Neues Priestertum für die Südseeinseln und den Amazonas

Neues Südseeinseln-Priestertum mit Sonnenuntergang (für das Weihesakrament?)
Neues Südseeinseln-Priestertum mit Sonnenuntergang (für das Weihesakrament?)

(Rom) In Italien gelangte gestern das neueste Buch über Papst Franziskus in den Handel. „Alle Männer des Papstes“(( Tutti gli uomini di Francesco, Edizioni San Paolo, 2018, ISBN 88-922-1383-0.)) wurde vom Fabio Marchese Ragona, dem Vatikanisten von Mediaset vorgelegt und ist im katholischen Verlag Paoline der Paulus-Schwestern erschienen. Der Untertitel „Die neuen Kardinäle erzählen über sich“ verweist auf den Schwerpunkt. Dabei geht es um wenig glaubwürdige Apologetik und um die erste direkte Bestätigung, daß Papst Franziskus den Priesterzölibat abschaffen will.

Alle Männer des Papstes
Alle Männer des Papstes

Es handelt sich bereits um das zweite Buch des Autors zum derzeitigen Pontifikat. 2016 hatte er das Buch „Vatikanische Macht. Die Geheimdiplomatie von Papst Franziskus“((Potere Vaticano. La diplomazia segreta di Papa Francesco, Edizioni Il Giornale, 2016, ISSN 977-811313545-2.)) veröffentlicht.

Marchese Ragona versammelt in seinem Buch Zeugnisse und Vertraulichkeiten von engen Mitarbeitern von Papst Franziskus. Damit erlaubt er neue Einblicke und enthüllt einige Details, auch dort, wo die Schilderung nicht mit den Aussagen anderer Bergoglianer übereinstimmt. Diese Unterschiede im Narrativ helfen die Glaubwürdigkeit der Erzählung einzuschätzen.

Kardinal Maradiaga: Man ersetze Seilschaft durch Heiligen Geist

Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, der Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras, schrieb das Vorwort zum neuen Buch.

Zur Person: Kardinal Maradiaga ist Vertreter Mittelamerikas im C9-Kardinalsrat und dessen Koordinator. Zuvor war er Präsident von Caritas Internationalis und trat nach der Wahl von Franziskus als eine Art Vize-Papst auf. Zuletzt war er in die Kritik geraten wegen monatlicher Geldzuwendungen, die er sich von der Katholischen Universität von Honduras, deren Großkanzler er ist, überweisen läßt, die höher sind als das Gehalt des US-Präsidenten oder der deutschen Bundeskanzlerin. Der Kardinal scheint jedoch die Krise bereits überstanden zu haben, da Papst Franziskus an ihm festhält. Die Geldzahlungen werden also weiterhin fließen.

Zum Inhalt: Maradiaga berichtet nichts von der „Mafia von Sankt Gallen“, wie es hingegen Kardinal Godfried Danneels in seiner Biographie tut. Er enthüllt nichts von den Zielsetzungen dieses Geheimzirkels, nichts vom Boykott des Pontifikats von Johannes Paul II., nichts von den Versuchen, die Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger zu verhindern. Er berichtet auch nichts von der harten Opposition gegen das Pontifikat von Benedikt XVI., nachdem dessen Wahl nicht verhindert werden konnte. Auch nichts von den Absichten, den deutschen Papst scheitern zu lassen und zum Rücktritt zu treiben, um einen neuen Papst der eigenen Richtung zu wählen. Er schildert nicht einmal, daß Jorge Mario Kardinal Bergoglio, der Erzbischof von Buenos Aires, der Kandidat dieser Gruppe war.

Kurzum, Kardinal Maradiaga verschweigt wesentliche Hintergründe, und das hat seinen Grund. Er schildert Papst Franziskus nämlich als Opfer von Seilschaften. Da paßt es nicht so gut ins Bild, daß er selbst von einer Seilschaft ins Amt gehievt wurde. An die Stelle der „Mafia von Sankt Gallen“ tritt in Maradiagas Erzählung der Heilige Geist. Ein unter Bergoglio-Anhängern beliebter Topos:

„Ich kann natürlich nicht sagen, was in der Sixtinischen Kapelle während des Konklave geschehen ist, aber ich kann eine Sache erzählen: Als sich die Figur des Erzbischofs von Buenos Aires als möglicher neuer Papst abzuzeichnen begann, begannen die berühmten klerikalen Seilschaften, von denen Franziskus heute soviel spricht, sich zu bewegen, um den Plan Gottes zu behindern, der sich zu verwirklichen begann. Jemand (…) setzte sogar in Santa Marta das Gerücht in Umlauf, daß Bergoglio krank sei, daß ihm eine Lunge fehle. (…) Ich sprach mit anderen Kardinälen und sagte: ‚Gut, ich werde zum Erzbischof von Buenos Aires gehen, wenn die Dinge wirklich so liegen, wenn er wirklich krank ist‘. Also sucht ich ihn auf: Ich entschuldigte mich für die Frage, die ich ihm stellen wollte, aber Kardinal Bergoglio, der steht erstaunt war über die Frage, bestätigte mir, daß er, abgesehen von ein bißchen Ischias und einem kleinen Eingriff in seiner Kindheit, um eine Zyste am linken Lungenflügel zu entfernen, keine größeren gesundheitlichen Probleme hatte. Das war eine große Erleichterung: Der Heilige Geist hauchte trotz der Behinderungen durch die Seilschaften, auf die richtige Person.“

Kardinal Stella: Papst Franziskus und das neue Südseepriestertum

Priesterzölibat
Kardinal Stella bestätigt Pläne zur Zölibatsabschaffung

Neben Maradiaga fällt auch die Schilderung eines anderen Papst-Vertrauten, von Kardinal Beniamino Stella, ins Auge. Stella wurde von Papst Franziskus zum Präfekten der Kleruskongregation erhoben und zum Kardinal kreiert. In diesem Amt läßt er bisher jegliches Profil vermissen und scheint bloß ein Notar, der die Zielsetzungen von Papst Franziskus verwaltet.

Stella bestätigt, daß Papst Franziskus die Abschaffung des Priesterzölibats „prüft“. Konkret enthüllte der Kardinal, daß Franziskus überlegt für den Amazonas und „abgelegene Pazifikinseln“ verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Im Sprachgebrauch der Zölibatsgegner werden sie bevorzugt „viri probati“ genannt, ein Begriff, der in der Sache mehr verhüllen als enthüllen soll.

Der Kardinalpräfekt stützt sich für seine „Arbeitshypothese“ namentlich auf den emeritierten bayerischen Missionsbischof Fritz Lobinger, dessen Thesen in Rom angekommen sind. Papst Franziskus macht es möglich.

Die „Einschränkungen“, die Kardinal Stella mit Blick auf die Zölibatsaufweichung als Vorstufe zu seiner Abschaffung anführt, lauten: der Papst „überlegt“, „nur“ für den Amazonas und entlegene Südseeinseln und „alte Männer“.

Solche Einschränkungen sind aber keine Einschränkungen, weil es sie im Zusammenhang mit dem Priestertum nicht geben kann. Die Zugangskriterien zum Weihesakrament sind für lateinische Kirche überall gleich. Die Frage lautet demnach: Fällt der Priesterzölibat oder fällt er nicht? Kardinal Stelle bestätigt im Buch von Marchese Ragona, daß Papst Franziskus ganz konkret überlegt, den Priesterzölibat abzuschaffen, und daß der Weg dahin über die Amazonas-Synode führt.

Wenn Hand an den Priesterzölibat gelegt wird, dann für die ganze Kirche. Eine Einschränkung zur Betreuung von wenigen, für die Welt unsichtbaren Urwald-Indios ist, was sie ist: eine Täuschungsbehauptung.

Die Offenheit mit der in den vergangenen Wochen Vertreter des näheren und weiteren päpstlichen Umfeldes vorgeprescht sind, um die Abschaffung des Priesterzölibats vorzubereiten, zeigt, daß ernst gemacht werden soll. Wie die Dampfwalze Bergoglio funktioniert weiß man inzwischen, ebenso, daß sie funktioniert.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews/Vatican Insider (Screenshots)

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