Urteil im Fall Boeselager bestätigt willkürliche Entlassung von Großmeister Festing — Im Orden fand ein Putsch statt

Der Großmeister des Malteserordens, Fra Matthew Festing, wurde am 24. Januar von Papst Franziskus zum Rücktritt gezwungen, willkürlich, wie indirekt aus einem Urteil des Hamburger Landgerichts hervorzugehen scheint.
Der Großmeister des Malteserordens, Fra Matthew Festing, wurde am 24. Januar von Papst Franziskus zum Rücktritt gezwungen, willkürlich, wie indirekt aus einem Urteil des Hamburger Landgerichts hervorzugehen scheint.

(Rom) Ein Urteil des Land­ge­richts Ham­burg bestä­tigt, was der Groß­kanz­ler des Mal­te­ser­or­dens, Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger, bis­her abge­strit­ten hat­te und zen­tra­ler Punkt im Streit war, der den alt­ehr­wür­di­gen Rit­ter­or­den zum Jah­res­wech­sel 2016/2017 in sei­nem Inner­sten erschüt­ter­te. 

Malteser International verteilte Verhütungsmittel „mit Wissen und Wollen“ Boeselagers

Wäh­rend sei­ner Zeit als Groß­ho­spi­ta­lier des Ordens ist es durch Mal­te­ser Inter­na­tio­nal, das Hilfs­werk des Ordens, im Rah­men huma­ni­tä­rer Hilfs­pro­jek­te in offe­nem Wider­spruch zur Moral­leh­re der katho­li­schen Kir­che zur Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln gekom­men. Als Groß­ho­spi­ta­lier war Boe­sela­ger direkt für das Hilfs­werk ver­ant­wort­lich.

Albrecht Freiherr von Boeselager_20120228
Albrecht Frei­herr von Boeselager_20120228

Wie aus dem Ham­bur­ger Urteil her­vor­geht, wur­de die Ver­tei­lung auch noch Mona­te nach Bekannt­wer­den der Akti­on fort­ge­setzt und das „mit Wis­sen und Wol­len“ Boe­sela­gers, so Kath.net.

Boe­sela­ger, damals Groß­kanz­ler des Ordens, war am 6. Dezem­ber vom dama­li­gen Groß­mei­ster des Ordens, Fra Mat­thew Festing, zur Rede gestellt wor­den. Festing kon­fron­tier­te ihn mit den Ergeb­nis­sen von zwei Dos­siers, einem exter­nen und einem inter­nen, mit denen die Ver­tei­lung von Ver­hü­tungs­mit­teln in Zusam­men­ar­beit mit einer UNO-Agen­tur auf­ge­deckt wor­den war. Der Groß­mei­ster, der sich hin­ter­gan­gen fühl­te, warf ihm Ver­trau­ens­bruch vor. Als Boe­sela­ger den­noch bestritt und einen Rück­tritt ver­wei­ger­te, setz­te ihn Groß­mei­ster Festing als Groß­kanz­ler ab.

Boeselagers Einschüchterungsversuche

Kurz dar­auf berich­te­ten ver­schie­de­ne Medi­en dar­über. Dage­gen erwirk­te Boe­sela­ger in Ham­burg einst­wei­li­ge Ver­fü­gun­gen, unter ande­rem auch gegen Kath.net, das Wider­spruch ein­leg­te und in der Wider­spruchs­ver­hand­lung Recht bekam, wie das nun schrift­lich vor­lie­gen­de Urteil bestä­tigt.

Die einst­wei­li­gen Ver­fü­gun­gen, die Boe­sela­ger gegen ver­schie­de­ne Medi­en und Ein­zel­per­so­nen erwirk­te, was am Land­ge­richt Ham­burg offen­sicht­lich etwas zu leicht mög­lich scheint, erwei­sen sich aus heu­ti­ger Sicht als Ein­schüch­te­rungs­ver­su­che, unlieb­sa­me Stim­men zum Schwei­gen zu brin­gen. Boe­sela­ger ließ die Wie­der­ho­lung der von ihm geleug­ne­ten Fak­ten vom Gericht mit einer Geld­zah­lung im sechs­stel­li­gen Bereich bele­gen. Anwalts- und Pro­zeß­ko­sten sowie die Unwäg­bar­kei­ten der Ham­bur­ger Medi­en­ge­richts­bar­keit haben in der Tat abschrecken­de Wir­kung. Ein offen­sicht­lich von Boe­sela­ger kal­ku­lier­ter Fak­tor.

Vor allem aber fällt durch das Ham­bur­ger Urteil ein ganz ande­res Licht auf den Kon­flikt, der den Mal­te­ser­or­den zum Jah­res­wech­sel 2016/2017 in sei­nen Grund­fe­sten erschüt­ter­te. Es bestä­tigt, daß der dama­li­ge Groß­mei­ster Fra Mat­thew Festing im Recht war, als er Boe­sela­ger zur Rede stell­te und ihn schließ­lich als Groß­kanz­ler ent­ließ. Es zeigt auch, daß die Ein­mi­schung des Vati­kans zugun­sten Boe­sela­gers vor­ei­lig, ein­sei­tig und in der Sache falsch war. Und es zeigt auch, daß die Abset­zung von Groß­mei­ster Festing durch Papst Fran­zis­kus einem Will­kür­akt gleich­kommt.

Glei­ches gilt für die von Fran­zis­kus ver­füg­te Wie­der­ein­set­zung Boe­sela­gers als Groß­kanz­ler, die Auf­he­bung aller ordens­in­ter­nen Ent­schei­dun­gen zwi­schen Anfang Dezem­ber 2016 und Ende Janu­ar 2017 ein­schließ­lich der Kalt­stel­lung von Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke.

Was machte die Untersuchungskommission von Papst Franziskus?

Vor allem stellt sich nun die hoch­not­pein­li­che Fra­ge, was die von Fran­zis­kus am 21. Dezem­ber ein­ge­setz­te Unter­su­chungs­kom­mis­si­on gemacht hat. Sie war offi­zi­ell ernannt wor­den, um die Vor­wür­fe, die zur Ent­las­sung Boe­sela­gers durch Groß­mei­ster Festing geführt hat­ten, zu prü­fen. Festing hat­te empört die Zusam­men­ar­beit mit der Kom­mis­si­on abge­lehnt, weil er in ihr einen unrecht­mä­ßi­gen, exter­nen Ein­griff in inne­re Ange­le­gen­hei­ten eines sou­ve­rä­nen Völ­ker­rechts­sub­jekts sah.

Malteserorden
Mal­te­ser­or­den

Am 18. Janu­ar schrieb Katholisches.info, daß der Hei­li­ge Stuhl „der­zeit nicht an einer Dees­ka­la­ti­on im Kon­flikt mit dem Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser­or­den inter­es­siert“ scheint. Gegen die von Fran­zis­kus ernann­te Unter­su­chungs­kom­mis­si­on wur­de der Vor­wurf erho­ben, fast zur Gän­ze aus Per­so­nen zu bestehen, die Boe­sela­ger nahe­ste­hen und mit ihm sogar Geschäfts­be­zie­hun­gen haben. Kon­kret geht es dabei um eine in der Schweiz depo­nier­te Schen­kung in mehr­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he.

Damit lag der Ver­dacht eines Gefäl­lig­keits­gut­ach­tens in der Luft. Ein Ver­dacht, der sich nun bestä­tigt zu haben scheint. In der Tat leg­te die Kom­mis­si­on mit erstaun­li­cher Schnel­lig­keit einen Bericht vor, der dem abge­setz­ten Groß­kanz­ler einen Per­sil­schein aus­stell­te. Mit die­sem in der Hand ver­lang­te Papst Fran­zis­kus am 24. Janu­ar den Rück­tritt von Groß­mei­ster Festing. Der­sel­be Papst hat­te sich zuvor gewei­gert, Festing anzu­hö­ren.

„Prozessual wahr“ — Im Malteserorden fand (mit Hilfe von Papst Franziskus) ein Putsch statt

Im Mit­tel­punkt des gan­zen Kon­flik­tes stan­den Vor­wür­fe (Kon­dom­ver­tei­lung, Abschwä­chung des katho­li­schen Ordens­pro­fils, Umwand­lung in eine huma­ni­tä­re NGO), die von Boe­sela­ger bestrit­ten wur­den, nun aber vom Land­ge­richt Ham­burg „pro­zes­su­al als wahr“ befun­den wur­den.

Anhand des Ham­bur­ger Urteils festigt sich rück­blickend um so deut­li­cher der schon damals unter auf­merk­sa­men Beob­ach­tern ent­stan­de­ne Ein­druck, daß es sich in der Sache um einen Putsch im Mal­te­ser­or­den han­del­te, bei dem Boe­sela­ger und sein „deut­scher Kreis“ in Zusam­men­ar­beit mit Papst Fran­zis­kus den Orden gegen die legi­ti­me Ordens­lei­tung unter ihre Kon­trol­le brin­gen woll­ten. Vor­erst mit Erfolg, denn das Urteil von Ham­burg hat kei­ne unmit­tel­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf den Orden, wo Boe­sela­ger heu­te fester im Sat­tel scheint als je zuvor. Wird er aus dem Urteil Kon­se­quen­zen zie­hen, und frei­wil­lig zurück­tre­ten?

Hin­ter­grund des Kon­flik­tes ist der Ver­such des „deut­schen Krei­ses“ im Orden, den Mal­te­ser­or­den von einem katho­li­schen Orden in eine Son­der-NGO umzu­bau­en. Katholisches.info schrieb am 18. Janu­ar:

„Anstatt den Groß­mei­ster anzu­hö­ren und des­sen Posi­ti­on der Ver­tei­di­gung der katho­li­schen Glau­bens- und Moral­leh­re zu unter­stüt­zen, wer­den [von Papst Fran­zis­kus] – so der Ein­druck – jene unter­stützt, die aus dem Mal­te­ser­or­den offen­bar eine Traum-NGO machen möch­ten. Wel­che NGO wür­de sich nicht träu­men, ein sou­ve­rä­ner Staat zu sein, eige­ne Diplo­ma­ten­päs­se aus­stel­len zu kön­nen und unter diplo­ma­ti­scher Immu­ni­tät zu ste­hen? Der 950 Jah­re alter Rit­ter- und Hospi­tal­or­den ver­fügt auf­grund der Geschichts­läu­fe über die­se welt­weit ein­zig­ar­ti­ge Stel­lung.“

Der Errei­chung die­ses Zie­les ste­hen jedoch das katho­li­sche Pro­fil und das eige­ne Cha­ris­ma des Ordens im Weg, aber auch die Mora­leh­re der katho­li­schen Kir­che und die Ordens­ver­fas­sung. Die eigent­li­che Ent­schei­dungs­be­fug­nis liegt bei den rund 60 Pro­feß­rit­tern des ersten Stan­des, wäh­rend die etwa 15.000 Rit­ter des zwei­ten und drit­ten Stan­des nur nach­ge­ord­ne­te Rech­te haben. Boe­sela­ger, der zum zwei­ten Stand gehört, hat mit dem Groß­kanz­ler­amt das höch­ste erreich­ba­re Amt erreicht, ohne damit wirk­li­chen Ein­fluß auf den Orden gewin­nen zu kön­nen. Das kann sich nun ändern. Der Päpst­li­che Legat, den Fran­zis­kus für den Orden ernann­te, deu­te­te bereits an, daß dem Papst eine Reform der Ordens­ver­fas­sung ein Anlie­gen sei. Es ging im Streit also nicht nur um Ver­hü­tungs­mit­tel und die katho­li­sche Moral­leh­re, son­dern auch um eine Macht­fra­ge, der wie­der­um eine grund­sätz­li­che Fra­ge nach dem Kir­chen­ver­ständ­nis zugrun­de­zu­lie­gen scheint. Eine in die­sem Pon­ti­fi­kat auf­stre­ben­de Grup­pe ver­such­te sich mit Hil­fe des Vati­kans im Orden gegen die amtie­ren­de Füh­rung und gegen die gel­ten­de Ordens­ver­fas­sung durch­zu­set­zen. Erfolg­reich, wie sich zeig­te, was nur durch einen mas­si­ven Ein­griff von Papst Fran­zis­kus mög­lich wur­de, den nicht nur eini­ge Mal­te­ser­rit­ter, son­dern auch Juri­sten als offe­nen Rechts­bruch sehen.

Zur Dokumentation

Der von Boe­sela­ger inkri­mi­nier­te Teil des Kath.net-Arti­kels vom 15. Dezem­ber 2016, gegen den er eine Unter­las­sungs­ver­fü­gung erwirkt hat­te:

„Doch inner­halb des Ordens bro­delt seit län­ge­rem ein mehr oder weni­ger aus­ge­spro­che­ner Kon­flikt zwi­schen zwei Lagern. Ein klei­ner Kreis aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum will zwar die Vor­tei­le der Exklu­si­vi­tät und der Sou­ve­rä­ni­tät erhal­ten, aber die ihrer Mei­nung nach zu engen Ban­de der katho­li­schen Leh­re und Bin­dung an den Papst etwas lockern. Die weit­aus grö­ße­re Sei­te steht treu zu ihrem Grün­dungs­auf­trag der Ver­tei­di­gung des Glau­bens und will die­se zuletzt öfter ver­nach­läs­sig­te Dimen­si­on wie­der stär­ken. Dazu wur­de vor eini­gen Jah­ren sogar eine eige­ne inter­ne Kom­mis­si­on ein­ge­rich­tet, die neue Vor­ga­ben für die geleb­te Spi­ri­tua­li­tät unter den Ordens­mit­glie­dern erar­bei­ten soll­te. Der dama­li­ge Groß­ho­spi­ta­lier des Ordens, Albrecht Frei­herr von Boe­sela­ger, über­nahm nach einem Jahr die bereits nahe­zu fer­ti­gen Emp­feh­lun­gen und ver­warf alles zugun­sten eines ver­wäs­ser­ten Neu­auf­gus­ses der alten Sta­tu­ten und Regu­la­ri­en, die dar­auf­hin in der Schub­la­de ver­schwan­den. Eben­so in sei­nen Bereich fie­len Hilfs­ak­tio­nen des Ordens in Afri­ka, bei denen Pake­te des UNHCR mit Hilfs­gü­tern ver­teilt wur­den, die aller­dings auch Kon­do­me ent­hiel­ten. Ähn­li­che Akti­vi­tä­ten wie­der­hol­ten sich in den fol­gen­den Jah­ren. Auch ande­re Pro­ble­me kamen vor allem in und aus Deutsch­land hin­zu, wozu direk­te Inter­ven­tio­nen gegen den Groß­mei­ster und die Ordens­re­gie­rung, im Vati­kan gehör­ten und den­noch nahm der Ein­fluss der deut­schen Asso­zia­ti­on wei­ter zu.“

Dazu der ent­schei­den­de Aus­zug aus dem Urteil des Land­ge­richts Ham­burg in der Wider­rufs­ver­hand­lung, da Kath.net gegen die Unter­las­sungs­ver­fü­gung Wider­spruch ein­ge­legt hat­te:

„Der gesam­te drit­te Absatz des Arti­kels setzt sich kri­tisch mit ver­schie­de­nen Aspek­ten der Arbeit des Antrag­stel­lers (A.d.Redaktion: Hier ist Albrecht von Boe­sela­ger gemeint!) als Hospi­ta­lier aus­ein­an­der, um die zu Beginn auf­ge­stell­te The­se zu bele­gen, ein klei­ner Kreis aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum wol­le zwar die Vor­tei­le der Exklu­si­vi­tät und der Sou­ve­rä­ni­tät erhal­ten, aber die ihrer Mei­nung nach zu engen Ban­de der katho­li­schen Leh­re und Bin­dung an den Papst etwas lockern. Für den Leser ergibt sich dar­aus zur Über­zeu­gung der Kam­mer zwin­gend, dass der Antrag­stel­ler alle erwähn­ten Vor­wür­fe selbst ver­ant­wor­tet hat, was not­wen­di­ger­wei­se auch sei­ne Kennt­nis aller rele­van­ten Umstän­de betrifft. Die­ser Ein­druck gilt nach dem Ergeb­nis der Wider­spruchs­ver­hand­lung jedoch pro­zes­su­al als wahr.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/Wikicommons

 

2 Kommentare

  1. Es wer­den die dunk­len Machen­schaf­ten die­ser gan­zen lin­ken Welt-Jun­ta (im Vati­kan des Pon­ti­fi­kats Ber­go­glio bis zur Gut­men­schen-UNO und der US-Lin­ken) suk­zes­si­ve auf­ge­deckt. Auch wenn der Kampf noch hart und zäh wird, die Ver­zö­ge­rung die durch „unvor­her­ge­se­he­ne Ereig­nis­se“ (wenn etwas an die Öffent­lich­keit kommt oder ein kon­ser­va­ti­ver Prä­si­dent gewählt wird) ent­stand, hat zumin­dest die Plä­ne der New World Order durch­ein­an­der gebracht. Die Macht­über­nah­me hät­te schon längst statt­fin­den sol­len, aber es funk­tio­niert nun doch nicht so recht, gleich­wohl der Scha­den beträcht­lich ist, beson­ders in unse­rer Hl. Kir­che, deren Säu­le einst der Mal­te­ser-Orden war und des­sen Hilfs­wer­ken ich als Jugend­li­cher ger­ne ange­hör­te. Sol juisti­tiae, Chri­stus, Deus noster, reg­nat in aeter­num! Amen.

  2. Und wie geht es jetzt wei­ter mit Ihrer Tra­gi­ko­mö­die, Herr von Boe­sela­ger? Dies hat ja alles über­haupt nichts mehr mit Jesus zu tun: es geht nur noch um Macht (und Geld). Chri­stus selbst ist mitt­ler­wei­le schon gestor­ben, oder sind Sie wirk­lich der Mei­nung das Sie „Ihm“ noch in der Tasche haben? Macht ja nix: denn ich bin mir ganz sicher, dass der Gna­den­pro­phet aus Rom es Ihnen (Ihnen schon) gross­her­zig ver­zei­hen wird. Mara­natha…

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