Philosophen fordern von Papst Verurteilung von acht „Irrtümern“, die unter Verweis auf Amoris laetitia behauptet werden

Der Rechtsphilosoph Finnis und der Moralphilosoph Grisez fordern Papst Franziskus auf, acht Positionen zu verurteilen, die von Kirchenvertretern unter Berufung auf Amoris laetitia behauptet werden.
Der Rechtsphilosoph Finnis und der Moralphilosoph Grisez fordern Papst Franziskus auf, acht Positionen zu verurteilen, die von Kirchenvertretern unter Berufung auf Amoris laetitia behauptet werden. Papst Franziskus solle die Lehre bekräftigen, daß "viele verdammt in der Hölle enden können".

(Lon­don) Zwei katho­li­sche Phi­lo­so­phen for­der­ten Papst Fran­zis­kus auf, acht „Irr­tü­mer“ zu ver­ur­tei­len, die durch „Miß­brauch“ des nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia von Kir­chen­ver­tre­tern ver­brei­tet wer­den.

Mit der 37 Sei­ten umfas­sen­den Ana­ly­se „The Misu­se of Amo­ris Lae­ti­tia to Sup­port Errors against the Catho­lic Faith“ wen­den sich die bei­den Phi­lo­so­phen Ger­main Gri­sez und John Fin­nis an Papst Fran­zis­kus. Dar­in listen sie acht Posi­tio­nen auf, die „dem katho­li­schen Glau­ben wider­spre­chen“, und for­dern Papst Fran­zis­kus auf, die­se zu ver­ur­tei­len, wie der bri­ti­sche Catho­lic Herald in sei­ner Aus­ga­be vom 9. Dezem­ber berich­te­te.

Schlechte „Früchte“ von Amoris laetitia

Grund­sätz­lich erklä­ren die bei­den Phi­lo­so­phen, daß Amo­ris lae­ti­tia ins­ge­samt einer Über­prü­fung im Licht der bis­he­ri­gen Leh­re der Kir­che stand­hält. Aller­dings gel­te das nur vor­be­halt­lich eini­ger Pas­sa­gen des Doku­ments, die geeig­net sind, „Irr­tü­mer über die Ehe, die Beich­te, das Gewis­sen und das Moral­ge­setz zu för­dern“. Stel­lung­nah­men von kirch­li­chen Ver­tre­tern und Richt­li­ni­en von Bischö­fen zur Umset­zung von Amo­ris lae­ti­tia hät­ten, so die bei­den Autoren, die­se Gefahr bestä­tigt.

Fin­nis und Gri­sez haben in der Ver­gan­gen­heit bereits bei Buch­ver­öf­fent­li­chung zur Moral­theo­lo­gie zusam­men­ge­ar­bei­tet. Der Austra­li­er John Fin­nis ist Rechts­phi­lo­soph an den Uni­ver­si­tä­ten Oxford in Eng­land und Not­re Dame in den USA. Der Fran­ko­ame­ri­ka­ner Ger­main Gri­sez ist eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor der Christ­li­chen Ethik an der Mount St. Mary’s Uni­ver­si­tät in den USA.

Die bei­den katho­li­schen Phi­lo­so­phen kom­men zu ähn­li­chen Schluß­fol­ge­run­gen wie die 45 Theo­lo­gen und Phi­lo­so­phen, die sich im ver­gan­ge­nen Juli mit einem Appell an die Kar­di­nä­le und Patri­ar­chen der Kir­che wand­ten mit der Auf­for­de­rung, Papst Fran­zis­kus zu drän­gen, Amo­ris lae­ti­tia zurück­zu­zie­hen oder zumin­dest zu kor­ri­gie­ren. Glei­ches gilt für die vier Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner, die von Papst Fran­zis­kus Klä­rung zu fünf Dubia (Zwei­feln) ver­lan­gen.

Acht Positionen, die unter Berufung auf Amoris laetitia behauptet werden, die aber der katholischen Lehre widersprechen

Studie von Finnis und Grisez: Acht "Irrtümer", die von Kirchenvertretern unter Berufung auf Amoris laetitia behauptet werden.
Stu­die von Fin­nis und Gri­sez: Acht „Irr­tü­mer“, die von Kir­chen­ver­tre­tern unter Beru­fung auf Amo­ris lae­ti­tia behaup­tet wer­den.

Fin­nis und Gri­sez gehen in ihrer Kri­tik über Amo­ris lae­ti­tia hin­aus und bezie­hen sich bereits auf die „Früch­te“ des umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­bens. Sie kon­zen­trie­ren ihre Kri­tik auf acht Posi­tio­nen, die „dem katho­li­schen Glau­ben wider­spre­chen“, aber von Kir­chen­ver­tre­tern unter Beru­fung auf Amo­ris lae­ti­tia behaup­tet wer­den. Kon­kret geht es dabei vor allem um die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten, aber nicht nur. Die bei­den Autoren wei­sen anhand von Stel­lung­nah­men kirch­li­cher Wür­den­trä­ger nach, daß die Fuß­no­te 351 Anlaß zu Inter­pre­ta­tio­nen gibt, die in offe­nem Wider­spruch zur kirch­li­chen Glau­bens­leh­re und Sakra­men­ten­ord­nung ste­hen.

Die bei­den Wis­sen­schaft­ler gehen noch wei­ter. Der Groß­teil der Posi­tio­nen, die von Papst Fran­zis­kus ver­ur­teilt wer­den sol­len, betref­fen Zwei­fel an der Fähig­keit des Men­schen, die Gebo­te Got­tes zu befol­gen. Kir­chen­ver­tre­ter wür­den ent­spre­chen­de Stel­len von Amo­ris lae­ti­tia miß­ver­ste­hen oder miß­brau­chen, um die christ­li­che Ethik als blo­ßes „Ide­al“ dar­zu­stel­len, das nicht von allen oder nicht sofort erreicht wer­den kön­ne. Pro­vo­kant for­mu­lie­ren Fin­nis und Gri­sez die Anfra­ge, ob Kir­chen­ver­tre­ter die Men­schen wirk­lich für „zu debil“, also zu schwach hal­ten, „um schwe­re Sün­den zu mei­den“.

Konzil von Trient hat Kirchenbann verhängt

Inak­zep­ta­bel, so Fin­nes und Gri­sez, sei­en auch wei­te­re Posi­tio­nen, die unter Beru­fung auf Amo­ris lae­ti­tia ver­brei­tet wer­den, etwa, daß es „kei­ne all­ge­mei­ne Moral­re­gel ohne Aus­nah­men“ gebe oder, daß manch­mal die Ver­let­zung eines Gött­li­chen Gebo­tes sogar „das Beste“ sei, „um auf Gott zu ant­wor­ten“.

Die bei­den Autoren for­dern von Papst Fran­zis­kus, unter Beru­fung auf das kirch­li­che Lehr­amt, beson­ders die Enzy­kli­ka Veri­ta­tis sple­ndor von Johan­nes Paul II. und das Kon­zil von Tri­ent, die Ver­ur­tei­lung die­ser Posi­tio­nen. Das Kon­zil von Tri­ent habe in einem kla­ren Lehr­satz den Kir­chen­bann über jene ver­hängt, die behaup­ten, daß jemand im Stand der Gna­de nicht imstan­de sei, die Gebo­te Got­tes zu hal­ten.

Neben der Ver­ur­tei­lung der acht von ihnen auf­ge­zeig­ten Posi­tio­nen ersu­chen sie Papst Fran­zis­kus zudem, die kirch­li­che Leh­re über die Sexu­al­ethik, die Unauf­lös­lich­keit der Ehe und die Rea­li­tät zu bekräf­ti­gen, daß „vie­le Men­schen in der Höl­le enden wer­den“.

Fin­nes und Gri­se­rez über­mit­tel­ten ihre Stu­die dem Papst bereits im ver­gan­ge­nen Novem­ber. Unter Ver­weis auf den Codex des Kir­chen­rech­tes begrün­den sie ihren Schritt, die Stu­die nun auch öffent­lich bekannt­zu­ma­chen.

Die acht Positionen, die Papst Franziskus verurteilen soll

  1. Daß Prie­ster auch von einer Sün­de los­spre­chen kön­nen, wenn der Beich­ten­de gar kei­nen Vor­satz hat, sich zu ändern.
  2. Daß die Per­so­nen zu schwach sein kön­nen, den Gebo­ten Got­tes zu gehor­chen.
  3. Daß es kei­ne Moral­re­gel gibt, auf die kei­ne Aus­nah­men ange­wandt wer­den könn­ten.
  4. Daß das Moral­ge­setz ein Ide­al ist und es nicht rea­li­stisch ist, zu hof­fen, daß sie erfüllt wer­den kön­nen.
  5. Daß unter eini­gen Umstän­den es bes­ser ist, das Moral­ge­setz zu bre­chen.
  6. Daß sexu­el­le Akti­vi­tä­ten nur dann falsch sind, wenn sie jeman­den aus­beu­ten oder ver­let­zen.
  7. Daß eine gül­ti­ge Ehe auf­ge­löst wer­den kann.
  8. Daß nie­mand zur Höl­le ver­dammt ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Catho­lic Herald/Secretum Meum Mihi (Screen­shots)

 

 

2 Kommentare

  1. Kei­ne Ant­wort ist die beste Ver­tei­di­gung um die eige­ne Linie durch­zu­zie­hen. Die im Vati­kan machen was sie wol­len. Gott ist ja barm­her­zig zu sei­nen Geschöp­fen. Auch der Teu­fel ist ein Geschöpf Got­tes und wenn er doch noch bereut ist die Höl­le wirk­lich leer.

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