Begründeten die Bischofsweihen von Erzbischof Lefebvre von 1988 ein Schisma?

Ein Schisma besteht in der grundsätzlichen Ablehnung der päpstlichen Autorität, niemals aber in einem einzelnen Akt des Ungehorsams. Die Priesterbruderschaft [St. Pius X. (FSSPX), Einfügung durch Redakteur] akzeptiert aber den Papst, und ihre Priester beten in jeder Messe für ihn. Die Bischofsweihe war also äußerlich gesehen zwar ein Akt des Ungehorsams, begründete aber kein Schisma.

Ein Vergleich kann dies veranschaulichen: Es ist ein Unterschied, ob jemand zu seinem Vater sagt: „Du machst etwas falsch“, oder ob er sagt: „Du bist nicht mehr mein Vater, ich will mit dir nichts mehr zu tun haben!“ Nur im zweiten Fall entspräche dem Schisma.

Dies bestätigen hervorragende Kirchenrechtler. So erklärte Kardninal Castillo Lara, Doktor des Kirchenrechts und Präsident der päpstlichen Kommission für die authentische Interpretation des Kirchenrechtes: „Der Tatbestand der Konsekration eines Bischofs ohne päpstliche Erlaubnis ist in sich keine schismatische Handlung.“ ((La Repubblica, 7.10.1988)) Auch Graf Neri Capponi, emeritierter Professor für Kirchenrecht an der Universität Florenz, meinte, daß eine Bischofsweihe gegen den Willen des Papstes allein kein Schisma begründet: „Er muß mehr tun. Hätte er zum Beispiel seine eigene Hierarchie aufgebaut, dann wäre es ein schismatischer Akt gewesen. Tatsache ist, daß Erzbischof Lefebvre einfach gesagt hat:’Ich weihe Bischöfe, damit meine Weihegewalt erhalten bleibt. Sie nehmen nicht den Platz andere Bischöfe ein, ich schaffe keine Parallelkirche.‘ Daher war diese Handlung in sich nicht schismatisch.“ ((Latin Mess Magazine, Mai-Juni 1993)) Der bekannte Kirchenrechtler Prof. Dr. Georg May schrieb sogar: „Ich kenne keine verbindliche Äußerung des Apostolischen Stuhles, wonach die Priesterbruderschaft St. Pius X. ein Schisma begründet habe und im Schisma lebe. Soweit ich sehe, wird diese Behauptung aufgestellt entweder von Ignoranten oder von Modernisten. … Schisma besagt die Aufkündigung der Unterordnung unter den Papst. Daran kann bei der Priesterbruderschaft keine Rede sein. … Ungehorsam begründet kein Schisma. Wenn Ungehorsam ein Schisma begründen könnte, dann müßte dieser Vorwurf zuerst gegen die deutschen Bischöfe erhoben werden. Von ihren wiederholten Akten des Ungehorsams erinnere ich nur an die Königsteiner Erklärung. Damit haben sie sich in einen Gegensatz zum höchsten Lehramt der Kirche gebracht.“ ((Brief vom 15.12.2003))

Am 12.10.1997 sagte sogar der Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Mgr. Camille Perl, gegenüber der Schweizer Tageszeitung Le Matin in bezug auf die „Lefebvrianer“: „Niemand leugnet, daß sie Katholiken sind.“

Frage 97 des Bandes: Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Partnerlink

1 Kommentar

  1. Quis ut Deus !
    Lieber Erzbischof Lefebvre bitten sie für uns am Trone Gottes, damit der Herr uns einen Heiligen Papst schenkt, auch wenn wir es gar nicht verdienen für unsere Sünden… Ave Maria…

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