Erzbischof Cupich in Rom — Bischofsernennungen in den USA

Erzbischof Blase Cupich mit Papst Franziskus
Erzbischof Blase Cupich mit Papst Franziskus

(Washing­ton) Im ver­gan­ge­nen Juli wur­de Erz­bi­schof Bla­se Cup­ich von Chi­ca­go von Papst Fran­zis­kus zum Mit­glied der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe ernannt. Wie der Chi­ca­go-Able­ger von NBC berich­te­te, befin­det sich Erz­bi­schof Cup­ich in die­ser Woche in Rom. NBC beruft sich dabei auf nicht näher benann­te „vati­ka­ni­sche Quel­len“. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Rund­funk­sen­der mel­de­te zudem, daß die Rom-Rei­se nicht im offi­zi­el­len Ter­min­ka­len­der des Erz­bi­schofs auf­scheint, der vom Erz­bis­tum Chi­ca­go lau­fend ver­öf­fent­licht wird.

Wie NBC erin­nert, ist Cup­ich der erste US-Bischof, der von Papst Fran­zis­kus ernannt Bischof. Sei­ne Ernen­nung als Nach­fol­ger von Fran­cis Kar­di­nal Geor­ge schlug im Sep­tem­ber 2014 wie eine Bom­be ein. Cup­ich, bis dahin Bischof der klei­nen Diö­ze­se Spo­ka­ne im Staat Washing­ton, gilt als pro­gres­si­ver Außen­sei­ter in der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Sei­ne Beru­fung auf einen der rang­höch­sten Bischofs­stüh­le der USA, der tra­di­tio­nell mit der Kar­di­nal­s­wür­de ver­bun­den ist, wur­de als ein deut­li­ches Signal von Papst Fran­zis­kus an die US-Bischö­fe gedeu­tet, sich an den „neu­en Kurs“ anzu­pas­sen. Sie ließ zudem den päpst­li­chen Wil­len erken­nen, durch Ernen­nun­gen tief­grei­fen­de Umbau­ten in der Kir­che durch­füh­ren zu wol­len.

Cup­ichs Abnei­gung gegen den über­lie­fer­ten Ritus ist noto­risch. Als Bischof von Spo­ka­ne stell­te er sich gegen sein eige­nes Prie­ster­se­mi­nar und unter­sag­te sei­nen Semi­na­ri­sten, vor den Schlacht­hö­fen des Abtrei­bungs­kon­zerns Plan­ned Par­ten­t­hood, in denen mas­sen­wei­se unge­bo­re­ne Kin­der getö­tet wer­den, für ein Ende der Abtrei­bung zu beten.

Unter Johan­nes Paul II., noch kon­se­quen­ter unter Bene­dikt XVI., war es gelun­gen den US-Epi­sko­pat aus einer pro­gres­si­ven Ecke, in der er sich in den 70er und 80er Jah­ren befand, her­aus­zu­füh­ren und zu stär­ken. Eine Erneue­rung, die – wie Beob­ach­ter mei­nen – nur von kur­zer Dau­er sein könn­te.

Paradigmenwechsel: vom traditionsverbundenen Kardinal Burke zum progressiven Erzbischof Cupich

Dar­auf deu­tet die Ent­fer­nung von Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke aus der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on und die Beru­fung von Erz­bi­schof Cup­ich in die Bischofs­kon­gre­ga­ti­on hin. Unter Papst Bene­dikt XVI. hat­te Kar­di­nal Bur­ke maß­geb­li­chen Ein­fluß auf die Bischofs­er­nen­nun­gen in den USA. Hiel­ten sich unter Johan­nes Paul II. schlech­te und gute Bischofs­er­nen­nun­gen die Waa­ge, nahm Bene­dikt XVI. fast aus­nahms­los gute Neu­er­nen­nun­gen vor, wie der Ratz­in­ger-Schü­ler Pater Joseph Fes­sio (Igna­ti­us Press) beton­te.

Kar­di­nal Bur­ke gehör­te zu den ersten Opfern päpst­li­cher Säu­be­run­gen unter Fran­zis­kus. Sei­ne sofor­ti­ge Ent­fer­nung aus der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on deu­te­te an, daß mit der Wahl von Papst Fran­zis­kus eine kla­re Agen­da ver­bun­den gewe­sen sein könn­te, bestimm­te per­so­nel­le Umbe­set­zun­gen vor­zu­neh­men und zum Teil auch Ver­gel­tung zu üben wie im Fal­le des Erz­bi­schofs­stuhls von Mecheln-Brüs­sel in Bel­gi­en.

Die Ent­fer­nung von Kar­di­nal Bur­ke rich­te­te sich offen­kun­dig gegen sei­nen Ein­fluß auf die Bischofs­er­nen­nun­gen in den USA. Der Kir­che in den USA (wie jener in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land) kommt auf­grund ihres hohen Orga­ni­sa­ti­ons­gra­des und ihrer Finan­zen, aber auch des poli­ti­schen Gewichts des Lan­des eine über­durch­schnitt­li­che Bedeu­tung zu, weil damit Mög­lich­kei­ten der Ein­fluß­nah­me auf die Kir­chen ande­rer Län­der vor­han­den sind.

Statt dem tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Kar­di­nal Bur­ke sitzt nun der pro­gres­si­ve Außen­sei­ter Erz­bi­schof Cup­ich in der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on in Rom, wel­che die Bischofs­er­nen­nun­gen für den Papst vor­be­rei­tet — soweit sich die­ser dar­an ori­en­tiert. Papst Fran­zis­kus nahm bereits mehr­fach, an der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on, Bischofs­er­nen­nun­gen im Allein­gang vor und sucht dabei „nach den pro­gres­siv­sten Kan­di­da­ten“. Dazu gehört auch die Ernen­nung von Bla­se Cup­ich zum Erz­bi­schof von Chi­ca­go.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: One­Pe­ter­Fi­ve

2 Kommentare

  1. Zuge­ge­ben, mein Kom­men­tar hat nichts mit dem Inhalt des Bei­tra­ges, son­dern mit dem Foto zu tun.
    Es war nur das sich ein­stel­len­de Gefühl beim Betrach­ten des­sel­ben und Gefüh­le allein soll­ten nicht unser Den­ken bestim­men.
    Natür­lich, war­um soll­te ein Papst nicht auch lachen dür­fen? Es ist eher die Art, wie er es tut.
    Aber viel­leicht bin ich auch nur eine mie­se­pe­tri­ge Per­son und völ­lig humor­los, die ihm kein Lachen gönnt.
    Die­ses Lachen ‑ver­mut­lich laut und sicht­lich unbän­dig- passt zu Papst Fran­zis­kus, Zurück­hal­tung scheint nicht sei­ne Stär­ke zu sein.
    „Aber wer bin ich“, um zu urtei­len?

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