Auch im ärmsten Land wachsen unerwartete Früchte

Wie geht es der Zen­tral­afri­ka­ni­schen Repu­blik? Zen­tral­afri­ka geht es gar nicht gut. Der Krieg schien zu Ende, doch dem ist lei­der nicht so, oder zumin­dest ist dem nicht über­all so. Die rela­ti­ve Ruhe täuscht, die in Ban­gui herrscht, wo es aller­dings auch jüngst Epi­so­den der Gewalt gab. Im Lan­des­in­ne­ren sieht das Bild ganz anders aus. Seit Mai haben Rebel­len­grup­pe – die weder auf­grund ihrer Her­kunft noch ihrer Zie­le genau iden­ti­fi­zier­bar sind – Hun­der­te Tote, ver­brann­te Häu­ser und Tau­sen­de Flücht­lin­ge pro­vo­ziert.

Zwei unmiß­ver­ständ­li­che Anga­ben brin­gen die dra­ma­ti­sche Situa­ti­on, in der sich Zen­tral­afri­ka befin­det, bes­ser als jede ande­re Ana­ly­se zum Aus­druck:

80 Pro­zent des Lan­des wer­den nach wie vor von Rebel­len­grup­pen kon­trol­liert, die anstel­le des Staa­tes ihr Gesetz dik­tie­ren. Der Staat tut sich schwer und ver­zich­tet fast dar­auf, sei­ne Gegen­wart zu zei­gen. Die Abwe­sen­heit des Staa­tes in den Gebie­ten, die von der Haupt­stadt wei­ter ent­fernt sind, war einer der Grün­de, die 2013 zum Krieg führ­ten. Dies zu über­se­hen, könn­te kei­ne gute Stra­te­gie sein. Die Wahl eines neu­en Prä­si­den­ten, die mas­si­ve Prä­senz der UNO, das Inter­es­se und die staat­li­chen Hil­fen der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft schie­nen eine gün­sti­ge Gele­gen­heit, ein neu­es Kapi­tel auf­zu­schla­gen. Bis­her ist dem aber nicht so. Die Ergeb­nis­se haben die Erwar­tun­gen ent­täuscht. Es ist nicht gelun­gen, Schrit­te vor­wärts zu machen. Viel­mehr haben wir viel­leicht sogar Rück­schrit­te gemacht.

Damit kom­me ich zur zwei­ten Anga­be: Im jüng­sten UNO-Bericht fin­det sich Zen­tral­afri­ka auf dem Index der mensch­li­chen Ent­wick­lung an 188. Stel­le von 188 Staa­ten. Wir sind also das ärm­ste Land der Welt. Zen­tral­afri­ka befand sich bereits am unte­ren Ende der Tabel­le. Die ver­gan­ge­nen Kriegs­jah­re haben auch die letz­ten Res­sour­cen auf­ge­braucht. Und mögen die­se Tabel­len auch immer ein wenig unsym­pa­thisch sein – sie gefal­len in der Regel nur dann, wenn man ganz vor­ne dabei ist –, han­delt es sich doch um einen mehr als elo­quen­ten Indi­ka­tor für die wirk­li­che Situa­ti­on im Land.

Es fehlt also nicht an Grün­den, um pes­si­mi­stisch und ent­mu­tigt und auch bereit zu sein, auf­zu­ge­ben. Aller­dings kann man aus einem so tie­fen Punkt nur nach oben stei­gen. Es ist sinn­los, wei­ter­hin einen nicht näher defi­nier­ten Feind zu beschul­di­gen, oder zu hof­fen, daß jemand – fast magisch – kommt, um die Situa­ti­on zu ändern. Viel­leicht ist der Moment gekom­men, etwas zu tun, damit sich etwas ändert. Die Magie, oder bes­ser das Wun­der, das soll­ten die Zen­tral­afri­ka­ner am besten tat­kräf­tig selbst voll­brin­gen durch eine gro­ße, gemein­sa­me Anstren­gung aus Lie­be zum eige­nen Land.

Gott sei Dank geht es dem Kar­mel etwas bes­ser und es fehlt nicht an guten Nach­rich­ten. Die zurück­lie­gen­den Mona­te Sep­tem­ber und Okto­ber waren reich an Ereig­nis­sen.

Am Mor­gen des 16. Sep­tem­ber haben sie­ben jun­ge Män­ner, zwei Zen­tral­afri­ka­ner und fünf Kame­ru­ner, ihr Novi­zi­at im Klo­ster St. Elie in Bou­ar begon­nen. Unter ihnen ist auch Ari­sti­de, unser uner­müd­li­cher Postu­lant und Kran­ken­pfle­ger, der sich Tag und Nacht in unse­rem Flücht­lings­la­ger um die Kran­ken, Ver­wun­de­ten und vor allem die Gebä­ren­den küm­mer­te. Inzwi­schen sind die Flücht­lin­ge fort, sonst hät­ten wir am Ein­gang des Klo­sters ein gro­ßes Schild anbrin­gen müs­sen: „Es tut uns leid, aber unse­re Gebur­ten­sta­ti­on ist geschlos­sen, weil Ari­sti­de sein Novi­zi­at begon­nen hat“.

Am Nach­mit­tag des­sel­ben Tages haben drei Novi­zen, zwei Kame­ru­ner und ein Zen­tral­afri­ka­ner, am Ende ihres Novi­zi­ats die zeit­li­chen Gelüb­de abge­legt. Zwei von ihnen gehö­ren nun unse­rem Kar­mel an. Am 21. Okto­ber leg­te Fra Chri­sto in der Kir­che von Bao­ro die ewi­gen Gelüb­de ab. Er gehört nun für immer zur kar­me­li­ti­schen Fami­lie. Sie­ben Jah­re lang hat­ten wir kei­ne ewi­gen Gelüb­de, wes­halb Ihr unse­re Freu­de erah­nen könnt.

Am Tag dar­auf wur­de Fra Chri­sto in der gro­ßen Kathe­dra­le von Bou­ar zum Dia­kon geweiht und Fra Odi­lon zum Prie­ster. Am näch­sten Mor­gen tra­fen wir uns in unse­rem Klei­nen Semi­nar in Bou­ar-Yolé wie­der, wo P. Odi­lon sei­ne Pri­miz fei­er­te. Ein Moment gro­ßer Freu­de und Brü­der­lich­keit für uns alle. Es war sicher auch eine gro­ße Ermu­ti­gung für jene, die sich noch auf dem Weg befin­den.

Auch im Kar­mel von Ban­gui gibt es Neu­ig­kei­ten. P. Mat­theo wur­de nach vier hel­den­haf­ten Jah­ren, die er im Krieg hier ver­bracht hat­te, in unse­re Mis­si­on Bozo­um geschickt. An sei­ner Stel­le kam Fra Chri­sto nach Ban­gui. Die Postu­lan­ten, um die sich P. Memin küm­mert, der als Pri­or bestä­tigt wur­de, sind der­zeit sie­ben. Die Stu­den­ten, um die sich der Unter­fer­tig­te küm­mert, sind ins­ge­samt neun: sie­ben Zen­tral­afri­ka­ner und zwei Kame­ru­ner. Wei­te­re fünf Stu­den­ten sind der­zeit aus­wärts: drei zum Theo­lo­gie­stu­di­um in Kame­run und zwei zu pasto­ra­len Ein­sät­zen.

P. Arland ist immer hier und küm­mert sich um unse­re viel­ver­spre­chen­de Land­wirt­schaft.

Unse­re Gemein­schaft besteht der­zeit aus 20 Ange­hö­ri­gen, die im Leben, bei Gebet und Arbeit, eine Fami­lie bil­den.

Vor eini­gen Wochen haben wir uns auf den Fried­hof nahe St. Paul des Rapi­des bege­ben, der älte­sten Kir­che Zen­tral­afri­kas. Er ist sicher einer der hei­lig­sten Orte des Lan­des. Hier nahm 1894, dank des Mutes eini­ger fran­zö­si­scher Spiritaner-Priester((Missionsgesellschaft vom Hei­li­gen Geist unter dem Schutz des Unbe­fleck­ten Her­zens Mari­ens, deren Gene­ral­obe­rer 1962 – 1968 Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re, der spä­te­re Grün­der der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. war.)) die Evan­ge­li­sie­rung von Uban­gi-Scha­ri ihren Aus­gang. Von Braz­z­a­vil­le waren sie dem Lauf des Uban­gi auf­wärts gefolgt und gelang­ten in ein klei­nes Dorf, dem heu­ti­gen Ban­gui, wo sich ein klei­ner fran­zö­si­scher Stütz­punkt befand. Vie­le die­ser Mis­sio­na­re star­ben noch in jun­gem Alter, manch­mal nach nur weni­gen Mona­ten, als Opfer von Tro­pen­krank­hei­ten. Sie wur­den auf die­sem Fried­hof begra­ben.

Wäh­rend ich an die­se Hel­den ver­gan­ge­ner Tage den­ke, blicke ich auf unse­re jun­gen Mit­brü­der. Die hier begra­be­nen Hel­den haben sich wahr­schein­lich eine so rei­che Ern­te ihrer har­ten Arbeit gar nicht vor­zu­stel­len gewagt. Die Noch-nicht-Hel­den auf die­sem hei­li­gen Boden sind sich viel­leicht nicht wirk­lich bewußt, die Früch­te die­ser guten Aus­saat zu sein, die ihre Brü­der von damals, die viel­leicht gleich alt waren, in die Erde gelegt haben und die gestor­ben sind, damit die Nach­ge­bo­re­nen das Evan­ge­li­um ken­nen­ler­nen. Es sind noch nicht rei­fe Früch­te. Man­che kön­nen sich noch vom Baum lösen und anders­wo rei­fen, doch Früch­te die­ser Aus­saat sind sie. Mir, dem unwür­di­gen Nach­fol­ger die­ser Hel­den, kommt die uner­war­te­te Freu­de und die gro­ße Ehre zu, die­se Früch­te wach­sen und her­an­rei­fen zu sehen. So kann auch ich ein klein wenig zur Ern­te bei­tra­gen.

Ein Gruß
P. Fede­r­i­co

Es gibt die Mög­lich­keit, die Kar­me­li­ten­mis­si­on des Kar­mels von Ban­gui mit Stu­di­en­sti­pen­di­um zu unter­stüt­zen. Infos auf dem Bild.

Über­set­zung: Andre­as Becker
Bild: Tem­pi

1 Kommentar

  1. Es ist völ­lig klar, dass es gera­de in armen Län­dern reli­gi­ös auf­wärts geht. Deutsch­land und West­eu­ro­pa ist durch sei­nen Reich­tum kor­rum­piert. Ich erwar­te auch bei uns Bes­se­rung, wenn die sicher zu erwar­ten­de Ver­ar­mung ein­tritt.

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