Pakistan macht elf christliche Fernsehsender dicht

Catholic TV Pakistan wurde von der Medienaufsichtsbehörde geschlossen, weil "illegal"
Catholic TV Pakistan wurde von der Medienaufsichtsbehörde geschlossen, weil "illegal"

(Islam­abad) Die paki­sta­ni­sche Medi­en­auf­sichts­be­hör­de Paki­stan Media Regu­la­to­ry Aut­ho­ri­ty (Pem­ra) ord­ne­te die Schlie­ßung von elf christ­li­chen Fern­seh­sen­dern an, weil sie „ille­gal“ sind.

Pem­ra for­der­te die Geschäfts­füh­run­gen der Sen­der auf, den Sen­de­be­trieb unver­züg­lich ein­zu­stel­len, weil sie „ohne gül­ti­ge Lizenz“ sen­den.

Der Direk­tor von Catho­lic TV sag­te dazu: „Wir betrei­ben kei­nen Pro­se­ly­tis­mus. Wir sen­den für unse­re christ­li­che Gemein­schaft. Wir soll­ten daher nicht als Bedro­hung gese­hen wer­den. Vie­le isla­mi­sche Sen­der sen­den ohne Lizenz.“

Christ­li­che Ver­tre­ter leg­ten Pro­test gegen die Schlie­ßung der elf christ­li­chen TV-Sen­der ein. Zu den mit Sank­tio­nen beleg­ten Sen­dern gehört auch Catho­lic TV, der Fern­seh­sen­der des katho­li­schen Erz­bis­tums von Laho­re. Pro­gramm­di­rek­tor ist der Prie­ster Mor­ris Jalal. Er bestä­tig­te Asia­News, daß die Medi­en­auf­sichts­be­hör­de syste­ma­tisch gegen christ­li­che Sen­der vor­geht. Ein Sen­de­be­trieb ohne Lizenz ist in Paki­stan eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. „Vie­le isla­mi­sche Sen­der sen­den ohne Lizenz“, sagt Mor­ris Jalal. Dafür „gibt es Grün­de“, die mit der Ver­wal­tung und dem Kli­ma in Paki­stan zu tun haben. „Da auch wir Bür­ger die­ses Lan­des sind, erwar­ten wir uns die glei­che Behand­lung.“ Mit ande­ren Wor­ten: Ent­we­der wer­den alle Sen­der ohne Lizenz geschlos­sen, oder alle dür­fen wei­ter­sen­den. Letz­te­res wünscht sich der Direk­tor von Catho­lic TV, schließ­lich scha­de man nie­man­dem.

Was sind die „Grün­de“, von denen der katho­li­sche Prie­ster spricht? Lizen­z­an­su­chen von christ­li­chen Sen­dern wer­den von den staat­li­chen Behör­den kate­go­risch abge­lehnt. Den Chri­sten wird im paki­sta­ni­schen Staats­fern­se­hen zu den Hoch­fe­sten Ostern und Weih­nach­ten eine hal­be Stun­de Sen­de­zeit ein­ge­räumt. Damit sol­len sie sich zufrie­den­ge­ben. Wäh­rend sich die­se Ableh­nung grund­sätz­lich gegen das Chri­sten­tum rich­tet, wird isla­mi­schen Sen­dern die Lizenz auf­grund von inne­r­is­la­mi­schen Rich­tungs­kämp­fen ver­wei­gert. Die Regie­rung ver­sucht isla­mi­sti­sche Strö­mun­gen zurück­zu­drän­gen.

Catho­lic TV ent­stand 2009 aus ganz beschei­den­sten Ver­hält­nis­sen. Gesen­det wird von der Pfarr­kir­che und dem Pfarr­haus der St. Fran­cis Parish von Laho­re. Die Ver­brei­tung des Pro­gramms erfolgt über einen loka­len Kabel­be­trei­ber. In die­sem Ein­zugs­ge­biet leben rund 8.000 katho­li­sche Fami­lie, so Mor­ris Jalal. „Für unser Fami­li­en sen­den wir.“ Der Sen­der zählt elf Mit­ar­bei­ter. Die Per­so­nal­ko­sten belau­fen sich auf kei­ne 700 Dol­lar im Monat, die unter den Pfarr­an­ge­hö­ri­gen gesam­melt wer­den. Geld von außer­halb erhal­te man kei­nes, so  Pfar­rer Jalal. Der Kabel­be­trei­ber wur­de nun auf­ge­for­dert, den Sen­der aus sei­nem Ange­bot zu ent­fer­nen.

Der Direk­tor des pro­te­stan­ti­schen Sen­ders Isaac TV, Saleem Iqbal, sieht es gelas­se­ner. Isaac TV sen­det seit 2006 das erste christ­li­che 24-Stun­den-Satel­li­ten­pro­gramm für Paki­stan. Gesen­det wird aus Hong Kong. Die Ver­brei­tung erfolgt auch über Satel­lit und Inter­net. Der Sen­der ist daher nicht auf Kabel­emp­fang ange­wie­sen: „Sehen wir den Din­gen in die Augen: Wir haben kei­ne Lizenz. Wir kön­nen daher nichts ande­res tun, als die Men­schen auf­zu­for­dern, uns über Satel­lit oder Online zu fol­gen. Wenn man uns auch aus dem Kabel­netz wirft, wird man uns damit nicht auf­hal­ten.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Catho­lic TV (Screen­shot)

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