Der Maler Raffael und der Reformator Luther — Eine Gegenüberstellung

Eine Gegenüberstellung des Malers Raffael und des Reformator Luther. Raffaels "Der Disput über das Sakrament" (Stanza della Segnatura, Vatikan).
Eine Gegenüberstellung des Malers Raffael und des Reformator Luther. Raffaels "Der Disput über das Sakrament" (Stanza della Segnatura, Vatikan).

Eine Gegen­über­stel­lung nach einer Aus­ar­bei­tung von Jean-Blai­se Fel­lay SJ.

Von Hubert Hecker

Raf­fa­el­lo San­zio und Mar­tin Luther waren Zeit­ge­nos­sen. Bei­de wur­den im Jah­re 1483 gebo­ren. Der Maler Raf­fa­el war der Früh­rei­fe. Bereits mit 17 Jah­ren wur­de der Sohn eines Malers als Mei­ster zuge­las­sen. Sein erster grö­ße­rer Auf­trag bestand in der Fer­ti­gung eines Altar­bilds, das den hei­li­gen Niko­laus von Talen­ti­no dar­stell­te. Das war der Patron der Augu­sti­ner-Ere­mi­ten, des Ordens von Mar­tin Luther.

Nach Arbei­ten in Perugia wech­sel­te Raf­fa­el im Jahr 1504 nach Flo­renz ins Ate­lier von Leo­nar­do da Vin­ci über. Von dort rief Papst Juli­us II. (+1513) den her­aus­ra­gen­den Künst­ler 1508 nach Rom. Der Vor­gän­ger Six­tus IV. hat­te für die Aus­ma­lung der nach ihm benann­ten Kapel­le Michel­an­ge­lo beauf­tragt. Juli­us betrau­te den damals 25jährigen Raf­fa­el mit der Aus­ma­lung sei­ner Pri­vat- und Amts­ge­mä­cher, begin­nend mit der Stan­za del­la Seg­na­tu­ra. Das war das Amts­zim­mer zur Signa­tur von päpst­li­chen Schrei­ben, ursprüng­lich aber wohl der Biblio­theks­raum des Pap­stes.

In enger Abstim­mung mit Juli­us II. und sei­nem Nach­fol­ger Leo X. kon­zi­pier­te Raf­fa­el in sei­nen Wand­fres­ken ein wohl­durch­dach­tes Pro­gramm. In den Dar­stel­lun­gen von theo­lo­gi­schen und phi­lo­so­phi­schen The­men, den Kün­sten, dem Recht und mora­lisch rele­van­ten The­men ließ er ästhe­tisch eine Sum­me des spät­mit­tel­al­ter­li­chen christ­li­chen Huma­nis­mus’ erste­hen. Die­se Inhal­te soll­te Luther spä­ter bekämp­fen und ver­dam­men.

Christlicher Humanismus, bekämpft von der lutherischen Gegenformation

Bei Raf­fa­els The­men-Pro­gramm zur kirch­lich-theo­lo­gi­schen Spi­ri­tua­li­tät zum Bei­spiel setz­te er die kirch­li­che und pau­li­ni­sche Sicht von den gött­li­chen Tugen­den ins Bild, also Glau­be, Hoff­nung und Lie­be. Die For­mel des von Lie­be geform­ten und voll­ende­ten Glau­ben fasst die dama­li­ge Lehr­tra­di­ti­on der Kir­che zusam­men, die spä­ter im Kon­zil von Tri­ent in dem Begriff fides cari­ta­te for­ma­ta kano­ni­siert wur­de. Auch die­se biblisch-theo­lo­gi­sche Basis­aus­sa­ge fein­de­te Luther mit sei­ner Reduk­ti­on auf die Sola-fide-Leh­re erbit­tert an.

Jean-Blai­se Fel­lay SJ, der Schwei­zer Autor des Auf­sat­zes: „Der Maler Raf­fa­el und der Refor­ma­tor Luther“ in Stim­men der Zeit (1/2017) kommt in die­sem Zusam­men­hang zu einer inter­es­san­ten Ein­schät­zung: Wenn man sich die  Prin­zi­pi­en der Stan­za-Aus­ma­lung vor Augen füh­re, dann sei das luthe­ri­sche Pro­gramm eine „Gegen­re­for­ma­ti­on“ zur römi­schen Theo­lo­gie sei­ner Zeit. Anders gesagt, set­ze Luther den „augu­s­ti­ni­schen Fun­da­men­ta­lis­mus gegen den christ­li­chen Huma­nis­mus“, der seit dem 13. Jahr­hun­dert von Ita­li­en aus die Kul­tur Euro­pas ent­schei­dend beein­fluss­te.

Raf­fa­el San­zio war seit sei­ner Kind­heit mit dem ita­lie­ni­schen Huma­nis­mus ver­traut. Sein Vater gehör­te zu einer Grup­pe von Künst­lern und Intel­lek­tu­el­len am Palast des Her­zogs von Urbi­no, eines huma­ni­sti­schen Mäzens, der sich für anti­ke Schrif­ten und Archi­tek­tur begei­ster­te. Mit­tel­punkt des Pala­stes war die mit Bil­dern aus­ge­schmück­te Biblio­thek. Die Lie­be zu aus­ge­wo­ge­ner Schön­heit cha­rak­te­ri­sier­te die vom Her­zog von Urbi­no geför­der­te Künst­ler­schu­le.

Das Schöne als Abglanz des Guten und Wahren

Die künst­le­ri­sche Blü­te der Maler des ita­lie­ni­schen Huma­nis­mus’ war eng ver­bun­den mit der Tran­szen­den­ta­li­en-Leh­re der klas­si­schen Phi­lo­so­phie: Auf­bau­end auf den Ideen von Pla­ton und Ari­sto­te­les, ver­wei­sen die Prin­zi­pi­en des Wah­ren und Voll­kom­me­nen sowie der Schön­heit als deren Abglanz auf das Gött­li­che, in dem sie ihren Ursprung und ihre Voll­endung haben. In Abgren­zung von der katha­ri­schen The­se zu der Ver­derbt­heit alles Geschöpf­li­chen bestärk­te die scho­la­sti­sche Theo­lo­gie die kirch­li­che Leh­re von der guten Schöp­fung Got­tes: Alles geschaf­fe­ne Sei­en­de par­ti­zi­piert am voll­kom­me­nen Sein Got­tes, ins­be­son­de­re der Mensch als Eben­bild des Schöp­fers. Zwar ist die­se Teil­ha­be nur mit der Ein­schrän­kung ver­wirk­licht, nach der die Tran­szen­den­tal-Kate­go­rien für die Men­schen­welt ana­log gel­ten, also der ana­lo­gia entis. Gleich­wohl zei­gen sich in den Schöp­fungs­wer­ken die Spu­ren Got­tes als Anla­ge zum Guten und Schö­nen. Da die mensch­li­che Natur durch die Erb­sün­de geschwächt ist, braucht sie aller­dings die gött­li­chen Gna­den­ga­ben, damit der Mensch sei­ne Bestim­mung zum Guten ver­wirk­li­chen kann.

Die sixtinische Madonna
Die six­ti­ni­sche Madon­na

Maria, frei von der Erb­sün­de, „voll der Gna­de“, steht im Urstand der „guten Schöp­fung“ und wird daher als „Schön­ste von allen“ geprie­sen. Die­se theo­lo­gi­sche Aus­sa­ge hat Raf­fa­el 1512/13 kon­ge­ni­al ins Bild gesetzt.

Die­se scho­la­stisch-kirch­li­che Leh­re wur­de ins­be­son­de­re von dem Renais­sance-Phi­lo­so­phen Gio­van­ni Pico – genannt nach dem Her­kunfts­ort sei­ner Fami­lie del­la Miran­do­la – für die huma­ni­sti­sche Phi­lo­so­phie des Quat­tro­cen­to frucht­bar gemacht. Die Päp­ste Juli­us II. und Leo X., dem Sohn von Loren­zo di Medi­ci, bezo­gen sich auf ihn und inspi­rier­ten damit Raf­fa­el.

Die humanistische Philosophie des Pico della Mirandola

Der Gelehr­te hat­te sich in sei­ner ersten Stu­di­en­pha­se mit den alten Spra­chen sowie mit grie­chi­schen, jüdi­scher und ara­bi­scher Phi­lo­so­phie beschäf­tigt. So wie er selbst Pla­ton aus der Per­spek­ti­ve von Ari­sto­te­les inter­pre­tier­te, so woll­te er ver­schie­de­ne phi­lo­so­phi­sche Strö­mun­gen zusam­men­füh­ren. Dar­über hin­aus sah er in vie­len Phi­lo­so­phien die advent­li­chen Vor-Boten des Chri­sten­tums bzw. ihre Kern­aus­sa­ge im Chri­sten­tum ent­hal­ten.

Die­sen Ansatz setz­te Raf­fa­el in dem bekann­ten Stan­zen-Fres­ko „Die Schu­le von Athen“ ins Bild. Um die bei­den Groß­phi­lo­so­phen Pla­ton und Ari­sto­te­les im Bild­zen­trum sind Sokra­tes, Demo­krit, Hera­klit (mit dem Gesicht von Michel­an­ge­lo), Epi­kur, Dio­ge­nes und der ara­bi­sche Ari­sto­te­les-Kom­men­ta­tor Aver­roes ver­sam­melt. Raf­fa­el selbst hat sich in einer Grup­pe von Astro­no­men, Geo­gra­fen und Geo­me­tern wie Euklid (mit den Zügen von Bra­man­te) dar­ge­stellt. Als Bild­aus­sa­ge ein­schließ­lich der Aktua­li­sie­run­gen ist zu deu­ten: Die Weis­heits­leh­rer, Wis­sen­schaft­ler und Künst­ler erkann­ten und erken­nen immer bes­ser die Geset­ze und Gegen­stän­de der Welt – und damit im Geschaf­fe­nen die Macht des Schöp­fers. Aus­drück­lich for­dert die Phi­lo­so­phie­ge­stalt an der Saal­decke die Suche nach den Ursa­chen – um sich der Erst­ur­sa­che, Gott, anzu­nä­hern.

Die Schule von Athen, gemalt von Raffael 1510/11
Die Schu­le von Athen, gemalt von Raf­fa­el 1510/11

Pico del­la Miran­do­la hat­te weit­ver­zweig­te For­schun­gen ange­stellt. Über sei­ne Sprach­stu­di­en in Grie­chisch, Hebrä­isch, Ara­mä­isch und Ara­bisch such­te er das Beste in den Kul­tu­ren der Grie­chen, Ägyp­ter, Juden, Chaldä­er und Ara­bern sowie aus den Schrif­ten der Kir­chen­vä­tern und Scho­la­sti­kern. In einer Zusam­men­fas­sung von ‚Neun­hun­dert The­sen“, 1486 publi­ziert, ver­such­te er eine gro­ße Syn­the­se her­aus­zu­ar­bei­ten, die im Chri­sten­tum gip­felt. Sei­ne „Con­clu­sio­nes“ woll­te er auf einem euro­päi­schen Kon­gress mit den dama­li­gen Gelehr­ten erör­tern. Sein Ziel war dabei, zur welt­wei­ten Ver­stän­di­gung und zum Frie­den bei­zu­tra­gen. Die­ses Anlie­gen führ­te der Huma­nist Eras­mus von Rot­ter­dam wei­ter.

Wenn auch Pico mit teil­wei­se syn­kre­ti­sti­schen Ten­den­zen über sein Ziel hin­aus­schoss, so bleibt sein Ver­dienst: Aus­ge­hend von dem Pau­lus­wort: „Prü­fet alles, das Gute behal­tet“ (1 Thess 5,21) und in der Tra­di­ti­on der Kir­chen­vä­ter und Scho­la­sti­ker such­te er das Welt­wis­sen sei­ner Zeit prü­fend zu sich­ten und für die Ver­stän­di­gung der Völ­ker frucht­bar zu machen.

Der Maler Raf­fa­el nahm die­se Logik auf, die schon in der „Schu­le von Athen“ zum Aus­druck kam. In ande­ren Fres­ken stellt er die Kün­ste dar (Musik und Poe­sie), das Recht (welt­li­ches und Kir­chen­recht) sowie die Tugen­den (die theo­lo­gi­schen und Kar­di­nal­tu­gen­den).

Gegen­über die­sem wei­ten Hori­zont eines christ­lich-huma­ni­sti­schen Stu­di­en­pro­gramms zeigt sich Luthers Ansatz eher als ein Tun­nel­blick. Sowohl für die Scho­la­stik wie auch bei den mei­sten Kir­chen­vä­tern lehn­te er die oben erwähn­te Metho­de ab, aus dem Wis­sens- und Kul­tur­schatz der Anti­ke das Beste zu über­neh­men.

Luthers Tunnelblick auf Kultur und Geschichte

Die frü­he Kir­che hat­te ihre gesam­te Glau­bens­dog­ma­tik in Denk­for­men der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie aus­ge­drückt. Von den Römern über­nahm und erwei­ter­te sie das hoch­ent­wickel­te Rechts- und Ver­wal­tungs­sy­stem. Die Kir­che war nach dem Zusam­men­bruch des römi­schen Welt­rei­ches die ein­zi­ge Ver­mitt­lungs­in­sti­tu­ti­on, die des­sen Über­lie­fe­run­gen sich­te­te, ver­wan­del­te und tra­dier­te. In die­sem Sin­ne wur­de Euro­pa auf den gei­stig-recht­li­chen Fun­da­men­ten der Anti­ke auf­ge­baut.

Indem Luther die kirch­li­chen und welt­li­chen Tra­di­ti­ons­li­ni­en der euro­päi­schen Geschich­te abschnei­den woll­te sowie die damals aktu­el­le euro­pa­wei­te Kul­tur von Renais­sance und Huma­nis­mus ablehn­te, ver­folg­te der Refor­ma­tor ein zutiefst anti­eu­ro­päi­sches Pro­gramm, wie Tho­mas Mann fest­stell­te.

Auch in sei­nem anthro­po­lo­gi­schen Den­ken ent­fern­te sich Luther von der in der Anti­ke gegrün­de­ten christ­li­chen Tra­di­ti­on. Sei­ne Leh­ren von der tota­len Ver­derbt­heit der mensch­li­chen Natur durch die Erb­sün­de, die dar­aus fol­gen­de Behaup­tung von der mensch­li­chen Unfä­hig­keit zu irgend­wel­chen guten Taten sowie die Bestrei­tung von Wil­lens- und Ent­schei­dungs­frei­heit des Men­schen hat­ten weder in der Bibel noch in der christ­li­chen Tra­di­ti­on eine Basis. Das war luthe­ri­scher Denk-Extre­mis­mus, der aus sei­ner theo­lo­gi­schen Eng­füh­rung in Fixie­rung auf die Sola-gra­tia-The­se folg­te.

Picos Werte-Programm für die europäische Zivilisation

Anknüp­fend an die scho­la­sti­sche Leh­re vom frei­en Wil­len, leg­te Pico del­la Miran­do­la eine Schrift „über die Wür­de des Men­schen“ vor. Sie gilt als Pro­gramm­schrift der Renais­sance, in der die Prin­zi­pi­en einer neu­zeit­li­chen huma­ni­sti­schen Anthro­po­lo­gie ver­kün­det wer­den: Der Mensch ist von Gott als „das nicht fest­ge­leg­te“ Wesen frei in die Mit­te der Welt gestellt. Sei­ne Son­der­stel­lung in der Schöp­fung, sei­ne Wür­de besteht dar­in, ein Eben­bild Got­tes zu sein. Neu war Picos Gedan­ke, dass die Wür­de und Eben­bild­lich­keit nicht nur in der mensch­li­chen Ratio besteht. Son­dern von Natur aus kön­ne der Mensch im frei­en Wil­len sei­ne Ver­nunft gebrau­chen und damit über sein Leben selbst ver­fü­gen sowie sei­ne Umwelt gestal­ten. Die­ser Grund­satz schließt die mög­li­chen Ent­schei­dun­gen ein, zum Ver­bre­cher und Tier zu ent­ar­ten oder zum Auf­stieg zur engel­haf­ten Voll­kom­men­heit zu gelan­gen.

Mit der Wür­de des Men­schen, die sich ins­be­son­de­re in sei­ner frei­en Selbst­ver­fü­gung ver­wirk­licht, also als „Frei­heit der Per­son“ (vgl. GG Art. 2,2), for­mu­lier­te der ita­lie­ni­sche Huma­nist vor 500 Jah­ren das anthro­po­lo­gi­sche Grund­prin­zip der christ­lich gepräg­ten west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on. Eras­mus von Rot­ter­dam bestä­tig­te drei­ßig Jah­re spä­ter die­sen huma­ni­sti­schen Ansatz, der auch in der Scho­la­stik sei­ne Wur­zeln hat­te. Luthers pes­si­mi­sti­sche Anthro­po­lo­gie als nega­ti­ver Sün­den­de­ter­mi­nis­mus erwies sich dage­gen als reli­gi­ons­ideo­lo­gi­sche Sack­gas­se.

Handeln und Verwandeln

Den frei­en Wil­len als inne­res Ent­schei­dungs­zen­trum kann ein Maler nicht dar­stel­len. Aber aus der Frei­heit der Per­son und ihren Ent­schei­dun­gen fol­gen Hand­lun­gen. Die­sen Pro­zess mal­te Raf­fa­el aus – an geschicht­li­chen, bibli­schen und kirch­li­chen Gestal­ten. Er stell­te die Bekeh­rung des Kai­sers Kon­stan­tin zum Chri­sten­tum dar, das Ein­schrei­ten des hei­li­gen Leo gegen Atti­la, die Krö­nung Karls des Gro­ßen, den Abwehr­kampf in Ita­li­en gegen die mus­li­mi­schen Sara­ze­nen.

Gewis­ser­ma­ßen in Detail-Ansich­ten schil­dert der genia­le Mei­ster, wie sich die gött­lich-geist­li­che Inspi­ra­ti­on  in den Per­so­nen durch eine inne­re Umwand­lung aus­wirkt. Wie­der­um steht ein anti­kes The­ma am Anfang: Im Fres­ko von Par­nass spielt Apol­lo, umge­ben von den Musen, Dich­tern und Musi­kern, eine über­wäl­ti­gen­de Musik. Homer, Ver­gil, Horaz, aber auch Dan­te wer­den von die­ser himm­li­schen Musik berührt, um dar­aus schöp­fe­ri­sche Kräf­te zu ent­wickeln. In der „Eksta­se der hei­li­gen Cäci­lia“ zeigt Raf­fa­el, wie die Patro­nin der Musi­ker durch das Hören der Musik der Engel in eine inne­re Bewe­gung und Ent­zückung ver­fällt, die sie ver­wan­delt. In dem Gemäl­de von  der „Befrei­ung des hei­li­gen Petrus“ wird eine ähn­lich inne­re Bewegt­heit bild­lich aus­ge­drückt.

Göttliche Gnade und menschliche Mitwirkung

Luther behaup­te­te mit sei­ner Sola-gra­tia-The­se, zum Heil der Men­schen kön­ne nur Gott wir­ken, der Mensch sei aus­schließ­lich ein pas­siv Emp­fan­gen­der. Dage­gen lehrt die Kir­che seit früh­christ­li­chen Zei­ten, dass die Gna­de den Chri­sten ver­wan­delt und befä­higt zur Mit­wir­kung an sei­nem Heil. Dar­über hin­aus kön­nen die ver­schie­de­nen Kräf­te, Cha­ris­men und Fähig­kei­ten des Men­schen bei­tra­gen zu sei­ner Hei­li­gung. Dem ent­spricht die katho­li­sche Leh­re des Zusam­men­wir­kens von Natur und Gna­de. Luther dage­gen redu­zier­te heils­wirk­sa­me mensch­li­che Akti­vi­tät allein auf den Glau­bens­akt. Dadurch wer­de der Mensch von Gott foren­sisch begna­digt (nicht begna­det) durch Zudecken der Sün­de. Jeden­falls bleibt die von Luther behaup­te­te Unfä­hig­keit zu guten Wer­ken immer bestehen. Die Chri­stus-Wei­sung: „Seid voll­kom­men, wie auch der Vater voll­kom­men ist“ (Mt 5,48) ist nach Luthers Leh­re uner­füll­bar und sinn­los, das Stre­ben nach Hei­li­gung und Voll­kom­men­heit ver­teu­fel­te er sogar als ver­derb­lich.

Pico del­la Miran­do­la fasst den Weg der Chri­sten zur Hei­li­gung als drei­stu­fi­gen Pro­zess: Die Wis­sen­schaf­ten tra­gen zur Rei­ni­gung (pur­ga­tio) bei – etwa durch Moral­phi­lo­so­phie zur Bän­di­gung der Lei­den­schaf­ten oder Logik zum rech­ten Gebrauch der Ver­nunft. Die Erfor­schung und Erkennt­nis­se der Natur brin­gen die Erleuch­tung (illu­mi­na­tio), im Geschaf­fe­nen die Macht des Schöp­fers zu erken­nen. Zur Voll­endung (per­fec­tio) füh­ren Theo­lo­gie und Religion/Kirche. Sie lei­ten den Men­schen an, sich mit allen Kräf­ten um die Erkennt­nis Got­tes und sei­nes Heils­wir­kens zu bemü­hen, um sei­ne Hei­li­gung zu voll­enden.

Die Theo­lo­gie von Kar­di­nal Josef Ratz­in­ger / Papst Bene­dikt XVI. kann man als Anknüp­fung an die Tra­di­ti­on die­ser theo­lo­gi­schen Denk­schu­le ver­ste­hen – wenn auch mit ande­ren Akzen­ten. Laut Peter See­wald zeig­te Papst Bene­dikt XVI. ins­be­son­de­re in sei­ner Regens­bur­ger Rede auf, „dass Reli­gi­on und Wis­sen­schaft, Glau­be und Ver­nunft kei­ne Gegen­sät­ze sein dür­fen“ (Die Tages­post, 15. 4. 2017).

Das Altarssakrament als Mitte der Kirche Christi

Ana­log zu Picos christ­li­chem Huma­nis­mus wird in dem Fres­ken­zy­klus der Stan­zen ein Zusam­men­wir­ken von Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie, den Kün­sten und dem Recht sowie den Tugen­den dar­ge­stellt. Die mensch­li­chen Kräf­te und Talen­te, die Ver­tre­ter aller Pro­fes­sio­nen und der Kir­che wir­ken ver­eint zur Ehre Got­tes und für die Hei­li­gung der Men­schen.

In der Stan­za „Dis­put des Altarsa­kra­ments“ geht es um die Ver­herr­li­chung des Altarsa­kra­ments, Bin­de­glied zwi­schen Him­mel und Erde. Bild­lich in der Mit­te des Him­mels thront Chri­stus, der Auf­er­stan­de­ne, ihm zur Sei­te sei­ne Mut­ter und Johan­nes der Täu­fer; im wei­te­ren Kreis die Haupt­zeu­gen des Alten und Neu­en Bun­des. Der drei­ei­ne Gott ist nicht in sich abge­schlos­sen. Der Vater wirkt durch den Sohn und den Hl. Geist auf die Erde hin – durch die vier von Engeln gehal­te­nen Evan­ge­li­en und das Altarsa­kra­ment.

Den Altar umgibt eine Ver­samm­lung von vier­zig Per­so­nen: Dok­to­ren, Päp­ste, Mysti­ker, Ordens­leu­te und Gläu­bi­ge. Sie kom­men­tie­ren, fei­ern und beten das gött­li­che Geheim­nis des Altarsa­kra­ments an. Fel­lay resü­miert: „Sie erhal­ten das Geschenk des Him­mels und las­sen im Gegen­zug ihr Lob zum Him­mel stei­gen. Die Eucha­ri­stie ist eine Art Jakobs­lei­ter, auf wel­cher die Gna­den her­ab- und die Opfer­ga­ben empor­stei­gen. Die­ser Aus­tausch, Fort­set­zung der Inkar­na­ti­on, ist das zen­tra­le Myste­ri­um der Kir­che.“ Die Kir­che lebt aus der Eucha­ri­stie. Sie ist zugleich die höch­ste Rea­li­sie­rung von Kir­che, die nach der Mis­sio / Sen­dung in der geleb­ten Lie­be des All­tags ihre Fort­set­zung fin­det.

Das Per­so­nen-Pan­ora­ma zeigt alle gro­ßen Ver­tre­ter des Glau­bens: bibli­sche Per­sön­lich­kei­ten, Apo­stel, Kir­chen­vä­ter, Gelehr­te, Künst­ler wie Dan­te Ali­ghie­ri und sogar den Pre­di­ger Giro­la­mo Savo­na­ro­la, zu des­sen Anhän­gern Pico del­la Miran­do­la gehör­te, bevor der Domi­ni­ka­ner als Häre­ti­ker ver­brannt wur­de. Alle sind ver­eint in Lob und Dank für das Altarsa­kra­ment. Das ist sinn­fäl­lig als Mit­te der Kir­che in der Hori­zon­ta­len dar­ge­stellt, wie es im ver­ti­ka­len Zen­trum vom Heils- und Gna­den­wir­kens des drei­ei­nen Got­tes steht.

Von Vasari zugeschriebener Titel: ‚Disputa del Sacramento’
Von Vasa­ri zuge­schrie­be­ner Titel: ‚Dis­pu­ta del Sacra­men­to’

In die­sem 1509/10 gemal­ten Fres­ko ist alles ent­hal­ten, was Luther Jah­re spä­ter erbit­tert bekämp­fen wird: die wesen­haf­te Real­prä­senz des Herrn, die sakra­men­ta­le Anbe­tung und Ver­herr­li­chung Chri­sti durch die Gläu­bi­gen, das Altarsa­kra­ment als Mit­te der Kir­che, in Ein­heit mit Papst und Bischö­fen, in Gemein­schaft mit den Hei­li­gen und Ver­stor­be­nen. In der Fei­er des Altarsa­kra­ments ist zugleich die Gegen­wär­tig­set­zung des ein­ma­li­gen Kreu­zes­op­fers des Herrn gesetzt, also des Erlö­sungsto­des zu unse­rem Heil.  Die­ses Heils­werk Chri­sti als sakra­men­ta­les Ver­mächt­nis an sei­ne Kir­che ver­bann­te Luther aus sei­ner neugläu­bi­gen Gemein­schaft.

Raffaels Bild-Vermächtnis zur kirchlichen Glaubens- und Tugendlehre

Ein letz­ter Höhe­punkt von Raf­fa­els Schaf­fen ist das Altar­bild zur „Ver­klä­rung Chri­sti“, an dem der Mei­ster von 1517 bis zu sei­nem Tod 1520 arbei­te­te. Es sind die Jah­re, in denen die kirch­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit Luthers neu­en Leh­ren ablief. Man kann das Gemäl­de als Raf­fa­els per­sön­li­chen Bei­trag zur kirch­li­chen Glau­bens- und Tugend­leh­re lesen.

Im obe­ren Bild­teil stellt der Maler die bibli­sche Auf­klä­rungs­ge­schich­te so dar, dass er die Ver­klä­rung Chri­sti zugleich mit der Auf­er­ste­hung und Him­mel­fahrt zusam­men­schaut. Mit Recht, wie Fel­lay bemerkt: „Denn die drei Geheim­nis­se bezeich­nen die glei­che Wirk­lich­keit: Der Sohn offen­bart sei­ne wah­re Natur vor den Augen der Men­schen, wie es die Stim­me aus der Wol­ke sagt: ‚Dies ist mein gelieb­ter Sohn, auf ihn sollt ihr hören‘.“

Das „Transfiguration“ genannte Verklärungsbild von Raffael, 1517/20
Das „Trans­fi­gu­ra­ti­on“ genann­te Ver­klä­rungs­bild von Raf­fa­el, 1517/20

Das wirk­lich Neue an die­sem Bild aber ist, dass Raf­fa­el die Ver­klä­rungs­ge­schich­te mit der   im Mar­kus­text fol­gen­de Hei­lung des beses­se­nen Kna­ben in theo­lo­gi­sche Bezie­hung setzt. Beim Abstieg vom Berg fin­det Jesus die Jün­ger in einem Men­schen­auf­lauf. Der Vater eines beses­se­nen Jun­gen wen­det sich an Jesus: Dei­ne Jün­ger haben den bösen Geist nicht aus­trei­ben kön­nen. „Doch wenn du kannst, hilf uns, habe Mit­leid mit uns“. „Wenn du kannst?“, ent­geg­net Jesus, „alles kann, wer glaubt.“ Da rief der Vater des Kna­ben: „Ich glau­be, hilf mei­nem Unglau­ben!“

Raf­fa­el stellt in den Per­so­nen am Fuße des Ver­klä­rungs­ber­ges die Debat­te um Glau­ben und Heil dar: Eini­ge dis­ku­tie­ren unter­ein­an­der, ein Jün­ger hat ein Buch vor sich, zwei Män­ner wei­sen auf den ver­klär­ten Auf­er­stan­de­nen hin, zwei Frau­en zei­gen auf den kran­ken Kna­ben, Petrus und Johan­nes schau­en voll Bewun­de­rung auf die Sze­ne in Erwar­tung der Hei­lung. Der Vater hält voll Angst und Schmerz sei­nen Sohn, die Augen auf die Jün­ger gerich­tet. Er hat den Auf­er­stan­de­nen noch nicht erblickt, er ist noch nicht vom Glau­ben ergrif­fen und umge­formt wor­den. Der Kna­be dage­gen hat sei­nen Erlö­ser ent­deckt und streckt sei­nen Arm nach ihm aus.

Zusammenwirken von Glaube, Hoffnung, Liebe

Die Bild-Deu­tung von Pater Fel­lay sei voll­stän­dig wie­der­ge­ge­ben: „Die Hei­lung (oder das Heil – im Grie­chi­schen ist es das­sel­be Wort) braucht den Glau­ben, um wirk­sam zu wer­den, und die­se ruht auf der Sicht des ver­herr­lich­ten Chri­stus.“ Die glau­ben­de Bit­te des Men­schen – hier des Vaters – brau­che aber eine Moti­va­ti­on: In die­sem Fall brin­ge die ver­zwei­fel­te Lie­be für sei­nen Sohn den Vater zu einem Mehr an Glau­ben. „Wie die Tran­szen­den­ta­li­en sind auch die theo­lo­gi­schen Tugen­den untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den: Die Hoff­nung kommt der Lie­be zu Hil­fe, und die Lie­be bewirkt die Über­win­dung der Glau­bens­schwä­che. Das Heil kommt von Chri­stus, aber Chri­stus ver­langt das Mit­wir­ken des Men­schen, und nur dann kann das Wun­der gesche­hen: Der böse Geist flieht und der Kna­be ist befreit.“

Die Evan­ge­li­en­ge­schich­te von der Hei­lung des beses­se­nen Kna­ben ver­an­schau­licht und struk­tu­riert das Pau­lus­wort des ersten Korin­ther­briefs: „Für jetzt blei­ben Glau­be, Hoff­nung, Lie­be, die­se drei; doch am größ­ten unter ihnen ist die Lie­be“ (1 Kor 3,13). Für Raf­fa­el ist das Zusam­men­wir­ken der drei gött­li­chen Tugen­den genau­so wesent­lich wie die Ein­heit des Schö­nen und des Guten als Hin­füh­rung zu Gott. Er macht aus bibli­schen und dog­ma­ti­schen Aus­sa­gen gemal­te und nach­er­leb­ba­re Heils­wirk­lich­keit.

Mit Raf­fa­els theo­lo­gisch-bild­li­cher Dar­stel­lung zum The­ma Glau­ben und Heil erweist sich Luthers  Behand­lung der gött­li­chen Tugen­den als Ver­kür­zung und Eng­füh­rung des Evan­ge­li­ums. Der Refor­ma­tor inter­pre­tier­te alle Schrif­ten des NT ein­sei­tig aus der Römer­brief­stel­le 3,28, dass der Mensch (allein) „durch Glau­ben“ das Heil erlan­ge. Luther hat­te das allein/sola als sei­ne per­sön­li­che „Dol­met­schung“ hin­zu­ge­fügt. Bis heu­te ent­hält die Luther­bi­bel die­se Text­fäl­schung. Sie ist zugleich auch eine theo­lo­gi­sche Bibel­fäl­schung. Denn in ande­ren NT-Brie­fen, in Evan­ge­li­en-Berich­ten (wie oben gezeigt) und Jesus­wor­ten wer­den der Glau­be mit Lie­be und Wer­ken sowie mit Ver­dien­sten zum Heil in unlös­ba­re Ver­bin­dung gebracht.

In Auf­trag gege­ben war das Altar­bild zur Ver­klä­rung / Hei­lung von Kar­di­nal Juli­us von Medi­ci, der als spä­te­rer Papst den Namen Cle­mens VII. trug. Als Raf­fa­el am Kar­frei­tag des Jah­res 1520 starb, hat­te er das Werk noch nicht voll­endet. Zu sei­nem Tod hol­te man das gemal­te Bekennt­nis zu Glau­be, Hoff­nung, Lie­be aus dem Ate­lier und stellt es hin­ter dem Auf­ge­bahr­ten auf.

Im Todes­jahr von Raf­fa­el ver­fass­te Luther sei­ne refor­ma­to­ri­schen Haupt­schrif­ten, mit denen er die Abspal­tung sei­ner Anhän­ger­schaft von der katho­li­schen Kir­che, Tra­di­ti­on und Leh­re betrieb.

Was die Kir­che im Kon­zil von Tri­ent als dog­ma­ti­sche Zen­tral­aus­sa­gen for­mu­lier­te: der von Lie­be durch­form­te Glau­be, die Mit­wir­kung des Men­schen am Heil, das Zusam­men­wir­ken von Natur und Gna­de hat­te Raf­fa­el schon eine Genera­ti­on vor­her in sei­nem male­ri­schen Lebens­werk dar­ge­stellt.

Lite­ra­tur: Jean-Blai­se Fel­lay SJ: Der Maler Raf­fa­el und der Refor­ma­tor Luther, in: Stim­men der Zeit, Heft 1, Janu­ar 2017, S. 17–29

Text: Hubert Hecker
Bil­der: Wiki­com­mons

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4 Kommentare

  1. Luther mag es am Anfang um Reform gegan­gen sein, aber dann agier­te er als Revo­luz­zer.

    Mit „Allein die Schrift“ stell­te er ein Dog­ma auf, das in Wahr­heit eine Ideo­lo­gie ist. Denn die Schrift ist nur ein Teil der Über­lie­fe­rung; sie ist aus die­ser her­vor­ge­gan­gen.

    Als Petrus an Pfing­sten pre­dig­te, hör­ten Tau­sen­de zu, merk­ten sich das Gehör­te und vie­le schrie­ben auf. Lukas sam­mel­te und schrieb sein Evan­ge­li­um.

    • Luther ging es von Anfang an nicht um eine Reform der Kir­che, son­dern um die Hei­lung sei­ner psy­chi­schen Defor­ma­tio­nen, aus­ge­prägt in einer ihn zer­rei­ßen­den Höl­len­angst und den damit ver­bun­de­nen Gewis­sens­qua­len, ver­bun­den mit der Furcht vor Ver­haf­tung, Todes­ur­teil und Hin­rich­tung nach sei­nem Todschlag/Mord an sei­nen Kom­mi­li­to­nen Hie­ro­ny­mus Buntz unmit­tel­bar nach der gemein­sam an der Uni­ver­si­tät Erfurt absol­vier­ten Magi­ster­prü­fung 1505. Es kann heu­te auf­grund von Luthers ein­schlä­gi­gen Tisch­ge­sprä­chen, sei­ner über­ha­ste­ten Klo­ster­flucht und sei­ner aller­er­sten Schrift, einer Abhand­lung über das Klo­ster­asyl, kein ernst­haf­ter Zwei­fel mehr dar­an bestehen, dass sein Prü­fungs­kon­tra­hent Buntz an den histo­risch beleg­ten „Sei­ten­sti­chen“ ver­schied, die ihm Luther im Jäh­zorn über sein eige­nes Prü­fungs­ver­sa­gen, sei es in einem ordent­li­chen Duell, sei es heim­tückisch, bei­gebracht hat­te. „Der Ablass ist es nicht gewe­sen“, sag­te er spä­ter zu Eras­mus von Rot­ter­dam und schob die Ver­ant­wor­tung für die Tat sei­nem unfrei­en Wil­len und damit Gott zu. Das öffent­li­che Bekennt­nis von Papst Hadri­an zu Ver­feh­lun­gen der Kir­che Roms und dem Ange­bot zu Refor­men, beant­wor­te­te Luther mit dem Aus­ruf: Du Satan! Aus den Reform­de­fi­zi­ten der Kir­che ist Luthers Abfall von Glau­ben und Kir­che nicht zu ver­ste­hen, sehr wohl aber aus sei­nem Ver­such einer Selbst­recht­fer­ti­gung vor Gott, allein aus dem Glau­ben, unter strik­ter Ableh­nung der Heils­re­le­vanz der Wer­ke — sei­en sie gut oder böse und der damit erhoff­ten Aus­ra­die­rung sei­ner eige­nen bösen Tat.

      • Noch eine Kor­rek­tur zum Erst­kom­men­ta­tor, spe­zi­ell zu sei­nem Satz 3: „Als Petrus an Pfing­sten pre­dig­te, hör­ten Tau­sen­de zu, merk­ten sich das Gehör­te und vie­le schrie­ben auf. Lukas sam­mel­te und schrieb sein Evan­ge­li­um“.

        Im Zusam­men­hang mit der Ver­schrif­tung der drei syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en von Mar­kus, Mat­thä­us und Lukas konn­te es kei­ne text­re­le­van­te „Tra­di­ti­on“ von Jesus­stof­fen außer­halb des Jüm­ger­krei­ses und der Fami­lie Jesu geben, es sei denn, man geht von der pro­te­stan­tisch-moder­ni­sti­schen Spät­da­tie­rung der Evan­ge­li­en, der Apo­stel­ge­schich­te und wei­te­rer 15 neu­te­sta­ment­li­cher Schrif­ten aus. Nach die­ser Datie­rung hät­ten erst nach einer Zwi­schen­pha­se von min­de­stens 40 Jah­ren münd­li­cher Über­lie­fe­rung seit dem Kreu­zes­tod Jesu (30 n.Chr.) und damit erst nach der Tem­pel­zer­stö­rung (70)unbekannte hel­le­ni­sti­sche Samm­ler mit theo­lo­gi­schen Inter­es­sen an unbe­kann­ten Orten, zu unbe­kann­ten Zei­ten und unab­hän­gig von­ein­an­der das kur­sie­ren­de, bereits ver­än­der­te und dem Zeit­geist ange­pass­te Jesus­ma­te­ri­al unter den Pseu­depi­gra­phen Mk, Mt, Lk und Joh redi­giert und zu den vier Evan­ge­li­en zusam­men­ge­fügt, eine Vor­stel­lung, die schon aus Wahr­schein­lich­keits­grün­den falsch sein muss und sich zudem gegen das histo­ri­sche Wis­sen der Alten Kir­che rich­tet, nach dem die Ver­schrif­tung des NT ent­spre­chend dem Wil­len und Auf­trag Jesu ein Zeug­nis der Apo­stel und ihrer Mit­ar­bei­ter sowie von Mit­glie­dern aus der Jesus-Fami­lie dar­stellt und mit den Hin­rich­tun­gen von Petrus und Pau­lus in Rom noch vor der Tem­pel­zer­stö­rung (70) been­det gewe­sen ist. Andern­falls müss­te man, nimmt man alle rele­van­ten Fak­to­ren zusam­men, eine Wahr­schein­lich­keit von 1:1 Mil­li­ar­de für die Rich­tig­keit des Sat­zes: „Denn die Schrift ist nur ein Teil der Über­lie­fe­rung; sie ist aus die­ser her­vor­ge­gan­gen“ als aus­rei­chend erach­ten.

  2. Ich fin­de das hier sehr gut geschrie­ben. Die Renais­sance betrach­te ich als eine Blue­te­zeit der Kirche.So viel Schoenes,das wir heu­te noch genie­ssen koen­nen. dan­ke an Rafa­el und ande­re Kuenst­ler. Luther betrach­te ich als einen Nega­ti­vist. Nicht gera­de ein erfreu­li­cher Mensch!

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