Ein Bischof schreibt dem Papst über die Gefahren des dogmatischen Relativismus

Bischof Mario Oliveri: Ein Bischof schreibt dem Heiligen Stuhl wider die Gefahren des dogmatischen Relativismus. Bischof Oliveri wurde 2016 von Papst Franziskus emertiert.
Ein Bischof schreibt dem Heiligen Stuhl wider die Gefahren des dogmatischen Relativismus. Bischof Mario Oliveri wurde 2016, nach einer schmutzigen Kampagne von Papst Franziskus nicht gestützt, sondern gestürzt.

(Rom) Bischof Mario Oliveri, ein traditionsverbundener Bischof Italiens, wurde systematisch demontiert und dann von Papst Franziskus emeritiert. In einem Buch wurden nun seine Briefe an den Heiligen Stuhl „wider die pastoralen Gefahren des dogmatischen Relativismus“ veröffentlicht. Ein Zeitdokument ersten Ranges über die Lage der Kirche.

Bischof Oliveri von Albenga
Bischof Oliveri von Albenga

Bischof Oliveri wurde 1944 als jüngstes von vier Kinder einer ligurischen Bauernfamilie geboren. Am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus des Jahres 1968 zum Priester geweiht. Anschließend studierte er an der Päpstlichen Lateranuniversität und promovierte in Kirchenrecht. Seine Doktorarbeit wurde in einer zweiten Ausgabe sogar vom Vatikanverlag herausgebracht. Er absolvierte die Päpstlichen Diplomatenakademie und trat in den Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls, für den er an den Botschaften des Senegal, in London, Paris und Italien tätig ist. 1990 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Albenga-Imperia an der italienischen Riviera.

In seinem Bistum förderte er die traditionelle Priesterausbildung und die überlieferte Form des Römischen Ritus. Die Konsequenz war, daß das Priesterseminar des kleinen Bistums überdurchschnittlich viele Seminaristen zählte und Bischof Oliveri im Verhältnis weit mehr Kandidaten zu Priestern weihen konnte als zahlreiche Mitbrüder im Bischofsamt. In zahlreichen Pfarreien seines Bistums wurde die Heilige Messe in beiden Formen des Römischen Ritus zelebriert. Er förderte die Niederlassung von altrituellen oder birituellen Orden und Gemeinschaften. Die Franziskaner der Immakulata hatten zum Zeitpunkt des Konklaves von 2013 drei Niederlassungen im Bistum Albenga-Imperia.

Schmutzkübelkampagne

Das Schicksal dieses damals noch blühenden Ordens und von Bischof Olveri ähnelten sich ab diesem Zeitpunkt. Die Franziskaner der Immakulata wurden von der Ordenskongregation mit Zustimmung von Papst Franziskus unter kommissarische Verwaltung gestellt, weil eine kleine Gruppe von Ordensbrüdern den ordensinternen Wechsel zum überlieferten Ritus nicht guthieß. Im Ernennungsdekret für den Kommissar wurde umgekehrt verordnet, daß allen Priestern bis zur individuellen Erteilung einer Sondererlaubnis die Zelebration im überlieferten Ritus verboten war.

Bischof Oliveri schrieb einen Brief an den Heiligen Stuhl und stellte sich schützend vor den verdienten Orden. Zur „Belohnung“ sperrte der päpstliche Kommissar an Weihnachten 2013 die Niederlassungen im Bistum Albenga-Imperia zu.

Bischof Oliveri hatte seit seiner Amtsübernahme eine Gruppe im Klerus gegen sich. Unter den Pontifikaten von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. richtete sie nichts gegen ihn aus. Allerdings wurden aus diesem Kreis in Abständen Medien mit Negativmeldungen beliefert, um Stimmung gegen den Oberhirten zu machen.

Mit der Wahl von Papst Franziskus traten die Gegner des Bischofs immer offener auf und entfachten einen Feldzug. Auf die Stichworte „rückwärtsgewandt“ und „konservativ“ sprangen bestimmte Medien sofort auf. Der Rest hatte alle Zutaten einer regelrechten Kampagne: viele Schmutzkübel, wenig Substanz. In der Regel genügen wenige Parolen: neben den bereits genannten noch „Skandal“ und „Mißbrauch, welcher Art auch immer und von irgendwem. Der Wahrheitsgehalt spielt letztlich keine Rolle.

Schrittweise Demontage

Die schrittweise Demontage des Bischofs zeichnete sich damit ab. Der Grund war derselbe, weshalb die Franziskaner der Immakulata demontiert wurden. Überzeugte und tatkräftige Vertreter der Tradition werden nicht geduldet, erst recht nicht, wenn sie im Gegensatz zu den Modernisten erfolgreich sind.

Bis in die deutschen Gazetten reichte die Schmutzkübelkampagne gegen Bischof Oliveri. Wer glaubenstreu ist, hat in den Medien einiger europäischer Länder wenig Chance auf faire Behandlung, sobald zum Halali geblasen wird. Daß sich die mit großen Schlagzeilen und dem Tonfall moralischer Empörung vorgebrachten Anschuldigungen in Luft auflösen, sobald das angestrebte Ziel erreicht ist, interessiert anschließend niemand mehr, am allerwenigsten die Journalisten. Mit derselben Methode wurde Bischof Mixa (Diözese Augsburg) zu Fall gebracht und die Amtsübernahme von Pfarrer Wagner (Diözese Linz) verhindert.

Bischof Oliveri beim Papst. Ein Lächeln für das Photo, ansonsten blieb Franziskus auf Distanz.

Anfang Januar 2015 wurde Bischof Oliveri von Papst Franziskus ein Koadjutor zur Seite gestellt. Das sollte die Absetzung eines weiteren traditionsverbundenen Bischofs (wenige Monate zuvor hatte Franziskus Msgr. Rogelio Livieres von Ciudad del Este abgesetzt) etwas kaschieren. Der Bischof blieb formalrechtlich im Amt, war aber entmachtet. Der absehbar nächste Schritt folgte am 1. September 2016 mit der Emeritierung des damals 72jährigen Oliveri.

Offiziell begründete der Vatikan die Entlassung nicht, sondern verwies auf das Rücktrittsgesuch des Bischofs. Daß dieses zuvor von Rom verlangt worden war und Msgr. Oliveri wohl auch nicht länger sein Gesicht für die Entscheidungen seines Koadjutors hergeben wollte, blieb unerwähnt. Auch das, was folgte, verlief erwartungsgemäß. Der Koadjutor wurde von Papst Franziskus zum Diözesanbischof ernannt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, „die Altäre wieder zum Volk zu drehen„. Denn, so der neue Oberhirte, ihm gefalle es nicht, „auf einem falschen Altar zu zelebrieren“. Ein abschätzigeres Urteil über den liturgischen Wiederaufbau und die erfolgreichen pastoralen Initiativen von Bischof Oliveri hätte kaum gefällt werden können. Das Klima ist rauh.

Ein Bischof schreibt dem Heiligen Stuhl

Vor wenigen Tagen trat der emeritierte Bischof nun mit einer Publikation an die Öffentlichkeit.

„Ein Bischof schreibt dem Heiligen Stuhl über die pastoralen Gefahren des dogmatischen Relativismus“.

Bischof Mario Oliveris BuchSo lautet der Titel des Buches. Herausgeber ist Msgr. Antonio Livi, der ehemalige Dekan der Philosophischen Fakultät der Päpstlichen Lateranuniversität. Er besorgte auch die editorischen Anmerkungen zu den Briefen. Msgr. Livi schreibt über das Buch:

„Die Briefe an Papst Johannes Paul II., Papst Benedikt XVI. und den Präfekten der Glaubenskongregation dokumentieren den Widerstand, den ein Teil des katholischen Episkopats dem Eindringen jenes dogmatischen Relativismus entgegengesetzt hat, der heute in der Theologie vorherrschend ist und als ‚pastorale Gefahr‘ auftritt, weil er den Glauben und die Haltung des christlichen Volkes zersetzt.“

Und weiter:

„Msgr. Mario Oliveri, der mehr als 25 Jahre Bischof von Albenga-Imperia war, spricht in diesen Briefen Themen von großer Aktualität in der theologischen Diskussion an wie den eucharistischen Kultus nach der Liturgiereform, die Ökumene und den Dialog mit den Juden. Die Antworten, die der Bischof von Albenga vom Heiligen Stuhl erhielt, besonders jene von Papst Benedikt XVI., bezeugen die Schwere der Probleme, die in diesen Briefen ans Licht gebracht wurden, und bestätigen die Richtigkeit der pastoralen Initiativen, die der höchsten kirchlichen Autorität empfohlen wurden.“

Die Publikation ist im Verlag Leonardo da Vinci in der Schriftenreihe Divinitas verbi erschienen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Rorate Caeli/NLM/MiL/Vatican.va (Screenshots)

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