Apostolischer Nuntius in Portugal „zu wenig bergoglianisch“?

Nuntius Rino Pasigato mit dem vorigen portugiesischen Staatspräsidenten Anà­bal Cavaco Silva (2006-2016)
Nuntius Rino Pasigato mit dem vorigen portugiesischen Staatspräsidenten Anà­bal Cavaco Silva (2006-2016)

(Lissabon) In Portugal stehen mehrere Bischofsernennungen bevor. Einige Bischöfe und Priester scheinen davor noch den amtierenden Apostolischen Nuntius loswerden zu wollen, um seinen Einfluß auf die Ernennungen auszuschalten.

Sie werfen dem Apostolischen Nuntius vor, „zu wenig bergoglianisch“ zu sein und „nur traditionelle“ Bischöfe zu fördern. Dies berichtet die liberale, portugiesische Wochenzeitung Expresso in ihrer aktuellen Ausgabe.

Bereits seit November 2008 verrichtet Titularerzbischof Rino Passigato seinen Dienst als Apostolischer Nuntius in Portugal. Papst Benedikt XVI. hatte den italienischen Priester und Berufsdiplomaten auf die iberische Halbinsel entsandt. Zuvor war Msgr. Passigato als Nuntius in Peru, Bolivien und Burundi tätig gewesen. 1968 zum Priester des Bistums Verona geweiht, absolvierte er die Academia Pontificia Eclesiástica, die renommierte Diplomatische Akademie des Heiligen Stuhles, und trat 1975 in den Diplomatischen Dienst desselben ein.

Die Entscheidungen von Nuntius Passigato seien „beklagenswert“ und „inkompetent“. So und ähnlich lauten nun die Vorwürfe, die von Expresso nach neun Jahren in Portugal gegen ihn verbreitet werden. „Oft ist er wenig human“, wird ein portugiesischer Bischof zitiert, der nicht namentlich genannt werden will. Er bringe die „Unzufriedenheit“ eines „nennenswerten Teiles des Klerus“ mit dem Diplomaten zum Ausdruck.

Keiner der Kleriker die von der Wochenzeitung kontaktiert wurden, laut Expresso mehr als 20, wollte seine Identität preisgeben. In ihren Klagen verweisen sie auch auf Peru und Bolivien, wo der Nuntius vorher Dienst tat. „Die Bischöfe, die durch ihn ernannt wurden, waren alle auf einer traditionalistischen Linie.“ Da nicht anzunehmen ist, daß die portugiesischen Kleriker im Umgang mit Begriffen so unbedarft sind, ist das von Expresso zitierte und gebrauchte Wort „traditionalistisch“ als „konservativ“ zu lesen. Der Vorwurf lautet, Nuntius Passigato habe nur „Konservative“ oder „Karrieristen“ gefördert.

Expresso verweist auf ein „schwieriges Verhältnis“, das der Nuntius mit dem bis 2013 amtierenden und 2014 verstorbenen Patriarchen von Lissabon, José da Cruz Kardinal Policarpo, hatte.

Der Ständige Rat der Portugiesischen Bischofskonferenz wollte vom Nuntius wissen, nach welchen Kriterien er seine Kandidatenvorschläge für die Bischofskongregation in Rom erstellt. Nuntius Passigato habe zu verstehen gegeben, daß er nicht der Bischofskonferenz, sondern dem Heiligen Stuhl verpflichtet sei, weshalb eine Interferenz oder der Versuch einer Einflußnahme auf seine Arbeit durch die Ortskirche nicht angemessen sei.

Die Angriffe gegen den Nuntius scheinen in einem direkten Zusammenhang mit dem unerwarteten Tod des Bischofs von Porto, Msgr. Antonio Francisco dos Santos, zu stehen. Der Bischof war am vergangenen 11. September im Alter von 69 Jahren einem Herzinfarkt erlegen. Damit sind derzeit vier Bistümer des Landes neu zu besetzen (neben Porto das Erzbistum Evora und die Bistümer Funchal und Viseu). Mit kommendem April werden es fünf sein, da aus Altersgründen mit der Emeritierung des Bischofs von Vila Real gerechnet wird. Teile des Klerus sich durch die Nachfolgefrage in Porto nervös geworden. Das Ziel scheint es zu sein, den Nuntius, der die Bischofsernennungen durch seine Konsultationen vorbereitet, noch vorher auszutauschen. Offenbar erwarten sich die Betreiber dieser Aktion von ihm nicht die gewünschten Ernennungen.

Am 7. Oktober wurde der bisherige Weihbischof von Lissabon, Msgr. José Traquina, von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Santarem ernannt. Das scheint die Nervosität noch gesteigert zu haben. Ihre Sorge lautet laut Expresso:

„Diese Situation vakanter Bischofssitze bedeutet, daß der derzeitige Nuntius auf entscheidende Weise den portugiesischen Episkopat der kommenden Jahre modellieren wird“.

Die von der Wochenzeitung genannten konkreten Vorwürfe gegen den Nuntius fallen dann allerdings bescheiden bis peinlich aus. Diese oder jene Bischofsernennung habe „zu lange“ gedauert. „Das Volk der Diözese“ müsse „gehört“ werden. Vor der Ernennung des verstorbenen Bischofs von Porto hätten Priester den Nuntius aufmerksam gemacht, daß er gesundheitliche Probleme habe. Sein naher Tod sei „vorhersehbar“ gewesen.
Vom heutigen Bischof von Angra, Msgr. Joao Lavrador, wird berichtet, er habe den Nuntius gebeten, ihn nicht für die Ernennung vorzuschlagen, damit er bei seinen betagten Eltern auf den Azoren bleiben könne. Die Ernennung sei 2015 dennoch erfolgt und ein Jahr darauf sei der Vater gestorben und im Januar diesen Jahres auch die Mutter. „Es wird viel über die Familie geredet, und dann trifft man solche Entscheidungen“, zitiert Expresso einen Priester, der das offenbar wenig human findet. Bischof Lavrador selbst äußerte sich nicht zu der Sache.

Der Sache näher als solcher Tratsch kommt ein eingangs erwähnter Richtungsstreit („zu traditionell“), der mit dem Kirchenverständnis zu tun hat, sowie ein Aspekt, den Expresso zuletzt nennt. Der ehemalige Bischof von Porto, Don Antonio Ferreira Gomes (1952–1982), schrieb in seinem Buch „Cartas al Papa“ (Briefe an den Papst), so Expresso, daß es „viel besser“ wäre, wenn die Unterlagen des Nuntius für Bischofsernennungen von den Ortsbischöfen und den Bischofskonferenzen erstellt würden.

Expresso habe dem Nuntius eine Reihe von Fragen zukommen lassen, aber keine Antwort erhalten.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Ecclesia.pt/MiL (Screenshots)

2 Kommentare

  1. Wenn traditionalistische oder konservative Bischöfe ernannt werden ist es das Normalste, das es gibt in der katholischen Kirche. Das war praktisch fast 2000 Jahre so, würde ich sagen. Es gibt sicher Schlimmeres, als wenn konservative Bischöfe die unveränderbare Lehre Jesu Christi verkünden und damit das Heil der Seelen gewährleisten.

  2. Alles was als Reform bezeichnet wird, läuft auf Revolution hinaus.
    Und Revoluzzer haben einen geistigen Defekt: Sie können nicht erkennen, daß ihr Weg die Lage verschlimmert.
    Seit dem Konzil wird eifrig daran gearbeitet, die Kirche zu neuen Höhen zu führen. Der Erfolg ist krachend.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*