Euthanasieskandal in Belgien: Die Mauer des Schweigens

Euthanasieskandal in Belgien
Neuer Euthanasieskandal in Belgien und die belgischen Medien schweigen darüber.

(Brüssel) Der Neurobiologe und Palliativmediziner Ludo Vanopdenbosch, ehemaliges Mitglied der belgischen Federale Controle- en Evaluatiecommissie Euthanasie (Bundeskommission zur Kontrolle und Bewertung der Euthanasie), deckt mit seinem Rücktritt einen jahrelangen Euthanasieskandal auf. Das belgische Euthanasiegesetz wird willkürlich und systematisch Übertreten, und die gesetzlich vorgesehene Kontrolle versagt.

Associated Press (AP) veröffentlichte Vanopdenboschs Rücktrittsschreiben, mit dem er sich aus der staatlichen Kommission verabschiedete. Das Schreiben richtete er im September 2017 an hochrangige belgische Politiker, um sie darüber zu informieren, in welcher Art die Euthanasiekommission in den Jahren seiner Mitgliedschaft ihre Kontroll- und Aufsichtspflicht wahrgenommen hat:

„Ich will nicht einem Komitee angehören, das willkürlich das Gesetz bricht“.

Dabei ist Vanopdenbosch, der unter anderem Sekretär der Belgischen Berufsvereinigung der Neurologen und seit Jahresbeginn auch Vorsitzender der Vereinigung Flämischer Neurologen ist, selbst Euthanasiebefürworter. Er könne und wolle aber die Illegalität nicht dulden, den Rechtsbruch, der bei der Umsetzung der Euthanasie in Belgien offensichtlich gang und gäbe ist. Das vermuten Kritiker schon seit Jahren.

Vanopdenbosch ist seit 2001 am Algemeen Ziekenhuis Sint-Jan Brugge-Oostende tätig, wo er auch Vorsitzender des Ethischen Komitees ist. Seit 2015 hat er eine Gastprofessur an der Katholischen Universität Löwen.

Seit 2002 ist die Euthanasie in Belgien erlaubt und wurde seither auf immer weitere Kreise ausgedehnt. Selbst unmündige Kinder, egal welchen Alters, können euthanasiert werden. Mit 44 gegen 23 Stimmen und zwei Enthaltungen wurde damals das Euthanasiegesetz vom belgischen Senat in letzter Lesung beschlossen. Mit Ausnahme der flämischen Christdemokraten CD&V und des Vlaams Bloc sprachen sich die liberalen und linken flämischen Parteien und alle wallonischen Parteien für das Gesetz aus. Lediglich vereinzelte Abgeordnete stimmten dagegen oder enthielten sich der Stimme. Seither unterliegt die Euthanasie in Belgien einem vergleichbar tabuisierten „Konsens“ wie die Abtreibung.

Vanopdenbosch schildert Fälle von Ärzten, die ohne die gesetzlich vorgesehene Erlaubnis euthanasiert haben, aber von der Kommission als Aufsichtsbehörde nicht zur Anzeige gebracht wurden. Der Neurobiologe kennt auch den Grund: aus politischen und ideologischen Motiven.

Vorsätzliche Tötung

Eine unerlaubte Euthanasierung kostete einen an Parkinson erkrankten Patienten das Leben.

„Es kann nicht von Euthanasie gesprochen werden, weil der Patient nicht darum ersucht hatte“,

so die Ärztin An Haekens, Leiterin der psychiatrischen Abteilung des Alexianen-Krankenhauses von Tienen.

„Es gibt ein anderes Wort, um zu beschreiben, was hier geschehen ist: vorsätzliche Tötung.“

Wer an Demenz leidet, oder an kognitiven Defiziten, ist mehr gefährdet als andere. Mehr als 360 Ärzte, Akademiker und Intellektuelle haben eine Petition unterzeichnet, mit der sie eine strengere Überwachung der Anwendung des Euthanasiegesetzes fordern.

Mauer des Schweigens

Der Neurobiologe Vanopdenbosch beklagt auch, daß er von anderen Kommissionsmitgliedern aufgefordert wurde, zu schweigen, als er seine ersten Bedenken vorbrachte. Es sei dieses System des Schweigens, das jenen Straffreiheit garantiere, die diese Verbrechen begehen, so das ehemalige Kommissionsmitglied.

Es sei kein Zufall, daß die beiden Präsidenten der Kommission, die Ärzte Wim Distelmans und Gilles Genicot, kategorisch alle Vorwürfe abstreiten.

Inzwischen befaßt sich bereits die internationale Presse mit dem belgischen Euthanasieskandal, sogar Associated Press, eine US-amerikanische Presseagentur. Wer sich bisher nicht damit befaßt, sind die belgischen Medien. Dieselbe Mauer des Schweigens, die seit Jahren in der Kontrollkommission gilt, gilt auch für die Medien. Und offenbar auch für die Politik. Vanopdenbosch hatte sich mit seinem Rücktrittsprotest an die zuständigen Politiker gewandt. Das war vor fünf Monaten.

Die belgische Bundeskommission zur Kontrolle und Bewertung der Euthanasie steht seit Jahren in der Kritik. Kritisiert wird vor allem die Zusammensetzung. Die 16köpfige Kommission besteht mehrheitlich aus Ärzten. Acht Ärzte stehen vier Juristen und vier Vertretern aus Bereichen gegenüber, die mit „unheilbaren Patienten“ zu tun haben.

Die Kritik lautet: Ärzte seien grundsätzlich nicht geeignet, eine Kontrollaufsicht gegen Straftaten auszuüben. Aus offensichtlicher Standessolidarität werden Straftaten anderer Ärzte, die der Kommission bekannt werden, nicht an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet, obwohl dies der Auftrag der Kontrollkommission ist. Hinzu kommen „ideologische“ Motive. Die Kommission setzt sich aus Euthanasiebefürwortern zusammen. Wer aber kontrolliert sich schon ernsthaft selbst?

Kritiker fordern daher seit Jahren, daß die Kontrollkommission mit Vertretern der Justizbehörde besetzt wird, die von Ärzten nur beraten werden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana

1 Kommentar

  1. Die sogenannte Euthanasieregelung in Belgien ist eine Lizenz zum ungestraften Töten;
    und in Zusammenhang mit gezielter Indoktrinierung der Bevölkerung ist es zu einem breiten Abschlachten von Behinderten, Kranken und Lebensmüden gekommen.
    Von 235 Tötungen (2003) geht es kontinuierlich und schnell aufwärts (2013:1807 Tötungen), mit Steigerungsraten zwischen 13% und 49%.
    Auf Deutsch: es wird gekillt, was nur geht.
    Interessant ist der Unterschied zwischen niederländischsprachigen Flamen, stark beeinflußt von den Niederlanden und jahrzehntelang von der Danneelsmafia spirituell berieselt, wo 81% der Tötungen stattfinden (bei 55% der Bevölkerung) gegen die Frankophonen (19% der Tötungen bei 45% der Bevölkerung).
    Dafür werden dann „kulturelle und soziologische Unterschiede“ bemüht.
    Inzwischen werden die meiste Tötungen aus praktischen Gründen (finanziell, Urlaubsantritt von Familienangehörigen, Schonung des Erbes usw.) vorgenommen, mit (ca. 33%) und ohne (ca. 66%) gesetzeskonformer Prozedur.
    Dieser Massenmord hat seine Dynamik entwickelt auf dem Hintergrund von rabiatem antikatholizismus der humanistisch-freigeistigen Verbänden (traditionsgemäß sehr temperamentvoll in Belgien) und totaler Apathie und Schwäche der katholischen Kirche, Dummheit und Feigheit des Episkopats.
    Inzwischen lebt eine ganze Branche von dieser Masenmörderei:
    Tötungsärzte, Hilfspfleger, Bestattungsunternehmen, Psychologen vor und hinterher, Hotellerie…
    Inzwischen gibt es schon die erste „Unfälle“: Dementen, die sich irrtümlicherweise ins falsche Bett legen und leider dann umgespritzt werden usw.
    Eine neue Art tödlicher Massenhysterie wie bei den Hexenverbrennungen vor 350 Jahren.

    https://nl.wikipedia.org/wiki/Euthanasie_in_Belgi%C3%AB#Aantal_euthanasiegevallen_2003-2013

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