Weihbischof Dick: „Abneigung gegen alten Ritus so stark, daß man ihn gar nicht zelebrieren läßt“

"Kommunion der heiligen Katharina von Siena" von Domenico Beccafumi (1520)
"Kommunion der heiligen Katharina von Siena" von Domenico Beccafumi (1520)

„In der Praxis ist es allerdings so, dass die Abneigung gegenüber der Form des alten Ritus so stark ist, dass man ihn gar nicht zelebrieren lässt. Da ist die Absicht des Papstes nicht aufgegriffen worden.“

Msgr. Klaus Dick, Weihbischof von Köln, in einem Interview der Tagespost zum 10. Jahrestag des Motu proprio Summorum Pontificum und seiner Umsetzung in der Bundesrepublik Deutschland.

Bild: Wikicommons

10 Kommentare

  1. Wer seine Vernunft nicht hat hypnotisieren lassen, muss sich sagen, dass hier etwas grundsätzlich faul ist. Die Kirche kann doch nicht einen Ritus (bzw „Usus“), den sie anderthalb Jahrtausende oder länger hoch und heilig hielt, von heut auf morgen de facto abschaffen (Papst Paul VI.) und quasi illegalisieren. Etwas muss da falsch laufen – entweder früher oder heute. Beides wäre gleich katastrophal. Papst Benedikt XVI. war sich darüber äußerst im klaren und hat es verschiedentlich zu verstehen gegeben, darum brachte er ja das Motuproprio „Summorum Pontificum“ heraus, um den Widerspruch zu glätten und zu versöhnen. Aber anscheinend soll weiter mit der Brechstange hantiert werden, koste es was es wolle, und machen wir uns nichts vor: die meisten folgen brav hinterher – das geht in der Kirche nicht anders als in der Politik. Aber warum nur ist den Neuerern der überkommene Ritus ein solcher Dorn im Auge?

    • Wer diese ihre Frage beantwortet, die ich genau so stelle, weiß um das Geheimnis des zu beobachtenden latenten Unterganges der Kirche. Ein Hinweis ist der Text der Alta Vendeta, der ewigen Forderung der Freimaurer zur Zestörung der katholischen Kirche. Fast alles wurde in der Folge des Konzils aus dieser Forderung umgesetzt. Deswegen steht die Kirche heute so nackt und schutzlos da. Sie hat so vieles entsorgt. Als erstes entsorgte sie Ihren Schutzpatron, den Hl. Michael. In der Folge entsorgte sie das Heiligste, das in dieser Form seit Gregor dem Großen gültig war, und machte aus dem Opfer Christi eine Mahlfeier mit armseliger Symbolik, die nie erklärt wurde.
      Papst Benedikt wusste darum und ich weiss, das er von Freunden aufgefordert wurde, der Kirche die Wahrheit über das Konzil zu erzählen. Sein erster Schritt zurück zu den Wurzeln war sein Muto proprio „Summorum pontificum“ aber zu mehr fehlte ihm die Kraft. Offensichtlich hat er heilsgeschichtlich die Aufgabe des Katechonm aber nicht die Aufgabe einer wahren Reform im Sinne der Wiederherstellung der Form, die den Weg der Kirche zur Heiligkeit erkennen lässt.

    • Unlängst war ich in Toledo, der einzige Ort der Welt, wo noch das „Rito Mozárabe“ wöchentlich gefeiert wird. In meiner Heimatstadt Graz gehe ich einmal pro Monat zur katholischen byzantinischen Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomus.
      Beide Riten sind viel älter als das Tridentinische.
      Beide gültig.
      Beide wahr.
      Beide schön.

      • Die überlieferte Messe gab es bereits vor dem Konzil von Trient. Außerdem ist das Alter nicht unbedingt ein Argument, auch nicht die von Ihnen genannte Schönheit.
        Da wir katholisch sind, gehen wir in die überlieferte Messe. Der Besuch von anderen gültigen katholischen Liturgien kann dazu führen, vom wesentlichen abgelenkt zu werden. Dann geht es mehr um die Ästhetik als um das Heil der Seelen.
        Wobei ich Ihnen das nicht unterstelle. Es gibt nur keinen Grund diese anderen Liturgien zu besuchen, weil in der überlieferten Messe alles enthalten ist.

  2. Die Ablehnung des alten Ritus ist auch unter den Gläubigen, oder besser gesagt, den Gottesdienstbesuchern von heute weit verbreitet. Die Feier der Eucharistie in der ao. römischen Form verlangt nämlich ein gewisses Maß an Eigeninitiative (lernen von lateinischen Texten und Gebeten) und vor allem einem andächtigen Mitfeiern der Messe in einer demütigen Haltung, vor allem in Ruhe und Stille. Gerade das aber ist den meisten Kirchgängern von heute völlig fremd.
    Ich erlebe in meiner Heimatgemeinde, wie z.B. schon beim Eintreffen der Messbesucher in der Kirche vor dem Gottesdienst ein lautes Geschnatter erschallt, das kaum zu ertragen ist. Hier fehlt die grundlegende Eigenschaft der Ehrfurch vor Gott und dem Gottesdienst. Unter diesen Umständen lehnen natürlich die meisten den alten Ritus ab.
    Das aber dem Niedergang der würdigen Gottesdienstfeier von seiten der Kirchenoberen seit dem Konzil noch Vorschub geleistet wird, ist mir völlig unverständlich. Denn was über tausend Jahre lang richtig war, kann heute nicht falsch sein, nur weil unser Zeitgeist dies heute gerne so hätte.

  3. Mich würde interessieren, ob Benedikt, als er seinerzeit Papst war, auch einmal die Hl. Messe in der alten, doch ewig gültigen Form zelebriert hat?
    Soweit mir bekannt ist, nicht.
    Dies hätte nämlich ein starkes Zeichen sein können und seiner Entscheidung die nötige Schubkraft und Glaubwürdigkeit verschafft.

    • Da gibt es von 2010 einen Bericht:
      http://www.kath.net/news/26433

      Dass er der ao Ritus nur bei privaten Messen zelebriert hat und nicht öffentlich, kann damit zusammenhängen, dass das Umfeld dies nicht zu gelassen hat. Ich denke man kann ihm das nicht übel nehmen, denn er hätte sich kaum durchsetzen können.

      Ich erinnere mich an einen Bericht, wo Papst Benedikt zusammen mit der Petrusbruderschaft eine hl. Messe zelebrierte, die sicherlich im ao Ritus war. Er wurde dann scharf angegriffen.

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