„Klarheit und Wahrheit“ – Eine Anmerkung zum Hirtenwort des Erzbischofs von Vaduz zur Fastenzeit 2017

Erzbischof Wolfgang Haas Fastenhirtenbrief
Erzbischof Wolfgang Haas: Fastenhirtenbrief 2017

von Mar­kus Büning*

Die­ses Hir­ten­wort ragt unter den vie­len dies­jäh­ri­gen Fasten­hir­ten­wor­ten in deut­scher Spra­che sicher her­aus. Der Liech­ten­stei­ner Erz­bi­schof bie­tet sei­nen Diö­ze­sa­nen mit dem Drei­schritt „gott­ge­fäl­lig – gott­ver­bun­den – gott­er­ge­ben“ tief­ge­hen­de Gedan­ken zum Leben und Ster­ben in christ­li­cher Gesin­nung, mit­hin eine schö­ne Betrach­tung über das Leben als Christ. Unter dem Stich­wort „Gott­ver­bun­den lie­ben“ spricht der Erz­bi­schof auch den gro­ßen Wert der ehe­li­chen Treue an. Ohne die gegen­wär­ti­ge Debat­te um Amo­ris lae­ti­tia (AL) expli­zit zu erwäh­nen, sagt der Vadu­zer Ober­hir­te in sei­ner ihm eige­nen Klug­heit dann fol­gen­des:

„Wenn nun etwa in Bezug auf die christ­li­che Ehe deren Unauf­lös­lich­keit zur Dis­kus­si­on gestellt wird und der Ehe­bruch nicht mehr in jedem Fall als schwe­re Sün­de gel­ten soll, dann ist ein sol­ches Bestre­ben direkt gegen Got­tes Heils­wil­len gerich­tet. Schon in der ursprüng­li­chen Schöp­fungs­ord­nung und schließ­lich in der Erlö­sungs­ord­nung ist die Ehe von Gott als unauf­lös­li­cher Bund gewollt. ‚Was aber Gott ver­bun­den hat, das darf der Mensch nicht tren­nen.‘ (Mt 19,6; Mk 10,9). So sagt es Jesus in aller Ein­deu­tig­keit und reha­bi­li­tiert damit das, was von Anfang an galt (vgl. Gen 2,4). Nur der Tod kann das Ehe­band tren­nen. Nie­mand, wel­chen Stan­des und Ran­ges er immer sei, hat die Voll­macht, ein gül­ti­ges sakra­men­ta­les Ehe­band zu lösen.“

Das sind in den Zei­ten der gegen­wär­ti­gen Ver­wir­rung um Ehe und Fami­lie kla­re und wah­re Wor­te, die am Gebot Jesu nicht her­um­deu­teln und kei­ner­lei Raum für Rela­ti­vie­run­gen las­sen. Hier ist zudem kein Raum für eine gefähr­li­che Kasu­istik, die ver­sucht, die gene­rel­le Ver­werf­lich­keit des Ehe­bruchs zu rela­ti­vie­ren. Nein: Der Ehe­bruch ist immer eine schwe­re Sün­de! Die­se Wor­te ver­mö­gen die Gewis­sen von uns Katho­li­ken, ins­be­son­de­re von uns Ehe­leu­ten, dahin­ge­hend zu schär­fen, die ehe­li­che Treue als unum­stöß­li­chen Wert zu ach­ten.

Dann betont der Bischof die wei­ter bestehen­de unein­ge­schränk­te Gel­tung von Fami­lia­ris Con­sor­tio Nr. 84, deren Wort­laut voll­stän­dig zitiert wird. Zuvor betont Haas klar und deut­lich wie folgt:

„Da zwi­schen dem Leben im Ehe­sa­kra­ment und dem Emp­fang der eucha­ri­sti­schen Spei­se kein Wider­spruch und kei­ne Ver­un­klä­rung auf­kom­men dür­fen, gilt bei aller für­sor­gen­den Lie­be zivil­recht­lich Geschie­de­ner gegen­über stets und ohne Abstri­che in jedem Fall, was das kirch­li­che Lehr­amt gera­de auch durch den hei­li­gen Papst Johan­nes Paul II. ver­kün­det hat.“

Es folgt dann die Zitie­rung der heu­te umstrit­te­nen kla­ren Aus­sa­ge aus Fami­lia­ris Con­sor­tio Nr. 84, deren unbe­ding­te Gel­tung ja bekannt­lich durch die von AL aus­ge­lö­ste Debat­te von vie­len Ver­ant­wor­tungs­trä­gern unse­rer Kir­che so ja nicht mehr aus­ge­spro­chen wird. Wegen der Wich­tig­keit des Tex­tes soll die­se wesent­li­che Aus­sa­ge päpst­li­chen Lehr­am­tes auch hier noch ein­mal zitiert wer­den:

„Die Kir­che bekräf­tigt jedoch ihre auf die Hei­li­ge Schrift gestütz­te Pra­xis, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht zum eucha­ri­sti­schen Mahl zuzu­las­sen. Sie kön­nen nicht zuge­las­sen wer­den; denn ihr Lebens­stand und ihre Lebens­ver­hält­nis­se ste­hen in objek­ti­vem Wider­spruch zu jenem Bund der Lie­be zwi­schen Chri­stus und der Kir­che, den die Eucha­ri­stie sicht­bar und gegen­wär­tig macht. Dar­über hin­aus gibt es noch einen beson­de­ren Grund pasto­ra­ler Natur: Lie­ße man sol­che Men­schen zur Eucha­ri­stie zu, bewirk­te dies bei den Gläu­bi­gen hin­sicht­lich der Leh­re der Kir­che über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe Irr­tum und Ver­wir­rung.
Die Wie­der­ver­söh­nung im Sakra­ment der Buße, das den Weg zum Sakra­ment der Eucha­ri­stie öff­net, kann nur denen gewährt wer­den, wel­che die Ver­let­zung des Zei­chens des Bun­des mit Chri­stus und der Treue zu ihm bereut und die auf­rich­ti­ge Bereit­schaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Wider­spruch zur Unauf­lös­lich­keit der Ehe steht. Das heißt kon­kret, daß, wenn die bei­den Part­ner aus ernst­haf­ten Grün­den — zum Bei­spiel wegen der Erzie­hung der Kin­der — der Ver­pflich­tung zur Tren­nung nicht nach­kom­men kön­nen, ‚sie sich ver­pflich­ten, völ­lig ent­halt­sam zu leben, das heißt, sich der Akte zu ent­hal­ten, wel­che Ehe­leu­ten vor­be­hal­ten sind‘ (Johan­nes Paul II., Homi­lie zum Abschluß der VI. Bischofs­syn­ode, 25.10.1980, 7: AAS 72, (1980), 1082).“

Resü­mie­rend stellt nach die­sem Zitat der Erz­bi­schof von Vaduz dann klar und unmiss­ver­ständ­lich fest, dass die­se Leh­re nach wie vor – ohne jed­we­de Ein­schrän­kung – wei­ter­hin gilt:

„An die­se kirch­li­che Leh­re und Ord­nung sind wir alle gebun­den, gera­de auch in der seel­sorg­li­chen Betreu­ung und Beglei­tung der uns anver­trau­ten Men­schen. Als Christ­gläu­bi­ge, die gott­ver­bun­den lie­ben, wol­len wir gera­de in der heu­ti­gen Gesell­schaft dar­um bemüht sein, auch ande­re zur Lie­be aus Gott­ver­bun­den­heit zu gewin­nen und sie vor fal­schen Wegen zu bewah­ren.“

Damit ist für die Prie­ster im Erz­bis­tum Vaduz völ­lig klar, wel­chen Rat­schlag sie den zu ihnen kom­men­den Men­schen, die in solch einer irre­gu­lä­ren Situa­ti­on leben, nach wie vor zu geben haben: „Zusam­men­le­ben nur dann, wenn sexu­el­le Ent­halt­sam­keit!“ Zudem ist jedem Katho­li­ken im Erz­bis­tum Vaduz klar, dass die Unauf­lös­lich­keit der Ehe eben nicht auf dem Altar unge­hemm­ter Libe­ra­li­tät geop­fert wer­den kann. Jeder Stand bekommt in die­sem Hir­ten­wort eine kla­re und deut­li­che Ori­en­tie­rung.

Dem Erz­bi­schof von Vaduz gebührt für die­se Klar­heit in Zei­ten star­ker Ver­un­si­che­rung unser größ­ter Dank! Wie sein Nach­fol­ger auf dem Bischofs­stuhl in Chur, Vitus Huon­der, bleibt die­ser Hir­te der Kir­che bei der unein­ge­schränk­ten Gel­tung des Evan­ge­li­ums über die Ehe, das unser Herr der Kir­che ver­kün­det hat. Möge Chri­stus noch mehr Ober­hir­ten die­sen Mut schen­ken, wie­der Wor­te der Ori­en­tie­rung zu sagen, die letzt­lich nur eines im Blick haben: das salus ani­ma­rum, das Heil der See­len.

Der Fasten­hir­ten­brief 2017 von Erz­bi­schof Wolf­gang Haas von Vaduz im voll­stän­di­gen Wort­laut.

*Mar­kus Büning, gebo­ren 1966 in Ahaus (West­fa­len), Stu­di­um der katho­li­schem Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie in Mün­ster in West­fa­len und Mün­chen sowie der Rechts­wis­sen­schaf­ten an den Uni­ver­si­tä­ten von Kon­stanz und Mün­ster, 2001 in Mün­ster zum Dok­tor der Rechts­wis­sen­schaf­ten pro­mo­viert, nach Tätig­kei­ten als Assi­stent an den Uni­ver­si­tä­ten Kon­stanz und Mün­ster Ein­tritt als  Jurist in den Ver­wal­tungs­dienst. Der aus­ge­wie­se­ne Kir­chen­recht­ler ver­öf­fent­lich­te zahl­rei­che Publi­ka­tio­nen zu kir­chen­recht­li­chen und theo­lo­gi­schen The­men und über Hei­li­ge. Dr. Mar­kus Büning ist ver­hei­ra­tet und Vater von zwei Kin­dern.

Bild: Erz­bis­tum Vaduz (Screen­shot)

4 Kommentare

  1. End­lich mal ein Fasten­hir­ten­brief bei dem man nicht gleich die Ohren auf Durch­zug stellt und nur auf den abschlie­ßen­den Segen war­tet, son­dern Wort für Wort eine gei­sti­ge Nah­rung, von der man gar nicht genug bekom­men kann.
    Der Erz­bi­schof von Vaduz besticht wie man es auch von sei­nen Pre­dig­ten gewohnt ist, durch sei­ne außer­ge­wöhn­li­che Klug­heit und sei­ne Klar­heit in Aus­druck und Stil. — Wahr­haft ein Bischof nach dem Her­zen Jesu. 1000 x vergelt’s Gott Eure Exzel­lenz, Erz­bi­schof Wolf­gang, für die Rein­hal­tung der kath. Leh­re. Mögen alle Hir­ten Ihrem Bei­spiel fol­gen!

  2. Kata­stro­phal katho­lisch was man auf die­ser Sei­te alles zu lesen bekommt. Mit sol­chen Ansich­ten steu­ert die kath. Kir­che gera­de­wegs ihrem Unter­gang ent­ge­gen. Lang lebe Papst Fran­zis­kus!!!

    • Wer­ter Gut­mensch!
      Die rea­le, eine, heilige,katholische und apo­sto­li­sche Kir­che, der mysti­sche Leib Chri­sti, wird nach Jesu Pro­phe­zei­ung vor Cae­sarea Phil­ip­pi durch die „Tore des Hades“ nicht über­wun­den wer­den (Mt 16, 18). Das heißt: Nicht zuletzt wegen bischöf­li­cher Hir­ten wie EB Wolf­gang Haas , die ihre Hir­ten­pflicht gegen den herr­schen­den Zeit­geist ernst neh­men, wird die­se, von Jesus Chri­stus gegrün­de­te Kir­che nicht unter­ge­hen. Da dür­fen wir römisch-katho­li­schen Katho­li­ken, die an das geof­fen­bar­te Wort Got­tes glau­ben, unbe­sorgt sein. Sie aber soll­ten sich sor­gen, denn Ihr Leib wird unter­ge­hen, wie der Leib eines jeden Men­schen; das ist sicher. Dar­um soll­ten Sie recht­zei­tig Ihre eige­nen Ansich­ten hin­ter­fra­gen und an dem Sohn Got­tes mes­sen, der für unse­re Ret­tung gekreu­zigt wor­den ist. Damit wäre Ihr Maß­stab immer noch Jesus Chri­stus, der Auf­er­stan­de­ne — und sonst nie­mand!

    • @Ein Gut­mensch,
      eine lan­ge Ant­wort hat­te ich schon geschrie­ben, aber wie­der gelöscht; man kann sich kurz fas­sen. Bit­te beant­wor­ten Sie mir die­se Fra­ge:
      Wenn die Sün­de kei­ne Sün­de mehr ist, wenn es egal ist, was man tut und lässt, war­um hat sich Jesus ans Kreuz schla­gen las­sen?

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