Der mordende Diakon im Bistum Brügge

Diakon Ivo Poppe: "Ich bin kein Massenmörder. Ich bin der Erlöser".
Diakon Ivo Poppe: "Ich bin kein Massenmörder. Ich bin der Erlöser".

von Amand Timmermans

Am 22. Januar 2018 wurde vor dem Assisenhof (Schwurgericht) in Brügge der Prozess gegen den Ex-Krankenpfleger und langjährigen Diakon des Bistums Brügge (in Menen/Wevelgem) Ivo Poppe eröffnet.

Zur Last gelegt wurde mannigfacher Mord an mindestens sechs, möglicherweise sogar 20 bis 240 Patienten.

Die gesamte belgische Presse und das Fernsehen berichteten sehr ausführlich und extrem reißerisch.

Sehr wenig dagegen wurde über die kirchlichen und soziologischen Hintergründe  geschrieben- Die bischöfliche Website von Brügge und der Bischofskonferenz (kerknet) blieben stumm.

Ivo Poppe (Jahrgang 1956) trat 1974 mit 18 Jahren ins Priesterseminar von Brügge ein. Damals war Joseph-Emile Desmedt (1900–1985) dort Bischof. Er war modernistisch und sehr bekannt durch seine aufmüpfige Intervention am Anfang des Zweiten Vatikanischen Konzils gegen die 1962 von P. Sebastian Tromp SJ vorgelegte Agenda.

Es waren sehr wirre Zeiten. Gerade das Große Seminar von Brügge führte ein sehr spezielles Eigenleben, wie später ausgiebig ans Licht kam.

Nach zwei Jahren verließ Poppe das Priesterseminar wieder. Im klerikalistischen und religiös borniertem Westflandern wurde hierüber eisern geschwiegen.

Ivo Poppe wurde Krankenpfleger, der erste männliche im dortigen Krankenhaus, und engagierte sich besonders auf der Intensivstation und bei älteren Patienten.

Rasch war er bekannt durch seinen gewaltigen Einsatz, Tag und Nacht.

„Sein Fahrrad stand fast immer vor dem Krankenhaus und vor den Haustüren der Familien mit Kranken.“

1985 wurde Roger Vangheluwe zum Bischof von Brügge ernannt. Selbst pädophil, führte er ein westflämisch orientiertes Kirchenregiment mit enormem Hang für religiöses Theater, mit sehr lauten und inhaltsleeren Parolen, einer ungewöhnlichen Explosion des kirchlichen Personals (in 25 Jahren als Diözesanbischof weihte er 35 Priester und 85 ständige Diakone) und Kultivierung einer religiösen Scheinheiligkeit. Die Zahl der Diözesanpriester brach in derselben Zeit fast auf ein Drittel ein.

Ivo Poppe, religiös interessiert, belegte unter Vangheluwe die Lehrgänge für das Diakonat und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im südöstlichen Westflandern zum ständigen Diakon geweiht.

Besonders rührend wurde kolportiert, wie seine Ehefrau (inzwischen hatte er geheiratet und wurde Vater von zwei Kindern) „viele Stunden lang am Küchentisch die Diakonenstola bestickte“.

Da er sowohl als Krankenpfleger und als ehrenamtlicher Diakon im Krankenhaus tätig war, fiel seine überdurchschnittlich häufige Anwesenheit, besonders nachts, nicht auf.

Später wurde Poppe als ständiger Diakon beim Bistum Brügge angestellt und war bekannt für „seine vielen, schönen Taufen und Eheschließungen“.

In den vergangenen dreißig Jahren wrackte das Bistum Brügge spirituell und in Sachen Glaubensinhalt kontinuierlich ab.

Häretisches, Apostatisches und Unsinniges grassierte. Die verbliebenen Rest-Gläubigen wurden mit Theater unterhalten. Politisch wurde die enge Allianz mit der siechenden Christendemokratie aufrechterhalten und eine demonstrative Gutmenschlichkeit mit selektiver, extremen Toleranz für den Mainstream öffentlich zur Schau getragen.

Parallel dazu, und ursächlich damit verbunden, trat im kirchlichen Bereich verbreitet eine systemisch organisierte Pädophilie auf (Bischof Vangheluwe inklusive), auch verknüpft mit Homophilie und wenigen Fällen von Heterophilie.

Offensichtlich war die Selektion und die Qualität der von Vangheluwe geweihten Priester und Diakone nicht besonders gut, sind in den letzten acht Jahren doch viele gerichtspolizeilich aufgefallen.

Das Gelingen einer jahrzehntelangen Vertuschung von schlimmsten pädophilen Massenkatastrophen ist auch dadurch zu erklären.

Über die seelsorgerische Begleitung des Kirchenpersonals durch den Bischof und seine direkten Mitarbeiter läßt sich nichts eruieren.

Auffallend ist jedoch, daß ein ebenfalls langjähriger Diakon ein Arzt war. Er war sehr lange vom Glauben abgefallen und hatte sich dann durch einen Priester des sehr kleinen Ordens der „Broeders Van Dale“ bekehrt (Der Orden ist völlig verstrickt in die Pädophilie (Fall Tordale in Torhout). Diese Kongregation des bischöflichen Rechts geht wegen des pädophilen Mißbrauchs zugrunde).

Dieser Arzt-Diakon war notabene Facharzt für Psychiatrie mit der Spezialisierung forensische Psychiatrie. Kein Kommentar.

Wenn die Frage nach Aufsicht, Kontrolle, Führung und Begleitung des kirchlichen Personals gestellt wird, stößt man stets auf Abschottung nach außen und  interner systemischer Verseuchung der kirchlichen Strukturen mit organisierter Vertuschung.

Assisenhof Brügge: Prozeß gegen Ivo Poppe
Assisenhof Brügge: Prozeß gegen Ivo Poppe

Poppe bekam am Ende psychologische Probleme.

2013 outete er sich bei seinem Psychologen. Es kam zu einer Hausdurchsuchung, Poppe bekannte erst sehr viel, zog später aber viel wieder zurück. Ein Schulheft mit dokumentierten Tötungen wurde gefunden.

Südwestflandern lag platt.

Mindestens sechs Tötungen (davon vier in seinem familiären Umfeld), dokumentiert sind zwischen 22 und 46 Fälle, theoretisch (durch seine Anwesenheit im Krankenhaus) könnten es bis zu 220 sein.

Nach Poppes Aussagen erfolgten die Tötungen mit Luftinjektionen (Verursachung von Luftembolie). Anfangs habe er auch mit Insulin getötet.

Das Bistum Brügge (Westflandern), durch die vielen Skandale unter Vangheluwe und De Kesel schon am Boden liegend, wurde erneut bis ins Mark erschüttert.

Die Gerichtspolizei sah von Massenexhumierungen ab.

Nach anderthalb Jahren Untersuchungshaft kam Poppe vor Gericht.

Belgien, wo die Euthanasie inzwischen gesetzlich erlaubt ist und explodierend zunimmt, schaut verblüfft auf diesen Fall:

Viele Opfer von Poppe waren überhaupt nicht palliativ oder schmerzgeplagt. Sie waren nicht einmal schwer krank, sondern einfach nur etwas älter und etwas gebrechlich.

Nach eigenem Gusto schritt der Diakon zur Tat und tötete: Massenmord an Unschuldigen und Wehrlosen.

Poppe ist übrigens nicht einsichtig: Seine frühere Aussagen, „Die Leute waren doch alle weitgehend hin…“, zeugen von Respektlosigkeit für diese Patienten.

Seine Verteidigung am 25. Januar2018 war noch schlimmer und demonstrierte zynisch die totale Apostasie:

„Ich bin kein Massentöter…, ICH BIN DER ERLÖSER“(sic).

Diese Aussagen wurden in der gesamten Presse, auch der christdemokratischen oder auf kerknet, nicht kommentiert.

Am Montag 29. Januar 2018 mußte Erzbischof Jozef De Kesel, der 2010–2015 Bischof von Brügge war, ehe er Erzbischof von Mecheln-Brüsel wurde, als Entlastungszeuge für Poppe in den Gerichtsstand treten.

De Kesel mußte in den vergangenen sieben Jahren schon dreimal vor belgischen Gerichten erscheinen. Sein Auftreten wird von der Presse stets mit Argusaugen beobachtet.

Der erste Kommentar des Bistums Brügge zur Sache, 2016, war an Dummheit nicht zu überbieten: „Das geht nun wirklich zu weit“.

De Kesel selbst sagte so gut wie nichts: „Es hat nie Klagen der Bevölkerung über Diakon Poppe gegeben“.

Poppe selbst bat um Mitleid, weil zwischenzeitlich bei ihm Prostatakrebs im Anfangsstadium festgestellt worden war (Er selbst hat für sich keine Euthanasie erbeten).

Er „gehört nicht ins Gefängnis“, er sei “ dort eine weiße Amsel unter Krähen, ein eingesperrter kleiner Fisch…“, so seine Selbstwahrnehmung.

Am Mittwoch. 31. Januar 2018 wurde Diakon Poppe vom Schwurgericht Brügge in fünf Fällen des Mordes schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe von 27 Jahren verurteilt.

Die belgisch-bischöfliche Website kerknet berichtete nichts davon.

Text: Amand Timmermans
Bild: Assisen.be/demorgen.be (Sreenshots)

 

 

 

3 Kommentare

  1. Dies ist einer der ganz wenigen deutschsprachigen Artikel zu diesem bekannten Sumpf, der in Belgien sein bekanntes, grausames Unwesen treibt. Zumindest ein kleines bisschen informiert dieser Artikel. Die Morde könnten durchaus Absichts-Morde gewesen sein, bestimmte Zeugen zu beseitigen. Es ist bekannt, daß man in Belgien schnell mal sterben kann, wenn man seine Nase in etwas hineinsteckt, wohin die Nase nichts zu suchen hat. Die Pädophilie war in Belgien vor einigen Jahren noch sehr gut organisiert.

    Es gab Schuttle-Fahrten mit größeren Autos zu Kirchen und starke Überwachungen von Gebieten. Kinderheime spielen hier immer eine wichtige Rolle. Ebenso Leute und Gruppen, die sehr viel Macht haben.

    Aber uns beschimpft man immer als Verschwörungstheoretiker.

    • An „Raubein“:
      Sie sind kein Verschwörungstheoretiker (dann wären ja alle anderen -die große uninformierte Masse- Realitätspraktiker) sondern einer der wenigen die den Feinsinn haben hinter die Matrix (ja, in dieser leben wir) zu schauen.
      Sie sind einer der wenigen, die aufgrund von Recherchen (damit ohne eigene Schuld) einen Einblick in diese grauenhafte Szene haben.
      Sie sind sicher auch einer der ganz wenigen welche noch 1 + 1 zusammenzählen können.
      Sicher ist Ihnen auch der Fall Dutroux noch in Erinnerung.
      Es gab in diesem Fall alleine über 30 verschiedene Morde – nur um zu vertuschen. Fast sämtliche Zeugen und mögliche Zeugen, sowie ein Staatsanwalt und mehrere Polizisten mussten dran glauben.
      Es wurde unter anderem ein Brief einer sogenannten Hohepriesterin (es war eine Satanspriesterin) bei Dutroux gefunden, in welchem sie um die Zuführung weiterer Opfer im Alter von einem bis 33 Jahren bat.
      Dieser Frau ist nie was passiert.
      Juristisch wurde gezielt die Verbindung (Nihoul) nach ganz oben (bis zum belgischen Königshaus) aus der Schusslinie genommen.
      Dann gab es diese „weissen Märsche“ in Brüssel (mehrere 100.000 Menschen demonstrierten damals mehrfach). Das Volk ahnte sehr wohl was unglaubliches.
      Allerdings wusste diese „Obrigkeit“ (die wahren Mächtigen) sehr wohl, dass diese Demonstrationen und das breite Interesse an diesem Fall schnell wieder abebben würde.
      Hingegen sind die Freimaurerei (inkl. aller wichtigen echten Satanisten) und die ihr angeschlossene (zum Teil mit ihr identische) Hochfinanz straff organisiert. Ein einmal gefasster Plan wird bis zum Erfolg auch durchgezogen. Wer einmal dabei war weicht besser nicht mehr ab.

      In Wirklichkeit sind sie ein Realitätspraktiker.
      Die Beschimpfungen, welche Sie über sich ergehen lassen müssen sind insgeheim eine Auszeichnung der Dummen Mainstreamgläubigen für Sie.

      • Noch etwas an alle Leichtgläubigen:
        Ein Narr ist, wer glaubt, dass es in Belgien jetzt besser ist als Anfang- Mitte der 90er Jahre.
        In Wahrheit dürfte alles nur noch perfekter organisiert sein als früher.
        Auch ist nicht umsonst Brüssel der Sitz der EU geworden.

        Sollte es wieder mal einen Fall Dutroux geben, so darf man auch getrost davon ausgehen, dass es keine Massendemonstrationen mehr geben wird.
        Die jetzige Generation ist zu bequem geworden.
        Auch das weiß unsere „Obrigkeit“ längst.

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