Zuckerbergs Lösung: Facebook will „Fake News“ bekämpfen — Beginn einer neuen Zensur?

Facebook reagiert auf Kritik, an der Wahlniederlage von Hillary Clinton schuld zu sein, geht in Sack und Asche und verkündet keine 40 Tage nach der Präsidentschaftswahl die "Lösung".
Facebook reagiert auf Kritik, an der Wahlniederlage von Hillary Clinton schuld zu sein, geht in Sack und Asche und verkündet keine 40 Tage nach der Präsidentschaftswahl die "Lösung".

Kom­men­tar von Ryan Bach

(New York) Mark Zucker­berg, der Grün­der und Haupt­eig­ner von Face­book, kün­dig­te an, einen Weg gefun­den zu haben, um die Ver­brei­tung von „Falsch­mel­dun­gen“ auf sei­nem sozia­len Netz­werk zu ver­hin­dern. Die lin­ken („libe­rals“) Medi­en in den USA jubeln. Beob­ach­ter haben Zwei­fel, ob es funk­tio­niert, und Kri­tik befürch­ten eine neue Form von Zen­sur.

Zucker­berg ver­kün­de­te es tri­um­phie­rend auf sei­ner eige­nen Face­book-Sei­te: „Wir haben die Lösung für das Pro­blem der ‚fake news‘ gefun­den.“ Gemeint ist die Ver­brei­tung von Falsch­mel­dun­gen, ob im Scherz oder bös­wil­lig. Im Medi­en­be­reich spricht man von „Zei­tungs­en­ten“ oder „Tata­ren­mel­dun­gen“.

Facebook für Wahlniederlage von Hillary Clinton verantwortlich gemacht

Lin­ke Medi­en und Akti­vi­sten geben Face­book die Schuld für die Wahl­nie­der­la­ge von Hil­la­ry Clin­ton. Die „unkon­trol­lier­te Ver­brei­tung“ von Falsch­mel­dun­gen gefähr­de die ame­ri­ka­ni­sche Demo­kra­tie, so der Vor­wurf. Der Wahl­sieg von Donald Trump sei der ulti­ma­ti­ve „Beweis“ für die­se von der poli­ti­schen Lin­ken schon seit eini­ger Zeit beklag­ten Gefahr. 2008 klang das noch ganz anders. Das „libe­ra­le“ Ame­ri­ka fei­er­te den Wahl­sieg von Barack Oba­ma als Tri­umph der neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel. Die sozia­len Netz­wer­ke hät­ten eine basis­de­mo­kra­ti­sche Bewe­gung aus­ge­löst, die den Kan­di­da­ten der Demo­kra­ti­schen Par­tei ins Wei­ße Haus trug.

In Euro­pa sei die aktu­el­le Lage auch anders. Sobald Face­book in den USA als poten­ti­el­ler „Schul­di­ger“ aus­ge­macht war, ertön­te die­sel­be Ankla­ge auch in Euro­pa. Zucker­bergs Netz­werk för­de­re den Auf­stieg der euro­päi­schen Rech­ten. Erst vor weni­gen Tagen erhob der slo­wa­ki­sche Digi­tal­künst­ler und Blog­ger Jakub Goda schar­fe Ankla­ge. Goda for­der­te, daß Face­book etwas gegen „popu­li­sti­sche“ Inhal­te und gegen die „extre­me Rech­te“ tun müs­se, die Face­book „erobert“ habe. Das Unter­neh­men dür­fe nicht län­ger erklä­ren, daß es sich um „eine Platt­form han­delt, die es ihren Nut­zern erlaubt, ihren Mei­nun­gen eine Stim­me zu ver­lei­hen“. Face­book müs­se den „Extre­mi­sten“ das „Mega­phon“ aus der Hand neh­men, schließ­lich ste­he „die Demo­kra­tie auf dem Spiel“, und mit der „scherzt man nicht“. Was Goda unter „popu­li­sti­schen Inhal­ten“ und unter „extre­mer Rech­ten“ ver­steht und mit Objek­ti­vi­tät und Aus­ge­wo­gen­heit wenig gemein­sam hat, ist auf sei­nem Blog unschwer nach­les­bar.

Der Druck auf das Unter­neh­men in Man­lo Park, das sich als Teil des „gut­mensch­li­chen“ Ame­ri­ka ver­steht, ist jedoch enorm. Schon vor dem 8. Novem­ber, dem Wahl­tag in den USA, berei­te­te er den PR-Ver­ant­wort­li­chen von Face­book eini­ges Kopf­zer­bre­chen. Seit Trumps Wahl zum 45. Prä­si­den­ten der USA wur­de dar­aus ein mar­tern­der Schmerz. Zucker­berg durch­leb­te alle Pha­sen einer inten­si­ven „Trau­er­ar­beit“. Zuerst leug­ne­te er einen Zusam­men­hang, dann mach­te er sich lustig über die Vor­stel­lung, „Falsch­mel­dun­gen“ auf Face­book hät­ten den Wahl­aus­gang beein­flußt, schließ­lich gab er unter dem wach­sen­den Zorn der „libe­rals“ klein bei und gestand ein: Es gibt ein Pro­blem. Am Don­ners­tag­abend, 37 Tage nach der Prä­si­dent­schafts­wahl, gab er bekannt, eine Lösung für „das Pro­blem“ gefun­den zu haben.

„Zuck“ macht ernst — Jubel bei linken Medien

Die lin­ken gro­ßen Medi­en, von denen es auch in den USA zahl­rei­che gibt, nah­men die Ankün­di­gung mit Erleich­te­rung auf. End­lich mache „Zuck“ ernst, lau­te­te der all­ge­mei­ne Tenor. Face­book begin­ne, sich der Ver­ant­wor­tung zu stel­len, die dem sozia­len Netz­werk zukommt, das seit Jah­ren, schon lan­ge vor der lin­ken Wahl­nie­der­la­ge vom Novem­ber, für Mil­li­ar­den von Men­schen auf der gan­zen Welt die Tür zu Infor­ma­tio­nen ist.

In Wirk­lich­keit sagen Beob­ach­ter, daß der von Face­book ange­kün­dig­te Plan, inef­fi­zi­ent sei und die sogar „kon­tra­pro­duk­tiv“ wir­ken könn­te.

Es gibt eine Rei­he von Stu­di­en, die bele­gen, daß es für Medi­en­kon­su­men­ten nicht nur schwie­ri­ger gewor­den ist, Infor­ma­ti­on von Kom­men­tar zu unter­schei­den, son­dern auch eine wah­re von einer fal­schen Mel­dung. Das aber habe, so Kri­ti­ker, eine län­ge­re Tra­di­ti­on, die weit vor die Grün­dung von Face­book zurück­rei­che. Es sei­en die Regie­run­gen gewe­sen, die gezielt Infor­ma­ti­on und Des­in­for­ma­ti­on als poli­ti­sches Instru­ment ein­ge­setzt haben. Die Regie­run­gen nüt­zen Pro­pa­gan­da, jede Wer­bung eines Unter­neh­mens sei Pro­pa­gan­da, und alle arbei­ten dabei mit ver­zerr­ter Wahr­neh­mung. Das Neue bestehe dar­in, daß durch Face­book das Mit­tel der Infor­ma­ti­on und der Pro­pa­gan­da, und damit auch der Des­in­for­ma­ti­on, „demo­kra­ti­siert“ wur­de. Sie ist durch die sozia­len Netz­wer­ke und die Inter­net­an­bin­dung der Mas­sen kein exklu­si­ves „Vor­recht“ der Regie­run­gen und der klas­si­schen Medi­en mehr.

Der Wahl­er­folg Donald Trumps löste auf­ge­reg­te Dis­kus­sio­nen aus, die zum Teil ins Irra­tio­na­le abge­rutscht sind. Sind die sozia­len Netz­wer­ke, unter denen Face­book die „Königs­rol­le“ zukommt, als Medi­en­un­ter­neh­men zu sehen, wie Tages­zei­tun­gen und Fern­seh­sen­der, mit allen damit zusam­men­hän­gen­den Pflich­ten und Rech­ten? Oder sol­len sie sich sogar als gro­ße Zen­so­ren ver­ste­hen? Wider­spricht bei­des nicht der eigent­li­chen Grün­dungs­idee?

Unglaubwürdige Zensoren

Viel vom aktu­el­len Wir­bel ist situa­ti­ons­be­dingt durch die lin­ke Wahl­nie­der­la­ge in den USA. Anlaß zu grund­sätz­li­che Über­le­gun­gen besteht den­noch durch­aus. Es ist eine Tat­sa­che, daß im Ver­ständ­nis der Bür­ger heu­te kaum etwas einen grö­ße­ren Miß­klang hat als das Binom „Medi­en und Wahr­heit“. Das hat sei­ne Grün­de und ist nur ein Aspekt von meh­re­ren. Dar­über nach­zu­den­ken wäre demo­kra­tie­po­li­tisch zwin­gen­der, als von Face­book die Ein­set­zung von Zen­sur­fil­tern zu ver­lan­gen. Der Ruf nach die­ser Zen­sur ertönt unter ver­schie­de­nen Facet­ten, aber sel­ten so direkt wie bei Jakub Goda. Ein­mal geht es um die Bekämp­fung des isla­mi­schen Ter­ro­ris­mus, dann gegen „Haß­po­stings“. Die Gren­ze zwi­schen Bekämp­fung einer Straf­tat und Ein­schrän­kung von Grund­rech­ten ist flie­ßend und ver­langt nach erhöh­ter Wach­sam­keit. Sie ist dort beson­ders gefähr­lich, wo neue Straf­tat­be­stän­de erst und eigens geschaf­fen wer­den. Man kann einen Sta­si-Spit­zel nicht zum Inter­net­zen­sor der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land machen, wie dies mit Anet­ta Kaha­ne und der links­ex­tre­men Ama­deu Anto­nio Stif­tung der Fall ist. Oder in Öster­reich mit dem eben­falls von einem Kom­mu­ni­sten gegrün­de­ten Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum des öster­rei­chi­schen Wider­stan­des (DÖW). Sol­che Ein­rich­tun­gen kann es als pri­va­te Initia­ti­ven in einem demo­kra­ti­schen Staat natür­lich geben. Eine direk­te Finan­zie­rung durch den Staat, oder gar die Über­tra­gung öffent­li­cher oder qua­si-öffent­li­cher Auf­ga­ben, die ein Han­deln „im Namen des Staa­tes“ ermög­licht oder sug­ge­riert, bedeu­tet, dem Ele­fan­ten Zugang zum Por­zel­lan­la­den zu ver­schaf­fen.

Die Zuckerberg-Lösung: „Kein Machtmißbrauch“

Damit zurück zu Face­book und der Zuckerberg-„Lösung“. Adam Mos­se­ri, Face­book-Vize mit Zustän­dig­keit für den Bereich News Feed, erklär­te das neue System, das der­zeit expe­ri­men­tiert wird. Alles gehe von den Nut­zern aus. Die­se müß­ten „fake news“ mel­den. Sobald eine bestimm­te Anzahl an sol­chen Mel­dun­gen ein­ge­gan­gen sei, wer­de Face­book aktiv und las­se die bean­stan­de­te Mel­dung von einer Grup­pe von „fact checker“ prü­fen. Die Über­prü­fung erfolgt anhand von durch Face­book aus­ge­wähl­te ame­ri­ka­ni­sche Medi­en und Inter­net­sei­ten. Zur ersten Grup­pe gehö­ren die Nach­rich­ten­agen­tur AP und ABC News, zur zwei­ten Grup­pe Snopes und Fact­Check. Anhand von deren Bericht­erstat­tung soll geklärt wer­den, ob die Nach­richt falsch ist. Soll­ten man zu die­sem Schluß gelan­gen, wird Face­book neben der Mel­dung die Zen­sur ein­blen­den:

„Dis­puted by 3rd Par­ty Fact-Checkers“.

Auf dem Ter­rain der Algo­rith­men und der Infor­ma­ti­ons­flut kann der „Kampf gegen  Fake News“ rea­li­sti­scher­wei­se nicht „hän­disch“ Mel­dung für Mel­dung statt­fin­den. Des­halb klingt die behaup­te­te „Lösung“ lach­haft. Viel­mehr haben Face­book-Mana­ger bereits in den ver­gan­ge­nen Wochen ein­ge­stan­den, „Instru­men­te“ zu haben, mit denen die Nut­zer „auto­ma­tisch“ und „ein für alle­mal“ von „Falsch­mel­dun­gen befreit“ wer­den.

Face­book ver­si­chert dabei, sei­ne Macht nicht miß­brau­chen zu wol­len. Mit ande­ren Wor­ten: Wäh­rend Mark Zucker­berg im (lin­ken) zivil­ge­sell­schaft­li­chen Dis­kurs, der Face­book auf die Ankla­ge­bank stellt, eine mög­lichst kor­rek­te, ein­zel­fall­be­zo­ge­ne, geprüf­te und gegen­ge­prüf­te, demo­kra­tie­kon­for­me und grund­rechts­ge­mä­ße „Lösung“ ver­kün­det, haben die Tech­ni­ker des Inter­net­un­ter­neh­mens an den Face­book-Algo­rith­men geba­stelt. „Falsch­mel­dun­gen“ sol­len im News Feed wei­ter unten gereiht wer­den. Zudem soll der Algo­rith­mus so pro­gram­miert wer­den, sol­che Arti­kel bei der Rei­hung der meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten zu benach­tei­li­gen. Von die­sem Ansatz ver­spricht sich das Unter­neh­men einen sub­ti­len, aber wirk­sa­men Ein­griff. Face­book ent­fal­tet sei­ne Wir­kung durch das Tei­len von Infor­ma­tio­nen. Nicht die Ver­öf­fent­li­chung einer Infor­ma­ti­on ist ent­schei­dend, son­dern wie vie­le Nut­zer und Nut­zer­grup­pen eine Infor­ma­ti­on mit­ein­an­der „tei­len“ und wei­ter­ver­brei­ten. Dazu bedarf die Infor­ma­ti­on der Sicht­bar­keit in der Flut der täg­li­chen Mel­dun­gen.

Beob­ach­ter gehen davon aus, daß die von Adam Mos­se­ri vor­ge­leg­te Lösung als Mit­tel gegen ech­te Falsch­mel­dun­gen zu schwer­fäl­lig ist. Die Infor­ma­ti­on wer­de heu­te schnell wei­ter­ge­reicht. Die drei­fa­che Stu­fung durch mensch­li­ches Han­deln — Mel­dung von „fake news“, Akti­vie­rung von Face­book, Über­prü­fung durch „fact checker“ — sei zu lang­sam. Die Kon­trol­leu­re sol­len zudem Frei­wil­li­ge sein, die ehren­amt­lich prü­fen, was das Gesamt­bild gleich noch um eini­ge Stu­fen weni­ger über­zeu­gend erschei­nen läßt.

Laut Ankün­di­gung von Zucker­berg und Mos­se­ri sol­len die bean­stan­de­ten Nach­rich­ten wei­ter­hin sicht­bar blei­ben und auch von den Nut­zern posi­tiv bewer­tet wer­den kön­nen.

Was ist eine „Falschmeldung“, und wer entscheidet das?

Die Haupt­fra­ge ist jedoch: Was genau ist unter einer „Falsch­mel­dung“ zu ver­ste­hen, und wer ent­schei­det das? Gera­de im Bereich der Poli­tik geht es um Wer­tun­gen. Die Ver­schie­bung der Kri­te­ri­en, auch eine klei­ne, kann im kon­kre­ten Bereich schnell zu einer ech­ten Zen­sur wer­den. Wel­che tat­säch­lich objek­ti­ve und neu­tra­le Stel­le kann die Glaub­wür­dig­keit in Anspruch neh­men, einen wirk­li­chen Fak­ten­check durch­zu­füh­ren? Ehren­amt­li­che Frei­wil­li­ge, die sich auf aus­ge­wähl­te Medi­en stüt­zen? Was Erste­re betrifft, lie­fert Wiki­pe­dia ein abschrecken­des Bei­spiel ein­sei­ti­ger Usur­pa­ti­on, und Letz­te­re sind weder unab­hän­gig noch neu­tral, son­dern Mei­nungs­ma­cher. Die Ereig­nis­se rund um Alep­po in die­sen Tagen sind ein aktu­el­les Bei­spiel, um zu sehen, wie Infor­ma­ti­on und Des­in­for­ma­ti­on auf­grund von poli­ti­schen Inter­es­sen­la­gen neben­ein­an­der­ste­hen und Ver­wir­rung stif­ten, und das unter ande­ren auch kon­kret in den USA und durch die USA. Alep­po kann mor­gen über­all sein.

Laut einer Umfra­ge des For­sa-Insti­tuts gaben im ver­gan­ge­nen Mai 82 Pro­zent der Bun­des­deut­schen an, sie wür­den Hil­la­ry Clin­ton wäh­len, nur fünf Pro­zent für Donald Trump. Nicht nur ange­sichts des tat­säch­li­chen Wahl­er­geb­nis­ses der US-Wäh­ler ist hier eine ein­sei­ti­ge, sogar eine mas­siv ein­sei­ti­ge Beein­flus­sung der Deut­schen zum Grei­fen. Wie neu­tral sind also die Medi­en, die Maß­stab für die „fact checker“ sein sol­len? Die erste und fol­gen­reich­ste Stu­fe der Beein­flus­sung durch eine Nach­rich­ten­agen­tur ist die Aus­wahl der Nach­rich­ten. Wird eine Nach­richt von Face­book als „Falsch­mel­dung“ ein­ge­stuft, weil sie AP oder ABC News nicht berich­tet haben? Ein kon­kre­tes Bei­spiel aus eige­ner Erfah­rung: Die Redak­ti­on der ARD-Tages­schau ließ Leser im abfäl­li­gen Ton wis­sen, daß eine Mel­dung von Katholisches.info über ver­folg­te Chri­sten in Syri­en des­halb nicht berich­tet wer­de, weil die­se Mel­dung von den gro­ßen Agen­tu­ren nicht berich­tet wur­de, wes­halb die Mel­dung einer klei­nen Agen­tur a prio­ri zwei­fel­haft bis unse­ri­ös sein müs­se. Obwohl die Mel­dung bestä­tigt und völ­lig kor­rekt war, wur­de sie von der Tages­schau nie berich­tet, und damit dem Publi­kum vor­ent­hal­ten. Ein Bei­spiel unter vie­len. Der Gedan­ke über die prak­ti­sche Hand­ha­be läßt sich fort­spin­nen.

„Opposition zum Schweigen bringen“ — Das linke Netzwerk

Die Kri­tik an den Face­book-Plä­nen kommt daher vor allem aus dem nicht-lin­ken Lager in den USA. Die alter­na­ti­ve Nach­rich­ten­platt­form Breit­bart News spricht von einem Ver­such, „die Oppo­si­ti­on zum Schwei­gen zu brin­gen“. Breit­bart-Chef Ste­phen Ban­non war Wahl­kampf­lei­ter von Donald Trump und wird von die­sem als Chef­be­ra­ter in Wei­ße Haus geholt. Die FAZ titel­te dazu: „Wird ‚Breit­bart‘ jetzt Trumps Staats­funk? Nicht nur Bür­ger­recht­ler sind besorgt“. Hät­te die Frank­fur­ter Tages­zei­tung ver­gleich­bar pole­misch bei einem Wahl­sieg von Hil­la­ry Clin­ton geti­telt?

Die von Face­book aus­ge­wähl­ten Fak­ten­prü­fer, so Breit­bart, ver­tre­ten eine akzen­tu­iert lin­ke Posi­ti­on. Eine objek­ti­ve Beur­tei­lung sei von ihnen nicht zu erwar­ten. Hin­ter dem Kampf gegen ech­te Falsch­mel­dun­gen ste­he viel­mehr der Ver­such, den Kampf gegen miß­lie­bi­ge Mel­dun­gen auf­zu­neh­men. Das sei in der Tat eine Gefähr­dung der Demo­kra­tie. Es sei aber ein Wesens­merk­mal der poli­ti­schen Lin­ken, die von ihr aus­ge­hen­de Bedro­hung der Demo­kra­tie als Kampf gegen die Gefähr­dung der Demo­kra­tie zu tar­nen. Das sei in den USA nicht anders als in Euro­pa.

Face­book beruft sich auf eine Fak­ten­prü­fung von drit­ter Sei­te. Das soll Neu­tra­li­tät und Objek­ti­vi­tät sug­ge­rie­ren. Trifft das aber auch zu? Die Orga­ni­sa­ti­on The Inter­na­tio­nal Fact-Checking Net­work (IFCN), mit der Face­book zur Prü­fung zusam­men­ar­bei­ten will, wird vom Poyn­ter Insti­tu­te for Media Stu­dies betrie­ben, das wie­der­um eine Grün­dung von Omidy­ar Net­work des Ebay-Grün­ders und „libe­ra­len“ Pierre Omidy­ar ist. Part­ner von Omidy­ar Net­work bei zahl­rei­chen Pro­jek­ten sind die Open Socie­ty von Geor­ge Soros und die Bill & Melin­da Gates Foun­da­ti­on. Soros betreibt unter ande­rem das Syn­di­ca­te Pro­ject. Omidy­ar Net­work gehört mit Soros zu den Zustif­tern der Tides Foun­da­ti­on, einem der größ­ten Geld­ge­ber für lin­ke poli­ti­sche Pro­jek­te in den USA. Das IFCN erhebt den Anspruch, eine neu­tra­le Prüf­stel­le zu sein, ist es aber nicht. Die Liste des lin­ken Netz­wer­kes lie­ße sich lan­ge fort­set­zen. Es steht für eine lin­ke Poli­tik in Sachen Ein­wan­de­rung, „Homo-Ehe“, Abtrei­bung, Kli­ma­po­li­tik. Eine Zen­sur­dro­hung ist daher ernst­zu­neh­men. Sie hät­te weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen.

Problem echter Falschmeldungen und der Ku Klux Klan

Dabei ist das Pro­blem von Falsch­mel­dun­gen durch­aus real. Aller­dings betref­fen sie nicht nur das, was lin­ke Kom­men­ta­to­ren auf die Pal­me treibt. Ein Bei­spiel für eine ech­te Falsch­mel­dung, an der sich die „Libe­rals“ aber nicht stör­ten, son­dern sie eif­rig in den klas­si­schen Medi­en ver­brei­te­ten: Der Ku Klux Klan habe den Wahl­sieg Donald Trumps gefei­ert und einen gro­ßen Auf­marsch ange­kün­digt. Die Wochen­zei­tung Die Zeit titel­te „Donald Trump: Ku-Klux-Klan fei­ert Prä­si­dent­schafts­wahl“. N‑TV mel­de­te: „Sie­ges­pa­ra­de: Ku Klux Klan mar­schiert für Trump“. Der ORF tön­te: „Ku-Klux-Klan fei­ert den Wahl­sieg Trumps. Und selbst die seriö­se Neu Zür­cher Zei­tung schrieb in gro­ßen Let­tern: „Sie­ges­marsch geplant: Ku-Klux-Klan fei­ert Trump“. Der Haken an der Mel­dung: nichts davon stimm­te. Eine Rich­tig­stel­lung erfolg­te aller­dings von kei­nem der gen­an­ten Medi­en. Offen­sicht­lich pas­sier­te die Schlag­zei­le zu gut ins Bild der zustän­di­gen Redak­teu­re.

Damit bleibt das Pro­blem ech­ter Falsch­mel­dun­gen wohl auch wei­ter­hin ein Pro­blem, wäh­rend der Wahl­sieg von Donald Trump als Gegen­re­ak­ti­on einen Kon­flikt gegen die Mei­nungs­frei­heit in den sozia­len Netz­wer­ken aus­ge­löst hat.

Die von Zucker­berg offi­zi­ell prä­sen­tier­te „Lösung“ ist tech­nisch nicht hand­hab­bar und inhalt­lich zwei­fel­haft. Die algo­rith­mi­sche Lösung, die von Face­book inof­fi­zi­ell ange­deu­tet wur­de, ist tech­nisch nahe­lie­gen­der, inhalt­lich aber noch bedenk­li­cher, weil undurch­sich­ti­ger.

Die poli­ti­sche Lin­ke, die den Ver­lust des Wei­ßen Hau­ses erst ver­dau­en muß, und sich auch in vier Jah­ren noch nicht damit abge­fun­den haben wird, setzt Zucker­berg und Face­book unter Druck. Die ein­zi­ge kor­rek­te Lösung, wenn man meint, eine sol­che suchen zu müs­sen (um 2020 die Wie­der­wahl Trumps zu ver­hin­dern), wäre die Umwand­lung von Face­book in ein Medi­en­un­ter­neh­men. Dann wäre Zucker­berg der Her­aus­ge­ber, es müß­te eine Redak­ti­on und eine redak­tio­nel­le Linie geben, und damit auch eine Ver­ant­wor­tung für alle Inhal­te. Davor wird sich Zucker­berg aber hüten. Die Medi­en­un­ter­neh­men sind eine ange­schla­ge­ne Bran­che, wäh­rend das von ihm geschaf­fe­ne sozia­le Netz­werk eine Geld­ma­schi­ne ist. Viel­leicht haben die ange­kün­dig­ten Maß­nah­men daher nur pal­lia­ti­ven Cha­rak­ter, um die Zeit zu über­dau­ern, bis der gro­ße Sturm sich gelegt hat. Für die Demo­kra­tie und das Grund­recht der Mei­nungs­frei­heit wäre das bes­ser.

Text: Ryan Bach
Bild: MiL

3 Kommentare

  1. Ob zukünf­tig eine Nach­richt in FB wahr ist oder nicht, ent­schei­det sich dar­an, ob die­se von der Mei­nung der Main­streamm­edi­en abweicht oder nicht, und sei sie noch so wahr. Was die Main­streamm­edi­en brin­gen gilt bei FB als Wahr­heit. Alles ande­re bekommt die Bezeich­nung Fake­news.
    Die ame­ri­ka­ni­schen Medi­en waren wäh­rend des Prä­si­dent­schafts­wahl­kamp­fes fast aus­schließ­lich auf der Sei­te von Hil­la­ry Clin­ton. Ledig­lich auf Face­book und eini­gen alter­na­ti­ven Medi­en gab es noch ein wenig Mei­nungs­frei­heit. Also um die völ­li­ge Medi­en­dik­ta­tur zu errich­ten, was nur durch Mani­pu­la­ti­on mög­lich ist, wird auch FB rest­zen­siert.

  2. Fällt jetzt ganz und gar nicht unter die Rubrik „fake“:
    Katholisches.info wirbt für das Luther­jahr 2017 (Anzei­ge)
    Geht’s noch? Stört das nur mich?

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