„Der Pate“ hinter Macron: Jacques Attali und dessen apokalyptische Zukunftswelt

Der Pate Jacques Attali und sein Protége Emmanuel Macron. Ein Blick in die Geisteswelt eines mächtigen Mannes.
Der Pate Jacques Attali und sein Protége Emmanuel Macron. Ein Blick in die Geisteswelt eines mächtigen Mannes.

(Paris) Frank­reichs neu­er Staats­prä­si­dent heißt Emma­nu­el Macron. Die­ses Ergeb­nis, dazu brauch­te man kein Hell­se­her zu sein, stand bereits am Abend des ersten Wahl­gangs fest. Unten, beim Volk, das von man­chen nur als Stimm­vieh gese­hen wird, sieht eine Par­la­ments- und Prä­si­dent­schafts­wahl etwas anders aus als für die oben. Wenn Men­schen zuneh­mend den Ein­druck einer gewis­sen Aus­tausch­bar­keit der Poli­ti­ker gewin­nen und Par­tei­zu­ge­hö­rig­kei­ten nur mehr äuße­re Eti­ket­ten schei­nen, dann wird das am Bei­spiel von Emma­nu­el Macron bestä­tigt.

Macron und sein Pate

1981: Attali mit Mitterand
1981: Attali mit Mit­te­rand

Macron war gro­ße Tei­le sei­nes erwach­se­nen Lebens Mit­glied des Par­ti Socia­li­ste (Sozia­li­sti­sche Par­tei), in der er zunächst Kar­rie­re zu machen ver­such­te. Fran­çois Fil­lon, sein bür­ger­li­cher Mit­be­wer­ber, woll­te ihn 2010 zu sei­nem stell­ver­tre­ten­den Kabi­netts­chef machen, wes­halb es auf dem zwei­ten Blick weni­ger ver­wun­dert, daß der­sel­be Fil­lon, der in der ersten Wahl­run­de nur Drit­ter wur­de, ohne Zögern für die Stich­wahl eine Wahl­emp­feh­lung für Macron und gegen Le Pen abgab. Bereits 2007 hat­te der Bür­ger­li­che Éric Woerth, Haus­halts­mi­ni­ster im Kabi­nett Fil­lon, dem Sozia­li­sten Macron ein Ange­bot gemacht, das die­ser aber ablehn­te. Das Jahr 2007 soll­te man sich übri­gens mer­ken. Es ist ein Schlüs­sel­jahr im Leben von Emma­nu­el Macron. Denn im sel­ben Jahr hei­ra­te­te Macron sei­ne Frau und lern­te einen Mann ken­nen, mit dem sei­ne Kar­rie­re untrenn­bar ver­bun­den ist: sei­nen gro­ßen För­de­rer Jac­ques Attali.

Attali, Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler und lang­jäh­ri­ge Bera­ter von Fran­çois Mit­ter­rand, des ein­zi­gen sozia­li­sti­schen Staats­prä­si­den­ten vor Hol­lan­de, spielt die zen­tra­le Schlüs­sel­rol­le im poli­ti­schen Auf­stieg des drit­ten sozia­li­sti­schen, par­don, unab­hän­gi­gen Prä­si­den­ten. Macron selbst sagt das.

Attali ent­stammt einer jüdi­schen Fami­lie aus Nord­afri­ka. Im Alter von 13 Jah­ren kam er mit die­ser wäh­rend des Alge­ri­en­krie­ges nach Frank­reich. Er besuch­te die Ver­wal­tungs­hoch­schu­le ENA, wie spä­ter Macron, an der Frank­reich den Kern sei­ner hohen Beam­ten­schaft und Ent­schei­dungs­trä­ger her­an­bil­det. Atta­lis ent­schei­den­der Men­tor war Mit­te­rand, dem er wäh­rend eines ENA-Prak­ti­kums in Niè­v­re begeg­ne­te, aber bereits eini­ge Jah­re zuvor wäh­rend sei­ner Stu­di­en­zeit am Insti­tut d’études poli­ti­ques de Paris ken­nen­ge­lernt hat­te. Die ENA-Abschluß­klas­se 1970, der Attali ange­hört, ist nach „Robes­pierre“ benannt.

Einladung zu den Bilderbergern und dem Großorient von Frankreich

2012: Attali mit Hollande
2012: Attali mit Hol­lan­de

Attali war es, der im Juni 2014 Macron die Ein­la­dung zum exklu­si­ven Bil­der­ber­ger-Tref­fen in Kopen­ha­gen ver­schaff­te. Im Kreis der soge­nann­ten „Bil­der­ber­ger“ tref­fen sich demo­kra­tisch gewähl­te Staats- und Regie­rungs­ver­tre­ter unter Aus­schluß der Öffent­lich­keit. Ein olig­ar­chi­sches Prin­zip über­la­gert das demo­kra­ti­sche. Durch die Teil­nah­me Macrons war klar, daß er für Höhe­res aus­er­ko­ren wor­den war. Zwei Mona­te spä­ter rück­te er zum Wirt­schafts­mi­ni­ster Frank­reichs auf.

Attali ist es, der den künf­ti­gen Prä­si­den­ten jenen Leu­ten vor­stellt, die wirk­lich zäh­len. Dazu gehör­te am 21. Juni 2016 eine Ein­la­dung zum Groß­ori­ent von Frank­reich. Macron durf­te über die Seg­nun­gen der Glo­ba­li­sie­rung refe­rie­ren und sich damit den beschürz­ten Brü­dern vor­stel­len, die wegen der bevor­ste­hen­den Prä­si­dent­schafts­wah­len auf der Suche nach einem geeig­ne­ten Kan­di­da­ten waren.

In Fra­ge kamen für den ein­fluß­rei­chen, eso­te­ri­schen „Club“ der links­ra­di­ka­le Jean-Luc Melen­chon und Emma­nu­el Macron. Bei­den gemein­sam ist, daß sie aus der Sozia­li­sti­schen Par­tei stam­men und bei­de Mini­ster in einer sozia­li­sti­schen Regie­rung waren – Macron es zu jenem Zeit­punkt sogar noch ist.

Künstliche Gebärmaschinen und Polyamorie

2017: Attali mit Macron
2017: Attali mit Macron

Attali sag­te es selbst: „Ich habe ihn Hol­lan­de vor­ge­stellt, damit er ihn in den Ély­sée­pa­last holt“. Emp­feh­lun­gen und Seil­schaf­ten gehö­ren zum All­tag. Dar­an ist nichts Unge­wöhn­li­ches. Frei­lich ist es gut, zu wis­sen, wer wen emp­fiehlt. Es erleich­tert, den Über­blick zu behal­ten und ist häu­fig erhel­lend, was das Den­ken und die Nähe betrifft. Seil­schaf­ten leben aber vor allem vom Ver­bor­ge­nen.

Wofür aber steht der so ein­fluß­rei­che Herr Attali, der sich so gekonnt im Dunst­kreis der Macht bewegt, daß sein Sta­tus flie­ßend vom Prä­si­den­ten-Pro­te­gé zum Prä­si­den­ten-Paten wech­sel­te? Attali, obwohl selbst 73 Jah­re alt, meint es, was die Lang­le­big­keit anbe­langt, mit sei­nen weni­ger bemit­tel­ten Zeit­ge­nos­sen nicht ganz so gut. Mit 65 soll­ten sie eigent­lich vom Ant­litz der Erde abtre­ten. Und über­haupt hofft er auf „neue For­men der Fort­pflan­zung“ und eine Zukunft der Poly­amo­rie.

In sei­nem Buch „L’Avenir de la vie“ (1981) mein­te der damals 38-Jäh­ri­ge am Beginn der Ära Mit­te­rand, daß es nicht wün­schens­wert sei, wenn die Men­schen zu lan­ge leben.

„Wenn jemand die 60/65 Jah­re über­schrei­tet, lebt er län­ger, als er pro­du­ziert und kommt die Gesell­schaft daher teu­er … Aus Sicht der Gesell­schaft ist es vor­zu­zie­hen, daß die mensch­li­che Maschi­ne sich bru­tal blockiert anstatt schritt­wei­se abzu­bau­en. Das wird ganz klar, wenn man dar­an denkt, daß zwei Drit­tel der Gesund­heits­aus­ga­ben sich auf die letz­ten Lebens­mo­na­te kon­zen­trie­ren.“

Der poli­ti­sche Pate ver­gleicht das Leben eines Men­schen mit einer Maschi­ne. Die Men­schen­wür­de zählt nur, solan­ge die­se Maschi­ne „pro­du­ziert“. Pro­du­ziert sie nicht, ist ein Men­schen­le­ben nur eine Bela­stung, die der  Gesell­schaft „Kosten“ ver­ur­sacht. Es wäre inter­es­sant, zu wis­sen, was der neue Haus­herr im Ély­sée­pa­last dazu denkt. Immer­hin lern­te Attali Macron bereits vor zehn Jah­ren ken­nen, als die­ser nach dem Abschluß der ENA sei­ne eigent­li­che Kar­rie­re begann. Wenn Attali nach zehn Jah­ren Macron noch immer unter sei­nen Fit­ti­chen hat, dürf­te die Gedan­ken­welt der bei­den nicht all­zu weit von­ein­an­der ent­fernt sein.

Kinder vergangener Generationen austragen, Familien ohne Großväter

In sei­nem Buch „Amours“ (2007) läßt Attali die Welt wis­sen, daß

„eines Tages das Lie­bes­ge­fühl so inten­siv wird sein kön­nen, daß es meh­re­re Per­so­nen zugleich ein­be­zieht […] die Poly­amo­rie, in der jeder meh­re­re, ver­schie­de­ne Sexu­al­part­ner haben kann; die Poly­fa­mi­lie, in der jeder meh­re­ren Fami­li­en ange­hört; die Polytreue, in der jeder allen Mit­glie­dern einer Grup­pe mul­ti­pler Sexua­li­tät treu ist […]. Es wird im Schoß ein Kind einer frü­he­ren Genera­ti­on der­sel­ben Fami­lie aus­ge­tra­gen wer­den oder von irgend­ei­nem Spen­der, und die Kin­der von zwei les­bi­schen Paa­ren, die vom sel­ben Samen­spen­der stam­men, wer­den sich hei­ra­ten und eine Fami­lie grün­den kön­nen, die nur mehr Groß­müt­ter kennt, aber kei­ne Groß­vä­ter […], die Kin­der wird man durch exter­ne Gebär­müt­ter zur Welt brin­gen, ob tie­ri­schen oder künst­li­chen Ursprungs, mit gro­ßen Vor­tei­len für alle: für die Män­ner, weil sie die Geburt ihrer Nach­kom­men nicht mehr den Ver­tre­tern des ande­ren Geschlechts anver­trau­en müs­sen; für die Frau­en, weil sie sich der Lasten von Schwan­ger­schaft und Geburt ent­le­di­gen.“

Damit sind die „schö­nen“ Zukunfts­aus­sich­ten von Macrons Paten noch kei­nes­wegs zu Ende.

„Es wird der Wunsch auf­kom­men, sich selbst zu repro­du­zie­ren, und jeder kann sich selbst sam­meln, indem er sein eige­nes Bewußt­sein klont, wäh­rend Eltern sich ihren Wunsch erfül­len kön­nen, dem Klon irgend­ei­ner Per­son ihrer Wahl das Leben zu schen­ken. Irgend­wann wird man sogar anders wer­den kön­nen, als man ist, und um jede Form der Sexua­li­tät zu leben, wird der Mensch es anstre­ben, von einem Geschlecht zum ande­ren wech­seln zu kön­nen.“

Gebär­ma­schi­nen, Poly­amo­rie, unter­schied­li­che Geschlech­ter und Sexu­al­pra­ti­ken mit unter­schied­li­chen Part­nern leben, die völ­li­ge Ent­kop­pe­lung und Ent­gren­zung von Lie­be, Sexua­li­tät und Fort­pflan­zung, das ist die Ideen­welt eines Man­nes, der in Frank­reich, und nicht nur dort, über gro­ßen Ein­fluß ver­fügt, so gro­ßen Ein­fluß, daß er einem Prä­si­den­ten sagen kann, wen er zum eng­sten Bera­ter bestellt, und so gro­ßen Ein­fluß, einen eige­nen Pro­te­gé ins Prä­si­den­ten­amt zu beför­dern.

Wer sei­ne Sin­ne bei­sam­men hat und über ein Mini­mum an gesun­dem Haus­ver­stand ver­fügt, müß­te an die­ser Stel­le einen Kran­ken­wa­gen rufen. Herr Attali wird aber nicht auf sei­nen psy­chi­schen Gesund­heits­zu­stand unter­sucht, son­dern ist die graue Emi­nenz hin­ter dem neu­en Staats­prä­si­den­ten Emma­nu­el Macron.

Abschaffung christlicher Feiertage – „Fest der Freiheit“ statt Ostern

Attali: reichhaltige publizistische Tätigkeit
Attali: reich­hal­ti­ge publi­zi­sti­sche Tätig­keit

Weni­ge Mona­te nach­dem Hol­lan­de zum Prä­si­den­ten gewählt wor­den war, und Attali Macron am sel­ben Schreib­tisch im Prä­si­den­ten­pa­last pla­ziert hat­te, den er sel­ber unter Mit­te­rand inne­hat­te, for­der­te er die Abschaf­fung der ver­blie­be­nen christ­li­chen Fei­er­ta­ge. Sie soll­ten einen „lai­zi­sti­schen“ Namen erhal­ten. Für Weih­nach­ten schlug Atti­li im Janu­ar 2013 die Umbe­nen­nung in das „Fest der Kin­der“ vor, wäh­rend Ostern zum „Fest der Frei­heit“ wer­den soll­te. Bei Bei­be­hal­tung soll­ten auch Fei­er­ta­ge mit ande­rem reli­giö­sen Bezug ein­ge­führt wer­den, etwa Jom Kip­pur oder der Geburts­tag des Dalai Lama, so Attali.

Édouard Phil­ip­pe, ehe­ma­li­ger Sozia­list, dann Par­tei­mit­glied im UMP und nun bei Les Repu­bli­cains, den Macron soeben mit Blick auf die bevor­ste­hen­den Par­la­ments­wah­len zum Pre­mier­mi­ni­ster ernann­te, gehört auch zu den alten Bekann­ten von Attali. Attali und Phil­ip­pe grün­de­ten 2008 das Forum de l’économie posi­ti­ve, das im Zusam­men­hang mit einer 1998 von Attali gegrün­de­ten Orga­ni­sa­ti­on Pla­Net Finan­ce, seit 2015 Posi­ti­ve Pla­net, steht.

Die Ideen­welt Atta­lis, die in einer gan­zen Rei­he von Büchern nach­ge­le­sen wer­den kann, die er im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te ver­faßt hat, ist besorg­nis­er­re­gend. Sie ist beson­ders besorg­nis­er­re­gend, wenn man um sei­nen Ein­fluß weiß — und wenn man weiß, daß jemand mit sol­chen Ideen im eng­sten Kreis der inter­na­tio­na­len Macht wohl­ge­lit­ten ist.

Text: Andre­as Becker
Bild: InfoVaticana/MiL (Screen­shots)

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5 Kommentare

  1. Was kann man schon von einem Mann erwar­ten, der qua­si sei­ne Mut­ter gehei­ra­tet hat, er ist ja das schön­ste Bei­spiel für Atta­lis schö­ne neue Lie­bes­welt. Wie hat man doch wäh­rend des hoch­ge­spiel­ten Miss­brauch-Hoax‘ in der katho­li­schen Kir­che dage­gen gewet­tert, wenn das Ver­hält­nis eines Leh­rers zu einem Schü­ler ins Ero­ti­sche abge­glit­ten ist. Und heu­te beju­belt man ein Paar, bei dem eine ält­li­che Leh­re­rin ihren Lieb­lings­schü­ler gefreit hat. Nun ja, quod licet Jovi, non licet bovi…

    • Ich ver­ste­he nicht ganz, war­um die Hoch­zeit mit die­ser ält­li­chen Dame im Jah­re 2007 für Macron von aus­schlag­ge­ben­der Bedeu­tung sein soll? Soll­te Attali ihn dazu ver­an­lasst haben, um bes­ser auf ihn „auf­pas­sen“ zu kön­nen? Schließ­lich war sie zu die­sem Zeit­punkt bereits über zehn Jah­re sei­ne Gelieb­te. Alles sehr suspekt!

  2. Der Arti­kel zeigt sehr gut das Bezie­hungs­ge­flecht der­je­ni­gen, die die Welt nach ihren mate­ria­li­sti­schen Vor­stel­lun­gen umfor­men und alle Macht­op­tio­nen dafür nut­zen wol­len. Es ist gut, die­ses Fak­tum zunächst ein­mal bewusst wahr­zu­neh­men. Und christ­li­che Fei­er­ta­ge säku­la­ri­sie­ren zu wol­len, ist ja sogar logisch, wenn das Chri­sten­tum sei­ne prä­gen­de gei­sti­ge Kraft in einem Land ver­lo­ren hat.

    Wie ist dar­auf zu reagie­ren?

    Am aller­we­nig­sten gilt es zu resi­gnie­ren. Wenn das ost­eu­ro­päi­sche Chri­sten­tum nach über 70jähriger Dik­ta­tur des sozia­li­sti­schen Mate­ria­lis­mus nicht aus­ge­löscht wer­den konn­te, wird auch die west­eu­ro­päi­sche Durst­strecke sieg­reich durch­stan­den wer­den. Wer Christ ist, wird dar­an kei­nen Zwei­fel haben. Denn er glaubt ja an die Macht des Auf­er­stan­de­nen und dar­an, dass die­ser ihm in sei­nem viel­leicht klein erschei­nen­den Lebens­kreis mit Sicher­heit die Mög­lich­keit gibt, etwas zum Sieg bei­zu­tra­gen.

    Wir „Senf­kör­ner“ sind nicht allein — weder nach oben noch nach der Sei­te!

  3. Vie­len Dank für die­sen Arti­kel. Der­lei Din­ge erfährt man offen­bar nur hier. Umso wert­vol­ler ist der Bei­trag.

  4. Satan und sei­ne Dämo­nen durch­strei­fen die Welt, um die See­len zu ver­der­ben. Bit­ten wir den Hei­li­gen Erz­engel Micha­el, dass er sie in der Kraft Got­tes in den Abgrund der Höl­le stür­zen möge.

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