Von der „Street Art“ zur „Street Theology“ — Zweifel an der Qualität eines „Superpope“

Von der "Street Art" zur "Street Theology". Zweifel an der Qualität des "Superpope"-Images von Papst Franziskus.
Von der "Street Art" zur "Street Theology". Zweifel an der Qualität des "Superpope"-Images von Papst Franziskus.

(Rom) Von der „Street Art“ zur „Street Theo­lo­gy“. Über die „zwei Gesich­ter des Super­hel­den“ auf dem Papst­thron mach­te sich der bekann­te Vati­ka­nist San­dro Magi­ster Gedan­ken. Der Anlaß? Seit eini­gen Wochen wer­den in den Sou­ve­nir­lä­den auf dem Peters­platz und rund um den Vati­kan T‑Shirts ange­bo­ten, die den regie­ren­den Papst als „Super­po­pe“ zei­gen.

Maupals „Super-Franziskus“

Das erste Maupal-Mural (2014)
Der erste Mau­pal-Mural (2014)

Die Dar­stel­lung des Pap­stes in der Pose von Super­man tauch­te weni­ge Mona­te nach der Wahl von Fran­zis­kus auf. Anfang 2014 war die Wand­ma­le­rei in einer nächt­li­chen Akti­on in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Vati­kan ange­bracht wor­den. Die Stadt­ver­wal­tung von Rom ließ sie sofort ent­fer­nen. Als Pho­to ist sie jedoch ver­ewigt und macht im Inter­net nach wie vor die Run­de. Ange­bracht hat­te sie der heu­te 45 Jah­re alte römi­sche Künst­ler Mau­ro Pal­lot­ta, bes­ser bekannt als Mau­pal, der dadurch inter­na­tio­na­le Bekannt­heit erlang­te.

Im Okto­ber 2016 trat Mau­pal für einen zwei­ten Mural nächt­lich in Akti­on. Im Vico­lo del Cam­pa­ni­le des Bor­go Pio, nur weni­ge Schrit­te vom Peters­platz ent­fernt, ließ er Papst Fran­zis­kus „Drei gewinnt“ (Kreis und Kreuz) spie­len, wäh­rend ein Schwei­zer Gar­dist Schmie­re steht. Der ima­gi­nä­re Gegen­spie­ler des Pap­stes mal­te Kreu­ze, wäh­rend Fran­zis­kus nicht mit Krei­sen, son­dern Todes­ru­nen gewann.

"Drei gewinnt" (2016)
„Drei gewinnt“ (2016)

Erst der Wie­ner Runen­e­so­te­ri­ker Gui­do von List (1848–1919) mach­te aus der Madhr-Rune, die zur Unter­schei­dung von der Elhaz-Rune (Lebens­ru­ne) manch­mal auf den Kopf gestellt dar­ge­stellt wur­de, die „Todes­ru­ne“, die dann vom Natio­nal­so­zia­lis­mus als ger­ma­ni­sche — aller­dings nur pseu­do­ger­ma­ni­sche — Sym­bo­lik über­nom­men wur­de, um sich vom christ­li­chen Kreuz zu distan­zie­ren. List, der Begrün­der des neu­heid­ni­schen „Wou­ta­nis­mus“, sprach Runen magi­sche Kräf­te zu. Die erfolg­reich­sten Bewah­rer sei­ner Runen­e­so­te­rik sind aber nicht Neo­na­zis oder Retro­hei­den, son­dern seit den 60er Jah­ren die links­do­mi­nier­te Anti-Atom- und die Frie­dens­be­we­gung, die die „Todes­ru­ne“ zum „Frie­dens­zei­chen“ umin­ter­pre­tier­ten. Auf die­sem Weg wur­de aus dem Todes­sym­bol ein poli­tisch kor­rek­ter Mode-Schnick­schnack.

Auch von der zwei­ten Mau­pal-Wand­ma­le­rei, die Papst Fran­zis­kus zeig­te, wur­de die Haus­mau­er inner­halb weni­ger Stun­den gerei­nigt. Die kur­ze Zeit genüg­te, „damit sie in die Geschich­te ein­ge­hen konn­te“, so Magi­ster.

„Superpope“ als T‑Shirt  oder Polohemd

Superpapst
„Superpapst“-T-Shirt

Einem Mode­un­ter­neh­men kam schließ­lich die Idee, das Mau­pal-Motiv von 2014 als T‑Shirt auf den Markt zu brin­gen. „Im Vati­kan wider­sprach nie­mand“, so Magi­ster.

Msgr. Dario Viganò, der Prä­fekt des neu­en vati­ka­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­se­kre­ta­ri­ats war sogar begei­stert. Der in Rio de Janei­ro gebo­re­ne Prie­ster sieht Papst Fran­zis­kus wie der Künst­ler.

„Papst Fran­zis­kus ist ein Mann, der mit sei­ner Ein­fach­heit und gro­ßen Offen­heit für die wirk­li­chen Bedürf­nis­se der Men­schen wie ein Super­held Ver­trau­en und Hoff­nung ein­flößt“.

Nach­dem Mau­pal sich die Autoren­rech­te gesi­chert hat­te, begann das Mode­un­ter­neh­men, vom Vati­kan die nöti­gen Geneh­mi­gun­gen ein­zu­ho­len. Alles „mit regu­lä­rem Ver­trag und der Zustim­mung des Staats­se­kre­ta­ri­ats“, so Magi­ster.

Im Gegen­zug für die Ver­mark­tung von Fran­zis­kus als „Super­po­pe“ erhält der Hei­li­ge Stuhl neun Pro­zent vom Ver­kaufs­preis, die dem Peters­pfen­nig zuflie­ßen, dem „Opfer­stock für die Spen­den aus aller Welt, die direkt dem Papst gemacht wer­den“.

Street Art und Street Theology — Identischer Anfangsreim mit Folgen

„Bis hier­her ist alles kei­ne Über­ra­schung mit einem Papst wie Jor­ge Mario Ber­go­glio, der in per­fek­ter Sym­bio­se mit den Wer­be- und Medi­en­me­cha­nis­men ist“, so Magi­ster.

Vor einem Jahr kam aller­dings ein Buch auf den Markt, das schon auf der Titel­sei­te im Stil der Street Art ern­ste Fra­gen zur Qua­li­tät der Art und Wei­se auf­wirft, mit der der regie­ren­de Papst mit den Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on umgeht.

Autor des Buches ist Enri­co Maria Radael­li, ein Schü­ler des Schwei­zer Phi­lo­so­phen Roma­no Ame­rio. Magi­ster über Radael­li:

„Er ist eine der kul­ti­vier­te­sten Stim­men der theo­lo­gi­schen Kri­tik an de Schief­la­ge der katho­li­schen Kir­che seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Es fällt ihm nicht schwer, nach­zu­wei­sen, daß mit Papst Fran­zis­kus die­se Schief­la­ge nicht nur ein Bild, son­dern vor allem die Leh­re betrifft.“

Für Radael­li steht die „Street Theo­lo­gy“, die „Stra­ßen­theo­lo­gie“, die

„von Ber­go­glio und sei­nem Lehr­amt ver­kör­pert wird, im glei­chen Ver­hält­nis zur über­lie­fer­ten Theo­lo­gie wie die Street Art eines Ken­dridge oder Bas­qui­at oder – war­um auch nicht – eines Mau­pal  zur Kunst eines Giot­to oder Michel­an­ge­lo“.

Enri­co Maria Radael­li: Street Theo­lo­gy — La scri­stia­niz­za­zio­ne o Gran­de fuga dal­la real­tà  del­la Chie­sa post moder­na dal Con­ci­lio Vati­ca­no II a Papa Fran­ces­co (Street Theo­lo­gy — Die Ent­christ­li­chung oder Die gro­ße Flucht aus der Rea­li­tät der post­mo­der­nen Kir­che vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil bis Papst Fran­zis­kus), Ver­lag Fede e Cul­tu­ra, Vero­na 2016, 208 Sei­ten.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. 9% des Ver­kaufs­prei­ses für den Papst

    Der Papst nimmt Geld dafür, dass er sich, das Papst­amt und die gan­ze hei­li­ge katho­li­sche und apo­sto­li­sche Kir­che lächer­lich macht.
    Unfass­bar!

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