Kardinal Cordes: Zweifel an Amoris laetitia „sachlich“ — „In Fußnote soll Lösung stecken, nach der seit 2000 Jahren gesucht wird?“

Kardinal Paul Josef Cordes: Zweifel an Amoris laetitia wurden sachlich vorgebracht. Manchmal auch schmerzliche Klärungen seien wichtig und gehören zur Geschichte der Kirche.
Kardinal Paul Josef Cordes: Zweifel an Amoris laetitia wurden sachlich vorgebracht. Manchmal auch schmerzliche Klärungen seien wichtig und gehören zur Geschichte der Kirche.

(Rom) Mit Paul Josef Cor­des ist ein wei­te­rer deut­scher Kar­di­nal zur Ver­tei­di­gung des Ehe­sa­kra­ments in den Ring gestie­gen. In einem gestern von Kath.net ver­öf­fent­lich­ten Inter­view stell­te sich der eme­ri­tier­te Kuri­en­kar­di­nal hin­ter die vier Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner und deren Dubia (Zwei­fel) zum nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia.

Mit Brand­mül­ler, Meis­ner, Cor­des und Mül­ler ste­hen vier deut­sche Kar­di­nä­le an vor­der­ster Front. Kein Zufall. Es ist die Reak­ti­on dar­auf, daß der Angriff gegen das Ehe­sa­kra­ment und die kirch­li­che Moral­leh­re vor allem von deut­schen Krei­sen aus­ge­gan­gen ist. Kar­di­nal Wal­ter Kas­per war am 20. Febru­ar 2014 der offi­zi­el­le Stich­wort­ge­ber für die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten. Ins­ge­samt gilt das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus auch als „Kas­per-Pon­ti­fi­kat“. Der eme­ri­tier­te deut­sche Kuri­en­kar­di­nal und ehe­ma­li­ge Bischof von Rot­ten­burg-Stutt­gart hat­te die Kom­mu­ni­on für wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne und damit die Aner­ken­nung von Schei­dung und Zweit­ehe durch die Kir­che bereits in der ersten Hälf­te der 90er Jah­re gefor­dert. Er und ein ande­rer deut­scher Kar­di­nal, Karl Leh­mann, der inzwi­schen eme­ri­tier­te Bischof von Mainz, gehör­ten zum Geheim­zir­kel Sankt Gal­len. Als Team Ber­go­glio berei­te­ten Kas­per und Leh­mann die Wahl Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst vor. Die­ser bedank­te sich am 17. März 2013, beim ersten Ange­lus als Papst, mit einem Lob für Kas­per („ein tüch­ti­ger, ein guter Theo­lo­ge“) und kün­dig­te durch einen Ver­weis auf Kas­pers Buch über die Barm­her­zig­keit bereits an, was dann unter dem Stich­wort „Neue Barm­her­zig­keit“ fol­gen soll­te.

Dubia in „sachlichem Ton“ vorgelegt, doch „mit unverhältnismäßigem Protest bedacht“

Kar­di­nal Cor­des, der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de des Päpst­li­chen Rats Cor unum sprach in dem von Petra Lor­le­berg geführ­ten Inter­view von einem „sach­li­chen Ton“, in dem die vier Kar­di­nä­le ihre Zwei­fel an Amo­ris lae­ti­tia vor­ge­legt und den Papst um eine Klä­rung gebe­ten haben. Dafür sei­en sie „mit unver­hält­nis­mä­ßi­gem Pro­test bedacht“ wor­den. Müß­te statt­des­sen nicht die „Gott­ver­ges­sen­heit“, die sich durch lee­rer wer­den­de Kir­chen im deut­schen Sprach­raum zei­ge, „auf der Tages­ord­nung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz oben­an ste­hen und einen Dau­er­platz haben?“, frag­te der Kar­di­nal.

Grund­sätz­lich beton­te Kar­di­nal Cor­des die Wich­tig­keit „klä­ren­der Dis­kus­sio­nen“, die manch­mal auch „schmerz­haf­te Kon­flik­te“ ein könn­ten. Das gehö­re „zur Geschich­te der Kir­che“.

In den ver­gan­ge­nen Wochen ver­gli­chen ver­schie­de­ne hoch­ran­gi­ge Kir­chen­ver­tre­ter die aktu­el­le Situa­ti­on mit dem „aria­ni­schen Streit“ des 4. Jahr­hun­derts. Ein Ver­gleich, den auch Kar­di­nal Cor­des zieht und dar­an erin­nert, daß „der Häre­ti­ker“ Ari­us damals „fast die gan­ze Kir­che auf sei­ne Sei­te gebracht“ hat­te.

„Kölner Erklärung“ und „romantische Sentimentalität“

Kar­di­nal Cor­des ließ zudem die Ver­ant­wor­tung der Deut­schen für eine Fehl­ent­wick­lung anklin­gen, indem er die Köl­ner Erklä­rung deut­scher Pro­fes­so­ren von 1989 gegen Papst Johan­nes Paul II. erwähn­te. Cor­des erwähn­te es nicht, doch war es Papst Fran­zis­kus, der am ver­gan­ge­nen 24. Okto­ber vor der Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on des Jesui­ten­or­dens aus­ge­rech­net den Initia­tor die­ser „Erklä­rung“, den deut­schen Moral­theo­lo­gen Bern­hard Häring lob­te.

Der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de von Cor Unum wider­spricht auch der Ver­klä­rung einer „Urge­mein­de“, in der Ein­tracht geherrscht habe, wes­halb jeder Kon­flikt als stö­rend emp­fun­den wer­de. Das sei „roman­ti­sche Sen­ti­men­ta­li­tät“. Da mang­le es „der Kir­che gegen­über wohl  an Glau­bens-Rea­lis­mus“.

Der Kar­di­nal wider­sprach „Grup­pen­kampf und Mehr­heits­ent­schei­dun­gen“, die­se „die­nen der Sen­dung der Kir­che nicht.“ Gefragt sei „der grö­ße­re Glau­ben, die vom Glau­ben erleuch­te­te Näch­sten­lie­be“ und „ein authen­ti­sches Zeug­nis“. In der Kir­che dür­fe kein abwä­gen­des „poli­ti­sches Den­ken“ herr­schen, wenn es um die Grund­wahr­hei­ten des Glau­bens geht.

„Aktualisten fehlt es an Logik und Überzeugungskraft“

Der „Wir­bel“, jenen machen, die sich vom „Glau­ben der Gesamt­kir­che abtren­nen“, sei „kein Kri­te­ri­um ihrer Ver­läß­lich­keit“. Den „Aktua­li­sten“, die behaup­ten, den Glau­ben aktua­li­sie­ren zu wol­len, „fehlt es an Logik und Über­zeu­gungs­kraft: Wie kann die Kir­che heu­te für eine Glau­bens­aus­sa­ge Zuver­läs­sig­keit for­dern, wenn ihre gest­ri­ge über­holt ist und falsch war?“

Die Theo­lo­gen wür­den sich seit „der Früh­zeit der Kir­che“ damit „nach­weis­lich quä­len“, einen „Weg“ zu fin­den, um Män­ner und Frau­en, die „in einer kano­nisch irre­gu­lä­ren Situa­ti­on“ leben, zu den Sakra­men­ten zuzu­las­sen. „Nie­mand sah eine Mög­lich­keit“ in den bald zwei­tau­send Jah­ren der Kir­chen­ge­schich­te. „Und nun soll plötz­lich eine lehr­amt­li­che Lösung gefun­den wor­den sein!“, um iro­nisch hin­zu­zu­fü­gen, daß sich die­se „plötz­li­che Lösung“ nur in einer „Fuß­no­te“ von Amo­ris lae­ti­tia ste­he.

Dazu hät­ten die vier Kar­di­nä­le mit ihren „Zwei­feln“ um Klä­rung ersucht. Ins­ge­samt kön­ne „man kaum bes­ser Stel­lung bezie­hen als der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, der deut­sche Kar­di­nal Mül­ler: Das Schrei­ben dür­fe nicht so inter­pre­tiert wer­den, als ob frü­he­re Aus­sa­gen des Lehr­amts und der Päp­ste ungül­tig sei­en“.

Text: Mar­tha Bur­ger-Weinzl
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. „Nie­mand sah eine Mög­lich­keit“ in den bald zwei­tau­send Jah­ren der Kir­chen­ge­schich­te. „Und nun soll plötz­lich eine lehr­amt­li­che Lösung gefun­den wor­den sein!“, um iro­nisch hin­zu­zu­fü­gen, daß sich die­se „plötz­li­che Lösung“ nur in einer „Fuß­no­te“ von Amo­ris lae­ti­tia ste­he.

    Dem ist kaum etwas hin­zu­zu­fü­gen!

Kommentare sind deaktiviert.