[Update] Unterzeichner der Correctio nehmen zu — Kardinal Ouellet warnt vor falschen Interpretationen von Amoris laetitia

Kardinal Marc Ouellet warnte vor "alarmistischen" und "ungetreuen" Lesarten von Amoris laetitia, das im Licht der Tradition zu lesen sei.
Kardinal Marc Ouellet warnte vor "alarmistischen" und "ungetreuen" Lesarten von Amoris laetitia, das im Licht der Tradition zu lesen sei.

(Rom) Die Zahl der öffent­li­chen Unter­zeich­ner der Cor­rec­tio filia­lis neh­men zu. Vor allem schaf­fen sie zum Teil gan­ze neue Gemein­sam­kei­ten in der Kir­che. Alte Grä­ben wer­den über­wun­den, wäh­rend sich neue auf­tun.

Correctio filialis führt zu neuen Gemeinsamkeiten
Cor­rec­tio filia­lis führt zu neu­en Gemein­sam­kei­ten

Unter den Unter­zeich­nern befin­det sich bei­spiels­wei­se auch Ale­jan­dro Ber­mu­dez Ros­sell, Chef­re­dak­teur der katho­li­schen Pres­se­agen­tur ACI Prensa/Catholic News Agen­cy (CNA), die seit eini­gen Jah­ren auch über eine deut­sche Aus­ga­be ver­fügt. Seit 2014 gehört das Netz­werk, das in fünf Spra­chen Nach­rich­ten ver­öf­fent­licht, zu EWTN, dem welt­weit größ­ten reli­giö­sen Fern­seh­sen­der.

In der Ver­gan­gen­heit fand Chef­re­dak­teur Ber­mu­dez Ros­sell wenig freund­li­che Wor­te für Bischof Ber­nard Fel­lay, den Gene­ral­obe­ren der Pius­bru­der­schaft, mit dem er nun ein gemein­sa­mes Anlie­gen vor­an­trägt und vor einer gefähr­li­chen Ent­wick­lung in der Kir­che warnt.

Kardinal Ouellet und der unmögliche Spagat?

Unter­des­sen warn­te Kar­di­nal Marc Ouel­let vor „alar­mi­sti­schen“ und „unge­treu­en“ Inter­pre­ta­tio­nen des umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia. Der Fran­ko­ka­na­di­er ist seit 2010 Kar­di­nal­prä­fekt der römi­schen Bischofs­kon­gre­ga­ti­on. Zuvor war er Erz­bi­schof von Que­bec und Pri­mas von Kana­da. Am ver­gan­ge­nen Mon­tag sprach er, einen Tag nach der an Papst Fran­zis­kus gerich­te­ten Ver­öf­fent­li­chung der Zurecht­wei­sung wegen der Ver­brei­tung von Häre­si­en vor den 80 Mit­glie­dern der Kana­di­schen Bischofs­kon­fe­renz, die sich im Staat Onta­rio zur Herbst­voll­ver­samm­lung zusam­men­ge­fun­den haben, die noch bis mor­gen dau­ern wird

Kar­di­nal Ouel­let sprach sich auf der Bischofs­syn­ode über Fami­lie gegen die Zulas­sung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten aus. Dar­an hat sich nichts geän­dert. Auch im kana­di­schen Epi­sko­pat gehen die Inter­pre­ta­tio­nen von Amo­ris lae­ti­tia aus­ein­an­der.

Bereits vor einem Jahr stell­ten die Bischö­fe des Staa­tes Alber­ta und der Nord­west-Ter­ri­to­ri­en mit gemein­sa­men „Pasto­ra­len Richt­li­ni­en“ zu Amo­ris lae­ti­tia klar, daß es ein „Irr­tum“ ist, „zu den­ken, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne könn­ten zur Kom­mu­ni­on gehen“.
Im Febru­ar 2017 bekräf­tig­te Kana­das Mili­tär­bi­schof, Msgr. Scott McCaig, die über­lie­fer­te Ehe- und Moral­leh­re. Amo­ris lae­ti­tia kön­ne nur in der „Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät“ ver­stan­den und ange­wandt wer­den. Eine Zulas­sung von jemand, der sich im Stand schwe­rer Sün­de befin­det, dar­un­ter wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne, sei „unmög­lich“.
Eben­falls im Febru­ar 2017 gab der Erz­bi­schof von Otta­wa, Ter­rence Pren­der­gast, bekannt, daß die Pasto­ra­len Richt­li­ni­en der Bischö­fe von Alber­ta auch für sein Erz­bis­tum Gel­tung haben, die mit „gro­ßem Mit­ge­fühlt“ zur Beglei­tung der betrof­fe­nen Fami­li­en auf­for­dern und die „unver­än­der­li­che Leh­re der Kir­che über das Sakra­ment der Ehe und der Eucha­ri­stie bewah­ren“.

Spaltung in der Bischofskonferenz

Als über­zeug­ter Ber­go­glia­ner gilt hin­ge­gen Msgr. Paul-André Duro­cher, Erz­bi­schof von Gati­ne­au. Wäh­rend der zwei­ten Bischofs­syn­ode über die Fami­lie war Msgr. Gati­ne­au am 6. Okto­ber 2015 zu einer der täg­li­chen Pres­se­kon­fe­ren­zen ein­ge­la­den, die vom vati­ka­ni­schen Pres­se­amt und vom Syn­oden­se­kre­ta­ri­at orga­ni­siert wur­den. Ein­ge­la­den wur­den exklu­siv Anhän­ger der Öff­nungs­the­se von Kar­di­nal Kas­per in Rich­tung Schei­dung. Ver­tei­di­gern des Ehe­sa­kra­men­tes blieb das Podi­um ver­schlos­sen.

Erz­bi­schof Duro­cher for­der­te vor der Pres­se das Frau­en­dia­ko­nat und die Lai­en­pre­digt und ließ kei­nen Zwei­fel dar­an, daß sei­ner Mei­nung nach die Leh­re der Kir­che zu Schei­dung und Kom­mu­ni­on geän­dert wer­den kön­ne.

Der kana­di­sche Prie­ster Nicho­las Gre­go­ris, der für Catho­lic World Report, die iri­sche Catho­lic Voice und die von ihm gelei­te­te The Catho­lic Respon­se beim Pres­se­amt des Hei­li­gen Stuhls akkre­di­tiert war, berich­te­te „ent­setzt“ über die Aus­sa­gen Duro­chers. Am näch­sten Tag wur­de Gre­go­ris die Akkre­di­tie­rung ent­zo­gen und sei­ne Anwe­sen­heit im Vati­kan für „nicht mehr erwünscht“ erklärt.

Vor die­ser Kana­di­schen Bischofs­kon­fe­renz,  durch die wegen Amo­ris lae­ti­tia eine Spal­tung geht wie durch die gan­ze Kir­che, sprach am Mon­tag Kar­di­nal Ouel­let und ver­such­te durch kir­chen­po­li­tisch „aus­ge­wo­ge­ne“ Kri­tik an bei­den Sei­ten das Gehör sei­ner Mit­brü­der im Bischofs­amt zu fin­den. Dabei erklär­te er Amo­ris lae­ti­tia für recht­gläu­big, wenn man es im Sinn der über­lie­fer­ten Leh­re und Pra­xis lese und anwen­de.

Ein Spa­gat, den die Unter­zeich­ner der Cor­rec­tio filia­lis für eine Posi­ti­on hal­ten, die objek­tiv nicht durch­zu­hal­ten sei. Dies des­halb, so die Unter­zeich­ner, weil Papst Fran­zis­kus bei einer „gan­zen Rei­he“ von Gele­gen­hei­ten in „Wor­ten, Hand­lun­gen und Unter­las­sun­gen“ „ohne jeden begrün­de­ten Zwei­fel“ Par­tei ergrif­fen habe für die in der Zurecht­wei­sung genann­ten sie­ben häre­ti­schen The­sen, also für das Gegen­teil des­sen, was Kar­di­nal Ouel­let am Mon­tag ver­tre­ten hat. Gleich­zei­tig wei­ge­re sich Fran­zis­kus trotz zahl­rei­cher Auf­for­de­run­gen die kirch­li­che Leh­re, die Ouel­let am Mon­tag in Onta­rio ein­ge­for­dert hat­te, zu bekräf­ti­gen.

[Update: 28.09.2017, 17.33 Uhr] CNA-Chef­re­dak­teur Ale­jan­dro Ber­mu­dez ver­öf­fent­lich­te auf Twit­ter die Nach­richt, er habe die Cor­rec­tio filia­lis nicht unter­schrie­ben. Die Hin­ter­grün­de schei­nen noch etwas unklar. Laut Ber­mu­dez habe jemand miß­bräuch­lich sei­nen Namen ver­wen­det und die Zurecht­wei­sung unter­stützt. In der Tat wür­de die­se Posi­ti­on des ACI Pren­sa/C­NA-Chefs mehr sei­ner bis­he­ri­gen Hal­tung ent­spre­chen. Prof. Joseph Shaw, einer der Initia­to­ren der Cor­rec­tio filia­lis, sprach gegen­über One­Pe­ter­Fi­ve von eini­gen, wenn auch nur „weni­gen“ suspek­ten Unter­stüt­zun­gen, die ein­ge­gan­gen sei­en. Es kön­ne nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, daß ein geziel­ter Stör­ver­such gegen die Initia­ti­ve im Gan­ge sei. Man wer­de jeden Zugang von Unter­stüt­zern, deren Namen ver­öf­fent­licht wer­den, sehr genau prü­fen. Aus die­sem Grund wur­de für den Augen­blick die Ver­öf­fent­li­chung neu­er Namen ein­ge­stellt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CCCB/CCEC (Screen­shot)

5 Kommentare

  1. Wenn die Cor­rec­tio filia­lis recht hat (was für Gläu­bi­ge, die zur über­lie­fer­ten Leh­re der Kir­che hal­ten, fest­steht), dann ist das Ver­lan­gen, Amo­ris lae­ti­tia im Licht der Tra­di­ti­on zu inter­pre­tie­ren, ver­gleich­bar mit dem Ver­lan­gen, Ari­us im Licht des Atha­na­si­us zu inter­pre­tie­ren. Da hel­fen auch vie­le gute Gedan­ken in der Enzy­kli­ka nicht.

    • Das ist ein tref­fen­der Ver­gleich!

      Die­se gan­ze „Interpretations“-Manie ist ja auch ein Krank­heits­sym­ptom unse­rer Zeit. Denn: In cla­ris non fit inter­pre­ta­tio — Dort, wo die Din­ge klar sind, braucht es kei­ne Inter­pre­ta­ti­on.

      Von daher schei­nen auch Kar­di­nal Ouel­lets Aus­sa­gen sehr gezwun­gen. Glaubt er das alles selbst?

  2. Umschwei­fe über Umschwei­fe sehe ich. Stän­dig wird aus­ge­wi­chen, alles auf die lan­ge Bank gescho­ben und dabei ver­geht die Zeit, ohne dass Papst Fran­zis­kus sich ein­deu­tig äußern wür­de.
    Wobei, er sag­te doch dass die Inter­pre­ta­ti­on Erz­bi­schof Schön­borns über Amo­ris Lae­ti­tia rich­tig sei. Braucht man dann noch Bewei­se dafür, dass in Amo­ris Lae­ti­tia Auf­for­de­run­gen zur Häre­sie ver­kün­det wer­den? Für mich ist die Sache klar.
    Nur, wie man am Bei­spiel des genann­ten Prie­ster im Arti­kel lesen kann, der sich gegen Amo­ris Lae­ti­tia äußer­te, wird jeder der dage­gen ist mund­tot gemacht und/oder ent­fernt. Was wohl der eigent­li­che Grund für die nur indi­rek­te, respekt­be­ton­te Kri­tik ist, die von Prie­stern und höhe­ren Wür­den­trä­gern gegen Papst Fran­zis­kus publi­ziert wird.

  3. Der Jesu­it hat zuge­las­sen, dass in Argen­ti­ni­en und anders­wo sakri­le­gisch die Hl. Kom­mu­ni­on an öffent­lich nicht im Stan­de der Gna­de Befind­li­che, soge­nann­te „Wie­der­ver­hei­ra­te­te“, gespen­det wur­de. Er hat dazu geschwie­gen und die­je­ni­gen, die es zulie­ssen, gelobt. Mit jedem Tag des päpst­li­chen Schwei­gens wird daher die Häre­sie grö­sser. Nur eine Wen­de um 180° macht ihn katho­lisch.

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