Bischof Olmsted von Phoenix: „Keine Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zur Kommunion“

In einem Aufsatz über Amoris laetitia bekräftigte Bischof Olmsted von Phoenix, daß wiederverheirtet Geschiedene nicht zu den Sakramenten zugelassen sind, außer sie leben enthaltsam wie Bruder und Schwester
In einem Aufsatz über Amoris laetitia bekräftigte Bischof Olmsted von Phoenix, daß wiederverheirtet Geschiedene nicht zu den Sakramenten zugelassen sind, außer sie leben enthaltsam wie Bruder und Schwester

(Washing­ton) Msgr. Tho­mas Olm­sted, der Bischof von Phoe­nix im US-Bun­des­staat Ari­zo­na ver­öf­fent­lich­te im The Catho­lic Sun vom 18. Sep­tem­ber, der Kir­chen­zei­tung sei­nes Bis­tums, einen Auf­satz über das umstrit­te­ne ach­te Kapi­tel des nach­syn­oda­len Schrei­bens Amo­ris lae­ti­tia. Der Bischof bekräf­tig­te dar­in die Leh­re der Kir­che, daß wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne nicht zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen sind.

Da gera­de zur Fra­ge, die in den Mit­tel­punkt der Dop­pel-Syn­ode über die Fami­lie gestellt wur­de, die päpst­li­chen Aus­sa­gen zwei­deu­tig gehal­ten sind, ist jeder Bischof gezwun­gen – solan­ge kei­ne authen­ti­sche Klä­rung vor­liegt –, das ach­te Kapi­tel selbst zu inter­pre­tie­ren. Um eine Klä­rung wur­de Papst Fran­zis­kus von ver­schie­de­ner Sei­te gebe­ten. Heu­te ver­öf­fent­lich­ten 80 katho­li­sche Per­sön­lich­kei­ten ein Treue­be­kennt­nis zur unver­än­der­li­chen kirch­li­chen Leh­re zu Ehe und Fami­lie, das ein mah­nen­der Appell an Papst Fran­zis­kus ist. Die 80 Per­sön­lich­kei­ten haben mit ihren Bekennt­nis das getan, was eigent­lich Auf­ga­be des Pap­stes wäre, und alle Katho­li­ken auf­ge­for­dert, das Treue­be­kennt­nis zu unter­stüt­zen.

Die Bitt­stel­ler gehö­ren aus­nahms­los glau­bens­treu­en Kir­chen­krei­sen an. Der pro­gres­si­ve Teil der Kir­che scheint hin­ge­gen mit zwei­deu­ti­gen For­mu­lie­run­gen gut leben zu kön­nen. Sie erlau­ben unter­schied­li­che und sogar gegen­sätz­li­che Inter­pre­ta­tio­nen wie die Aus­le­gun­gen von Amo­ris lae­ti­tia in den ver­gan­ge­nen Mona­ten auf ver­wir­ren­de Wei­se bestä­tig­ten.

Bischof Olm­sted inter­pre­tiert die Inten­ti­on von Papst Fran­zis­kus im Licht der über­lie­fer­ten Leh­re und gelangt daher zum Schluß, daß die Zulas­sung der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen zur Kom­mu­ni­on weder mög­lich noch in Amo­ris lae­ti­tia ent­hal­ten ist.

Familiaris consortio

Der Bischof von Phoe­nix zitiert dazu den voll­stän­di­gen Abschnitt Nr. 84 des nach­syn­oda­len Schrei­bens Fami­lia­ris con­sor­tio von Papst Johan­nes Paul II. von 1981, der im Schluß­be­richt der Syn­ode und in Amo­ris lae­ti­tia nur ver­kürzt wie­der­ge­ge­ben wur­de und daher Anlaß zu Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen gibt. Johan­nes Paul II. hielt in Fami­lia­ris con­sor­tio, daß wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne nicht zu den Sakra­men­ten zuge­las­sen sind. Sie hät­ten den Stand der schwe­ren Sün­de durch Ehe­bruch zu ver­las­sen. Wenn dies aus schwer­wie­gen­den Grün­den nicht mög­lich sei, bei­spiels­wei­se weil aus der neu­en Ver­bin­dung Kin­der gebo­ren wur­den, hät­te das Paar wie Bru­der und Schwe­ster in völ­li­ger Ent­halt­sam­keit zusam­men­zu­le­ben. Genau das wird von pro­gres­si­ven Theo­lo­gen für „unmög­lich“, für „untrag­bar“, „rea­li­täts­fremd“ gehal­ten, aber von Bischof Olm­sted in sei­nem Auf­satz über die Aus­le­gung von Amo­ris lae­ti­tia bekräf­tigt.

Sacramentum caritatis

Olm­sted zitiert dazu das nach­syn­oda­le Schrei­ben Sacra­men­tum cari­ta­tis von Papst Bene­dikt XVI. an die Bischö­fe, den Kle­rus, die Per­so­nen des gott­ge­weih­ten Lebens und an die christ­gläu­bi­gen Lai­en über die Eucha­ri­stie Quel­le und Höhe­punkt von Leben und Sen­dung der Kir­che.

Bischof Olmsted (Phoenix, Arizona)
Bischof Olm­sted (Phoe­nix, Ari­zo­na)

Die zitier­te Para­graph 29 lau­tet im vol­lem Wort­laut:

„Wenn die Eucha­ri­stie die Unwi­der­ruf­lich­keit der Lie­be Got­tes in Chri­stus zu sei­ner Kir­che aus­drückt, wird ver­ständ­lich, war­um sie in Bezie­hung zum Sakra­ment der Ehe jene Unauf­lös­lich­keit ein­schließt, nach der sich jede wah­re Lie­be unwei­ger­lich sehnt. Dar­um ist die pasto­ra­le Auf­merk­sam­keit mehr als gerecht­fer­tigt, die die Syn­ode den schmerz­li­chen Situa­tio­nen gewid­met hat, in denen sich nicht weni­ge Gläu­bi­ge befin­den, die sich nach einer sakra­men­ta­len Trau­ung haben schei­den las­sen und eine neue Ver­bin­dung ein­ge­gan­gen sind. Es han­delt sich um ein dor­nen­rei­ches und kom­pli­zier­tes pasto­ra­les Pro­blem, eine wah­re Pla­ge des heu­ti­gen sozia­len Umfelds, die in zuneh­men­dem Maße auch auf katho­li­sche Krei­se über­greift. Die Hir­ten sind aus Lie­be zur Wahr­heit ver­pflich­tet, die ver­schie­de­nen Situa­tio­nen genau zu unter­schei­den, um den betrof­fe­nen Gläu­bi­gen in ange­mes­se­ner Wei­se geist­lich zu hel­fen. Die Bischofs­syn­ode hat die auf die Hei­li­ge Schrift (vgl. Mk 10,2–12) gegrün­de­te Pra­xis der Kir­che, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht zu den Sakra­men­ten zuzu­las­sen, bestä­tigt, weil ihr Sta­tus und ihre Lebens­la­ge objek­tiv jener Lie­bes­ver­ei­ni­gung zwi­schen Chri­stus und sei­ner Kir­che wider­spre­chen, die in der Eucha­ri­stie bedeu­tet und ver­wirk­licht wird. Die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen gehö­ren jedoch trotz ihrer Situa­ti­on wei­ter zur Kir­che, die ihnen mit spe­zi­el­ler Auf­merk­sam­keit nach­geht, in dem Wunsch, daß sie so weit als mög­lich einen christ­li­chen Lebens­stil pfle­gen durch die Teil­nah­me an der hei­li­gen Mes­se, wenn auch ohne Kom­mu­nion­emp­fang, das Hören des Wor­tes Got­tes, die eucha­ri­sti­sche Anbe­tung, das Gebet, die Teil­nah­me am Gemein­de­le­ben, das ver­trau­ens­vol­le Gespräch mit einem Prie­ster oder einem geist­li­chen Füh­rer, hin­ge­bungs­voll geüb­te Näch­sten­lie­be, Wer­ke der Buße und den Ein­satz in der Erzie­hung der Kin­der.

Wo berech­tig­te Zwei­fel an der Gül­tig­keit der sakra­men­tal geschlos­se­nen Ehe auf­kom­men, muß das Not­wen­di­ge unter­nom­men wer­den, um deren Fun­die­rung zu über­prü­fen. Sodann ist es nötig, unter vol­ler Beach­tung des kano­ni­schen Rechts das Vor­han­den­sein kirch­li­cher Gerich­te im jewei­li­gen Gebiet sowie ihren pasto­ra­len Cha­rak­ter und ihr kor­rek­tes und schnel­les Han­deln sicher­zu­stel­len. Für eine zügi­ge Arbeits­wei­se der kirch­li­chen Gerich­te bedarf es in jeder Diö­ze­se einer aus­rei­chen­den Anzahl ent­spre­chend aus­ge­bil­de­ter Per­so­nen. Ich erin­ne­re dar­an, daß es ‚eine drin­gen­de Pflicht ist, den Gläu­bi­gen das insti­tu­tio­nel­le Wir­ken der Kir­che in den Gerich­ten immer näher zu brin­gen.‘ Es ist jedoch unbe­dingt zu ver­mei­den, daß die pasto­ra­le Sor­ge als Gegen­po­si­ti­on zum Recht miß­deu­tet wird. Man soll­te viel­mehr von der Vor­aus­set­zung aus­ge­hen, daß der grund­le­gen­de Berüh­rungs­punkt zwi­schen Recht und Pasto­ral die Lie­be zur Wahr­heit ist: Die­se ist näm­lich nie­mals abstrakt, son­dern ‚fügt sich in den mensch­li­chen und christ­li­chen Weg jedes Gläu­bi­gen ein.‘ Wo schließ­lich die Ehe­nich­tig­keit nicht aner­kannt wird und objek­ti­ve Bedin­gun­gen gege­ben sind, die das Zusam­men­le­ben tat­säch­lich irrever­si­bel machen, ermu­tigt die Kir­che jene Gläu­bi­gen, ihre Bezie­hung ent­spre­chend den Anfor­de­run­gen des Geset­zes Got­tes als Freun­de, wie Bru­der und Schwe­ster, zu leben; so kön­nen sie – unter Berück­sich­ti­gung der bewähr­ten kirch­li­chen Pra­xis – wie­der am eucha­ri­sti­schen Mahl teil­neh­men. Damit ein sol­cher Weg mög­lich ist und frucht­bar wird, muß er durch die Hil­fe der Seel­sor­ger und durch geeig­ne­te kirch­li­che Initia­ti­ven unter­stützt wer­den, wobei in jedem Fall zu ver­mei­den ist, die­se Ver­bin­dun­gen zu seg­nen, damit unter den Gläu­bi­gen kei­ne Ver­wir­run­gen in bezug auf den Wert der Ehe auf­kom­men.

Ange­sichts der Viel­schich­tig­keit des kul­tu­rel­len Umfelds, in der die Kir­che in vie­len Län­dern lebt, hat die Syn­ode zudem emp­foh­len, in der Vor­be­rei­tung der Braut­leu­te und in der vor­aus­ge­hen­den Prü­fung ihrer Ansich­ten über die für die Gül­tig­keit des Ehe­sa­kra­ments unver­zicht­ba­ren Ver­pflich­tun­gen größ­te pasto­ra­le Sorg­falt wal­ten zu las­sen. Durch eine ernst­haf­te Klä­rung in die­sem Punkt kann ver­mie­den wer­den, daß emo­ti­ve Impul­se oder ober­fläch­li­che Grün­de die bei­den jun­gen Leu­te dazu füh­ren, Ver­ant­wor­tun­gen zu über­neh­men, denen sie dann nicht gerecht wer­den kön­nen. Das Gute, das die Kir­che und die gan­ze Gesell­schaft von der Ehe und der auf sie gegrün­de­ten Fami­lie erwar­ten, ist zu groß, um sich in die­sem spe­zi­fi­schen pasto­ra­len Bereich nicht bis zum Grun­de ein­zu­set­zen. Ehe und Fami­lie sind Ein­rich­tun­gen, die geför­dert und gegen jeg­li­ches Miß­ver­ständ­nis bezüg­lich ihrer Grund­wahr­heit ver­tei­digt wer­den müs­sen, denn jeder Scha­den, der ihnen zuge­fügt wird, ist in der Tat eine Ver­let­zung, die dem mensch­li­chen Zusam­men­le­ben als sol­chem bei­gebracht wird.“

Katechismus der Katholischen Kirche

Eben­so ver­weist Bischof Olm­sted auf den Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che: „Bei der Gewis­sens­bil­dung ist das Wort Got­tes Licht auf unse­rem Weg. Wir müs­sen es uns im Glau­ben und Gebet zu eigen machen und in die Tat umset­zen. Auch sol­len wir unser Gewis­sen im Blick auf das Kreuz des Herrn prü­fen. Wir wer­den dabei durch die Gaben des Hei­li­gen Gei­stes und das Zeug­nis und die Rat­schlä­ge ande­rer unter­stützt und durch die Leh­re der kirch­li­chen Auto­ri­tät gelei­tet“ (KKK, 1785).

Der Bischof von Phoe­nix schreibt dazu: „Ohne das Kreuz Chri­sti anzu­neh­men, kön­nen wir kein Leben in Ihm haben. Nur wenn wir ‚unser Kreuz jeden Tag anneh­men‘  und Ihm nach­fol­gen, kön­nen wir Sei­ne Jün­ger sein. Der Herr gibt uns das Gebot und auch die Gna­de dafür, es zu befol­gen, jeden Tag, begin­nend in der Fami­lie, in der wir durch die Gna­de Got­tes leben.“

Bischof Olm­steds Auf­satz wur­de mit einem Bild von der Hei­lig­spre­chung des Ehe­paars Lou­is und Marie Zelie Mar­tin ver­öf­fent­licht, den Eltern der hei­li­gen The­re­se von Lisieux, die am 18. Okto­ber 2015 von Papst Fran­zis­kus im Rah­men der zwei­ten Bischofs­syn­ode über die Fami­lie hei­lig­ge­spro­chen wur­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: The Catho­lic Sun (Screen­shot)