Annäherung zwischen Vatikan und Peking besorgt Taiwan

China Nationaldenkmal
China: Die Annäherung zwischen dem Vatikan und Rotchina (Volksrepublik China) wird in Nationalchina (Taiwan, Formosa) mit Sorge beobachtet.

(Tai­peh) Tai­wa­ne­si­sche Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te sind besorgt über ein mög­li­ches Abkom­men zwi­schen der Volks­re­pu­blik Chi­na und dem Hei­li­gen Stuhl über die Bischofs­er­nen­nun­gen. Ein sol­ches Abkom­men könn­te nicht nur die Bezie­hun­gen zwi­schen dem Insel­staat und dem Vati­kan bela­sten, so die Poli­ti­ker, son­dern ins­ge­samt die völ­ker­recht­li­che Stel­lung des Lan­des.

Zu Wort mel­de­te sich auch Tai­wans Außen­mi­ni­ster. „Ich beob­ach­te sehr genau die Ent­wick­lung der Kon­tak­te“ zwi­schen dem kom­mu­ni­sti­schen Fest­land­chi­na und dem Vati­kan (sie­he Kir­chen­treue Bischö­fe sol­len in Chi­na regi­me­hö­ri­gen Bischö­fen Platz machen). Der Hei­li­ge Stuhl ist eines der weni­gen Län­der, die mit Tai­wan noch offi­zi­el­le diplo­ma­ti­sche Bezie­hun­gen unter­hal­ten. Die mei­sten ande­ren Staa­ten haben ihre Bezie­hun­gen unter dem Druck der roten Groß­macht in Peking abge­bro­chen.

Lo Chih-cheng, Abge­ord­ne­ter der regie­ren­den Demo­kra­ti­schen Fort­schritts­par­tei (DPP), warnt vor dem Abkom­men. Es sei „eine gro­ße Gefahr für die bila­te­ra­len diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen“ der Insel, da es sich nega­tiv auf die Bezie­hun­gen zu ande­ren katho­li­schen Staa­ten aus­wir­ken könn­te.

Von den 20 Staa­ten, die diplo­ma­ti­sche Bezie­hun­gen unter­hal­ten, sind neben dem Hei­li­gen Stuhl elf latein­ame­ri­ka­ni­sche oder kari­bi­sche Staa­ten. Die mei­sten von ihnen ist die Bevöl­ke­rung mehr­heit­lich katho­lisch, wie der DPP-Abge­ord­ne­te beton­te. Die übri­ge Staa­ten sind Süd­see­inseln und zwei afri­ka­ni­sche Län­der.

Ähn­lich äußer­te sich Lee Yen-hsiu, ein Abge­ord­ne­ter der oppo­si­tio­nel­len Kuomintang. Er warn­te vor einer „diplo­ma­ti­schen Kri­se“, soll­te das Abkom­men abge­schlos­sen wer­den und for­der­te die Regie­rung von Tai­wan auf, geeig­ne­te Maß­nah­men zu ergrei­fen.

Auch Chen Yi-chieh, Abge­ord­ne­ter der oppo­si­tio­nel­len Qin­mindang sieht eine rea­le Gefahr, daß Natio­nal­chi­na wei­te­re Part­ner ver­lie­ren könn­te.

In der Repu­blik Chi­na herrscht im Gegen­satz zur Volks­re­pu­blik Chi­na Reli­gi­ons­frei­heit. Mit dem Vize­prä­si­den­ten Chen Chien-jen, sind die 300.000 Katho­li­ken des Lan­des sogar im höch­sten Staats­amt ver­tre­ten.

Auf For­mo­sa sind etwa sie­ben Pro­zent der Ein­woh­ner Chri­sten. Im Gegen­satz zu Natio­nal­chi­na schwan­ken die Anga­ben für Rot­chi­na. Offi­zi­ell bezif­fert Peking die Zahl der Chri­sten mit 19 Mil­lio­nen. Schät­zun­gen gehen jedoch von 70–80 Mil­lio­nen aus. Mehr als die Hälf­te gehö­ren von der Regie­rung nicht regi­strier­ten Gemein­schaf­ten an und sind daher Gegen­stand der Ver­fol­gung. Dazu gehört auch die rom­treue, katho­li­sche Unter­grund­kir­che.

Das kom­mu­ni­sti­sche Regime in der Volks­re­pu­blik Chi­na brach 1951 die diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen zum Hei­li­gen Stuhl ab.

Text: Andre­as Becker
Bild: Wiki­com­mons