Glaubenspräfekt Müller steigt zu Amoris laetitia in den Ring und spricht Klartext

(Rom) Mit Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, ist gestern das Schwer­ge­wicht in den Ring gestie­gen, um zu den Dubia (Zwei­feln) von vier Kar­di­nä­len zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia zu ant­wor­ten. Er sag­te, nicht ant­wor­ten zu kön­nen, weil ihm der Papst kein Man­dat erteilt. Den­noch ant­wor­te­te Mül­ler indi­rekt und zwar unmiß­ver­ständ­lich.

Jeder Tag, an dem sich Franziskus seinen Aufgaben als Papst verweigert, vergiftet das Klima mehr

Die nam­haf­ten Kar­di­nä­le Wal­ter Brand­mül­ler, Ray­mond Leo Bur­ke, Car­lo Caf­farra und Joa­chim Meis­ner haben am 19. Sep­tem­ber dem Kar­di­nal­prä­fek­ten Mül­ler ihre Dubia an den Papst über­ge­ben. Kar­di­nal Mül­ler käme die Auf­ga­be zu, den Ein­brin­gern offi­zi­ell zu ant­wor­ten. Aller­dings kann er im Auf­trag des Pap­stes nur ant­wor­ten, wenn ihm die­ser einen ent­spre­chen­den Auf­trag erteilt. Fran­zis­kus aber hüllt sich seit Mona­ten in Schwei­gen.

Aus die­sem Schwei­gen lei­te­ten die vier Kar­di­nä­le nach zwei Mona­ten das Recht ab, einen Schritt wei­ter­zu­ge­hen, und ihre Zwei­fel zu ver­öf­fent­li­chen. Damit haben sie den Druck auf Papst Fran­zis­kus enorm erhöht. Ent­spre­chend scharf und gereizt reagiert das unmit­tel­ba­re Umfeld des Pap­stes seit­her. Fran­zis­kus selbst habe nach dem 14. Novem­ber, dem Tag der Ver­öf­fent­li­chung der Dubia, „gekocht vor Zorn“, so der Vati­ka­nist Edward Pen­tin. Sein eng­ster Mit­ar­bei­ter und Schrift­lei­ter der Civil­tà  Cat­to­li­ca, der Jesu­it Anto­nio Spa­daro, ver­glich die vier Ein­brin­ger mit „ein­fäl­ti­gen Wür­mern“.

Der Zorn kon­zen­triert sich vor allem auf Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke. Den bril­lan­ten Kir­chen­ju­ri­sten sieht das päpst­li­che Umfeld als „Draht­zie­her“. Der Dekan der Rota Roma­na, Msgr. Pio Vito Pin­to, eben­falls ein ent­schie­de­ner Fran­zis­kus-Anhän­ger, droh­te den vier Kar­di­nä­len mit der Aberken­nung der Kar­di­nal­s­wür­de. Und war­um? Weil Sie es gewagt haben, Fra­gen zu stel­len. „Wir könn­te man nicht ein­ver­stan­den sein, daß jemand eine Fra­ge stellt?“ repli­zier­te Kuri­en­kar­di­nal Geor­ge Pell und stell­te sich damit vor die vier Dubia-Ein­brin­ger.

Die Stim­mung ist gereizt. Mit jedem Tag, den sich Papst Fran­zis­kus sei­ner Pflicht als Ober­haupt der Kir­che ent­zieht, wird das Kli­ma ver­gif­te­ter. Der bekann­te katho­li­sche Intel­lek­tu­el­le Rober­to de Mattei frag­te bereits Anfang Novem­ber, im Zusam­men­hang mit der umstrit­te­nen Teil­nah­me an einem Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken im schwe­di­schen Lund, „wel­che Kir­che“ Fran­zis­kus über­haupt mei­ne.

Kardinal Müller: Glaubenskongregation kann nicht ohne Mandat des Papstes antworten

Nun bestä­tig­te Kar­di­nal Mül­ler als zustän­di­ger Prä­fekt, in einem am Don­ners­tag von Kath­press ver­öf­fent­lich­ten Inter­view, daß sei­ne Kon­gre­ga­ti­on auf die Fra­gen der vier Kar­di­nä­le nicht ohne Man­dat des Pap­stes ant­wor­ten kön­ne. Im Umkehr­schluß sag­te der Kar­di­nal damit, daß Papst Fran­zis­kus nicht will, daß geant­wor­tet wird. „War­um wohl?!“, kom­men­tier­te die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Sei­te Mes­sa in Lati­no.

Gewich­ti­ger ist die zwei­te Aus­sa­ge des Glau­bens­prä­fek­ten. Kar­di­nal Mül­ler füg­te hin­zu, daß ein kirch­li­ches Doku­ment in jedem Fall nicht der unan­tast­ba­ren Leh­re der Kir­che wider­spre­chen kön­ne. Damit aber wird die Posi­ti­on von Fran­zis­kus nicht nur „immer pein­li­cher, son­dern unhalt­bar“, so der Publi­zist Anto­nio Soc­ci.

Kar­di­nal Mül­ler, der man­gels päpst­li­chen Auf­trags, nicht auf die Dubia der Kar­di­nä­le ant­wor­ten kann, ant­wor­te­te damit den­noch in der Sache. Er steck­te den Boden ab, auf dem die Ant­wort zu ste­hen habe. Er ramm­te Grenz­stei­ne ins Ter­rain, die nicht über­tre­ten wer­den dür­fen. Die Mah­nung rich­tet sich glei­cher­ma­ßen an „schlech­te Rat­ge­ber“  des Pap­stes (Kar­di­nal Car­lo Caf­farra) wie an den Papst selbst.

„Interpretation von Amoris laetitia, die bisheriger Lehre widerspricht, ist undenkbar“

Kar­di­nal Mül­ler stell­te klar, daß das Apo­sto­li­sche Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia nicht auf eine Wei­se inter­pre­tiert wer­den dür­fe, die im Wider­spruch zur vor­her­ge­hen­den Leh­re der Päp­ste und der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on steht. Eine ver­nich­ten­de Kri­tik an Aus­sa­gen eini­ger Theo­lo­gen, Bischö­fe und auch Kar­di­nä­le. Der Punkt ist zudem noch in ande­rer Hin­sicht nicht ohne Bri­sanz, da Kar­di­nal Mül­ler dies in einem Inter­view mit Kath­press, der Pres­se­agen­tur der Öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz sag­te.

Vor­sit­zen­der die­ser Bischofs­kon­fe­renz ist Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born, der Erz­bi­schof von Wien, den Papst Fran­zis­kus seit dem ver­gan­ge­nen April mehr­fach als „authen­ti­schen Inter­pre­ten“ von Amo­ris lae­ti­tia, und damit als Par­tei­gän­ger einer Linie benann­te, die ein­deu­tig über die vom Glau­bens­prä­fek­ten gesetz­ten Grenz­stei­ne hin­aus­führt, weil sie „Aus­nah­men“ von der Regel (deren Quan­ti­tät spielt dabei kei­ne Rol­le) und damit die Zulas­sung von wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten vor­sieht.

Kasper-These wurde bereits vor 20 Jahren Absage erteilte. Daran hat sich nicht geändert

Der Glau­bens­prä­fekt wur­de, um alle Zwei­fel aus­zu­räu­men, noch deut­li­cher. Zur strit­ti­gen Fra­ge der Zulas­sung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zur Kom­mu­ni­on, um die sich seit zwei­ein­halb Jah­ren alles in der Sache dreht, zitier­te er ein Schrei­ben der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on aus dem Jahr 1994. Das Schrei­ben ist von Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger, dem nach­ma­li­gen Papst Bene­dikt XVI. unter­zeich­net. Die Kon­gre­ga­ti­on ant­wor­te­te damals drei deut­schen Bischö­fen in eben die­ser Fra­ge. Kar­di­nal Ratz­in­ger unter­sag­te den Bischö­fen, wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne zu den Sakra­men­ten zuzu­las­sen. Die drei deut­schen Bischö­fe hie­ßen Oskar Sai­er (Frei­burg im Breis­gau), Karl Leh­mann (Mainz) und Wal­ter Kas­per (Rot­ten­burg-Stutt­gart).

20 Jah­re spä­ter war es wie­der­um Kar­di­nal Kas­per, der am 20. Febru­ar 2014 mit sei­ner Rede an das Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um den Stein ins Was­ser warf und die Fra­ge der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen wie­der aufs Tapet brach­te. Ein Schritt, den er nur mit Zustim­mung von Papst Fran­zis­kus set­zen konn­te, der ihm, und nur ihm allein, das Vor­recht des Ein­füh­rungs­re­fe­rats ein­räum­te. Als die Rede hef­ti­gen Unmut in den Rei­hen der Kar­di­nä­le aus­lö­ste, eil­te Papst Fran­zis­kus am Mor­gen des 21. Febru­ar Kas­per mit über­schweng­li­chem Lob zu Hil­fe und behaup­te­te, die von Kas­per ver­tre­te­ne Linie, die 20 Jah­re zuvor von Kar­di­nal Ratz­in­ger mit Zustim­mung von Papst Johan­nes Paul II. unter­sagt wor­den war, sei eine „Theo­lo­gie auf den Knien“. Die päpst­li­che Par­tei­nah­me war indi­rekt, aber deut­lich.

Ein Papst, der sich weigert zu Glaubensfragen Rede und Antwort zu stehen, ist ein „Problem“

Damit Papst Fran­zis­kus Kar­di­nal Kas­per mit der Eröff­nungs­re­de betrau­en konn­te, setz­te sich das Team Ber­go­glio des Geheim­zir­kels Sankt Gal­len für die Wahl von Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst ein. Wer gehör­te dem Team Ber­go­glio an? Kar­di­nal God­fried Dan­neels, Cor­mac O’Connor und wie­der­um Wal­ter Kas­per und Karl Leh­mann. Womit sich der Kreis schließt.

Unter­es­sen wächst in Rom nicht nur der Ärger über Pater Spa­daro, der als „graue Emi­nenz“ hin­ter dem Papst als des­sen Souf­fleur in die­ser Sache gilt. Über den Jesui­ten wird in eini­gen römi­schen Kir­chen­krei­sen neu­er­dings als „Vize-Papst“ gespro­chen. Die Unru­he ist so groß, daß Papst Fran­zis­kus selbst durch sein „unhalt­ba­res“ Schwei­gen als Bela­stung für die Kir­che gese­hen wird. Ein Papst, der in zen­tra­len Glau­bens­fra­gen sich wei­gert Rede und Ant­wort zu ste­hen, sei ein „Pro­blem“ für die Kir­che, so Ris­cos­sa Cri­stia­na, ein gro­ßes Pro­blem.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Life­Si­teNews (Screen­shot)

26 Kommentare

  1. Um das The­ma der Wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen wird inner­halb der Kir­che demo­kra­ti­siert, als kön­ne man die ewi­ge, unver­än­der­ba­re Glau­bens­leh­re durch Mehr­hei­ten ändern. Es wird unwür­dig Poli­tik gemacht, pro­gres­si­ve spie­len ein­an­der gegen kon­ser­va­ti­ve aus. Und das nur, weil ein Papst sich zu gut dafür ist, um auf das nun­mehr popu­lär gewor­de­ne Dubia der 4 Kar­di­nä­le, so wie es kir­chen­recht­lich vor­ge­se­hen ist, Ant­wort zu geben.
    Es ist eine niveau­lo­se Situa­ti­on, wo Züge von Roh­heit sei­tens derer erkenn­bar wer­den, denen jedes Mit­tel recht scheint, um Häre­si­en zu ver­wirk­li­chen. Soet­was kennt man sonst nur aus der Poli­tik. Ein wei­te­res Zei­chen wie weit die Ver­welt­li­chung inner­halb der katho­li­schen Kir­che vor­an­ge­schrit­ten ist!

      • Dann lasst uns beten für die tap­fe­ren Kämp­fer, vor allem für Kar­di­nal Ray­mond Leo Bur­ke und Ger­hardt Lud­wig Mül­ler, die die pro­fi­lier­te­sten, bzw. wich­tig­sten in die­sem tap­fe­ren Kampf gegen die Mäch­te der Fin­ster­nis sind

  2. In moder­ni­sti­schen Krei­sen im deut­schen Epi­sko­pat, im Jesui­ten­or­den und unter Hoch­schul­theo­lo­gen lieb­äu­gel­te man spä­te­stens seit Papst Johan­nes Paul II. und vor allem seit Papst Bene­dikt mit einer rom­fer­ne­ren, deutsch-katho­lisch refor­mier­ten, orts­kirch­lich orga­ni­sier­ten Kir­che, um den Glau­bens- und Aus­tritts­ver­lu­sten mit all­seits belieb­ten Struk­tur­re­for­men bei­kom­men.
    Der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de der deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Kar­di­nal Karl Leh­mann hat sei­ne Reform­zie­le anläss­lich der Ful­da­er Bischofs­kon­fe­renz im Herbst 2010 in aller Offen­heit for­mu­liert: das Dia­ko­nat der Frau, die Neu­be­wer­tung der Emp­fäng­nis­ver­hü­tung, die Zulas­sung von ver­hei­ra­te­ten Män­nern zum Prie­ster­amt, die Neu­ord­nung der Stel­lung der geschie­de­nen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten und deren Zulas­sung zum Sakra­men­ten­emp­fang, sowie die Zulas­sung nicht­ka­tho­li­scher Chri­sten zur Eucha­ri­stie (Kath.net Wir sind alles“ v. 30.09.2010).
    Gegen­über KNA hat Kar­di­nal Leh­mann die Dia­log­the­men zu drei Blöcken zusam­men­ge­fasst:
    „Da sind erstens Fra­gen, die man ein­fach klä­ren kann und klä­ren muss. Ich den­ke an den Dia­ko­nat der Frau. Da muss ich nicht zuerst nach der Prie­ster­wei­he der Frau fra­gen, wo die Schwie­rig­kei­ten enorm sind und blei­ben.….
    Dann gibt es zwei­tens aber auch Din­ge, die muss man ein­fach noch mal mit Mut ange­hen. Wir stel­len in der Glau­bens­kom­mis­si­on der Bischofs­kon­fe­renz seit län­ge­rem Über­le­gun­gen an zur Fra­ge „Huma­nae vitae“, Emp­fäng­nis­ver­hü­tung und der­glei­chen. Das geht aber nur, wenn man dies in einem grö­ße­ren Kon­text des Umgangs mit mensch­li­cher Sexua­li­tät ansetzt. Dar­an arbei­ten wir schon län­ger und unab­hän­gig von dem The­ma des sexu­el­len Miss­brauchs.….
    Natür­lich gibt es drit­tens Din­ge, die wir nicht allei­ne lösen kön­nen. Wo wir das Gespräch mit Rom brau­chen. Etwa die Debat­te um die „viri pro­ba­ti“, die Zulas­sung von Män­nern zum Prie­ster­amt, die sich in Beruf und Ehe bewährt haben. Dazu gehö­ren auch die Fra­gen der Stel­lung geschie­de­ner Wie­der­ver­hei­ra­te­ter in der Kir­che ein­schließ­lich des Sakra­men­ten­emp­fangs sowie die Fra­ge einer Zulas­sung nicht­ka­tho­li­scher Chri­sten zur Eucha­ri­stie.

    Man muss die­se drei The­men­blöcke aus­ein­an­der­hal­ten, aber zugleich schau­en, dass man sie mutig und offen angeht. Wobei man bei bestimm­ten Din­gen sagen muss: Die Ant­wor­ten wis­sen wir auch nicht ohne wei­te­res von vorn­her­ein. Aber es muss eine ver­läss­li­che und über­zeu­gen­de Ant­wort sein. Dann neh­men uns die Leu­te dies auch ab. Selbst wenn nicht immer das her­aus­kommt, was so auf der Stra­ße liegt.“

    Die Ant­wor­ten woll­te man in einem dif­fe­ren­zier­ten, mehr­jäh­ri­gen Dia­log­pro­zess unter Ein­be­zie­hung von Lai­en­ver­tre­tern erar­bei­ten.
    Auf der Stra­ße lag im Jahr 2010 längst alles, was Moder­ni­sten, Lai­zi­sten, Athe­isten und Pro­te­stan­ten hin­ge­legt hat­ten. Es war damals leicht zu erken­nen, dass von den drei genann­ten The­men­blöcken in Rom unter Papst Bene­dikt XVI. kein ein­zi­ger kon­sens­fä­hig gewe­sen wäre. Was aber, wenn der Dia­log­pro­zess in den Diö­ze­sen eine kla­re Mehr­heit für die Durch­set­zung der Ful­da­er Reform­zie­le gegen Rom erbracht hät­te? Damit zeich­ne­te sich damals bereits eine Kon­flikt­si­tua­ti­on mit Papst Bene­dikt XVI. ab. Nach Paul Bad­de (Vati­kan-Maga­zin) hat die­ser an Bord der „Città di Fium­in­ci­no“ auf dem Weg nach Edin­burgh auf die Fra­ge, ob die Kir­che nicht drin­gend zuse­hen müs­se, wie sie wie­der anzie­hen­der gemacht wer­den kön­ne mit „Nein“ geant­wor­tet und gesagt: „Wer fragt, wie die Kir­che attrak­ti­ver gemacht wer­den kann, hat den Weg ver­lo­ren und sich schon mit der Fra­ge ver­irrt.“ Und wei­ter: Die Kir­che ver­kau­fe nichts, am wenig­sten sich selbst, son­dern ihr sei eine Nach­richt anver­traut, die sie unver­kürzt wei­ter­ge­ben müs­se. Damit war klar, dass die Din­ge, die Leh­mann, Zollitsch, Kiech­le und Co. mit Mut ange­hen woll­ten, im Rah­men der römisch-katho­li­schen Kir­che unter dem Pon­ti­fi­kat Bene­dikts XVI. nicht zu ver­wirk­li­chen waren. Der bekann­te „Rest“ ist das jet­zi­ge Schwei­gen von Papst Fran­zis­kus!

  3. Kdl Ger­hard Muel­ler sagt, er braucht ein Man­dat vom Papst um die Klar­heit der Leh­re der Kir­che zu bezeu­gen und Papst Bene­dikt lobt den Papst? Man koenn­te glau­ben, dass die End­zeit schon begon­nen hat, den auch die Aus­er­wahl­ten wer­den geblen­det.

    • Was Kar­di­nal Ger­hard Lud­wig Mül­ler sagt, ist rich­tig. Die vati­ka­ni­schen Ein­rich­tun­gen sind Orga­ne des Pap­stes und han­deln nicht unab­hän­gig von ihm. Sei­ne per­sön­li­che Mei­nung als katho­li­scher Christ und Bischof hat der Kar­di­nal doch deut­lich kund­ge­ge­ben.

  4. Was hier pas­siert, ist nur als Beginn eines Schis­mas zu deu­ten. Papst Fran­zis­kus hat mit dem Apo­sto­li­schen Schrei­ben „Amo­ris Lae­ti­tia“ den Boden der doc­tri­na catho­li­ca ver­las­sen und zumin­dest die kirch­li­che Moral­leh­re infra­ge gestellt. Die­ses ist inso­fern noch kei­ne Kata­stro­phe, da dort kei­ne Häre­sie vor­liegt, die als for­mell dekla­riert und gewollt erkannt wer­den könn­te. Also sind die „Dubia“ der Kar­di­nä­le auch gemäß des CIC 1983 c. 212 ein ver­nünf­ti­ger Bei­trag zur Ent­wick­lung einer „inter­pre­ta­tio authen­ti­ca“. Das ist S. Em. Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler bewußt. Des­halb schweigt er dazu, zu den „Dubia“.
    Was aber nun als Fol­ge­be­schluß gedeu­tet wer­den soll­te, ist das „Apo­sto­li­sche Schrei­ben“ „Miser­i­cor­dia et Mise­ra“. Und die­ses Schrei­ben hat eine Spreng­kraft, die wohl­je­dem Klar sein soll­te, was hier vor­liegt. Kann ein Papst die Abtrei­bung als ver­geb­ba­re Sün­de defi­nie­ren? Nein. Die Moral­theo­lo­gie der Kir­che lehrt, daß die Abtrei­bung ein Akt des Glau­bens­ab­falls ist und somit den Tat­be­stand der Apost­asie erfüllt, da an der All­macht Got­tes gezwei­felt wird, die Schwan­ger­schaft in etwas Gutes umzu­wan­deln. Hier gibt es Kei­ne Aus­nah­me, daher hat der Kirch­li­che Gesetz­ge­ber in c. 1398 die Abtrei­bung für alle Betei­lig­te Per­so­nen unter die Tat­stra­fe der Exkom­mu­ni­ka­ti­on gestellt. Von die­ser kann nicht gelöst wer­den, nicht ein­mal durch den Papst selbst. Aus­drück­lich fehlt in die­sem Canon die Pas­sa­ge „apo­sto­li­ca sede reser­vata“. Die Abtrei­bung schließt also dau­er­haft von der Kir­che aus. Somit ist die Hl. Beich­te auch denn wir­kungs­los, ein nach­fol­gen­der Emp­fang des Aller­hei­lig­sten Altarsa­kra­men­tes ein Sakri­leg und eben­falls mit der Exkom­mu­ni­ka­ti­on belegt.
    Die­ser dop­pel­te Schutz des Unge­bo­re­nen Lebens durch die Leh­re und Dis­zi­plin der Hei­li­gen katho­li­schen Kir­che ist Gött­li­chen, Über­na­tür­li­chen Ursprungs und durch die Offen­ba­rung begrün­det. Wenn nun ein Papst sich dar­an wagen soll­te, die­sen Schutz infra­ge zu stel­len, begeht er eine Häre­sie, die dann, inso­fern er die­se „Lehr­mei­nung“ in die Dis­zi­plin der Hei­li­gen Katho­li­schen Kir­che ein­fügt, for­mel­le dekla­rier­te Häre­sie wird.
    Kein Kirch­li­ches Gesetz hat je die Con­sti­tu­tio „Cum ex apo­so­la­tus“ Papst Paul IV besei­tigt. Sie ist auch nur sel­ten ange­wen­det wor­den. Aber die Prin­zi­pi­en die­ser Kon­sti­tu­ti­on wer­den bis heu­te in jedem Lehr­be­an­stan­dungs­ver­fah­ren ange­wen­det. Jeder der eine for­mel­le Häre­sie begeht, geht sei­nes Kirch­li­chen Amtes ver­lu­stig. Die­ses ist etwa auch in c. 1364 der Fall: „Can. 1364 — § 1. Aposta­ta a fide, hae­re­ti­cus vel schis­ma­ti­cus in excom­mu­ni­ca­tio­nem latae sen­ten­tiae incur­rit, firmo praescrip­to can. 194, § 1, n. 2; cle­ri­cus prae­te­rea potest poe­nis, de qui­bus in can. 1336, § 1, nn. 1, 2 et 3, puni­ri.“ Und das gilt auch für den Bischof von Rom. Er kann zwar nicht gerich­tet wer­den, rich­tet sich aber selbst durch die Bege­hung einer Tat gemäß c. 1364. Vie­le in der Kir­che sind kon­ster­niert und wagen es im Moment nicht die Fra­ge nach der „Sedis­va­kanz“ u stel­len, aus Furcht in die Ecke der „Rechts­au­ßen-Sedis“ gestellt zu wer­den. Daher schweigt auch S. Em. Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler. Der Papst steht zur Dis­po­si­ti­on, das muß ernst­lich gesagt wer­den zum Nut­zen der Kir­che. Es ist nur die Fra­ge, ob Fran­zis­kus-Ber­go­glio das weiß. Die­se Fra­gen stel­len sich: Weiß Fran­zis­kus, daß er ein Akt der for­ma­len Häre­si getan hat? Woll­te er das? Will er über­haupt Papst sein? Reicht sei­ne Per­sön­lich­keit zum Erfül­len des wohl schwie­rig­sten Amtes der Welt? Letz­te­re möch­te ich mit „Nein“ beant­wor­ten.

    • @C. Rhein: „von die­ser kann nicht gelöst wer­den, nicht ein­mal durch den Papst selbst“ — wie steht es dann mit Mt 16, 19?

    • Selbst­ver­ständ­lich kann man auch von der Sün­de der Abtrei­bung los­ge­spro­chen wer­den, was soll denn so ein Unsinn einer gegen­tei­li­gen Behaup­tung? Und wel­cher ernst­zu­neh­men­de, klas­si­sche Moral­theo­lo­ge setzt Abtrei­bung mit Apost­asie gleich, bit­te? Vor allem mit Ihrer, an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­nen Begrün­dung?

    • @C.Rhein
      Dass eine Abtrei­bung TROTZ spä­te­rer Reue, Beich­te und Buße qua­si unver­geb­bar sein soll und trotz­dem dau­er­haft für alle Zei­ten den Aus­schluss aus der kirch­li­chen Gemein­schaft zur Fol­ge haben soll, dar­in Fol­ge ich Ihnen nicht.
      Das ist unbarm­her­zig. So ist Gott nicht und das ist auch nicht biblisch begründ­bar.
      Den reui­gen und umkehr­wil­li­gen Sün­dern ver­gibt der Herr stets und aus­nahms­los; selbst dem eines wohl todes­stra­fen­wür­di­gen Ver­bre­chens am Kreuz süh­nen­den und ihn anru­fen­den Schä­cher ver­gibt er und sagt ihm sogar noch am glei­chen Tage Gemein­schaft mit ihm zusam­men im Para­dies zu.

  5. Wal­ter Kas­per ist der theo­lo­gi­sche Pro­mo­tor von AL wie damals bei den „ober­rhei­ni­schen“ Bischö­fen. Er hat sei­nen dama­li­gen Kol­le­gen und der Öffent­lich­keit geschickt sug­ge­riert, das WvG das größ­te Pro­blem der Kir­che sei­en, was vor der Syn­ode von Bischof Koch noch­mals wie­der­holt wur­de. Dafür muss­te also auf Bie­gen und Bre­chen die Leh­re der Kir­che gebro­chen wer­den. Das Ergeb­nis: größ­te Kon­fu­si­on und Ver­un­si­che­rung unter den Gläu­bi­gen, höchst berech­tig­te Dubia bei Theo­lo­gen und im Epi­sko­pat. Und — der behaup­te­te Ansturm der WvG in die Kir­chen ist kom­plett aus­ge­blie­ben.
    Ich bin davon über­zeugt, dass Fran­zis­kus weiß, dass AL bzw. die Fuß­no­te gegen die Leh­re der Kir­che ist. Aber es ist wohl der Preis, den er dem Team Ber­go­glio, zu dem Kas­per maß­geb­lich gehör­te, bezah­len muss.

  6. Ich für mei­nen Teil hal­te es in alle Fra­gen so:
    Was wür­de Jesus getan oser gesagt haben?
    Ich den­ke das wür­de unse­ren Kir­chen­füh­rern auch gut zu Gesicht ste­hen.
    Des­wei­te­ren bin ich der Mei­nung dass Jesus die Ent­schei­dung zu wem er in der Eucha­ri­stie kommt und zu wem nicht gut selbst tref­fen kann.
    Wir soll­ten Ihn dabei unter­stüt­zen den Men­schen anlei­tung und Hil­fe zu geben.
    Wir soll­ten nicht auf ihren Feh­lern her­um­rei­ten, son­dern dabei hel­fen nicht wei­te­re zu machen.
    Gott mit euch.

    • @Michael.Schön gesagt.Doch,in dieser,so schwe­rern Zeit,wo es um kla­res „Ja“ oder „Nein“,geht,blieb ich bereits bei Ihrem erstem Satz(den ich vor Kur­zem auch gesagt hätte),stehen. ‚Was wür­de Jesus getan,oder gesagt Haben?„Plötzlich ist die Ant­wort :Jesus hat Alles gesagt und getan ‚wie es der Wil­le des Vaters war,Er sag­te Alles und es wur­de nie­der­ge­schrie­ben und überliefert.Dies ist endgültig.Daraus möge unser Leben und Han­deln ausgehen.Jesus „hätte„vielleicht eine ande­re Kleidung,aber es gibt den Mes­si­as Jesu nur ein­mal nicht abhän­gig von der Zeit und Mode .Man­che Reli­gi­on steht stark an Hand­lungs­an­wei­sun­gen Tabu-Worten,…da wird gesteingt,sei es,die Stei­ne impor­tie­ren zu müs­sen oder wird gemordert,wegen poli­tisch unkor­rek­tem Wort.…..

      • Ich woll­te eigent­lich sagen dass wir all­zu oft ver­sucht sind Gott für unfä­hig zu hal­ten.
        Es wur­den ton­nen­wei­se Bücher geschrie­ben über die Fra­ge ob die Wand­lung auf dem Altar oder erst auf der Zun­ge statt­fin­det.
        Es wur­den ton­nen­wei­se Bücher geschrie­ben über die Fra­ge ob Jesus in der Eucha­ri­stie auch zu Sün­dern kommt.
        Es wur­den ton­nen­wei­se Bücher geschrie­ben über die Fra­ge ob ein Prie­ster der Selbst nicht glaubt die Wan­de­lung Voll­zie­hen kann.
        Rei­ne Zeit­ver­schwen­dung, Gott Voll­zieht die Wan­de­lung und er kommt zu dem, zu dem er kom­men will, nicht zu dem er kom­men darf.
        Jesus ist nicht für die Gerech­ten gekom­men son­dern für die Sün­der, und unse­re Auf­ga­be ist es den Sün­der in sei­ner Umkehr zu unter­stüt­zen und nicht zu Ver­ur­tei­len.
        Auch hal­te ich Abtrei­bung für eine Sün­de, aber des­halb Gott vor­zu­grei­fen und aus der Kir­che aus­zu­schlie­ßen fin­de ich ist nicht im sin­ne Jesu (die Letz­ten wer­den die Ersten sein und ein Hir­te freut sich mehr über ein wie­der­ge­fun­de­nes Schaf als über die 99 nicht ver­lo­ren gegan­ge­nen).
        Aber was wir tun kön­nen das soll­ten wir tun und zwar an der Wahl­ur­ne.
        „An Ihren Taten wer­det ihr sie erken­nen“, nicht an Ihren Ver­spre­chen (was vor der Wahl gilt, muss nicht des­halb auch nach der Wahl gel­ten).
        Die Taten der Alt­par­tei­en ken­nen wir zur Genü­ge. Steu­er­ge­schen­ke für Rei­che, Armut für die Unter­schicht, Gen­der­po­li­tik ohne das Volk zu fra­gen, EU-Ver­fas­sung geschei­tert! als Lis­sa­bon­ner Ver­trä­ge ohne das Volk beschlos­sen!.
        Wer braucht schon das Volk wenn er mal gewählt ist.
        Wenn wir die Christ­li­chen Wer­te nicht offen­si­ve ver­tei­di­gen wer­den die Abge­schafft und dann wird Abtrei­bung von den Kran­ken­kas­sen­be­zahlt (Kin­der sind bei uns eine Krank­heit).
        Ich bin auch mit schuld, hab mich zu lan­ge von den Medi­en ein­lul­len und belü­gen las­sen.
        Heu­te frag ich mich immer ist das wirk­lich dei­ne Mei­nung oder hat man mir die so gemacht?
        Dan­ke
        Gott mit euch.

  7. Miss­brauchs­skan­dal und Wil­liam­son-Affä­re gaben seit dem Früh­jahr 2010 den oben genann­ten moder­ni­sti­schen Krei­sen die lan­ge erhoff­ten Impul­se, ihre Reformideo­lo­gien zu rea­li­sie­ren. Das ver­ab­schie­de­te Pro­gramm der Ful­da­er Dia­log­of­fen­si­ve muss­te nun auch men­tal vor­be­rei­tet wer­den.
    In einem Vor­trag zum Auf­takt der Diö­ze­san­ver­samm­lung am 8. Okto­ber 2010 in Mainz (www.kath.net/news/28457) rief Kar­di­nal Leh­mann zu einem „neu­en Mut zum Kir­che­sein“ auf und bekun­de­te sei­ne per­sön­li­che Betrof­fen­heit über den Zustand der Kir­che:
    „Ein Grund für Trau­rig­keit und Fru­stra­ti­on an der Kir­che ist, dass es so wenig blei­ben­de und tief­grei­fen­de Kir­chen­re­form gibt.…Eine sol­che ist frei­lich nur mög­lich, wenn sie bestän­dig und gegen alle Schwie­rig­kei­ten aus spi­ri­tu­el­len Wur­zeln genährt wird.…..Wer nicht aus dem Quell­grund des Glau­bens lebt, wirft die Flin­te in das Korn, wenn die ersten Schwie­rig­kei­ten auftauchen.….Jeder, der in der Nach­fol­ge des Herrn steht und schmerz­lich die Wirk­lich­keit der Kir­che erfährt, kennt die­se Zer­reiß­pro­be; an ihr ist nicht vor­bei­zu­kom­men. Dar­um gibt es bei aller Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der Kir­che die­se Ele­men­te schmerz­li­chen Zer­ris­sen­seins und der Nicht-Identität.…..Wer nicht bereit ist, die­sen Grund­kon­flikt des Glau­bens aus­zu­tra­gen, beweist am Ende nur, dass er die run­de Iden­ti­tät sei­nes Ichs wich­ti­ger nimmt als die ihm bestimm­te Sen­dung. Man flieht vor der Gefähr­lich­keit, sich scho­nungs­los und ohne Weh­lei­dig­keit aus­zu­set­zen, wie dies zum kirch­li­chen Auf­trag gehört. Denn nur auf die­sem Weg des Lei­dens und des Kreu­zes lässt sich das auch in der Kir­che ver­dräng­te oder ent­stell­te Evan­ge­li­um wie­der ein­brin­gen.“ Das sind Spit­zen gegen Rom. Der selbst­ver­ur­sach­te Glau­bens­schwund wird in aller Öffent­lich­keit und Offen­heit gegen das eige­ne römisch-katho­li­sche Lehr­amt instru­men­ta­li­siert, als wäre Rom schuld an der Glau­bens­kri­se im „Westen“. Im Inne­ren sind die Wor­te des Kar­di­nals an alle gerich­tet, wel­che die Rich­tig­keit der Dia­log­zie­le und des Dia­log­pro­zes­ses bezwei­feln und nicht erken­nen wol­len, dass durch orts­kirch­li­che Dia­log­mehr­hei­ten die gesteck­ten Zie­le gegen Rom durch­setz­bar sind. Und wer die Rich­tig­keit der Wor­te und des Weges nicht erkennt, wird aus­ge­grenzt.
    Der Kom­men­ta­tor new­tu­be berich­te­te am 21.9. 2010 auf kath.net von einem Gespräch mit Kiech­le SJ. Als in des­sen Ver­lauf „der Name Bischof Mül­ler fiel, wisch­te Herr Kirch­le das Gan­ze vom Tisch und sag­te, Bischof Mül­ler sei bekannt­lich psy­chisch krank, ein Out­si­der in der Bischofs­kon­fe­renz, nie­mand näh­me ihn dort ernst“. Das zwei­te The­ma sei die Ein­stel­lung der Jesui­ten zum Papst gewe­sen: „Ich frag­te Herrn Kiech­le, war­um die Jesui­ten den Papst nicht unter­stütz­ten und sei­nen Wei­sun­gen gehorch­ten, anstatt ihn stän­dig zu kri­ti­sie­ren. Zuerst zeig­te Herr Kiech­le Unver­ständ­nis für mei­ne Fra­ge. Dann ant­wor­te­te er süf­fi­sant: Wis­sen Sie, es ist ein Werk der Lie­be, jemand gegen sich selbst zu schüt­zen.“ Damit hat­te sich der Jesui­ten­pro­vin­zi­al im Hin­blick auf das Jahr 2013 posi­tio­niert. Die jesui­ti­sche Krank­heits­keu­le, die schon im Früh­jahr 2010 Bischof Mixa nie­der­ge­streckt hat­te, war dem­nach auch Bischof Mül­ler zuge­dacht, denn der Regens­bur­ger Bischof stand der Dia­log­in­itia­ti­ve der DBK ein­deu­tig ableh­nend gegen­über. Daher hat­te er demon­stra­tiv an der besag­ten Herbst­kon­fe­renz in Ful­da, auf der EB Zollitsch den Dia­log­pro­zess am 24. Sep­tem­ber ein­ge­lei­tet hat­te, nicht per­sön­lich teil­ge­nom­men. Viel­mehr hat er sich im Tages­post-Inter­view vom 29. Sep­tem­ber 2010, unmit­tel­bar nach der Kon­fe­renz deut­lich von deren Reform­an­sät­zen distan­ziert: „Wenn wir uns als eine Wohl­fühl­or­ga­ni­sa­ti­on mit mysti­schem Hin­ter­grund­ge­rau­ne anbie­dern, der die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz und der Ein­klang mit einem mate­ria­li­sti­schen Zeit­geist die ober­ste Maxi­me ist, dann haben wir Chri­stus ver­ra­ten. Unser Dia­log ist kein Nach­ge­ben gegen­über dem Druck der Stra­ße, die sich blas­phe­misch für die Basis der Kir­che aus­gibt. Das Fun­da­ment der Kir­che ist Chri­stus und nicht die Wan­der­dü­ne wech­seln­der Mei­nun­gen. … Den Geist, der alles neu macht, erwar­tet die Kir­che von oben und nicht von unten. Erneue­rung der Kir­che im Hei­li­gen Geist kommt aus dem was Gott will und nicht aus dem, was Men­schen wol­len (Mt 16, 23)“. Auch Bischof Hanke, Eich­stätt, bezog sich offen­sicht­lich auf die Ful­da­er „Dia­log­in­itia­ti­ve“, als er in einer Anspra­che vom 7. Novem­ber 2010 sei­ne Zwei­fel anmel­de­te: „Reform muss immer vom Zen­trum, vom Ziel her aus­ge­hen. Des­halb muss jede kirch­li­che Reform vom Altar aus­ge­hen, von der Gegen­wart Chri­sti.“
    Das war und ist offen­sicht­lich nicht der Fall, wenn man vom Aus­gangs­punkt St.Gallen 2005 aus­geht.

  8. Pasto­ral ist den Men­schen näher als der Herr­schafts­streit der Dog­ma­ti­ker. Eine Ehe kann schei­tern, wie auch ein Zöli­bat. Soll man im Schei­tern die Men­schen bestra­fen oder sie in der Not wie ein Sama­ri­ter ret­ten? Ret­ten durch Lie­be, nicht durch Dog­ma und Herr­schaft und Bestra­fung und Recht­ha­be­rei und Akte der Unter­wer­fung . Die­ses feu­da­le „Unter­wer­fen“ ist mir ein Ärger­nis. Das war kei­ne „gute, alte Zeit“, das war furcht­bar!. Der Dis­put der Theo­lo­gen, wie oben sicht­bar, irri­tiert gewal­tig. Ein Sturm im Elfen­bein­turm. Völ­lig abge­ho­ben und auti­stisch wir­kend für nor­ma­le Chri­sten. So ver­liert man die Mit­glie­der der Kir­che. Durch den intel­lek­tu­el­len Eitel­keits­krieg von Kir­chen­für­sten und Theo­lo­gen lenkt man ab vom Kir­chen­volk und deren Fra­gen und Pro­ble­men. Es gibt wun­der­ba­re , ver­trau­ens­wür­di­ge Theo­lo­gen und Prie­ster, ich habe sie oft erlebt, lei­der gibt es aber in die­sem Beruf, wie in allen ande­ren Beru­fen auch, Betrü­ger, Heuch­ler, Lügner,eitle Gecken., Intriganten.Leider gibt es in der Kir­chen­struk­tur vie­le Intri­gen und Intri­gan­ten. Gott kann nicht über­all sein. Nor­ma­le Men­schen sind sie also, kei­ne garan­tier­te Hei­li­ge, nur weil sie den Prie­ster­rock tra­gen. Mehr Demut, viel­leicht eini­ge Dosen Kant und Pop­per, jeden­falls kei­ne theo­lo­gi­sche Über­heb­lich­keit im Namen Got­tes, als hät­te er ihre Tex­te redigiert..Der hohe Kle­rus ist zu oft nur in sei­nem Hof­pro­to­koll ver­haf­tet, ver­liert den Zugang zur Rea­li­tät und zum Kir­chen­volk. Die­ses Volk ist kein Unter­tan wie zu Zei­ten der abso­lu­ti­sti­schen Für­sten, zu denen auch die Fürst­erz­bi­schö­fe gehör­ten. Die soll­te es heu­te aber nicht mehr geben, auch nicht men­tal. Papst Bene­dikt ist ein bedeu­ten­der theo­lo­gi­scher Wis­sen­schaft­ler, den die Span­nung von Wis­sen­schaft und Glau­be beschäf­tigt hat­te. Das hat mich immer beein­druckt. Fran­zis­kus ist wie vie­le Latein­ame­ri­ka­ner zunächst Pastor, der die Not der Men­schen wahr­nimmt, weni­ger die Not der Theo­re­ti­ker des theo­lo­gi­schen Deu­tens. Kein Papst kann allen alles recht machen, und das welt­weit, selbst in Hin­blick auf die Wahr­heit ist er nicht immer feh­ler­frei, wie die Geschich­te der Wis­sen­schaft und die der Kir­che , zum Teil sogar pein­lich , zeigt. Als Katho­lik in einem Alter, wäre ich Kar­di­nal, könn­te ich den Papst nicht mehr wäh­len, kann ich die strei­ten­den Her­ren, um die­se Gen­der­grup­pe geht es ja hier, nur bit­ten, mehr an das Volk als an sich zu den­ken und die Tugend der Beschei­den­heit und Acht­sam­keit zu üben. Letz­ter Pfeil: Wenn immer weni­ger Men­schen ( Män­ner) Prie­ster wer­den wol­len, damit auch der Pool für Eli­ten­re­kru­tie­rung immer schma­ler wird, soll­ten die Kir­chen­ma­na­ger sich Gedan­ken machen, wie sie so attrak­tiv wer­den, dass nicht nur das Kir­chen­volk nicht mehr abwan­dert, son­dern dass Talen­te in die Kir­che ein­wan­dern, um als Prie­ster Hir­ten zu wer­den. Der Prie­ster­man­gel ist das dra­ma­ti­sche Sym­ptom einer Kri­se.
    Ich hal­te nichts von einer Kir­che, die sich anbie­dert und sich modisch gibt, die aus Mar­ke­ting­grün­den Wer­te und Prin­zi­pi­en ver­rät. Die Men­schen suchen in der Kir­che Sicher­heit und Hil­fe und Ori­en­tie­rung und Schutz vor Lebens-und Todes­äng­sten und Ritua­le als Fest der Gemein­schaft, des Lebens und Über­le­bens. Sie suchen nicht die Herrsch­sucht von alten Her­ren. Aber auch nicht den Streit der Dog­ma­ti­ker, bei dem es nicht immer um das Rin­gen um Erkennt­nis geht, son­dern gele­gent­lich um inner­welt­li­che Macht­kämp­fe. Für die Men­schen ist ihr eige­nes Leben und das ihrer Fami­li­en die Basis. Dabei ist Reli­gi­on und ist Kir­che eine wich­ti­ge In-und Umwelt. Die Auto­ri­tät der Kir­che ist nicht ihre Macht, son­dern ihre Fähig­keit, unter den Men­schen Lie­be , Soli­da­ri­tät und Frie­den zu ermu­ti­gen und zu stär­ken. Den Rest kön­nen wir alle Gott über­las­sen. Im Ver­hält­nis zu ihm sind alle Päp­ste, erst recht die Kardinäle,Hilfspersonal. Wenn ich manch­mal an Gott zweif­le, liegt das nicht nur an mir, son­dern auch an die­sem Hils­per­so­nal.

  9. Die Fra­ge lau­tet eben auch, wie geht es nun wei­ter? Ist die Dubia der 4 Hel­den­haf­ten Kar­di­nä­le im Grun­de genom­men nur rei­ne Zeit­ver­schwen­dung gewe­sen?? Den der Papst kann ja nicht gezwun­gen wer­den auf die­se zu ant­wor­ten. Also für mich (und ver­mut­lich nicht nur für mich) wäre es schon inter­es­sant zu Wis­sen, was geden­ken sei­ne Emi­nenz Ray­mond Kar­di­nal Bur­ke der ja ein erfah­re­ner Rich­ter des ober­sten vati­ka­ni­schen Gerichts­ho­fes gewe­sen ist, und die ande­ren Kar­di­nä­le als näch­stes zu tun? Ist die Dubia der Beginn aber auch das Ende eines kur­zen katho­li­sches Stroh­feu­ers?

    • Man müss­te eine Unter­schrif­ten­samm­lung von allen Katho­li­ken, die eine kla­re Ant­wort von P.F. erwar­ten, orga­ni­sie­ren; oder auch eine Liste derer, die eine Auf­wei­chung der kath. Leh­re bezüg­lich des Ehe­sa­kra­men­tes völ­lig ableh­nen. Viel­leicht könn­ten Sie das @ Tho­mas in die Hand neh­men?

  10. Herr Kar­di­nal Mül­ler spricht Klar­text, aber ob auch im Namen von Papst Fran­zis­kus? Kar­di­nal Mül­ler will sicher­lich die Kir­che vor einer Spal­tung bewah­ren und hat fast die Qua­dra­tur des Krei­se ver­sucht.
    Sei­ne Ant­wor­ten kön­nen wohl auch so ver­stan­den wer­den, daß er die 4 Kar­di­nä­le soz. ermahnt, nicht wei­ter zu insi­stie­ren. Aber wie lan­ge wird ein Burg­frie­de hal­ten?
    Der Papst ist nach wie vor der Garant der Ein­heit, egal, wie man sei­ne Wor­te, Hand­lun­gen und Qua­li­tä­ten ein­schätzt.
    Nach mei­ner klei­nen Ein­schät­zung will Kar­di­nal Mül­ler einen Zusam­men­stoß ver­mei­den, der mög­li­cher­wei­se zu Lasten der 4 Kar­di­nä­le aus­ge­legt wer­den könn­te.

  11. De fac­to ist die Kir­che gespal­ten, dar­an führt kein Weg vor­bei.
    Das Sagen und die welt­li­che Auto­ri­tät haben nun die Fein­de der Väter. Die Fein­de der zwei­tau­send­jäh­ri­gen Geschich­te der Kir­che. Gäbe es nicht unter den gehor­sa­men Gläu­bi­gen eine der­art aus­ge­präg­te, und bei­na­he unan­stän­di­ge Auto­ri­täts­hö­rig­keit, (in unzeit­ge­mä­sser Aus­prä­gung) wäre die­se Spal­tung inzwi­schen auch de jure. Die Idee, die Postu­lie­rung des Gegen­teils der Leh­ren von Gestern als „Ent­wick­lung und Fort­schritt“ zu ver­kau­fen, die man den Auto­ri­tä­ten, „die vor­an­schrei­ten“, als gehor­sa­mer Katho­lik zuzu­ge­ste­hen und mit­zu­tra­gen habe, ist so absurd wie nur irgend­was.
    Mir wird immer kla­rer, daß die heu­ti­gen Auto­riä­ten von den tat­säch­li­chen Auto­ri­tä­ten der 2000jährigen Kir­che mar­gi­na­li­siert oder sogar exkom­mu­ni­ziert wor­den wären.

  12. Das Ernüch­tern­de und Nie­der­schmet­tern­de ist, daß wir Heu­te soweit sind sagen zu müs­sen: Man kann der­ar­ti­gen Auto­ri­tä­ten in ihren Leh­ren (!) nicht (mehr) fol­gen, ohne sein eige­nes Heil zu gefähr­den…

    • Ich gebe dir Recht ich fol­ge seit lan­gem nur der Bibel und vor­ran­gig dem Neu­en Testa­ment.
      Auf Jesus kann man sich halt ver­las­sen, bei den Men­schen ist man halt man­schmal ver­las­sen.

    • So neu ist das glück­li­cher­wei­se auch nicht, denk an die Pha­ri­sä­er und die dama­li­ge Prie­ster­klas­se zu Zei­ten Jesu. Damals gab es zwar kei­nen Papst, aber zumin­dest Prie­ster, die viel Ein­fluss hat­ten, sowohl moralisch/theologisch als auch finan­zi­ell. Sie konn­ten z.B. unge­traft „die Häu­ser der Wit­wen“ fres­sen und „zum Schein lan­ge Gebe­te“ ver­rich­ten.
      Jesus schrieb, dass die­se den Schlüs­sel für das Him­mel­reich weg­ge­nom­men haben.
      Es ist abso­lut fürch­ter­lich was heu­te pas­siert, aber nichts, was es in Grunszü­gen (die Aus­prä­gun­gen heu­te sind wahr­haf­tig end­zeit­lich) nicht schon lan­ge gege­ben hät­te!

  13. Man­sche Füh­rer sind lei­der Ver­füh­rer.
    Wie soll­ten wir auch erwar­ten dass der Teu­fel nicht auch in der Kir­che sei­ne Opfer sucht und lei­der auch fin­det.
    Aber wie schon mei­ne Mut­ter vor fast 50 Jah­ren zu mir sag­te, „Der Unglau­be und die Unta­ten der Kir­che sol­len dich nicht dar­an hin­dern Gott zu suchen, wer die Wahr­heit sucht wird sie in der Bibel fin­den. Über­lass das Gericht Gott.“
    Viel­eicht soll­ten wir ein­fach für unser Kir­chen­füh­rer beten dass Gott sie füh­ren möge und in sei­ner wahr­heit erhal­ten möge.
    Was Bes­se­res fällt mir dazu nicht ein.

  14. Klar ist, daß Car­di­nal Mül­ler nur des­halb im Amt des Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ist, um auf der einen Sei­te die Kon­ser­va­ti­ven zu besänf­ti­gen, und um auf der ande­ren Sei­te die „neu­en Leh­ren“ zu gut­ie­ren und mit­zu­tra­gen. Man fragt sich, wel­che Recht­fer­ti­gung sie für ehe­ma­li­ge Bischö­fe und Prie­ster und Gläu­bi­ge haben, die dezi­diert an der Unauf­lös­lich­keit der Ehe fest­ge­hal­ten haben, und das unter gro­ßen per­sön­li­chen Opfern auch durch­ge­tra­gen haben. Wisch und weg…?

  15. Mit dem „neu­en Weg“ wer­den sie impli­zit ins Unrecht gesetzt, und im Nach­hin­ein als letzt­lich mora­lisch unbarm­her­zig hingestellt.…und mit ihr, die gesam­te alte Kir­che, obwohl sie Nichts ande­res taten, als loy­al und treu der Leh­re Jesu Chri­sti zu sein. Nun wer­den sie impli­zit ver­ur­teilt, weil sie nicht han­del­ten wie die Pha­ri­sä­er mit ihrem Scheid­brief.…
    Je mehr der­ar­ti­ge Büch­sen der Pan­do­ra geöff­net wer­den, desto deso­la­ter wird es um die Glaub­wür­dig­keit der Kir­che selbst.

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