Erzbischof Heiner Koch im Interview mit der taz – grelles Symptom der Glaubenskrise

Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, im taz-Interview "macht Verwirrung eines Hirten der Kirche sichtbar"
Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, im taz-Interview "macht Verwirrung eines Hirten der Kirche sichtbar"

Von Wolf­ram Schrems*

Der Ber­li­ner Erz­bi­schof Hei­ner Koch gab am 30. Jän­ner der in Ber­lin erschei­nen­den, lin­ken taz (Tages­zei­tung) ein Inter­view. Dabei wur­de wie­der­um eine erschrecken­de, aber nicht neue, Ver­wir­rung eines Hir­ten der Kir­che sicht­bar. Ange­sichts des Fati­ma-Jubi­lä­ums­jahrs ist das wie­der­um Zei­chen des von Sr. Lucia erwähn­ten pasto­ra­len Ver­sa­gens. Da ich um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten wor­den bin, sei­en im fol­gen­den Fra­gen gestellt und Ant­wor­ten ver­sucht.

„Respekt, Respekt, Respekt!“ – Wofür eigentlich?

Schon auf die erste Fra­ge des Jour­na­li­sten, die homo­se­xu­el­le Paa­re mit Kin­dern the­ma­ti­siert, rezi­tiert Erz­bi­schof Koch das Man­tra des „Respekts“:

Fami­lie ist vie­les, die Groß­el­tern gehö­ren dazu, auch die sozia­len Eltern. Den Begriff fas­se ich sehr weit. Und ich habe hohen Respekt davor, wenn zwei Men­schen sagen, wir über­neh­men Ver­ant­wor­tung für Kin­der.

Respekt – das heu­ti­ge Schlüs­sel- und Zau­ber­wort, das Hieb- und Stich­wort. Allem und jedem müs­sen nach bischöf­li­cher Auf­for­de­rung Katho­li­ken Respekt ent­ge­gen­brin­gen.

War­um eigent­lich?

Nein, Exzel­lenz, wir haben nur vor dem Respek­ta­blen Respekt, nicht vor dem Unre­spek­ta­blen! Hier wur­de ja von dem Jour­na­li­sten die Fra­ge nach Adop­ti­on von Kin­dern durch homo­se­xu­el­le Paa­re gestellt! War­um ver­langt das „Respekt“? Denkt Exzel­lenz nicht an das Kin­des­wohl? Weiß er nicht, daß sogar im Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che (1992, Redak­ti­ons­se­kre­tär: Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born) die „Sün­de der Sodo­mi­ten“ immer noch zu den „him­mel­schrei­en­den Sün­den“ gezählt wird (KKK 1867)? ((Der KKK ver­schweigt aller­dings, wonach die­se Sün­den zum Him­mel schrei­en. Die kate­che­ti­sche Tra­di­ti­on beant­wor­tet das: Das Blut Abels, die Sün­de der Sodo­mi­ten, die lau­te Kla­ge des in Ägyp­ten unter­drück­ten Vol­kes, die Kla­ge der Frem­den, der Wit­wen und Wai­sen und der den Arbei­tern vor­ent­hal­te­ne Lohn schrei­en zum Him­mel um Rache.)) Die­se ist kla­rer­wei­se kein Gegen­stand des „Respekts“.

Für uns? Für die einen, nicht für die anderen? – Diktatur des Relativismus

Erz­bi­schof Koch for­mu­lier­te dann auf die Fra­ge nach dem Ehe­ver­ständ­nis, daß die Ehe „für uns“ ist, „wenn Mann und Frau sich ver­spre­chen, ein Leben lang zusam­men­zu­blei­ben“, womit er der Ehe eine stark rela­ti­vi­sti­sche Fär­bung gibt. Ent­ge­gen der dann fol­gen­den Aus­sa­gen des Erz­bi­schofs hat sich der  Ehe­be­griff aber nicht „ver­än­dert“. Er wur­de im Gegen­teil von Ideo­lo­gen und Macht­ha­bern plan­voll ver­fälscht. Die nach­kon­zi­lia­re Kate­che­se konn­te und woll­te dem nicht wider­ste­hen.

Die Leh­ren­de Kir­che muß sich daher schleu­nigst von dem rela­ti­vie­ren­den „für uns“ ver­ab­schie­den und tap­fer das „an sich“ bezeu­gen.

Die Flucht vor der Autorität

Der Erz­bi­schof erklärt, daß er „nicht für die Kir­che die Auf­ga­be [bean­sprucht], eine Über­au­to­ri­tät zu allen Fra­gen der Sexua­li­tät zu sein.“

Was heißt „Über­au­to­ri­tät“? War­um ver­wen­det er die­ses pejo­ra­ti­ve Wort? Schämt sich der Herr Erz­bi­schof sei­ner von Chri­stus ver­lie­he­nen Auto­ri­tät in Glau­bens- und Sit­ten­fra­gen? Die Kir­che ist bekannt­lich sehr wohl Auto­ri­tät in die­sen Fra­gen (1 Kor 6, 9, um nur eine hier maß­geb­li­che Stel­le des Neu­en Testa­men­tes zu zitie­ren).

Lei­der geht es in die­sem defen­si­ven und irrea­len Stil wei­ter:

Des­halb kön­nen [Homo­se­xu­el­le] Sexua­li­tät im umfas­sen­den Sin­ne nicht leben. Trotz­dem habe ich Respekt davor, wie sie ihre Sexua­li­tät leben – weil ich davon aus­ge­he, dass sie es ver­ant­wor­tungs­voll tun. Ich las­se mich nicht zum ober­sten Rich­ter über die Sexua­li­tät von Men­schen machen. Das ist nicht mei­ne Auf­ga­be.

Hier kommt wie­der der „Respekt“ vor. Auch hier wirft er ein grel­les Licht auf die bischöf­li­che Ver­wir­rung.

„Ver­ant­wor­tungs­voll“ gibt es dazu im intrin­se­ce malum nicht.

Immer­hin hält der Erz­bi­schof auf das Insi­stie­ren des Inter­view­ers zu homo­se­xu­el­len Bezie­hun­gen fest:

Fort­pflan­zung und Sexua­li­tät wer­de ich nicht tren­nen. Die Sexua­li­tät und die Kin­der, die dar­aus ent­ste­hen, gehö­ren zusam­men.

Das Inter­view gerät dann ins Blas­phe­mi­sche und Degou­tan­te. Daher bleibt die­se Stel­le unzi­tiert.

Ein positives Zeichen – das praktisch untergeht

Man muß dem Erz­bi­schof zugu­te hal­ten, daß er am „Marsch für das Leben“ teil­ge­nom­men hat und im Inter­view dazu steht. Das ist in Zei­ten wie die­sen aner­ken­nens­wert. Lei­der hat er den Auf­tritt bei der Kund­ge­bung für „Flüchtlings“-Propaganda miß­braucht.

Dem Zeit­geist gehor­sam distan­ziert er sich im Inter­view impli­zit von Bea­trix von Storch, der stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­de der AfD, die eben­falls mit­mar­schiert ist:

Ich wäre nicht zu einer Ver­an­stal­tung gegan­gen, die von der AfD mit­ge­tra­gen wird. Bei fast allen Ver­an­stal­tun­gen kön­nen Men­schen auf­tau­chen, deren Posi­ti­on ich nicht tei­le, und das gilt nicht nur für die AfD. In einer plu­ra­len Stadt trifft man die dol­l­sten Ver­tre­ter immer wie­der.

War­um kann ein Bekennt­nis zum Schutz der unge­bo­re­nen Kin­der nur gleich­zei­tig mit einer Distan­zie­rung von AfD und PEGIDA erfol­gen? Was sind „die dol­l­sten Ver­tre­ter“? Seit Jahr­zehn­ten hören wir doch, daß die Kir­che sich nicht mehr in die Poli­tik „ein­mischt“ und den Lai­en kei­ner­lei Wahl­emp­feh­lun­gen mehr gibt. Gleich­zei­tig kom­men aber aus dem deut­schen Epi­sko­pat mas­si­ve Par­tei­nah­men zugun­sten der Mäch­ti­gen und zula­sten einer legi­ti­men oppo­si­tio­nel­len Initia­ti­ve.

Das insi­stie­ren­de Nach­boh­ren des Inter­view­ers zu AfD, Frau von Storch und PEGIDA wird lästig und die Ant­wor­ten des Erz­bi­schofs wie­der strom­li­ni­en­för­mig.

Auf die Glaubenskrise folgt der Wirklichkeitsverlust

Er erklärt dann „die Angst vor allem der Pegi­da-Anhän­ger vor Flücht­lin­gen und Frem­den (…), die die Gesell­schaft der­zeit so spal­tet“ so:

Es gibt dafür nicht einen Grund – aber an dem The­ma wird vie­les deut­lich: Da ist zum einen die Über­for­de­rung vie­ler Men­schen, Wirk­lich­keit dif­fe­ren­ziert wahr­zu­neh­men. Dann kommt es schnell zu Ant­wor­ten, die schein­bar alles lösen: Wir ver­ein­fa­chen, und dann ist es so.

Was, bit­te, soll das genau hei­ßen? Wie muß man „Wirk­lich­keit dif­fe­ren­ziert wahr­neh­men“, wenn Mas­sen mus­li­mi­scher Män­ner gemäß den Vor­schrif­ten ihres Kul­tes Ter­ror ver­brei­ten? Die „Angst“ ist hier eine wirk­lich­keits­ge­mä­ße und gesun­de Reak­ti­on derer, die sich und die ihnen Anver­trau­ten schüt­zen wol­len. Dar­auf kommt der Hir­te bezeich­nen­der­wei­se nicht. Er ver­steckt sich hin­ter Phra­sen. Er kann nach vie­len Jah­ren der Anpas­sung an das offi­zi­el­le „Flüchtlings“-Narrativ die Wirk­lich­keit nicht mehr sehen.

„Postfaktisches Zeitalter“ und der Beitrag der konziliaren Kirche dazu

Die m. E. wich­tig­ste The­ma­tik des Inter­views, näm­lich die Fra­ge von Wirk­lich­keit und Wahr­heit, wird in fol­gen­der Stel­le ange­spro­chen. Daher sol­len sowohl die Fra­ge des Jour­na­li­sten als auch die Ant­wort des Erz­bi­schofs zitiert wer­den.

taz: Ist nicht ein Pro­blem, was auch die Kanz­le­rin ange­deu­tet hat, dass wir uns in ein post­fak­ti­sches Zeit­al­ter hin­ein­be­ge­ben, in dem vie­len Leu­ten Argu­men­te und Fak­ten nichts mehr bedeu­ten und sie nur noch das hören wol­len, was ihren eige­nen Vor­ur­tei­len ent­spricht?

Hei­ner Koch: Das erle­be ich bei vie­len The­men, die­se Echo-Men­ta­li­tät. Man hört nur das, was einen bestä­tigt. Und alles, was einen infra­ge stellt und zur Ver­än­de­rung her­aus­ruft, blen­det man aus. Das hal­te ich für ganz gefähr­lich.

„Argu­men­te und Fak­ten“ kön­nen aber nur wir­ken, wenn man die Exi­stenz von Wahr­heit und deren Erkenn­bar­keit bekennt – also genau das, was die glor­rei­che „Auf­klä­rung“ seit 300 Jah­ren bekämpft. Sie gilt den­noch – post­fak­tisch – als För­de­rin der Ver­nunft. In Wirk­lich­keit ist die tra­di­tio­nel­le west­li­che Theo­lo­gie die Festung der Ver­nunft. Die­se ist in der Kir­che aber weit­ge­hend außer Gebrauch gekom­men. Die Kon­zils­tex­te mit ihren Wider­sprü­chen und ihrer sug­ge­sti­ven Weit­schwei­fig­keit sind das mas­siv­ste Sym­ptom der Ver­nunft­feind­lich­keit. Sie haben daher zu einem Ver­schwin­den der Wahr­heit in der Gesell­schaft bei­getra­gen.

„Argu­men­te und Fak­ten“, die der Inter­view­er in den Wor­ten von Kanz­le­rin Mer­kel anmahnt, sind daher wir­kungs­los gewor­den. Statt der Argu­men­te gibt es Sophi­ste­rei, statt der Fak­ten gibt es „post­fak­ti­sche“ Belie­big­keit – und daher nur mehr die Macht des Stär­ke­ren. Zu die­sen gehört auch Kanz­le­rin Mer­kel, die für ihre unfaß­ba­ren Rechts­brü­che noch nicht zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen wur­de. Auch sie hat zur Ver­schleie­rung der Wirk­lich­keit Sophi­ste­rei­en ein­ge­setzt. ((In die­sem Zusam­men­hang sei nach­drück­lich auf die pro­fun­de und über­zeu­gen­de Stu­die von Josef Pie­per, Miß­brauch der Spra­che – Miß­brauch der Macht, Schwa­ben­ver­lag, Ost­fil­dern bei Stutt­gart 1986, hin­ge­wie­sen.))

Die Erosion der Empathie und der Nächstenliebe

Auf die Fra­ge des Jour­na­li­sten, ob es „nicht auch eine Ero­si­on der Empa­thie – oder christ­lich: eine Ero­si­on der Näch­sten­lie­be in der Gesell­schaft“ gebe, mischt Erz­bi­schof Koch wie­der­um Rich­ti­ges mit Fal­schem und „Post­fak­ti­schem“:

Empa­thie, das Ein­füh­len in den ande­ren, wäre mir fast zu wenig. Es feh­len einem die Wor­te, wie Flücht­lin­ge manch­mal behan­delt wer­den, man­che spucken vor ihnen aus, Flücht­lin­ge haben mir das selbst erzählt. Aber das geht wei­ter: Lie­be ist kein Gefühl, son­dern eine Ent­schei­dung, den ande­ren wert­zu­schät­zen, zu tra­gen und ihm zu hel­fen, zu leben. Das schließt Kri­tik nicht aus. Ganz im Gegen­teil. Aber Respekt, Wert­schät­zung und Ach­tung schei­nen mir ver­lo­ren gegan­gen zu sein. Viel­leicht haben wir in der Gesell­schaft zu wenig die­ses ach­tungs­vol­le Mit­ein­an­der geför­dert.

Viel­leicht ist die Lage in Ber­lin ja völ­lig anders als in den öster­rei­chi­schen Städ­ten. Hier­zu­lan­de haben jeden­falls „Flücht­lin­ge“ aller Art das demon­stra­ti­ve Aus­spucken ein­ge­führt. Beson­ders bei Mus­li­men und Zigeu­nern ist es sehr beliebt. (Es hat aller­dings auch auf die auto­chtho­ne Bevöl­ke­rung über­ge­grif­fen.)

Haupt­strom­medi­en muß­ten dar­über berich­ten, daß Öster­rei­cher bei einem Wie­ner Ein­kaufs­zen­trum von „Flücht­lin­gen“ sogar direkt ange­spuckt wur­den.

Bezeich­nen­der­wei­se glaubt Erz­bi­schof Koch aber den „Flücht­lin­gen“.

Wis­sen Sie, Herr Erz­bi­schof, „Respekt, Wert­schät­zung und Ach­tung“ wur­den von Kir­che und Staa­ten gegen­über den „Flücht­lin­gen“ nicht ein­ge­for­dert – nach deren isla­mi­schen Prä­gun­gen kön­nen und dür­fen sie uns das auch gar nicht ent­ge­gen­brin­gen.

Inso­fern stimmt es sogar, daß „wir in der Gesell­schaft zu wenig die­ses ach­tungs­vol­le Mit­ein­an­der geför­dert haben“. Die Kir­chen­hier­ar­chie hat also zur Ero­si­on der Näch­sten­lie­be durch­aus bei­getra­gen (vgl. Mt 24, 12).

War­um set­zen Sie sich daher nicht dafür ein, daß etwa den Ihnen anver­trau­ten Katho­li­ken „Respekt, Wert­schät­zung und Ach­tung“ ent­ge­gen­ge­bracht wer­den?

Oder – wenn wir schon dabei sind – dem wah­ren Gott?

Resümee

Ich plä­die­re dafür, ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für einen der Amts­vor­gän­ger von Erz­bi­schof Koch ein­zu­lei­ten, um ein Ber­li­ner Vor­bild zur Nach­ah­mung her­aus­zu­stel­len. Erz­bi­schof Kon­rad Graf Kar­di­nal von Prey­sing (1880 – 1950), tap­fe­rer Geg­ner Hit­lers und Hel­fer der Ver­folg­ten zwei­er tota­li­tä­rer Regimes, soll­te zur Ehre der Altä­re erho­ben wer­den. ((Damit soll­te nach dem seli­gen Dom­propst Bern­hard Lich­ten­berg (1875 – 1943) auch des­sen Vor­ge­setz­ter ent­spre­chend gewür­digt wer­den.))

Jede Zeit braucht ihre ent­spre­chen­den Hir­ten und Mah­ner. Zu Zei­ten Prey­sings war es wich­tig und ver­dienst­voll gegen den Ter­ror des Natio­nal­so­zia­lis­mus zu kämp­fen – soweit das eben mög­lich war. Heu­te kommt der Ter­ror nicht von deut­schen Natio­nal­so­zia­li­sten, son­dern aus ande­ren Rich­tun­gen. Erz­bi­schof Koch ist auf­ge­ru­fen, die­sem Ter­ror ent­ge­gen­zu­tre­ten, sei­ne ihm anver­trau­ten Schäf­chen zu beschüt­zen und die Fein­de der Kir­che und der Wahr­heit zur Bekeh­rung zu füh­ren.

Kann man sich im übri­gen vor­stel­len, daß sich Kar­di­nal von Prey­sing von einem Inter­view­er der­ma­ßen vor­füh­ren hät­te las­sen? Hät­te er sich einem sol­chen Ver­hör über­haupt aus­ge­setzt? Hät­te er die blas­phe­mi­schen und degou­tan­ten Asso­zia­tio­nen des Inter­view­ers nicht ent­schie­den zurück­ge­wie­sen?

Kann man sich auch vor­stel­len, daß ein hei­lig­mä­ßi­ger Bischof die von Gott geof­fen­bar­ten Wahr­hei­ten nicht deut­lich for­mu­liert und bezeugt hät­te, zur grö­ße­ren Ehre Got­tes und zum Heil aller Zuhö­rer – auch zum Nut­zen des Inter­view­ers? Denn der kann sich bei dem ver­drall­ten Kir­chen­neu­sprech ja auch nicht aus­ken­nen. Viel­leicht hoff­te er aber im Inner­sten auf Wei­sung und Klar­heit?

Erz­bi­schof Koch ist vor allem auf­ge­ru­fen, den Men­schen guten Wil­lens, die es offen­bar auch in der Leser­schaft der taz gibt, gehalt­vol­le Ori­en­tie­rung zu bie­ten. Die­se wird in zen­tra­len Fra­gen der Moral unmiß­ver­ständ­lich und apo­dik­tisch aus­fal­len müs­sen. Denn zumin­dest eine Leser­re­ak­ti­on zu dem Inter­view zeigt ein erheb­li­ches Unbe­ha­gen mit der Schwam­mig­keit des Bischofs:

Was Erz­bi­schof Koch „Dif­fe­ren­zie­rung“ nennt, ist Sophi­ste­rei vom Fein­sten – das brin­gen die klu­gen Nach­fra­gen der taz zum Vor­schein: Das All­tags­ver­ständ­nis von Begrif­fen wie „Lie­be“, „Fami­lie“ und „Sexua­li­tät“ wird solan­ge zer­rie­ben und gerührt, bis nur noch Brei übrig­bleibt.

Herr Koch: Die­sen Brei wer­den Sie wohl oder übel allei­ne aus­löf­feln müs­sen. Er ver­mag weder die Gemein­de noch den Seel­sor­ger noch den ein­zel­nen Gläu­bi­gen zu näh­ren. Es ist nichts von dem dar­in, was leben­dig macht.

Rich­tig: Jeder spürt, daß der bischöf­li­che Brei nicht leben­dig macht.

Dok­trin und Pasto­ral kann man eben nicht von­ein­an­der tren­nen. Nur die Wahr­heit macht frei. Tief drin­nen im Gewis­sen weiß das ohne­hin jeder.

Nur unter den Bischö­fen scheint man das nicht zu wis­sen.

Postskriptum

Weih­bi­schof Robert Bar­ron von Los Ange­les wur­de am 30. Jän­ner zu den­sel­ben Fra­gen inter­viewt. Der Inter­view­er war ein beken­nen­der Homo­se­xu­el­len­ak­ti­vist, der selbst „ver­hei­ra­tet“ ist. Wie im Fall von Erz­bi­schof Koch bekennt sich der ame­ri­ka­ni­sche Bischof zwar erfreu­li­cher­wei­se zum Lebens­schutz, macht aber in der Fra­ge der Homo­se­xua­li­tät und der Poli­tik inak­zep­ta­ble Aus­sa­gen. Die Par­al­le­len bei­der Fäl­le rei­chen bis in die ver­drall­te Dik­ti­on hin­ein, die dem nor­ma­len Men­schen kaum ver­ständ­lich ist. Micha­el Matt von The Rem­nant hat eine fai­re und sehens­wer­te Ana­ly­se dazu erstellt.

 *MMag. Wolf­ram Schrems, Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, Kate­chist

Bild: taz (Screen­shot)

8 Kommentare

  1. Ich den­ke, sobald man nicht aner­kennt, dass nicht alle Flücht­lin­ge, ech­te Flücht­lin­ge sind, son­dern eben größ­ten­teils Wohl­stands­mi­gran­ten, solan­ge man das nicht aner­kennt, liegt man auch bei allen Fol­gen der Flücht­lings­kri­se dane­ben.
    Und ich habe auch ein wenig den Ein­druck, als wür­den die Emi­nen­zen sobald es in einem Inter­view um unver­rück­ba­res Glau­bens­gut geht, als Schutz­re­ak­ti­on in den Main­stream ein­stim­men, indem sie ein­fach Trump, die AfD usw kri­ti­sie­ren. Ein­fach um Plus­punk­te beim Inter­view­er zu sam­meln. So macht es auf mich den Ein­druck. Dar­in ist Kar­di­nal Schön­born ein Mei­ster, der durch die­se Stra­te­gie noch bei jeder Streit­fra­ge ein­ge­bro­chen ist.

  2. Man fasst sich am Kopf. Ich möch­te wirk­lich wis­sen, wel­che Mecha­nis­men hier im Ver­bor­ge­nen arbei­ten, die solch ein Epi­sko­pat erge­ben. Ist das in ande­ren Län­dern Euro­pas (der Welt) genau so? In Ungarn wäre jeden­falls eine sol­che Mei­nung unter den Beschö­fen undenk­bar.

    • Tja, in Ungarn…
      Bei uns hin­ge­gen hat man die glau­bens­treu­en Bischö­fe wie Kurt Krenn „undenk­bar“ gemacht.

    • Glück­li­ches Ungarn, glück­li­ches Polen natür­lich auch. Es sind die wohl­stands­ver­wahr­lo­sten „Chri­sten“ des Westens, die glau­ben, sich die Welt machen zu kön­nen, wie sie ihnen gefällt. In ech­ter Pip­pi-Lang­strumpf-Manier. Eine sol­che Kin­der­gar­ten­hal­tung haben sich die Men­schen im frü­he­ren Macht­be­reich der Sowjet­uni­on nicht lei­sten kön­nen. Ihnen wur­de Frei­heit und Wohl­stand eben nicht in die Wie­ge gelegt, sie wis­sen, dass ein wür­de­vol­les Leben in Frei­heit erkämpft und ver­tei­digt wer­den muss und dass sich mit „Mätz­chen“ kei­ne Gesell­schaft zusam­men­hal­ten lässt.

      • [Oh @ Cor­ne­lia Holt­mann, auch mir kam bei dem 2+2=5‑Spadaro-Artikel Pip­pi Lang­strumpf in den Sinn..]

        Kein Wun­der das Koch in der Ber­li­ner Kathe­dra­le den Deckel „druff“ haben möch­te, über den Grä­bern sei­ner Amts­vor­gän­ger und über das des Seli­gen Bern­hard Lich­ten­berg. Zu unbe­quem sind ihm wohl die­se system­kri­ti­schen und lehr­amts­treu­en Mah­ner einer Eccle­sia mili­tans et tri­um­phans.

    • In Polen sind die Bischö­fe und Kar­di­nä­le auch glau­bens­treu und beob­ach­ten die Glau­bens­lau­heit der deut­schen Kir­che mit gro­ßer Sor­ge.

  3. Es sind Feig­lin­ge. Sie heu­len mit den Wöl­fen und las­sen ihre Her­de, ihre Schäf­lein, im Unkla­ren, zurück. Sie ver­ra­ten Chri­stus.

  4. Ich habe auch eine Fra­ge, Herr Bischof Koch: Sie haben vor 3 Jah­ren die Lösung des größ­ten pasto­ra­len Pro­blems der Kir­che gefor­dert, näm­lich die Zulas­sung von Wie­der­ver­hei­ra­te­ten zur Kom­mu­ni­on. Jetzt, nach Zulas­sung der­sel­bi­gen, ist nichts gesche­hen, also kei­ner­lei signi­fi­kan­te Zunah­me von Kom­mu­ni­kan­ten. Der Rück­gang der Got­tes­dienst­be­su­cher geht ver­stärkt wei­ter.
    Haben Sie die Bedeu­tung des Pro­blems rich­tig ein­ge­schätzt?
    Oder liegt es viel­leicht nur dar­an, dass man erst noch wei­te­re Pro­ble­me lösen muss (Homo-Ehe, Zöli­bat, Frau­en­or­di­na­ti­on), um eine Wen­de zu errei­chen ?

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