Kardinal verweigert „Le Papa“, Großmeister der Großloge, kirchliches Begräbnis

(Abidjan) In Euro­pa wur­de die Nach­richt ver­schwie­gen. Kar­di­nal Jean-Pierre Kut­wa, der Erz­bi­schof von Abidjan, ver­wei­ger­te dem Ehren-Groß­mei­ster und Grün­der der Groß­lo­ge der Elfen­bein­kü­ste, Clo­t­aire Mag­loire Cof­fie, ein kirch­li­ches Begräb­nis. Cof­fie war am ver­gan­ge­nen 29. Janu­ar bei einem Ver­kehrs­un­fall ums Leben gekommen.

Sein plötz­li­cher Tod haben Wirt­schaft und Poli­tik des west­afri­ka­ni­schen Lan­des erschüt­tert. Die Frei­mau­re­rei ist auch an der Elfen­bein­kü­ste ein­fluß­reich. Zu den Ersten, die sich in das Kon­do­lenz­buch ein­ge­tra­gen haben, gehör­ten daher gleich drei Staats­prä­si­den­ten, jener der Elfen­bein­kü­ste, Alas­sa­ne Quatta­ra, jener des Kon­go, Denis Sas­sou Ngues­so, und jener von Gabun, Ali Bon­go Odim­ba. Im Kon­go, in Gabun und Sier­ra Leo­ne besteht kei­ne Aus­sicht, ohne Logen­in­itia­ti­on eine höhe­re Posi­ti­on im Staat zu erlangen.

Die Toten­fei­er­lich­kei­ten sahen, neben einer frei­mau­re­ri­schen „Ver­ab­schie­dung“, die aber nicht öffent­lich bekannt­ge­ge­ben wur­de, auch ein kirch­li­ches Begräb­nis mit Toten­mes­se am 12. Febru­ar vor. So war es aus Cof­fies Umfeld ange­kün­digt worden.

Trotz massiven Druck lehnt Kardinal Kutwa kirchliches Begräbnis ab

Kardinal Kutwa
Kar­di­nal Kutwa

Trotz mas­si­ven poli­ti­schen Drucks, der auf ihn aus­ge­übt wur­de, ver­wei­ger­te Kar­di­nal Kut­wa dem Groß­mei­ster jedoch ein kirch­li­ches Begräb­nis. Der Erz­bi­schof von Abidjan blieb stand­haft und erin­ner­te dar­an, daß katho­li­scher Glau­be und Frei­mau­re­rei unver­ein­bar sind. Kar­di­nal Kut­wa wies zudem Msgr. Ziad Sac­re, den Lei­ter der katho­li­schen, liba­ne­si­schen Mis­si­on des Lan­des an, auch nicht für Michel Geor­ges Gho­ray­eb ein kirch­li­ches Begräb­nis vor­zu­neh­men. Der Liba­ne­se Gho­ray­eb, Frei­mau­rer wie Cof­fie,  war zusam­men mit die­sem beim Ver­kehrs­un­fall getö­tet worden.

Cof­fie wur­de von den Frei­mau­rern „Le Papa“ genannt. „Le Papa et un aut­re frè­re, Michel Gho­ray­eb, sont mor­ts“ (Der Vater und ein wei­te­rer Bru­der, Michel Gho­ray­eb, sind tot), berich­te­te Jeu­ne Afri­que am 31. Janu­ar unter Beru­fung auf die Groß­lo­ge der Elfenbeinküste.

Es war der grie­chisch-ortho­do­xe Prie­ster von Abidjan, der sich schließ­lich bereit erklär­te, am 6. Febru­ar im Rah­men einer Toten­wa­che den reli­giö­sen Ritus durchzuführen.

Unvereinbarkeit: Logenmitgliedschaft führt automatisch zur Exkommunikation

Die Unver­ein­bar­keit zwi­schen dem Geheim­bund der Logen und der katho­li­schen Kir­che wur­de von Papst Cle­mens XII. in der dog­ma­ti­schen Bul­le In emi­nen­ti vom 28. April 1738 fest­ge­stellt. Seit­her wis­sen Katho­li­ken, daß sie sich die Stra­fe der Exkom­mu­ni­ka­ti­on latae sen­ten­tiae zuzie­hen, wenn sie sich einer Loge anschließen.

Die Grün­dung der Groß­lo­ge von Lon­don im Juni 1717 gilt als „Geburts­stun­de“ der welt­wei­ten Frei­mau­re­rei. Auf die­se Groß­lo­ge beru­fen sich alle ande­ren Logen. 300 Jah­re spä­ter hat sich nichts an dem, was Papst Cle­mens XII. in sei­ner Bul­le ver­ur­teil­te, geän­dert. Am 26. Novem­ber 1983 bekräf­tig­te die katho­li­sche Kir­che zuletzt die Ver­ur­tei­lung der Frei­mau­re­rei. Die Erklä­rung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on unter Lei­tung von Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger erfolg­te mit aus­drück­li­cher Appro­ba­ti­on durch Papst Johan­nes Paul II. Dar­in wur­de fest­ge­stellt, daß das nega­ti­ve Urteil der Kir­che über die Frei­mau­re­rei „unver­än­dert“ ist. Wört­lich heißt es darin:

„Das nega­ti­ve Urteil der Kir­che über die frei­mau­re­ri­schen Ver­ei­ni­gun­gen bleibt also unver­än­dert, weil ihre Prin­zi­pi­en immer als unver­ein­bar mit der Leh­re der Kir­che betrach­tet wur­den und des­halb der Bei­tritt zu ihnen ver­bo­ten bleibt. Die Gläu­bi­gen, die frei­mau­re­ri­schen Ver­ei­ni­gun­gen ange­hö­ren, befin­den sich also im Stand der schwe­ren Sün­de und kön­nen nicht die hei­li­ge Kom­mu­ni­on empfangen.“

„Jene, die mas­si­ven Druck auf Kar­di­nal Kut­wa aus­üb­ten, um ihn umzu­stim­men, trotz der Ver­ur­tei­lung ein kirch­li­ches Begräb­nis für den Groß­mei­ster zu erlau­ben, sind es viel­leicht gewohnt, es mit einem rück­grat­lo­sen Kle­rus zu tun zu haben, der bereit ist, sich zu ver­bie­gen, um zu gefal­len. Aber nicht alle, der Vor­se­hung sei Dank, sind so. Es gibt noch und immer wie­der Kir­chen­füh­rer, die den Kate­chis­mus ernst­neh­men und vor allem Nein zu sagen wis­sen, wenn die Sakra­men­te und beson­ders die Eucha­ri­stie auf dem Spiel ste­hen“, so Mau­ro Faver­za­ni von Cor­ris­pon­den­za Roma­na.

Großer Einfluß der Logen auf die Politik mehrerer afrikanischer Staaten

Die Toten­fei­er­lich­kei­ten für den ein­fluß­rei­chen Groß­mei­ster der Groß­lo­ge der Elfen­bein­kü­ste dau­er­ten meh­re­re Tage vom 6.–10. Febru­ar und ähnel­ten ver­blüf­fend dem Pro­to­koll für die ent­spre­chen­den Fei­er­lich­kei­ten beim Tod eines Staats­ober­haup­tes. Eine gro­ße Schar an Poli­ti­kern war erschie­nen, die Logen ange­hö­ren, dar­un­ter der Sicher­heits­mi­ni­ster des Lan­des, Hamed Bak­ay­o­ko, der seit 2015 amtie­ren­de Groß­mei­ster der Groß­lo­ge der Elfen­bein­kü­ste, und Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Alain Don­wahi, Groß­mei­ster der Pro­vinz Gro­ße Mit­te. Anwe­send waren auch Vize­prä­si­dent Dani­el Kab­lan Dun­can, der Mini­ster für digi­ta­le Wirt­schaft Bru­no Koné, der ehe­ma­li­ge Mini­ster­prä­si­dent Jean­not Ahous­sou Koua­dio, der Vor­sit­zen­de des Wirt­schafts- und Umwelt­ra­tes des Lan­des, Charles Kof­fi Diby, und die ehe­ma­li­ge Mini­ster­prä­si­den­tin Hen­ri­et­te Kon­an Bedié.

Ihnen stell­te sich Kar­di­nal Kut­wa in den Weg. Jean-Pierre Kut­wa, 1971 zum Prie­ster geweiht, wur­de 2001 von Papst Johan­nes Paul II. zum Erz­bi­schof von Gagnoa ernannt. 2006 berief ihn Papst Bene­dikt XVI. auf den Erz­bi­schofs­stuhl von Abidjan. Im Febru­ar 2014 erhob ihn Papst Fran­zis­kus in den Kardinalsrang.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: MiL (Screen­shot)

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5 Kommentare

  1. Kar­di­nal Kut­wa hat alles rich­tig gemacht. Gott möge ihn dafür seg­nen, stär­ken und beschützen.
    Dan­ke an Herrn Nar­di auch für die wie­der­hol­te Ver­öf­fent­li­chung der Stel­lung­nah­me von Kar­di­nal Ratz­in­ger zum Ver­hält­nis Kir­che und Frei­mau­re­rei. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Frei­mau­rer sind die Fein­de der Kir­che. Als erklär­te Athe­isten kön­nen die­se kei­ne christ­li­chen Sakra­men­te emp­fan­gen oder ent­spre­chen­de Ritua­le verlangen.

    • Athe­isten sind sie eigent­lich nicht, Regina.Schließlich glau­ben sie an den größ­ten Wel­ten­bau­mei­ster aller Zei­ten, oder wie immer der Göt­ze heißt. Es ist zwar ein Schöp­fer­gott, der aber über den Din­gen (und Men­schen) steht, und den anzu­ru­fen daher eher sinn­los ist. Leben nach dem Tod lässt er uns auch nicht zuteilwerden.
      Recht hast du jedoch inso­weit, als dass sie — allen lüg­ne­ri­schen Beteue­run­gen zum Trotz — gegen Chri­stus, also anti-christ­lich sind. Ihr tra­di­tio­nel­ler Haupt­feind ist immer die RKK gewe­sen. Die heu­ti­ge, deu­to­kon­zi­lia­re Kir­che hin­ge­gen scheint eher ihr Wohl­ge­fal­len gefun­den zu haben.

    • Welch groß­ar­ti­ge Kar­di­nä­le stan­den 2013 bereit, die Nach­fol­ge Bene­dikts anzutreten.

      • Wenn sie mei­nen ihre See­len und ihr ewi­ges Leben für etwas welt­li­chen Ruhm und Macht zu ver­hö­kern, dann wird eine Mes­se ihre Fahrt in die Höl­le auch nicht brem­sen, son­dern nur ihre eige­nen Qua­len in der Ewig­keit verstärken.

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