Franziskus riskiert Schisma

Kardinal Gerhard Müller: Es besteht die Gefahr eines Schismas, wenn der Papst nicht auf die hört, die ernste Frage haben, sondern sie ignoriert oder sogar demütigt.
Kardinal Gerhard Müller: Es besteht die Gefahr eines Schismas, wenn der Papst nicht auf die hört, die ernste Frage haben, sondern sie ignoriert oder sogar demütigt.

(Rom) So deut­lich hat­te es noch nie­mand gesagt. Papst Fran­zis­kus soll es in einem vor­weih­nacht­li­chen Gespräch im klei­nen Kreis ange­deu­tet haben, wie der Spie­gel im Vor­jahr berich­te­te. Nun aber sprach ein Kir­chen­fürst das Wort ganz offen aus, und das nicht irgend­ei­ner, son­dern der ehe­ma­li­ge Glau­bens­prä­fekt Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler. Das Wort heißt „Schis­ma“.

Am 23. Dezem­ber 2016 berich­te­te Der Spie­gel, daß der Papst „im klein­sten Kreis“ und „selbst­kri­tisch“ erklärt habe:

„Nicht aus­ge­schlos­sen, dass ich als der­je­ni­ge in die Geschich­te ein­ge­hen wer­de, der die katho­li­sche Kir­che gespal­ten hat.“

Vor zwei Tagen titel­te die ita­lie­ni­sche Tages­zei­tung Libe­ro: „Schluß mit den Demü­ti­gun­gen, die Kir­che ris­kiert ein Schis­ma“. Die Anspie­lun­gen auf „Demü­ti­gun­gen“ bezie­hen sich auf jene Kir­chen­krei­se, die sich mit Appel­len, Dubia und Cor­rec­tion­es an den Papst wen­den mit der Bit­te um Bekräf­ti­gung von Glau­bens­wahr­hei­ten, um Zurück­wei­sung von Häre­si­en und der Stär­kung der Brü­der im Glau­ben. Demü­ti­gun­gen muß­te der Kar­di­nal aber auch per­sön­lich hin­neh­men. Hier der Libe­ro-Bericht:

„Der ‚revo­lu­tio­nä­re‘ Griff, mit dem Fran­zis­kus sein Pon­ti­fi­kat anpackt, ist bekannt und rüt­telt und spal­tet den Vati­kan, wo die gif­ti­ge Stim­mung gegen Ber­go­glio von Tag zu Tag zunimmt. In einem Gespräch mit dem Cor­rie­re del­la Sera bestä­tigt Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler die­se Situa­ti­on:
‚Es gibt eine Front tra­di­tio­na­li­sti­scher Grup­pen, so wie es eine pro­gres­si­sti­sche gibt, die mich an der Spit­ze einer Bewe­gung gegen den Papst sehen möch­te. Aber ich wer­de es nicht tun. Ich habe 40 Jah­re als Prie­ster mit Lie­be der Kir­che gedient, 16 Jah­re als Pro­fes­sor der Dog­ma­tik und zehn Jah­re als Diö­ze­san­bi­schof.‘
Mül­ler erklärt wei­ter: ‚Ich glau­be an die Ein­heit der Kir­che und erlau­be es nie­mand, mei­ne nega­ti­ven Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen Mona­te zu instru­men­ta­li­sie­ren. Die kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten müs­sen aber jene hören, die ern­ste Fra­gen oder berech­tig­te Beschwer­den haben, und sie nicht igno­rie­ren oder, noch schlim­mer, sie demü­ti­gen.‘ Die Wor­te von Mül­ler sind ganz klar und ein­deu­tig an Fran­zis­kus gerich­tet. Wor­te, auf die noch auf­se­hen­er­re­gen­de­re fol­gen:
‚Andern­falls kann, ohne es zu wol­len, die Gefahr einer lang­sa­men Tren­nung zuneh­men, die in ein Schis­ma eines ori­en­tie­rungs­lo­sen und ent­täusch­ten Tei­les der katho­li­schen Welt mün­den könn­te. Die Geschich­te des pro­te­stan­ti­schen Schis­mas von Mar­tin Luther vor 500 Jah­ren soll­te uns vor allem leh­ren, wel­che Feh­ler zu ver­mei­den sind.‘
Kar­di­nal Mül­ler ist also soweit, die Mög­lich­keit eines Schis­mas zu befürch­ten, eines Erd­be­bens für die Kir­che, das dazu füh­ren könn­te, sie aus­ein­an­der­zu­bre­chen. So wie irgend­ei­ne poli­ti­sche Par­tei.
Mül­ler ist viel­leicht der geach­tet­ste katho­li­sche Theo­lo­ge. Der ehe­ma­li­ge Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on wur­de im ver­gan­ge­nen Juli über­ra­schend von Ber­go­glio ersetzt.
‚Der Papst ver­trau­te mir an: Eini­ge haben mir anonym gesagt, daß sie mein Feind sind, ohne zu sagen in wel­chem Punkt. Nach 40 Jah­ren im Dienst der Kir­che muß­te ich mir das sagen las­sen: Eine Absur­di­tät, die von Schwät­zern aus­ge­heckt wur­de, die bes­ser einen Psych­ia­ter auf­su­chen soll­ten, anstatt dem Papst die Ruhe zu steh­len.‘
Auch in die­sem Fall fin­det er sehr har­te Wor­te. Der Kar­di­nal schließt jeden­falls aus, daß irgend­wer wegen der zu pro­gres­si­sti­schen Posi­tio­nen Kom­plot­te gegen den Papst schmie­det: ‚Eine abso­lu­te Über­trei­bung‘.
Den­noch, das Gespenst eines Schis­mas wur­de von ihm selbst ins Spiel gebracht.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Libe­ro (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. das Schis­ma ist de fac­to schon längst eine Tat­sa­che! aller­dings, ist es de jure noch nicht aus­ge­spro­chen oder sicht­lich aus­ge­bro­chen!
    Dass das Schis­ma nach dem 2. Vat. Kon­zil ent­stan­den ist, kann nie­mand mehr leug­nen!
    die Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät hat sich in Her­me­neu­tik der Un-Kon­ti­nui­tät ‑lei­der- umge­schla­gen.

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