Papst-Besuche in Kolumbien und Ägypten — Spannungsgebiete und „Dialogprozeß“ mit dem Islam

Al-Azhar in Kairo: Reiseziel von Papst Franziskus, der am 20./21. Mai Ägypten besuchen wird, um den "Dialogprozeß" mit dem Islam anzukurbeln.
Al-Azhar in Kairo: Reiseziel von Papst Franziskus, der am 20./21. Mai Ägypten besuchen wird, um den "Dialogprozeß" mit dem Islam anzukurbeln.

(Kai­ro) Papst Fran­zis­kus sag­te in sei­nem Inter­view für die Wochen­zei­tung Die Zeit, 2017 nach Fati­ma, Indi­en, Ban­gla­desch und Kolum­bi­en rei­sen zu wol­len. Der Besuch im latein­ame­ri­ka­ni­schen Land ist für den 6.–11. Sep­tem­ber geplant. Um die­se Rei­se gab es im Zuge des Frie­dens­pla­nes zwi­schen der kolum­bia­ni­schen Regie­rung und der mar­xi­sti­schen Nar­co­gue­ril­la FARC eini­ges Gezer­re. Die Revo­lu­tio­nä­ren Streit­kräf­te Kolum­bi­ens – Volks­ar­mee ent­stan­den 1965 als bewaff­ne­ter Arm der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Kolum­bi­ens. Ihr Gue­ril­la­kampf koste­te seit­her 200.000 Kolum­bia­ner das Leben.

Papst Franziskus wird 2017 doch Kolumbien besuchen

Papst Fran­zis­kus ver­such­te sei­nen Besuch in Kolum­bi­en als Druck­mit­tel bei der Volks­ab­stim­mung über den aus­ge­han­del­ten Frie­dens­plan ein­zu­set­zen. Er unter­stütz­te damit Staats­prä­si­dent Juan Manu­el San­tos, der einen Papst-Besuch im „ersten Tri­me­ster 2017“ ankün­dig­te. Soll­te das kolum­bia­ni­sche Wahl­volk gegen den Frie­dens­plan stim­men, so ließ das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt, ziem­lich unver­hüllt wis­sen, wer­de er das Land nicht besu­chen. „Alles hängt davon ab, was das Volk [zum Frie­dens­ab­kom­men] sagt“, so Fran­zis­kus Anfang Okto­ber 2016 zu den Jour­na­li­sten auf dem Rück­flug von sei­nem Besuch in Geor­gi­en und Aser­bai­dschan.

Die Wäh­ler lie­ßen sich davon nicht beein­drucken und lehn­ten den Frie­dens­plan mit knap­per Mehr­heit ab. Das Stimm­volk folg­te damit der Emp­feh­lung der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, die den Frie­dens­plan ablehn­te. Von die­ser Ableh­nung der direkt betrof­fe­nen Bischö­fe hat­te sich Papst Fran­zis­kus wie­der­um nicht beein­drucken las­sen und zur Sache sei­nen eige­nen Kurs gesteu­ert.

Im Anschluß an die Volks­ab­stim­mung galt es eini­ge Scher­ben auf­zu­le­sen, vor der Öffent­lich­keit, aber auch hin­ter den Kulis­sen. Der Vor­sit­zen­de der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Luis Augu­sto Castro von Tun­ja, hat­te eini­ges zu tun: „Der Besuch des Pap­stes hat nichts mit einem Ja oder Nein zu tun. Es gibt kei­ne Ver­bin­dung zwi­schen sei­nem Besuch und die­sem wich­ti­gen poli­ti­schen Ereig­nis.“

Der Papst-Besuch in Kolum­bi­en wur­de am ver­gan­ge­nen Frei­tag auf einer eilends ein­be­ru­fe­nen Pres­se­kon­fe­renz der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz nach­träg­lich bestä­tigt. Der 2016 ange­kün­dig­te Besuch fin­det zwar nicht im ersten, dafür aber im drit­ten Tri­me­ster statt. Daß dies mög­lich wur­de, ist nicht zuletzt dem Bemü­hen von Erz­bi­schof Castro und dem Apo­sto­li­schen Nun­ti­us zu ver­dan­ken.

„Dialogprozeß“ mit dem Islam: 2017 Besuch in zwei unruhigen, islamischen Staaten

Papst Fran­zis­kus hat in den kom­men­den Mona­ten auch Besu­che in zwei mehr­heit­lich mus­li­mi­schen Staa­ten auf dem Pro­gramm: Ban­gla­desch und Ägyp­ten. Das ist zwar kei­ne Pre­mie­re, ent­behrt aber nicht der Span­nung. Der Papst „wagt sich erst­mals in die (mus­li­mi­sche) Höh­le des Löwen“, wie es in Rom heißt. Die Lage in Ägyp­ten und in Ban­gla­desch sei anders als in Jor­da­ni­en, Aser­bai­dschan und der Tür­kei von 2014.

Fran­zis­kus hat­te in der Ver­gan­gen­heit bereits mehr­heit­lich mus­li­mi­sche Staa­ten besucht: 2014 Jor­da­ni­en, Palä­sti­na und die Tür­kei und 2016 Aser­bai­dschan. Bis auf Aser­bai­dschan han­del­te es sich dabei um ehe­mals christ­li­che Gebie­te. Das gilt auch für Ägyp­ten, wo es nur eine klei­ne katho­li­sche, aber noch heu­te eine star­ke christ­li­che Min­der­heit gibt, die einer alt­ori­en­ta­li­schen Kir­che ange­hö­ren. Die Gesamt­zahl der Chri­sten, vor­wie­gend Kop­ten, wird in Ägyp­ten auf 20 Pro­zent geschätzt. Ägyp­ten ist neu auf dem Rei­se­plan des Pap­stes. Im Zeit-Inter­view sag­te Fran­zis­kus ledig­lich, daß neben den von ihm auf­ge­zähl­ten Län­dern noch „wei­te­re“ in Pla­nung sei­en.

Anders ist die Situa­ti­on in Ban­gla­desch, das zum ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Kolo­ni­al­reich gehör­te, das den eng­li­schen Köni­gen für eini­ge Jahr­zehn­te den Titel eines Kai­sers von Indi­en ein­brach­te. Die christ­li­che Min­der­heit ist dort sehr klein und wird mit gera­de ein­mal 0,3 Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung ange­ge­ben. Den­noch ist sie Ziel­schei­be von Dis­kri­mi­nie­rung und Gewalt.

In bei­den Staa­ten, am Nil und am Gan­ges, herrscht in nicht uner­heb­li­chen Tei­len der mus­li­mi­schen Gesell­schaft eine laten­te Chri­sten­feind­lich­keit. Der Isla­mi­sche Staat (IS) hat­te Ende Febru­ar mit einer Mord- und Ver­trei­bungs­kam­pa­gne die Chri­sten des Nord­si­nai in die Flucht getrie­ben. Nach 15 Jah­ren der israe­li­schen Beset­zung war der Nord­si­nai nur mehr schwach besie­delt. Ab 1982, als Isra­el den Sinai an Ägyp­ten zurück­ge­ge­ben hat­te, zogen daher vor allem ägyp­ti­sche Chri­sten dort­hin, um dem isla­mi­sti­schen Druck in den Städ­ten am Nil zu ent­kom­men. Die kop­tisch-ortho­do­xe Kir­che errich­te­te für sie ein eige­nes Bis­tum. Nun wur­den die kop­ti­schen Chri­sten auch dort vom blu­ti­gen Arm des Islams ein­ge­holt, ohne daß die ägyp­ti­sche Regie­rung den Chri­sten Schutz gebo­ten hät­te. Bedroht sind auch die Chri­sten im Süd­si­nai, die unter dem Schutz des Katha­ri­nen­klo­sters ste­hen, das inner­halb der ortho­do­xen Kir­chen eine Son­der­stel­lung ein­nimmt. Die­se klei­ne Gemein­schaft, zumeist Bedui­nen, geht wie die Kop­ten am Nil eben­falls auf die Zeit vor der isla­mi­schen Erobe­rung zurück und konn­te bis heu­te ihren christ­li­chen Glau­ben bewah­ren.

Papst Fran­zis­kus war­te­te für sei­ne Ägyp­ten­rei­se das Ergeb­nis der „Dia­log­kon­fe­renz“ an der Al-Azhar-Uni­ver­si­tät in Kai­ro abge­war­tet zu haben. Die isla­mi­sche Ein­rich­tung gilt als eine der füh­ren­den Insti­tu­tio­nen im sun­ni­ti­schen Islam, der seit Beginn des Jahr­tau­sends in Form von bewaff­ne­ten Ver­bän­den und Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen beson­ders gewalt­tä­tig auf­tritt. In der „Schluß­er­klä­rung“ zum Kon­greß „Frei­heit und Bür­ger­schaft, Diver­si­tät und Inte­gra­ti­on“ wur­de „jede Form der Gewalt­an­wen­dung im Namen der Reli­gi­on“ ver­ur­teilt. Auch eine Dis­kri­mi­nie­rung zwi­schen Nicht­mus­li­men und Mus­li­men wur­de zurück­ge­wie­sen. Laut dem ita­lie­ni­schen Staats­rund­funk RAI wird Fran­zis­kus am 20./21. Mai nach Ägyp­ten rei­sen. Haupt­ziel sei­nes Besu­ches sol­len nicht in erster Linie die Chri­sten des Lan­des, son­dern die isla­mi­schen Ver­tre­ter der Al-Azhar-Uni­ver­si­tät sein. Vati­kan­spre­cher Greg Bur­ke brem­ste etwas und sprach davon, daß ein Ägyp­ten-Besuch der­zeit „geprüft“ wer­de. Die RAI-Anga­ben schei­nen jedoch sehr kon­kret zu sein.

Kon­kre­te Ter­mi­ne für die Rei­sen wur­den bis­her nur für Kolum­bi­en und Ägyp­ten genannt.

2018 erster Besuch in seiner Heimat Argentinien

Der erste Besuch in sei­ner Hei­mat Argen­ti­ni­en wur­de hin­ge­gen für Ende März/Anfang April 2018 ange­kün­digt. Gleich­zei­tig will Fran­zis­kus Uru­gu­ay und Chi­le besu­chen. Laut Info­bae habe der Papst die­sen Besuch in einer Pri­vat­au­di­enz gegen­über argen­ti­ni­schen Lands­leu­ten bestä­tigt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

1 Kommentar

  1. Die Al-Azhar-Uni­ver­si­tät in Kai­ro kann soviel Taqui­ya sagen, was sie will/soll, es gibt kei­ner­lei posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen — ich wäre froh, wenn mich jemand berich­ti­gen könn­te.
    Es gibt kei­nen Dia­log mit dem Islam. Jesus hat auch kei­nen Dia­log mit dem Teu­fel geführt und uns damit ein Bei­spiel gege­ben, er sag­te „Es steht geschie­ben.…“
    Ich habe den Ein­druck, dass beim Papst, zual­ler­erst die UN-Neue Welt­ord­nung mit ihrer Welt­ein­heits­re­li­gi­on kommt, dazu der Islam als Instru­ment zum Errei­chen eines Zustan­des, dass die Men­schen die sata­ni­sche Neue Welt­ord­nung begrü­ßen wer­den.
    Nur Gebet und wür­di­ge Hei­li­ge Mes­sen kön­nen noch hel­fen.

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