Lectio magistralis von Kardinal Sarah: „Kirche droht zu verarmen, wenn sie sich auf menschliche Maßstäbe beschränkt“.

Kardinal Robert Sarah in Mesoraca
Kardinal Robert Sarah in Mesoraca

(Rom) Eine „erbau­li­che Lec­tio magi­stra­lis“, so Mes­sa in Lati­no, hielt Robert Kar­di­nal Sarah am ver­gan­ge­nen 7. Juli in Mes­ora­ca, dem Geburts­ort des hei­li­gen Pap­stes Zosi­mus I. Anlaß war die Ver­lei­hung des Papst-Zosismus‑I.-Preises an den Kar­di­nal­prä­fek­ten der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung.

Mit ein­dring­li­cher Deut­lich­keit zeig­te der Kar­di­nal eini­ge Übel auf, die sei­ner Über­zeu­gung nach, die Kir­che von heu­te bela­sten. Gleich­zei­tig benann­te er Gegen­mit­tel, um die­se Übel zu über­win­den und abzu­stel­len. In der Hoff­nung auf den voll­stän­di­gen Text sei­ner Aus­füh­run­gen sol­len eini­ge weni­ge Aus­zü­ge ver­öf­fent­licht wer­den.

In Anleh­nung an sein im Sep­tem­ber 2015 erschie­ne­nes Buch „Gott oder nichts“ sag­te der Kar­di­nal:

„Ohne Gott sind wir nichts. Ohne Gott ist der Mensch wirk­lich arm­se­lig. In unse­rer Epo­che ist eine Ver­dun­ke­lung Got­tes fest­zu­stel­len, eine Abwe­sen­heit Got­tes in der wis­sen­schaft­li­chen, tech­no­lo­gi­schen, poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Welt. Die wirk­li­che Kri­se, von der heu­te die Welt erfaßt ist, ist im Wesent­li­chen weder wirt­schaft­lich und poli­tisch, son­dern eine Got­tes­kri­se und zugleich eine anthro­po­lo­gi­sche Kri­se.“

Die Pro­ble­me, denen die Mensch­heit gegen­über­ste­he, sei­en nicht zu leug­nen. Anstatt aber die Hän­de und das Herz zu Gott zu erhe­ben, wür­den mit Ver­bis­sen­heit Lösun­gen mit mensch­li­chen Mit­teln gesucht, um „unse­re Lösun­gen“ durch­zu­set­zen.

„Manch­mal habe ich den Ein­druck, daß die­se Ver­welt­li­chung auch in die Kir­che ein­ge­drun­gen ist und gera­de dar­in besteht, den Glau­ben auf ein mensch­li­ches Maß redu­zie­ren zu wol­len.“

„Anstatt sich der Initia­ti­ve Got­tes zu öff­nen, die unvor­her­seh­bar, stö­rend, aber immer befrei­end ist, denkt man, daß der Mensch von heu­te bes­ser glau­ben kön­ne, wenn wir ihm einen Glau­ben prä­sen­tie­ren, der nicht so sehr auf der Offen­ba­rung Chri­sti und der Tra­di­ti­on der Kir­che grün­det, son­dern auf den Vor­stel­lun­gen und Wün­schen des moder­nen Men­schen, sei­nen Mög­lich­kei­ten, sei­ner Welt­lich­keit, sei­nen Nei­gun­gen und mate­ri­el­len Bedürf­nis­sen.“

„Wir müs­sen uns besin­nen, daß wir in Gott leben, uns bewe­gen und exi­stie­ren.

„Er ist der Sitz jeder Fül­le.“

„In Ihm fin­den alle Lebe­we­sen und alle Din­ge die Wahr­heit über ihr Sein.“

„Ohne die Stil­le geht Gott im Lärm unter, und die­ser Lärm wird um so bedrücken­der, ja abwe­sen­der Gott ist. Wenn die Welt die Stil­le nicht wie­der­ent­deckt, wird die Welt vom Nichts ver­zehrt. Geben wir der Stil­le Got­tes Raum in unse­rem Leben und wir wer­den die Wirk­lich­keit, die uns umgibt, bes­ser wahr­neh­men und schät­zen kön­nen.

„Ohne die Stil­le kön­nen wir nicht ein­mal die Schön­heit einer Sym­pho­nie wirk­lich genie­ßen oder ein Kunst­werk auf­merk­sam betrach­ten, die uns häu­fig an unse­re Bezie­hung zu Gott, unse­rem Schöp­fer und Vater, erin­nern.“

„Wo es kei­ne Lie­be, kei­ne Auf­merk­sam­keit und kei­ne Zunei­gung zu Gott gibt, kön­nen wir nicht ein­mal sei­ne Wor­te des Heils, ihre Anfra­ge an uns, wirk­lich ernst­neh­men und uns von ihnen erleuch­ten und bis ins Letz­te durch­drin­gen las­sen.“

„Die Stil­le ist das inne­re Kli­ma, das die Wor­te der Kir­che frucht­bar seinläßt.“

„Die Kir­che ris­kiert zu ver­ar­men, weil sie sich auf rein mensch­li­che, sozia­le und hori­zon­ta­le Maß­stä­be beschrän­ken will.“

„In gro­ßer Demut erlau­be ich mir, auf den Weg der Stil­le hin­zu­füh­ren, damit jeder Gläu­bi­ge, jede fei­ern­de Gemein­schaft sich der Initia­ti­ve Got­tes öff­net und die gan­ze Gna­de, die von Ihm kommt, annimmt.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

2 Kommentare

  1. Kar­di­nal Sarah scheint einer der weni­gen ver­blie­be­nen glau­bens­treu­en Kar­di­nä­le im Vati­kan zu sein. Die The­men die er anspricht und sei­ne Aus­drucks­wei­se erin­nern mich an Papst Bene­dikt XVI.

    • Einer der weni­gen die den Mut haben die Wahr­heit klar aus­zu­spre­chen. Ein Licht, dass uns in der Dun­kel­heit leu­chet…

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