„Beim Vatikan-China-Deal geht nichts weiter — und das ist gut so“ — Kardinal Zens Kritik an der Appeasement-Politik

Kardinal Joseph Zen, Stimme und Gewissen der chinesischen Untergrundkirche
Kardinal Joseph Zen, Stimme und Gewissen der chinesischen Untergrundkirche

(Hong Kong) Kar­di­nal Joseph Zen, der eme­ri­tier­te Bischof von Hong Kong, ist seit vie­len Jah­ren die graue Emi­nenz der katho­li­schen Unter­grund­kir­che in der kom­mu­ni­sti­schen Volks­re­pu­blik Chi­na. In einem gestern ver­öf­fent­lich­ten Inter­view des Catho­lic Herald begrüß­te der streit­ba­re Kar­di­nal, daß die Annä­he­rung zwi­schen dem Vati­kan und dem Regime in Peking offen­bar zum Still­stand gekom­men ist. Zugleich übte er schar­fe Kri­tik an den römi­schen „Funk­tio­nä­ren“, die eine Annä­he­rung „um jeden Preis“ wol­len.

Eine Annä­he­rung zwi­schen dem Vati­kan und Peking sei „posi­tiv für die Katho­li­ken“ und habe „einen immensen Nut­zen für den Welt­frie­den“, hat­te Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin 2015 gesagt. Beim „Vati­kan-Chi­na-Deal“, der noch im vori­gen Jahr als „Neue Ost­po­li­tik“ bezeich­net wur­de, scheint aber nichts mehr wei­ter­zu­ge­hen.

Chinas Untergrundkirche hat Angst vor einer neuen „Ostpolitik“

Chinas Katholiken: Das Christentum wird seit 1949 unterdrückt.
Chi­nas Katho­li­ken: Das Chri­sten­tum wird seit 1949 unter­drückt.

Im Febru­ar 2016 gab Papst Fran­zis­kus der regi­me­na­hen Zei­tung Asia Times ein Inter­view. Dar­in schmei­chel­te er der Regie­rung in Peking, wäh­rend er die Fra­ge der Men­schen­rech­te und der Unter­grund­kir­che aus­klam­mer­te.

Ziel der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas ist es nach wie vor, dar­an läßt Kar­di­nal Zen kei­nen Zwei­fel, die katho­li­sche Kir­che in Chi­na unter ihre Kon­trol­le zu brin­gen.: Dazu wur­de 1957 die KP-Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung gegrün­det. Der Vati­kan signa­li­sier­te in den bei­den ver­gan­ge­nen Jah­ren, kei­nen Wider­stand gegen die For­de­rung des Regimes zu lei­sten, daß sich alle Prie­ster regi­strie­ren las­sen müs­sen. Nur wer über eine Geneh­mi­gung des Regimes ver­fügt, darf sein Amt legal aus­üben.

Die Unter­grund­ka­tho­li­ken sehen die Annä­he­rung kei­nes­wegs „posi­tiv“, son­dern wit­tern viel­mehr Ver­rat. Ihre vor der Welt­öf­fent­lich­keit hör­ba­re Stim­me ist Kar­di­nal Zen. Der inzwi­schen 85-Jäh­ri­ge nützt nach Mög­lich­keit den Son­der­sta­tus von Hong Kong, um für sei­ne Lands­leu­te im übri­gen Chi­na ein­zu­tre­ten. Mit har­ten Wor­ten gei­ßel­te er in den ver­gan­ge­nen Mona­ten die vati­ka­ni­sche Appease­ment-Poli­tik, die Chi­nas Unter­grund­kir­che in Unru­he ver­setzt. Der Vati­kan gebe sich „Illu­sio­nen“ hin, ließ er aus­rich­ten. Nach 68 Jah­ren der Ver­fol­gung hat die rote Dik­ta­tur unter Chi­nas Katho­li­ken ohne­hin jeden Kre­dit ver­spielt. Sie sehen in schö­nen Wor­ten nur eine neue Fin­te, mit der die Unter­grund­kir­che aus­ge­forscht und zer­schla­gen wer­den soll. Das kom­mu­ni­sti­sche Regime ken­ne nur ein ein­zi­ges Inter­es­se, das eige­ne.

Diplomatischer „Frühling“ bedeutet einen neuen „Winter“ für Chinas Katholiken

Bene­dikt XVI. hat­te in sei­nem Brief an die chi­ne­si­schen Katho­li­ken die regi­me­hö­ri­ge Patrio­ti­sche Ver­ei­ni­gung für „unver­ein­bar“ mit der Leh­re der katho­li­schen Kir­che erklärt. Von Papst Fran­zis­kus wur­de die­se Posi­ti­on for­mal nicht zurück­ge­nom­men. In der kon­kre­ten Umset­zung zeigt er sich jedoch weit kon­zi­li­an­ter. Was den „Dia­log“ stö­ren könn­te, wird vom Vati­kan aus­ge­klam­mert.

Am 29. August 2016 sag­te die Pekin­ger Regie­rungs­spre­che­rin Hua Chuny­ing:

„Chi­na hat sich immer ehr­lich um eine Ver­bes­se­rung der Bezie­hun­gen mit dem Vati­kan bemüht und sich uner­müd­lich dafür ein­ge­setzt. Aktu­ell ist der Kanal des Kon­tak­tes und des Dia­logs zwi­schen bei­den Sei­ten effi­zi­ent und frei von Hin­der­nis­sen. Wir sind bereit, zusam­men mit dem Vati­kan, an einem kon­struk­ti­ven Dia­log zu arbei­ten, in die­sel­be Rich­tung zu mar­schie­ren und neue Fort­schrit­te im Pro­zeß einer Ver­bes­se­rung der bila­te­ra­len Bezie­hun­gen zu för­dern.“

Die Erklä­rung löste in Unter­grund­krei­sen besorg­te Reak­tio­nen vor einer neu­en Ver­fol­gungs­wel­le aus. Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster schrieb damals von einem diplo­ma­ti­schen „Früh­ling“ in den Bezie­hun­gen zwi­schen Rom und Peking, aber einem neu­en „Win­ter“ für die Kir­che in Chi­na.

Vatikanisch-chinesischer „Frühling“ verwelkt

Inzwi­schen scheint auch der diplo­ma­ti­sche „Früh­ling“ zu ver­wel­ken. Kar­di­nal Zen äußer­te die Ver­mu­tung, daß das „Abkom­men über die Aus­wahl der Bischö­fe“ zwar aus­ge­han­delt, aber „nicht unter­zeich­net“ wur­de. Der Kar­di­nal geht davon aus, daß sich Peking auch mit dem groß­zü­gi­gen Ent­ge­gen­kom­men des Vati­kans nicht zufrie­den­gibt, son­dern „alles“ will, nicht nur was die Bischö­fe betrifft, son­dern auch „vie­le ande­re Din­ge, um die Kir­che zu kon­trol­lie­ren“.

Da die­ses „alles“ für den Vati­kan unmög­lich ist, ver­wei­gert die kom­mu­ni­sti­sche Regie­rung ihre Unter­schrift. „Und das ist für mich gut so“, so der Kar­di­nal.

Schar­fe Kri­tik wie­der­hol­te Kar­di­nal Zen auch gegen­über den vati­ka­ni­schen Ver­hand­lungs­füh­rern. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin nann­te er nicht nament­lich, ist aber von ihm gemeint. Die „Neue Ost­po­li­tik“ ist von ihm zu ver­ant­wor­ten.

„Glau­ben sie wirk­lich, die Situa­ti­on bes­ser zu ken­nen als ich? Bes­ser als Erz­bi­schof Savio Hon Tai-Fai, der Mit­glied der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker ist? Wir sind Chi­ne­sen! Wir waren vie­le Jah­re in Chi­na, haben an den Semi­na­ri­en gelehrt, haben sechs Mona­te im Jahr dort ver­bracht und haben mit eige­nen Augen gese­hen, wie es dort ist. Es ist so schreck­lich.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­news

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1 Kommentar

  1. Vie­le Katho­li­ken, vie­le Prie­ster in Chi­na waren bereit, die Repres­sio­nen und die Ver­fol­gun­gen durch das kom­mu­ni­sti­sche Regime auf sich zu neh­men. Vie­le wur­den in den Gefäng­nis­sen gefol­tert und blie­ben ihrem Glau­ben treu.

    Der Kurs, den Ber­go­glio nun ein­ge­schla­gen hat, ist eine Ver­höh­nung die­ser Mär­ty­rer des Glau­bens.

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