Exorzist des Bistums Chur legt Buch über seine Erlebnisse vor

Exorzismus: Pater Cesar Truqui, Exorzist des Bistums Chur, legte ein neues Buch über seinen Dienst als Exorzist und Schüler von Pater Gabriele Amorth vor.
Pater Cesar Truqui, Exorzist des Bistums Chur, legte ein neues Buch über seinen Dienst als Exorzist und Schüler von Pater Gabriele Amorth vor.

(Rom) Pater Cesar Truqui ist ein Schüler von Pater Gabriele Amorth und selbst Exorzist. 30 Jahre lang war Amorth in der Diözese Rom, dem Bistum des Papstes, für den Exorzismus zuständig. Viele Jahre davon als Hauptexorzist. Nun legte sein Schüler ein Buch über seine Erfahrungen vor.

Der gebürtige Mexikaner, Pater Truqui, ein Legionär Christi, ist Exorzist des Bistums Chur in der Schweiz. In seinem, gestern in Rom vorgestellten Buch berichtet er über seine Tätigkeit als Exorzist und seine Lehrzeit bei P. Amorth. Vorerst liegt das Buch nur in italienischer Ausgabe vor.

Lehrjahre bei Pater Amorth waren prägend

„Während der Begegnungen mit Pater Amorth sprach er viele Male über die Erfahrungen von Christus mit den Dämonen. Die vier Jahre, die ich in seiner ‚Schule‘ verbringen durfte, waren für mein Leben prägend.“

Das neue Buch von P. Cesar Truqui
Das neue Buch von P. Cesar Truqui LC

Pater Truqui lehrt am Päpstlichen Athenäum Regina Apostolorum in Rom. Diese akademische Einrichtung bietet seit einigen Jahren Lehrveranstaltungen über Dämonologie und eine eigene Ausbildung zum Exorzisten an. Im Mai 2017 wurde der 12. Lehrgang abgehalten. Die Ausbildung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Internationalen Exorzistenvereinigung (AIE), die von P. Amorth gegründet wurde und deren Ehrenvorsitzender er bis zu seinem Tod 2016 war.

„Die Beschäftigung mit der geheimnisvollen Kreatur des Dämons und seiner Macht“ sei notwendig, so Pater Truqui, weil es sich um einen Teil der Wirklichkeit handelt. Leider schrecke diese Kreatur nicht nur ab, sondern wecke auch „Neugierde, und das nicht nur unter Gläubigen“.

„Für viele sind Dämonen und Exorzismen etwas aus Filmen, weshalb die Neigung besteht, sie als Fiktion abzutun. In Wirklichkeit wenden sich jedes Jahr Hunderttausende Menschen an Exorzisten, weil sie befürchten, Anzeichen einer diabolischen Besessenheit wahrzunehmen.“

Als Priester, so Pater Turqui, verschließe er keinem Menschen die Tür, „der an Körper oder Geist leidet“. Er bete über vielen Befreiungsgebete. Bevor er jedoch zu einem wirklichen Exorzismus schreite, seien genaue Untersuchungen notwendig. Dazu gehört, den medizinischen und vor allem auch psychischen Zustand der betroffenen Person zu klären.

Erst wenn ihm entsprechende Befunde von Fachärzten vorliegen, prüfe er selbst die Situation näher. Es gebe Möglichkeiten, so der Priester, eine echte Besessenheit zu erkennen. Nach diesen Abklärungen sei er bereit, die Besessenen zu regelmäßigen Begegnungen zu treffen. In der Regel geschehe das einmal in der Woche. Die Zeiten für eine Befreiung können manchmal „sehr lange“ sein.

Kampf gegen das Böse wird bis zum Ende der Tage dauern

„Der Kampf gegen das Böse begann bald mit der Erschaffung des Menschen und wird sich bis zum Ende der Tage fortsetzen. Derzeit befinden wir uns in einer entscheidenden, historischen Phase“, so der Priester: „Auf der einen Seite spricht Papst Franziskus mit großer Natürlichkeit über den Teufel, aber gleichzeitig glauben immer weniger Christen an seine Existenz“.

Wenige glauben an die Existenz des personifizierten Bösen, aber immer mehr brauchen einen Exorzisten.
Widerspruch: Wenige glauben an die Existenz des personifizierten Bösen, aber immer mehr brauchen einen Exorzisten.

Jüngst kritisierte der bekannteste irische Exorzist, Pater Patrick Collins, daß die Diözesanbischöfe kaum Exorzisten ernennen, obwohl der Bedarf in den vergangenen Jahren „exponentiell“ gestiegen sei. Collings nannte als Grund für diese Zunahme ein „ungesundes Interesse“ vieler Menschen am Bösen.

Auch Pater Truqui übt dieselbe Kritik. „Die Bischöfe ernennen wenige Exorzisten und es gibt nicht genügend junge Priester, die bereit sind, sich mit der Befreiung der Seelen in Lehre und Praxis zu befassen.“

Die Kritik ist unter Exorzisten verbreitet, während zahlreiche Kirchenverantwortlichen, auch Bischöfe, einen weiten Bogen um das Thema zu machen scheinen, oder zu wenig sachkundig dazu sind.

Exorzismus – Dienst völliger Barmherzigkeit

Anders als der vom Verlag gewählte Buchtitel „Beruf Exorzist“ (Professione esorcista) nahelegt, sagt der Legionär Christi, daß „Exorzist weder ein Amt noch ein Beruf ist, sondern ein Dienst der völligen Barmherzigkeit, der zu den kostbarsten gehört, die grundlegend für das Leben der Kirche sind“. In diesem Sinn dürfte er den Buchtitel eher im Sinne von „Bekenntnis Exorzist“ verstehen.

Pater Turqui ist seit 2005 Generalsekretär des Instituts Sacerdos von Rom, einem internationalen geistlichen, theologischen und pastoralen Ausbildungszentrum für Priester des Päpstlichen Athenäums Regina Apostolorum.

Pater Truqui pendelt zwischen Rom und dem Kanton Graubünden, wo er auch für die Katholische Mission im Oberengadin tätig ist und – vielleicht als Ausgleich zu seiner „heißen“ Tätigkeit als Exorzist – mitten im Hochgebirge in einer der kältesten Gemeinden der Schweiz lebt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Religion Digital/Wikicommons

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