halb fal­len Ver­än­de­run­gen beson­ders ins Gewicht. Unter US-Katho­li­ken, die sich rechts der Mit­te ver­or­ten, ist die Zustim­mung gegen­über Papst Fran­zis­kus in den ver­gan­ge­nen Jah­ren um elf Pro­zent gesun­ken, so PEW.

PEW-Studie: Papst Franziskus „zu links“ und „naiv“
PEW-Stu­die: Papst Fran­zis­kus „zu links“ und „naiv“

Grund dafür, sei die Wahr­neh­mung, daß vie­le Katho­li­ken den Papst als „naiv“ und „zu libe­ral“ ein­schät­zen, wobei „libe­ral“ in den USA soviel heißt wie „zu links“.

Das PEW-Insti­tut führ­te 2015 eine erste Erhe­bung durch und konn­te nun die Zah­len mit der neu­en Erhe­bung ver­glei­chen. 2015 bezeich­ne­ten 16 Pro­zent der repu­bli­ka­ni­schen US-Katho­li­ken Fran­zis­kus als „naiv“, heu­te ist es jeder Drit­te. Auch unter den Demo­kra­ten sagen das heu­te vier Pro­zent mehr als noch vor drei Jah­ren. Noch deut­li­cher wird die Ent­frem­dung bei der zwei­ten Aus­sa­ge: 2015 emp­fan­den 23 Pro­zent der repu­bli­ka­ni­schen US-Katho­li­ken Fran­zis­kus als „zu links“, heu­te sind es gan­ze 55 Pro­zent. Eine deut­li­che Mehr­heit. Auch unter den der  Demo­kra­ti­schen Par­tei nahe­ste­hen­de Katho­li­ken sagen fast 20 Pro­zent, daß Fran­zis­kus „zu links“ ist.

Sich gene­rell nega­tiv über den Papst zu äußern fällt unter US-Katho­li­ken deut­lich aus dem Rah­men. In der ersten PEW-Erhe­bung lagen demo­kra­tisch und repu­bli­ka­nisch gesinn­te US-Katho­li­ken in ihrer Ein­schät­zung gleich­auf: bei bei­den gaben nur vier Pro­zent ein nega­ti­ves Urteil zu Fran­zis­kus ab. Wäh­rend die Ableh­nung unter US-Katho­li­ken links der Mit­te gleich blieb, schnell­te sie rechts der Mit­te auf 18 Pro­zent hin­auf.

Unter US-Katho­li­ken links der Mit­te, ist die Zustim­mung zu Fran­zis­kus hin­ge­gen im sel­ben Zeit­raum um zwei Pro­zent­punk­te gewach­sen.

Der Papst und die Medien

PEW nennt einen wei­te­ren Punkt als Indi­ka­tor: Die Zahl der US-Katho­li­ken, die Fran­zis­kus‘ Poli­tik gegen sexu­el­len Miß­brauch durch Kle­ri­ker für „exzel­lent“ oder „gut“ hal­ten, sank im Ver­gleichs­raum auf 45 Pro­zent ab. Dabei fand die jüng­ste Erhe­bung noch vor dem päpst­li­chen Chi­le-Besuch statt, der den Fall Bar­ros zum inter­na­tio­na­len The­ma wer­den ließ.

Bezo­gen auf die Gesamt­be­völ­ke­rung in den USA ver­lor Papst Fran­zis­kus im ver­gan­ge­nen Jahr zehn Pro­zent an Zustim­mung. Auf die Fra­ge, ob sie den Papst „posi­tiv“ sehen, ant­wor­te­ten Anfang 2017 noch 70 Pro­zent der befrag­ten US-Bür­ger mit Ja, Anfang 2018 aber nur mehr 60 Pro­zent.

Das PEW-Insti­tut geht dar­auf nicht ein, doch stellt sich die Fra­ge, wie die­se Mei­nun­gen zustan­de kom­men, und das hat mit den Medi­en zu tun. Die­se sind dem amtie­ren­den Papst zum Groß­teil, da „libe­ral“ gesinnt, ziem­lich wohl­ge­son­nen. Den­noch sinkt die Zustim­mung kon­ti­nu­ier­lich.

Ganz anders war das unter sei­nem Vor­gän­ger Papst Bene­dikt XVI., der in der US-Bevöl­ke­rung schlech­te­re Zustim­mungs­wer­te erhielt, aller­dings wäh­rend sei­ner gan­zen Amts­zeit unter schwe­rem Dau­er­be­schuß der „libe­ral“ Medi­en stand.

Papst Johan­nes Paul II. genoß die höch­sten Zustim­mungs­wer­te. Die­se kon­zen­trier­ten sich jedoch auf das Jahr­zehnt vor und nach dem Zusam­men­bruch der Sowjet­uni­on. Nach dem Auf­kom­men des soge­nann­ten „Neo­li­be­ra­lis­mus“ änder­te sich die Hal­tung der Medi­en.

Das PEW-Insti­tut spricht davon, daß Fran­zis­kus in den USA nach wie vor ver­hält­nis­mä­ßig „popu­lär“ ist. Es sei aber kein Fun­ke fest­zu­stel­len, der „die Mas­sen reak­ti­vie­re“. Das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut nennt dafür fol­gen­den Indi­ka­tor: Am Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats sag­ten 41 Pro­zent der befrag­ten Katho­li­ken, jede Woche die Mes­se zu besu­chen, 2017 waren es 38 Pro­zent.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Per­fil (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Wenig ver­wun­der­lich, daß Ber­go­gli­os Papst­tum unter Tüch­ti­gen und Wert­kon­ser­va­ti­ven immer weni­ger Zustim­mung fin­det. Obgleich auf­grund der rasan­ten Ent­kirch­li­chung und der kei­nes­wegs weni­ger dra­ma­ti­schen Selbst­sä­ku­la­ri­sie­rung der Kon­zils­kir­che dem Gros der Leu­te das Papst­tum ohne­hin voll­kom­men indif­fe­rent ist. Trotz­dem wird Ber­go­glio sich wie bei lin­ken Revo­lu­tio­nä­ren typisch immer wei­ter radi­ka­li­sie­ren. Das Zer­stö­rungs­werk läuft seit dem Kon­zil auf Hoch­tou­ren, mit Ber­go­glio hat es aber eine zusätz­li­che, undenk­ba­re Dyna­mik erfah­ren, die so bei­spiel­los ist.

  2. War­um nicht ein­fach mal einen Papst, der gera­de das unver­wech­sel­bar Katho­li­sche in all sei­nem Reich­tum liebt, und die­sen Reich­tum neu belebt? Dar­um wur­de Bene­dikt so gemocht. War­um Leu­te, die in jahr­zehn­te­lan­gem ins­ge­hei­men Groll gegen ihre eige­ne Kir­che gelebt haben, auf die Thro­ne set­zen? Kein Wun­der, dass die­se dann rum­fuhr­wer­ken wie die Ber­ser­ker.

Kommentare sind deaktiviert.