Entlassung von Militärdekan Lochner rechtswidrig — Erzbistum Wien verurteilt

Militärdekan Siegfried Lochner: Dienstverhältnis als Religionslehrer besteht fort - Erzbistum Wien vom Arbeitsgericht verurteilt.
Militärdekan Siegfried Lochner: Dienstverhältnis als Religionslehrer besteht fort - Erzbistum Wien vom Arbeitsgericht verurteilt.

(Wien) „Was ist los mit der Mili­tär­diö­ze­se?“ in Öster­reich, lau­te­te am 25. Janu­ar 2016 der Titel eines Arti­kels. Der Grund waren dra­sti­sche Ein­grif­fe des neu­en Mili­tär­bi­schofs Wer­ner Frei­stet­ter. Wegen sei­ner Ent­las­sung als Reli­gi­ons­leh­rer muß­te Mili­tär­de­kan Sieg­fried Loch­ner sogar das Arbeits­ge­richt ein­schal­ten. Nun wur­de das Erz­bis­tum Wien ver­ur­teilt.

Bischof Frei­stet­ter trat am 11. Juni 2015 sein Amt an und hat­te es dann eilig, funk­tio­nie­ren­de Struk­tu­ren zu zer­schla­gen. Dazu zähl­te an erster Stel­le die Auf­lö­sung der alt­ehr­wür­di­gen Mili­tär­pfar­re an der tra­di­ti­ons­rei­chen The­re­sia­ni­schen Mili­tär­aka­de­mie in Wie­ner Neu­stadt.

Der Mili­tär­bi­schof kün­dig­te nach sei­ner Ernen­nung eine „Inten­si­vie­rung der Seel­sor­ge“ an. Inzwi­schen darf ernüch­ternd das Gegen­teil behaup­tet wer­den.

Die Auf­lö­sung der Mili­tär­pfar­re hat­te in erster Linie mit dem dama­li­gen Pfar­rer der Mili­tär­aka­de­mie, Mili­tär­de­kan Sieg­fried Loch­ner zu tun. Der Mili­tär­de­kan, der Rang ent­spricht dem eines Oberst, ist ein streit­ba­rer Prie­ster. Loch­ner nimmt den Anspruch der Eccle­sia mili­tans durch­aus ernst. Er pflegt und för­dert nicht nur die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus, son­dern pflegt auch ein offe­nes und kla­res Wort.

Militärdekan Lochner in seiner Heimat Bayern
Mili­tär­de­kan Loch­ner in sei­ner Hei­mat Bay­ern

In Zei­ten geschmei­di­ger Anpas­sungs­übun­gen sind das Wesens­zü­ge, die nicht beson­ders gefragt sind. In der „bun­ten“ Kir­che sind fast alles Will­kom­men, aber eben nur fast. Loch­ner wird vor­ge­wor­fen, 2009 den Bun­des­vor­sit­zen­den der Frei­heit­li­chen Par­tei Öster­reichs, Heinz-Chri­sti­an Stra­che gefirmt zu haben. Für die Lin­ke Schicke­ria ein unver­zeih­li­cher „Sün­den­fall“. Stra­che ist bei den Par­la­ments­wah­len im kom­men­den Okto­ber neben dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen und dem christ­de­mo­kra­ti­schen Bun­des­vor­sit­zen­den einer der drei aus­sichts­rei­chen Prä­ten­den­ten auf die Kanz­ler­schaft.

Mit 1. Okto­ber 2015 war jeden­falls Schluß. Mili­tär­de­kan Loch­ner wur­de aus Wie­ner Neu­stadt weg­ver­setzt. Seit­her ist die dor­ti­ge Mili­tär­pfar­re kaum mehr exi­stent.

Zu den Abson­der­lich­kei­ten des neu­en Mili­tär­bi­schof gehört, daß der frü­he­re Gene­ral­vi­kar, dem Mili­tär­dienst­recht nach ein Prie­ster im Gene­rals­rang zum Dienst in der evan­ge­li­schen Mili­tär­seel­sor­ge (!) abkom­man­diert wur­de.

Mili­tär­de­kan Loch­ner wur­de zudem Anfang 2016 vom Erz­bis­tum Wien, sei­nem zwei­ten Dienst­ge­ber, das Dienst­ver­hält­nis als Reli­gi­ons­leh­rer auf­ge­kün­digt und kein Gehalt mehr gezahlt. Wer sich unlieb­sam gemacht hat, bekommt die Här­te zu spü­ren.

Loch­ner war eini­ge Zeit krank­heits­be­dingt dienst­ver­hin­dert. Die­sen Umstand nütz­te das Erz­bis­tum und erklär­te auf­grund der krank­heits­be­ding­ten Dienst­ver­hin­de­rung das Dienst­ver­hält­nis für been­det, ohne eine Kün­di­gung aus­zu­spre­chen. Dage­gen klag­te Loch­ner beim Arbeits­ge­richt und bekam nun in allem Recht.

Am 22. März fäll­te das Lan­des­ge­richt Wie­ner Neu­stadt ein ein­deu­ti­ges Urteil, das am 22. Mai hin­ter­legt wur­de.

Es sei „unstrit­tig“, so das Urteil, daß das Dienst­ver­hält­nis zwi­schen dem Erz­bis­tum Wien und Mag. Sieg­fried Loch­ner fort­be­steht. Aus die­sem Grund wur­de das Erz­bis­tum Wien auch „schul­dig“ gespro­chen, Loch­ner die Pro­zeß­ko­sten zu erset­zen.

Dies begrün­de­te das Gericht „im Hin­blick auf das gänz­li­che Obsie­gen des Klä­gers“.

Frag­lich bleibt der Umgang der kirch­li­chen Hier­ar­chie mit einem unlieb­sa­men Prie­ster, der offen­bar nicht in das Bild der „bun­ten“ Kir­che pas­sen will.

Text: Mar­tha Bur­ger-Weinzl
Bild: Pri­vat

3 Kommentare

  1. In Rom heiß­te es: „Wenn die Barm­her­zig­keit des All­er­bar­mers zuschlägt dann rol­len die Köp­fe“ so wie der Mei­ster in Rom machens auch vie­le Bischö­fe. So haben die Katho­li­ken der Diö­ze­se Regens­burg den Ver­lust eines unge­wöhn­lich begab­ten und sel­ten guten Prie­sters zu bekla­gen: für Pfr. Wer­ner Maria Heß hat S.E.Dr.Vorderholzer „kei­ne Ver­wen­dung“ mehr, da haben auch die vie­len, ach so bedeu­tungs­vol­len Stim­men der Lai­en kein Gewicht mehr.

  2. Öfter als es all­ge­mein bekannt ist: ein gewoll­tes Nicht­be­ach­ten des Arbeits­rechts bei kirch­li­chen Dienst­ge­bern

    Davon betrof­fe­ne Dienst­neh­mer haben die Wahl, die unge­rech­te Behand­lung hin­zu­neh­men (mit allen Nach­tei­len) oder gegen eine kirch­li­che Ein­rich­tung vor Gericht zu gehen. Letz­te­res des­halb, weil jedes noch so sach­ge­rech­te und begrün­de­te Argu­ment eben­so dem Igno­rie­ren anheim fällt bis hin zur Nicht­er­le­di­gung von Vor­gän­gen. Der betrof­fe­ne Dienst­neh­mer wird ein­fach über die Kan­te getre­ten. Der Hoch­mut der eige­nen Ent­schei­dung eines Ver­ant­wort­li­chen setzt sich über jede sach­ge­rech­te Hand­ha­bung hin­weg.
    In Zei­ten von Lau­da­to Si könn­te man sagen: so schlecht behan­delt man nicht ein­mal einen Hund.

  3. 1. Knall­har­te Ver­tei­di­gung durch nicht­wan­keln­des Behar­ren auf fun­da­men­tal abge­si­cher­ter juri­sti­schen Posi­ti­on.
    2. For­dern von Wie­der­ein­set­zung und Reha­bi­li­tie­rung, Zah­lung von aus­ste­hen­den Gehäl­tern und hohen Ent­schä­di­gun­gen, und von den ange­lau­fe­nen Zin­sen (wie Debet­zin­sen beim Finanz­amt).
    Nichts fürch­ten die Moder­ni­sten mehr als das Abschmel­zen ihrer Fleisch­töp­fe.
    3. Aus­führ­lich berich­ten-doku­men­tie­ren-archi­vie­ren.
    Die­se Netz­wer­ke sind nicht unend­lich groß; und die schon ein­mal auf­fäl­lig gewor­de­ne Prot­ago­ni­sten tre­ten sehr häu­fig eini­ge Jah­re nach einem ersten Deba­kel erneut auf dem Vor­plan.

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